Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Ober-Hörgern

Stadtteil · 163 m über NN
Gemeinde Münzenberg, Wetteraukreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

14,5 km nördlich von Friedberg

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen an einem nach Südosten in die Wetter-Niederung auslaufenden Schlepphang. Hauptkomplex der Siedlung zieht sich straßendorfartig entlang eines hangparallel verlaufenden Weges sowie leicht geschwungen entlang der talwärts führenden Dorfstraße als der Hauptsiedlungsachse. Kirche am Ost-Rand des Ortes.

Durch Hörgern führt die B 488.

Nach Osten abgesetzt Bahnhof der Eisenbahnlinie Butzbach/West – Grünberg ("Wettertalbahn I") (Inbetriebnahme der Strecke 28.3.1904) bis Stilllegung der Strecke am 27.5.1961.

Ersterwähnung:

1232

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1857

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482303, 5592001
UTM: 32 U 482235 5590204
WGS84: 50.46356606° N, 8.749709256° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

440015030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1323, davon 1149 Acker, 174 Wiesen, - Wald. 1961 (ha): 325, davon - Wald.

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 315 Einwohner
  • 1885: 349 Einwohner
  • 1925: 333 Einwohner
  • 1939: 330 Einwohner
  • 1950: 585 Einwohner
  • 1961: 361 Einwohner
  • 1970: 344 Einwohner
  • 1830: 323 evangelische Einwohner
  • 1961: 288 evangelische, 71 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers): 124 Land- u Forstwirtsch 61 Produzierendes Gewerbe 20 Handel Verkehr u Nachrichtenübermittlung 9 Dienstleistungen und Sonstiges

Diagramme:

Ober-Hörgern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Nieder-Weisel
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Lich (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1971: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Friedberg
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Wetteraukreis

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1822: Landgericht Lich
  • 1879: Amtsgericht Butzbach

Herrschaft:

Bei der Falkensteiner Teilung 1271 erhält Philipp v. Falkenstein von der Butzbacher Linie u.a. die Ger.barkeit zu Ober-Hörgern. 1371 befreit Philipp v. Falkjenstein Kloster Arnsburg von der Teilnahme am Ungebotenen Ding zu Hörgern (vgl. auch Eberstadt, Gericht). 1478 erwirbt Gf. Otto v. Solms als Vormund der Kinder des verstorbenen Gf. Kuno v. Solms die königstein. Anteile an Butzbach, Grüningen, Nieder-Weisel mit Hausen, die beiden Dörfer Eberstadt und Hörgern und am Hain bei Arnsburg (Solmser Urkunden 2 Nr. 1762).

Gemeindeentwicklung:

Am 21.12.1971 im Zuge der Gebietsreform Aufgabe der Selbständigkeit, Teil der neugebildeten Stadt Münzenberg und Ausgliederung aus dem Kreis Gießen in den Kreis Friedberg/Wetterau

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1272 genehmigen Philipp u. Werner von Falkenstein einen Güterverkauf von Ober-Hörgern an Kloster Arnsburg (Gudenus, Codex diplomaticus sive anecdotorum 3 Nr. 686). 1285 überträgt der Münzenberger Bürger Heinrich gen. Wagengezzere Kloster Arnsburg 12 Morgen Ackerland in Ober-Hörgern. 1293 übergibt Berta, Witwe des Heinrich Wanngießers, Kloster Arnsburg Güter zu Ober-Hörgern. 1301 schenkt der Münzenberger Bürger und Schöffe Siegfried Bumeistir Kloster Arnsburg 3 Morgen Ackerl. in Hörgern (vgl. auch Nieder-Hörgern). 1302 übertragen die v. Falkenstein Arnsburg eine Gülte u.a. von Güter in Ober-Hörgern. 1307 weisen die Falkensteiner Arnsburg eine Gülte u.a. aus Gütern in Ober-Hörgern zu. 1324 Nr. 566! 1345 erhält Arnsburg die Seelgerätstiftung des Gilbracht Banseche über einen Zins von seinen Gütern zu Hörgern (vgl. Nieder-Hörgern). 1354 kauft Arnsburg Gülten von Güterbesitz des Münzenberger Bürgers Konrad Kolnhauser auf den 3 Feldern zu Hörgern (wenn nicht Nieder-Hörgern) 1363 verkauft der Konvent zu Weisel Kloster Arnsburg sein Gut zu Ober-Hörgern (6 Hufen). 1398 stiftet Ritter Johann v. Garbenheim Kloster Arnsburg eine Gülte aus Frongut zu Ober-Hörgern, 1416 erfolgt eine solche Stiftung durch Ritter Walter v. Londorf; 1427 bekennt Ritter Heinrich v. Weitershausen, daß er sich hinsichtlich seiner Forderung gegen Arnsburg betr. eines Teils der klösterl. Güter zu Ober-Hörgern mit diesem verglichen habe.(Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 201, 254, 296, 301, 357, 727, 750, 811, 918, 1126, 1169, 1180). 1290 sind die Falkensteiner Lehnsherren der Mühle zu Ober-Hörgern (Keunecke, Münzenberger Nr. 505). 1307 verkaufen die Falkensteiner Kloster Arnsburg u. a. eine Gülte zu Obert-Hörgern (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 357).
  • 1332 erlaubt Kuno v. Falkenstein dem Ritter Johann von Fischbach, seine Frau mit 1 1/2 Hufen zu Ober-Hörgern zu bewittumen (Becker, Salbücher des Kreises Alsfeld, S. 44, Nr. 3). 1342 ist Ulrich v. Hanau Lehnsherr über 8 Mo. zu Ober-Hörgern (Keunecke, Münzenberger Nr. 545). 1347 erhält Dietrich v. Muschenheim von Kuno v. Falkenstein ein Lehen zu Ober-Hörgern (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 987). 1369 einigen sich Johann v. Bellersheim und Philipp v, Falkenstein über die Gülte zu Ober-Hörgern (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 1382).
  • 1420 besitzt Konrad v. Bellersheim von den Grafen von Solms ein münzenberg. Mannlehen zu Ober-Hörgern (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 2579). - 1479 verkaufen die von Eppstein-Königstein den Grafen von Solms u.a. die Hälfte der Mühle zu Ober-Hörgern (Solmser Urkunden 2 Nr. 1773). 1549 u. 1556 sind Gefälle zu Bergheim b. Grüningen, Hörgern, Kolnhausen, Birklar solmsisches Mannlehen der von Muschenheim (Solmser Urkunden 3 Nr. 2910). (Ober-Hörgern?). 1551 vermachen die Grafen von Solms dem Amtmann zu Orb, Lorenz von Fischborn, eine halbe Hufe zu Ober-Hörgern.

Zehntverhältnisse:

1250/60 ist die Hälfte des Zehnten zu Hörgern eppsteinsches Lehen Eberwins Cranich v. Cransberg; wie 1282/83 ersichtlich, stammen diese Zehntrechte aus ehemaligem Besitz der 1170 ausgest. Grafen von Nürings und deren Lehnsträgers Wortwin v. Homburg (Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 61 Nr. 72, S. 85 Nr. 165). 1330 genehmigt Ulrich II. v. Hanau, daß Werner v. Köbel seine Tochter auf gen. Münzenbergische Lehen, u.a. mit dem Zehnten zu Ober-Hörgern, bewittumt (Urkundenbuch der Herren von Hanau 2 Nr. 357). 1348 verkauft der Ritter Rudolf v. Ortenberg den Zehnten zu Ober-Hörgern Eberhard Malberen u. seinen rechten Lehnserben. 1557 erhält der Oberamtmann zu Hanau, Engelbrecht Halber von Hörgern, einen Teil des Zehnten zu Ober-Hörgern mit einem Hof mit Ländereien zu münzenberg. Mannlehen. Nach 1581 bekunden die Grafen von Solms, daß sie ihren Amtmann Hans Eitel sowie Hans v. Bellershaim erlaubt haben, ihre Münzenberger Mannlehen, bestehend aus 4 zehntfreien Hufen zu Bellersheim u. 1 Hufe zu Hörgern zu verkaufen, dafür aber Solms 5 Hufen aus ihren Eigengütern zu Rodheim v.d. H. aufzutragen. 1582 wird Kaspar Waise v. Fauerbach von Solms mit dem Zehnten zu Hörgern belehnt. 1589 verpfändet Gernand v. Schwalbach Graf Hermann Adolf v. Solms-Münzenberg Gülten aus der Mühle bei Griedel, zu Nieder- u. Ober-Hörgern (Solmser Urkunden 3 Nr. 2977, 3051, 3424, 3432, 3458, 3540).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1612 Filial von Gambach, danach abwechselnd bei Eberstadt und Gambach, 1648 endgültig mit Gambach vereint.

Patronat:

Grafen zu Solms-Lich

Bekenntniswechsel:

Da bis 1612 Filial von Gambach, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Gambacher Pfarrer Peter Ratz Mitte des 16. Jahrhunderts.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1580er Jahre, 1637 lutherisch, nach 1648 wieder reformiert.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Mariengreden, Dekanat Friedberg, Sendbezirk Gambach

Kultur

Schulen:

Schule im Dreißigjährigen Krieg vorhanden.

Wirtschaft

Mühlen:

Wettermühlen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Ober-Hörgern, Wetteraukreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/12178> (Stand: 16.10.2018)
 
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