Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Kerstenhausen

Stadtteil · 195 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof; Sonstiges

Lagebezug:

8,5 km südwestlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss auf Mittelterrasse des Schwalmtales über der Einmündung des von Norden heranfließenden Siegel-Baches. Kirche in zentraler Lage; umlaufende Wegeführung. Im Süden Gutshof an der Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel). Moderne Wohnsiedlungen im Norden und Westen. An einem Nebenarm der Schwalm 2 Mühlen.

Im Süden verläuft die Bundesstraße 3 (alte Landstraße Frankfurt (Main) - Kassel).

Ersterwähnung:

1044

Historische Namensformen:

  • Cristinehysen (1044)[Monumenta Germaniae Historica DH III Nr. 120]
  • Kirstenhusen, in (1200/1220) [Klosterarchive 4: Die oberhessischen Klöster 2 S. 257-258, Nr. 546 = S. 376-377, Anhang II (Volltext)]
  • Kyrstenhusen, in (1209)
  • Kirstinhusin, in (um 1250) [1. H. XIV]
  • Kyrstenhuse, in (um 1255)
  • Kerstenhusen, in (um 1310)
  • Kirstehusen, de (1310/15)
  • Groß, maior Kerstenhusen (1314)
  • Kirsteinhusin (1338/um 1350)
  • inferior et superior Cresteynhusen (um 1340)
  • Grozinkerstinhusin (1348)
  • Kerstinhusin (1348)
  • Kirstenhußen (1501)
  • Kristenhusen (1518)
  • Kirstenhaussen (1553)
  • Kerstenhausen (1559)
  • Kirstenhaußen (1573)
  • Kerschenhaußen (1671)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1291: villa.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Ortsteil Auf dem Kerstenberg,
  • Obere Schwalmmühle,
  • Untere Schwalmmühle,
  • Wüstung Kleinkerstenhausen,
  • Wüstung Klostermühle,
  • Wüstung Schlagmühle.

Umlegung der Flur:

1904

Älteste Gemarkungskarte:

1732/1733

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3515233, 5659059
UTM: 32 U 515153 5657235
WGS84: 51.06643693° N, 9.21625513° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 774 Land, 186 Wiesen, 867 Wald.
  • 1885 (Hektar): 528, davon 238 Acker (= 45.08 %), 44 Wiesen (= 8.33 %), 205 Holzungen (= 38.83 %)
  • 1961 (Hektar): 532, davon 213 Wald (= 40.04 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1639: 8 verheiratete, 4 verwitwete Hausgesesse.
  • 1724: 77 Personen. 1742: 43 Häuser. 1747: 40 Hausgesesse. 1774: 322 Einwohner.
  • 1834: 468, 1885: 408 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert
  • 1885: 408, davon 401 evangelisch (= 98.28 %), 1 katholisch (= 0.25 %), 6 Juden (= 1.47 %)
  • 1925: 394, 1939: 378, 1950: 636, 1961: 543, 1970: 560 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 84 Land- und Forstwirtschaft, 131 Produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 543, davon 495 evangelisch (= 91.16 %), 40 katholisch (= 7.37 %)
  • Um 1570 und 1575/85: 37 Hausgesesse.

Diagramme:

Kerstenhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1044: in pago Hassis et in comitatu Geronis comitis
  • 1338-1378: Amt Homberg
  • 1482: Amt Borken
  • 1504: Heinrich von Löwenstein erhält bei Teilung ein Viertel des Gerichts Kerstenhausen
  • 1575/85 und später: Amt Borken; niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Borken
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1338: Die von Löwenstein haben Dorf Kerstenhausen als landgräfliches Burglehen inne.

1504: Heinrich von Löwenstein erhält bei Teilung ein Viertel des Gerichts Kerstenhausen.

1348: villani und Dorfleute.

1553: Dorfschaft.

1569: Gref.

1678: Gemein.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinde Kerstenhausen in die Gemeinde Kleinenglis eingegliedert. Kleinenglis und Kerstenhausen wurden dann am 1.1.1974 Stadtteile von Borken (Hessen).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1044: König Heinrich III. schenkt seinem Kanzler Adalger ein Drittel der Kirche und Güter zu Kerstenhausen, die er geerbt hatte.
  • 1209: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Kerstenhausen; folgend um 1255 ein predium, und noch um 1450 Einkünfte.
  • 1200/1220: Stift Wetter hat Mannlehen von 1 Hufe in Kerstenhausen.
  • Um 1250: Stift St. Stephan - Mainz hat Einkünfte zu Kerstenhausen.
  • 1291: Die Gebrüder Matz entsagen gegen den Deutschen Orden Marburg auf Güter zu Kerstenhausen, die dieser von Berthold von Wildungen und Wilhelm von Homberg kaufte.
  • 1314: Die von Löwenstein-Westerburg verkaufen Güter zu Kerstenhausen an die Kirche Urff.
  • 1348: Stift Fritzlar besitzt Allod zu Kerstenhausen, das Budancz bebaute.
  • 1351: Werner von Löwenstein-Westerburg verschreibt dem Stift Fritzlar einen Zins aus Kerstenhausen.
  • 1440: Kloster Spieskappel hat Vorwerk zu Kerstenhausen.
  • 1478: Eckebrecht von Grifte setzt seiner Frau einen Zins zu Kerstenhausen aus.

Zehntverhältnisse:

1523 und 1550: Werner von Wallenstein belehnt die von Wildungen mit einem halben und einem Sechstel Zehnten zu Kerstenhausen.

1571: Burkhard von Wildungen verschenkt seinen Zehnten zu Kerstenhausen.

1750: Landgraf Friedrich belehnt die von Boyneburg mit einem Drittel des großen und kleinen Zehnten zu Kerstenhausen; folgend Belehnungen bis 1762.

Ortsadel:

1291.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1044: ecclesia.
  • 1311: viceplebanus.

Pfarrzugehörigkeit:

1527: selbständige Pfarrei.

1556, 1569, 1585: Kerstenhausen mit Arnsbach verbunden.

Vor 1780 und später: Kerstenhausen Filiale von Arnsbach.

Patronat:

1477: Stift Hersfeld belehnt die von Falkenberg mit der Kirche zu Kerstenhausen; folgend Belehnungen bis 1622.

1575: Patronat zwischen von Löwenstein und Landgraf alternierend.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Kalbach 1530ff.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf.

Juden:

Der Ort gehört zur Gemeinde Zwesten.

zeitweilig lebte eine jüdische Familie hier.

Kultur

Historische Ereignisse:

1635: Zur Hälfte in Asche gelegt.

Wirtschaft

Mühlen:

2 Mühlen an einem Nebenarm der Schwalm.

Markt:

Mitte 19. Jahrhundert jährlich 2 Pferdemärkte.

Zoll:

1575/85: 30 Gulden Landzoll.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kerstenhausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4462> (Stand: 16.10.2018)
 
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