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Herzogtum Nassau 1819 – 39. Kemel

Kemel

Ortsteil · 517 m über NN
Gemeinde Heidenrod, Rheingau-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Römerkastell

Lagebezug:

4,5 km nordwestlich von Bad Schwalbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf hoher Erhebung im westlichen Taunus im Aulbachtal. Ursprünglich befestigter, ovaler Ortskern

Ersterwähnung:

812

Siedlungsentwicklung:

Der heutige Ortskern von Kemel entstand an der Stelle eines römischen Numeruskastells. Die evangelische Pfarrkirche liegt in der vorderen, dem Limes zugewandten Hälfte des Wehrbaus. Das Kastell hat bis zum Ende des Limes in der Mitte des 3. Jahrhunderts seine Funktion erfüllt. Der spätere Ort entstand in den Ruinen des Kastells.

Am 31.12.1971 zur neugebildeten Gemeinde Heidenrod.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (um 1260)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3429863, 5559255
UTM: 32 U 429816 5557471
WGS84: 50.1652947° N, 8.017313388° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

439005070

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 691, davon 211 Acker (= 30.54 %), 48 Wiesen (= 6.95 %), 346 Holzungen (= 50.07 %)
  • 1961 (Hektar): 694, davon 412 Wald (= 59.37 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1583: 25 Hausgesäße
  • 1809: 438 Einwohner (16 Juden)
  • 1827: 426
  • 1885: 360, davon 299 evangelisch (= 83.06 %), 45 katholisch (= 12.50 %), 16 Juden (= 4.44 %)
  • 1961: 415, davon 291 evangelisch (= 70.12 %), 120 katholisch (= 28.92 %)
  • 1970: 652

Diagramme:

Kemel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1530: Hessische Niedergrafschaft, Amt Hohenstein
  • 1629: Hessische Niedergrafschaft, Amt Hohenstein
  • 1806-1813: Kaiserreich Frankreich, Niedergrafschaft Katzenelnbogen (sog. pays reservés unter dem vom Departement Donnersberg beauftragten Präfekten Balthasar Pietsch; Verwaltung weiterhin in Langenschwalbach)
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Langenschwalbach
  • 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk VI (Kreisamt Langen-Schwalbach)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Langenschwalbach
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden,Untertaunuskreis
  • 1968: Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis

Altkreis:

Untertaunuskreis

Gericht:

  • 1816: Amt Hohenstein
  • 1817: Amt Langenschwalbach
  • 1849: Justizamt Langenschwalbach
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Langenschwalbach
  • 1867: Amtsgericht Langenschwalbach
Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ursprünglich vermutlich vom Mainzer Erzstift als Lehen ausgetan. Im Teilungsvertrag der Grafen von Katzenelnbogen um 1260 gelangt Kemel an die jüngere Linie unter Graf Eberhard. 1480 ist Kemel in den Akten der Marburger Regierung der Landgrafen von Hessen verzeichnet.
  • Ende des 13. Jahrhunderts besitzt das Mainzer Mariengradenstift Hufen in Kemel.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 812: Kirche (ecclesie)
  • Spätromanischer wehrhafter Westturm aus dem 13. Jahrhundert.
  • 1316: Pfarrer

Patrozinien:

  • Katharina; Maria (1585)

Pfarrzugehörigkeit:

1401 gehört Hohenstein zum Kirchspiel, wo 1353 ein Kaplan vorkommt und 1453 eine neue Kapelle geweiht wird. 1585 werden als zum Kirchspiel gehörig genannt: Hof Dornbach (wüst), Huppert, Springen, Wisper sowie der Hof Giesshübel. Anfang des 17. Jahrhunderts der Erlenhof, 1629 der Hof Hinterforst (wüst). Wahrscheinlich gehörten auch der Hof Lieberg (wüst) und Watzelhain dazu.

Patronat:

1585 haben die Landgrafen von Hessen die Kollatur

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Walter Schellemann aus Brabant um 1534

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605. Pfarrer Martin Dentatus (Zahn) wurde schon 1600 wegen seiner streng lutherischen Anschauungen abgesetzt. 1626 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat des Propstes von St. Moritz in Mainz

Kultur

Schulen:

1553 Einrichtung einer Kirchspielschule neben der Kirche.

Wirtschaft

Markt:

1488: Markt

Zoll:

1403 erhält Henne Specht von Bubenheim von Graf Johann von Katzenelnbogen jährlich am ersten Fastensonntag vom Zoll zu Kemel als Hohensteiner Lehen 4 Mark.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kemel, Rheingau-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10785> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde