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5714 Kettenbach
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Herzogtum Nassau 1819 – 33. Dörsdorf

Kettenbach

Ortsteil · 250 m über NN
Gemeinde Aarbergen, Rheingau-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Kloster

Lagebezug:

11,1 km nördlich von Bad Schwalbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossener Ort mit regelhaften Grundrißmerkmalen über dem Scheidertal kurz vor seinem Übergang ins Aartal.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Diez – Wiesbaden ("Aartalbahn";"Langenschwalbacher Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1894) (bis Stilllegung der Strecke 1983).

Ersterwähnung:

845

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • locus (8. /9. Jahrhundert)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3434171, 5568098
UTM: 32 U 434122 5566311
WGS84: 50.24527866° N, 8.076067146° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

439001030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 474, davon 254 Acker (= 53.59 %), 33 Wiesen (= 6.96 %), 164 Holzungen (= 34.60 %)
  • 1961 (Hektar): 476, davon 154 Wald (= 32.35 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1628: 25 Haushaltungen
  • 1630: 28 Haushaltungen (22 kronbergisch 6 nassauisch)
  • 1661: 25 Haushaltungen (22 kronbergische 3 nassauisch)
  • 1747: 46 Wohnhäuser
  • 1821: 329 Einwohner
  • 1885: 397, davon 358 evangelisch (= 90.18 %), 2 katholisch (= 0.50 %), 37 Juden (= 9.32 %)
  • 1961: 1452, davon 985 evangelisch (= 67.84 %), 435 katholisch (= 29.96 %)
  • 1970: 1862 Einwohner

Diagramme:

Kettenbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 845: in pago Logonensi (Lahngau)
  • 1787: Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Burgschwalbach
  • 1803: Nassau-Usingen, Kirchspiel Kettenbach
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Wehen
  • 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk VI (Kreisamt Langen-Schwalbach)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Wehen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden,Untertaunuskreis
  • 1968: Regierungsbezirk Darmstadt, Untertaunuskreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Rheingau-Taunus-Kreis

Altkreis:

Untertaunuskreis

Gericht:

  • 1499: Hubengericht mit 14 Schöffen
  • 1548 Zentgericht Kettenbach mit Oberhof in Frankfurt (Main). Zum Umfang siehe Mittelpunktfunktionen
  • bis 1816: Amt Katzenelnbogen
  • 1816: Amt Wehen
  • 1849: Justizamt Wehen
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Wehen
  • 1867: Amtsgericht Wehen
  • 1879: Amtsgericht Langenschwalbach

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 zur Gemeinde Aarbergen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 845 schenkt König Ludwig der Deutsche dem von seinem Getreuen Gebhard errichteten Stift zu Kettenbach im Lahngau die villa Lierscheidt und einige Besitztümer in der Mark Hahnstätten. 879 schenkt Graf Gebhard dem Stift Gemünden dominicale quondam Kettenbach mit Zubehör und Kirche. Im 8./9. Jahrhundert hat das Kloster Lorsch in Dörsdorf und Kettenbach Besitz von 4 Hufen, 4 Hofstätten, dazu Wiesen, Wald, 3 Rodeplätze, eine Mühle und 15 Hörige.
  • 1326 verpfändet Graf Heinrich von Weilnau die Hälfte des Gerichts Kettenbach an Propst Siegfried von Runkel, der die Pfandschaft an Graf Gerlach von Nassau weiter verkauft. 1405 wird die Pfandschaft in einen Erbkauf umgewandelt.
  • 1327 wird Kettenbach von Graf Gerlach seiner Gemahlin Agnes als Wittum überschrieben. 1355 gelangte der Ort in der Landesteilung an Nassau-Weilburg. 1391 verpfändete Graf Philipp I. von Nassau-Weilburg einen Anteil an Kettenbach an Johannvon Reifenberg. 1666 von Graf Johann Ludwig von Nassau-Ottweiler dem kurmainzischen Obersten Friedrich Koeth von Wanscheidt verkauft, von dem er noch im gleich Jahr an die von Cronberg überging.
  • Mit der anderen Hälfte des Gerichtes sind 1448, 1501, 1503, 1590 die von der Leyen vom Stift Gemünden belehnt. 1596 Verkauf an Hessen-Kassel, von deiesm 1602 an Philipp von Cronberg, dessen Nachkommen 1666 das gesamte Gericht innehaben. Sie verkaufen es 1669 an die Grafen von Vehlen, von denen es 1677 Franz Wilhelm, Freiherr von Galen, Erbkämmerer des Stiftes Münster, erwarb. Die von Galen müssen 1721 gegen Rückerstattung der Kaufsumme den 1666 an Koeth von Wascheidt übergegangenen nassauischen Anteil des Gerichtes an Nassau-Ottweiler und Nassau-Saarbrücken abtreten. 1777 erwarb Nassau-Usingen die andere Hältte hinzu.
  • Weitere Gefälle hatten die Gräfin Johanna von Nassau-Merenberg (1373), die Grafen von Katzenelnbogen (1250/60), Friedrich Bocappil und Kloster Berbach.

Zehntverhältnisse:

879 schenkt Graf Gebhard dem Stift Gemünden den ganzen Zehnten des Kirchspieles Kettenbach. 1628 gehört der große und der kleine Zehnte dem Stift.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 845: monasterium
  • 879: ecclesia
  • 1213: Kleriker
  • Heutige Pfarrkirche: Saalbau von 1751

Patrozinien:

  • Salvator (845) und Petrus (845)

Pfarrzugehörigkeit:

879 werden Daisbach, Hausen über der Aar, Haynhausen (wüst), Neunhäuser Hof (wüst), Niederkettenbach, Oberkettenbach, Oberhäuser Hof, Rückershausen und Selbach zum Kirchspiel gezählt.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Trier, Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Dekanat Kirberg

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kettenbach, Rheingau-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10787> (Stand: 16.10.2018)
 
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