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4922 Homberg (Efze)
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 42. Homberg

Lendorf

Stadtteil · 183 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5,2 km nordwestlich von Homberg (Efze)

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen in einer Talweitung östlich des Lembachs. Kirche im nördlichen Randbereich der Siedlung. Halbkreisförmige Wegeführung im Westen und Süden bestimmt den Ortsumriss.

Im Ortsbereich treffen sich Straßen von Singlis, Uttershausen, Hebel, Mühlhausen, Lembach (Straße Uttershausen - Mühlhausen im Zuge einer alten Landstraße Paderborn - Hersfeld [= Bad Hersfeld]).

Ersterwähnung:

1221

Historische Namensformen:

  • Lintorp (1221) (Staatsarchiv Marburg Urkunden Kloster Spieskappel)
  • Lintdorf (1222)
  • Lintorff (1238)
  • Lintdorph (1238)
  • Lindtorph (1255)
  • Lindorff (1261)
  • Lentdorp, de (1310/15)
  • Linttorph (1311)
  • Leintdorff (1332)
  • Lentdorf (1338 / um 1350)
  • Lentorff, czu (1372)
  • Lentdorff (1423)
  • Lyntorff (1458)
  • Lendtorfer Feld, in (1562)
  • Lennttorff (1572)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1255: villa.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Alboldsberg,
  • Wüstung Bezingen.

Umlegung der Flur:

1894 und 1898

Älteste Gemarkungskarte:

1718

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3524301, 5658689
UTM: 32 U 524217 5656865
WGS84: 51.06279961° N, 9.345591559° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001100

Flächennutzungsstatistik:

  • 1537: 11 1/2 Huben des Kloster Haina, 22 1/2 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 1166 Land, 280 Wiesen, 103 Wald.
  • 1885 (Hektar): 465, davon 331 Acker (= 71.18 %), 66 Wiesen (= 14.19 %), 1 Holzungen (= 0.22 %)
  • 1961 (Hektar): 474, davon 1 Wald (= 0.21 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1537: 10 Köttner, 2 Beisassen (20 Rauchhühner) (vgl. Flächennutzung). 1575/85: 18 Hausgesesse.
  • 1639: 5 verheiratete, 2 verwitwete Hausgesesse.
  • 1742 und 1747: 33 Häuser bzw. Hausgesesse. 1767: 220 Einwohner.
  • 1834: 280, 1885: 308 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 308, davon 308 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 325, 1939: 321, 1950: 552, 1961: 410, 1970: 402 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 105 Land- und Forstwirtschaft, 74 Produzierendes Gewerbe, 15 Handel und Verkehr, 14 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 410, davon 341 evangelisch (= 83.17 %), 69 katholisch (= 16.83 %)
  • Um 1490: 12 wehrhafte Männer (8 Pflüge, 15 Fastnachtshühner).

Diagramme:

Lendorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1490: Amt Homberg.
  • 1376: Amt Homberg
  • 1462: Gericht auf der Efze
  • 1742: Amt Homberg; niederes Gericht Milchling, peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton und Friedensgericht Homberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Homberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Homberg
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname am Galgenstück im Südosten der Gemarkung.
  • 1742: Amt Homberg; niederes Gericht Milchling, peinliches Gericht Hessen.
  • vor 1822: Amt Homberg
  • 1822: Landgericht Homberg
  • 1832: Justizamt Borken
  • 1867: Amtsgericht Borken
  • 1968: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Borken)
  • 1970: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1332: Landgraf Heinrich verpfändet sein Dorf Lendorf an Heinrich von Urff.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil in die Stadtgemeinde Borken (Hessen) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1221/22: Die von Uttershausen erhalten vom Kloster Spieskappel Güter zu Lendorf.
  • 1226: Eberhard von Uttershausen gibt dem Kloster Spieskappel, Heinrich von Uttershausen dem Kloster Haina Güter zu Lendorf zurück.
  • 1229: Heinrich von Uttershausen schenkt dem Kloster Haina seinen ganzen Besitz zu Lendorf.
  • 1238: Graf Gottfried von Reichenbach übergibt dem Kloster Haina den Zehnten zu Lendorf, den er vom Kaiser zu Lehen hat; Heinrich von Uttershausen gibt dem Kloster Haina die Kirche, Zubehör und Zehnten zu Lendorf.
  • 1265: Der Markwald zu Lendorf je zu einem Drittel Eigentum des Kloster Haina, des Klosters Spieskappel und der Erbherren zu Lendorf.
  • 1266: eine strittige Hufe des Otto Hund zu Lendorf dem Kloster Haina zugesprochen.
  • 1269: Die vor 36 Jahren von Werner von Bischofshausen dem Kloster Haina verkaufte Hufe durch Hugo von Heiligenberg (aus dem Geschlecht von Uttershausen) dem Kloster Haina zugesprochen; Kloster Spieskappel verzichtet gegen Güter zu Lendorf auf die dortige Menweide; Meinrich von Uttershausen verzichtet gegen Kloster Haina auf Kirche, Zehnte und Güter zu Lendorf.
  • 1271: Die von Uttershausen verkaufen dem Kloster Haina ein Gehölz bei Lendorf.
  • 1272: Kloster Haina erwirbt von den von Uttershausen einen Wald und von Walter von Verna eine Hofstatt zu Lendorf sowie eine weitere Hufe.
  • 1273: Die von Willingshausen verkaufen dem Kloster Haina eine Hufe zu Lendorf.
  • 1293: König Adolf bestätigt dem Kloster Haina seinen Besitz, insbesondere den Zehnten zu Lendorf; ebenso 1298 König Albrecht.
  • 1304: Werner von Löwenstein-Westerburg verzichtet gegen Kloster Haina auf Güter zu Lendorf.
  • 1309: König Heinrich bestätigt Kloster Haina seinen Besitz.
  • Um 1310: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Lendorf.
  • 1311: Eine zwischen Jutta, Witwe des Konrad von Lendorf, und dem Kloster Haina strittige Hufe zu Lendorf wird dem Kloster zugesprochen, Ludwig von Uttershausen und Dietrich genannt Erforde verzichten auf ihre Ansprüche.
  • 1322: Erzbischof Matthias von Mainz bestätigt dem Kloster Haina seinen Besitz, darunter den Zehnten zu Lendorf.
  • 1324: König Ludwig bestätigt dem Kloster Haina seinen Besitz.
  • 1332: Landgraf Heinrich versetzt dem Heinrich von Urff Lendorf und Lembach.
  • 1338 / um 1350: Heinrich von Urff hat Lendorf als Homberger Burglehen.
  • 1372: Kloster Merxhausen erhält eine Rente aus einer halben Hufe zu Lendorf.
  • Kurz nach 1376: Die von Urff haben Lendorf als hessisches Burglehen.
  • 1423, 1429 und 1458: Die von Löwenstein-Westerburg belehnen mit ihrem Gut zu Lendorf.
  • 1490: Kloster Kartause hat Güter zu Lendorf.
  • 1546: Landgraf Philipp verschreibt aus einem Spieskappeler Gut zu Lendorf.
  • 1562: Derselbe belehnt die von Wehren mit dem Kleinland zu Lendorf.
  • 1669: Die von Löwenstein klagen bei der Regierung Kassel auf Anerkennung der Lehnsqualität des Gutes zu Lendorf, das die Witwe des Kammerrats Wiegand erblich gekauft hatte.
  • 1686: Dr. Bourdon (Kassel) hat 2 halbe Güter zu Lendorf von den von Löwenstein zu Lehen.
  • 1785: Die Familie Hucke und Dippel haben je ein halbes Gut zu Lendorf von den von Löwenstein zu Lehen.
  • 1838: Letzte Verlehnung durch die von Löwenstein.

Zehntverhältnisse:

1238: Graf Gottfried von Reichenbach übergibt dem Kloster Haina den Zehnten zu Lendorf, den er vom Kaiser zu Lehen hat; Heinrich von Uttershausen gibt dem Kloster Haina die Kirche, Zubehör und Zehnten zu Lendorf.

1242: Graf Gottfried von Reichenbach gibt dem Kloster Haina Zehnten zu Lendorf und Ulmes, die ihm die von Uttershausen zur Übergabe an Kloster Haina aufgelassen haben und die sie von ihm zu Lehen trugen.

1255: Kloster Haina hat Zehnten zu Lendorf inne.

1269: Die vor 36 Jahren von Werner von Bischofshausen dem Kloster Haina verkaufte Hufe durch Hugo von Heiligenberg (aus dem Geschlecht von Uttershausen) dem Kloster Haina zugesprochen; Kloster Spieskappel verzichtet gegen Güter zu Lendorf auf die dortige Menweide; Meinrich von Uttershausen verzichtet gegen Kloster Haina auf Kirche, Zehnte und Güter zu Lendorf.

1293: König Adolf bestätigt dem Kloster Haina seinen Besitz, insbesondere den Zehnten zu Lendorf; ebenso 1298 König Albrecht.

1322: Erzbischof Matthias von Mainz bestätigt dem Kloster Haina seinen Besitz, darunter den Zehnten zu Lendorf.

Ortsadel:

1235-1325.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 1235: sacerdos.
  • 1260: plebanus.
  • 1272: rector.
  • 1238: Heinrich von Uttershausen gibt dem Kloster Haina die Kirche, Zubehör und Zehnten zu Lendorf.
  • 1269: Meinrich von Uttershausen verzichtet gegen Kloster Haina auf Kirche, Zehnte und Güter zu Lendorf.

Pfarrzugehörigkeit:

1464: noch Pfarrei.

1486 und später: Filiale von Singlis.

Patronat:

1238: Heinrich von Uttershausen schenkt ecclesia zu Lendorf dem Kloster Haina, dem das Patronatsrecht zusteht.

1265: Patronat durch Schiedsspruch dem Kloster Haina zugesprochen, 1/3 der Kirche und des Kirchhofs dem Kloster Spieskappel, das 1/3 zum Bau beigetragen hat.

Ab 1527: Landgraf Patron.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lendorf, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4485> (Stand: 16.10.2018)
 
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