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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 30. Fritzlar

Kirchberg

Stadtteil · 190 m über NN
Gemeinde Niedenstein, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof; Sonstiges

Lagebezug:

5,5 km nordwestlich von Gudensberg.

Lage und Verkehrslage:

Unregelmäßig ausgebildetes Straßendorf mit dichter Gehöftanordnung im Tal der Ems und der einmündenden Matzoff unterhalb des Wartberges. Siedlung folgt der von Süden entlang der Ems kommenden und in Ortsmitte nach Nordosten abknickenden Straße Wehren - Wichdorf. Gutshof und Kirche mit wehrhaftem Friedhof in Spornlage am Ost-Rand des Ortes.

An der Straße Wehren - Wichdorf.

Ersterwähnung:

1019

Siedlungsentwicklung:

Unter dem ältesten Kirchenbau am Ost-Rand von Kirchberg (vgl. Ortskirche) frühmittelalterliches Gräberfeld ergraben; teilweise sehr reiche Grabausstattung; Gräberfeld (vorläufig) datiert auf um 700.

1 km nordwestlich von Kirchberg auf dem linken Ufer der Ems Funde karolingerzeitlicher Siedlungskeramik.

0,5 km nordwestlich von Kirchberg Keramikfunde, die von der römischen Kaiserzeit bis in die Karolingerzeit reichen.

Historische Namensformen:

  • Kirchberg (1020) [Monumenta Germaniae Historica scriptores 10, 201]
  • Kirhberc (1064)
  • Kyrchberc, de (1197)
  • Kyrberc, in (1209)
  • Kircperg (1253)
  • Kirchbereck, de (1259)
  • Kirperg (1270)
  • Kirperch (1274)
  • Kerberg (1275)
  • Kirberc (1290)
  • Kyrberg (1298)
  • Kericberg, de (1298)
  • Kirberg, in (1310/15)
  • Kyrcberg, in (1326)
  • Kerchberg (1438)
  • Kirpperg, zcu (1477)
  • Kyrcheberg (1485)
  • Kirchbergk (1559)
  • Kirchpergk (1575)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Um 1019: villa.
  • 1344: Dorf.
  • 1522: eygen Dorff.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Obermühle,
  • Haus Rübezahl,
  • Untermühle,
  • An den Weingärten,
  • Weißenthalsmühle,
  • Wüstung Gurthe,
  • Wüstung Hohenrod,
  • Wüstung Siechenhaus.

Umlegung der Flur:

1876/1877

Älteste Gemarkungskarte:

1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3520913, 5673483
UTM: 32 U 520831 5671653
WGS84: 51.19591022° N, 9.298119584° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634018020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 2066 Land, 292 Wiesen und Weinberge.
  • 1750 (Kasseler Acker): 1879 Land, 230 Wiesen, 44 Gärten, 187 Huten, 21 Wald.
  • 1885 (Hektar): 867, davon 552 Acker (= 63.67 %), 68 Wiesen (= 7.84 %), 152 Holzungen (= 17.53 %)
  • 1961 (Hektar): 893, davon 140 Wald (= 15.68 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 66 Hausgesesse.
  • 1631: 62 Familien. 1682: 66 Hausgesesse.
  • 1735: 70 Mannschaften. 1742 und 1747: 74 Häuser bzw. Hausgesesse.
  • 1834: 671, 1885: 722 Einwohner.
  • 1861: 714 evangelisch-reformierte, 12 jüdische Einwohner.
  • 1885: 722, davon 702 evangelisch (= 97.23 %), 0 katholisch, 20 Juden (= 2.77 %)
  • 1925: 620, 1939: 630, 1950: 893, 1961: 711 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 162 Land- und Forstwirtschaft, 143 Produzierendes Gewerbe, 44 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 711, davon 634 evangelisch (= 89.17 %), 70 katholisch (= 9.85 %)

Diagramme:

Kirchberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1064: Graf Werner erhält von Kloster Hersfeld das Dorf Kirchberg
  • 1066: Graf Werner gibt das Dorf Kirchberg wieder an das Kloster zurück
  • 1402: Hermann von Holzhausen verkauft Einkünfte aus Dorf und Gericht Kirchberg
  • 1403: Amt Gudensberg
  • 1430: Im Streit zwischen den Familie Hund, von Dalwigk und von Holzhausen erhalten die Hund das Dorf Kirchberg; die Hund werden vom Stift Hersfeld mit Dorf Kirchberg belehnt; folgend Belehnungen bis 1618
  • 1497: Hohes und niederes Gericht zu Kirchberg steht den Hund zu
  • 1522: Kirchberg ist Eigendorf der Hund
  • 1569: Die Hund und der Landgraf haben das Dorf (Landgraf erhält Rauchhühner und Hofschilling)
  • 1575/85: Amt Gudensberg; niederes Gericht: Hund, peinliches Gericht: Hessen
  • 1655: Nach Aussterben der Hund belehnt Landgraf Wilhelm die von Buttlar mit Hersfelder Lehngütern zu Kirchberg; folgend Belehnungen bis 1822
  • 1682: niederes Gericht von Buttlar, peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Gudensberg, Gericht Buttlar-Elberberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Niedenstein
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Fritzlar, Amt Fritzlar
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1575/85: Amt Gudensberg; niederes Gericht: Hund, peinliches Gericht: Hessen.
  • 1682: niederes Gericht von Buttlar, peinliches Gericht Hessen.
  • 1742: Amt Gudensberg, Gericht Buttlar-Elberberg.
  • 1807: Friedensgericht Niedenstein
  • vor 1822: Kurhessisches Amt Gudensberg
  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1064: Graf Werner erhält von Kloster Hersfeld das Dorf Kirchberg.

1066: Graf Werner gibt das Dorf Kirchberg wieder an das Kloster zurück.

1402: Hermann von Holzhausen verkauft Einkünfte aus Dorf und Gericht Kirchberg.

1403: Amt Gudensberg.

1430: Im Streit zwischen den Familie Hund, von Dalwigk und von Holzhausen erhalten die Hund das Dorf Kirchberg; die Hund werden vom Stift Hersfeld mit Dorf Kirchberg belehnt; folgend Belehnungen bis 1618.

1497: Hohes und niederes Gericht zu Kirchberg steht den Hund zu.

1522: Kirchberg ist Eigendorf der Hund.

1569: Die Hund und der Landgraf haben das Dorf (Landgraf erhält Rauchhühner und Hofschilling).

1575/85: Amt Gudensberg; niederes Gericht: Hund, peinliches Gericht: Hessen.

1655: Nach Aussterben der Hund belehnt Landgraf Wilhelm die von Buttlar mit Hersfelder Lehngütern zu Kirchberg; folgend Belehnungen bis 1822.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform der Stadtgemeinde Niedenstein eingegliedert, deren Stadtteil Kirchberg seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Bis 1064 läßt sich Kirchberg im Besitz der Reichsabtei Hersfeld nachweisen.
  • 1064 überträgt Kaiser Heinrich IV. Kirchberg an den Grafen Werner (III.), was von Seiten der Abtei als Entfremdung des Besitzes verstanden wird.
  • 1066 erfolgt die Rückgabe Kirchbergs an Hersfeld durch den sterbenden Werner (III.).
  • 1209 und um 1310: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Kirchberg.
  • 1290: Deutscher Orden Marburg erhält 2 Mansen zu Kirchberg.
  • 1339: Kloster Breitenau verleiht Güter zu Kirchberg.
  • 1354: Die von Holzhausen verkaufen den von Hardenberg eine Korngülte aus Kirchberg.
  • 1368: Kloster Breitenau verlehnt 10 Äcker vor Kirchberg.
  • 1395: Die Ebbertshöhe vor Kirchberg am Wartberg ist von Falkenberger Lehen.
  • 1428: Die von Heyne verkaufen der Philipp-Jakob-Kapelle zu Fritzlar eine Korngülte von einem Haus zu Kirchberg.
  • 1477-1554: Die von Falkenberg belehnen aus Kirchberg.

Zehntverhältnisse:

1275: Stift Fritzlar hat Flachszehnten zu Kirchberg.

1556: Die Hund haben Zehnten zu Kirchberg vom Stift Fritzlar inne.

1832: Ablösung des Zehnten.

Ortsadel:

1197-1352.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1019: capella.
  • 1326: viceplebanus.
  • 1339: plebanus.
  • 1344: Kirche und befestigter Kirchhof.
  • Im Kircheninnern Mauerreste eines frühmittelalterlichen Vorgängerbaus ergraben (vielleicht 8. Jahrhundert), der auf einem ebenfalls frühmittelalterlichen Gräberfeld errichtet worden ist (vgl. Siedlungsentwicklung).

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

1557: Gleichen vorübergehend mit Kirchberg verbunden.

1835 und später: Vikariat Riede (Altkreis Wolfhagen).

Patronat:

Patronat wohl seit 1313 im Besitz der Dorfherrn (Hund).

1344 versprechen die Hund dem Landgraf, Kirche und Kirchhof nicht ohne seinen Willen zu befestigen.

1401 bekennen die Hund, dass der Abt von Hersfeld sie mit dem Kirchlehen zu Kirchberg belehnt habe.

1534 einigen sich die Hund mit denen von Grifte, die Pfarrei alternierend zu besetzen;

1569 und 1575/85: nur die Hunde als Patrone bezeichnet.

1660-1835: Buttlar-Elberberg Patrone.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Hermann Tyllenberg bis 1552, war bis 1527 Inhaber des Hochaltars zu Fritzlar

Juden:

1750: 3 Schutz- und Handelsjuden.

1835: 12, 1861: 12 Juden.

Friedhof liegt in Obervorschütz.

Wirtschaft

Zoll:

1575/85: 100 Gulden Landzoll, 90 Gulden Wollzoll (mit Gudensberg).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kirchberg, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4464> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde