Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Dreieichenhain

Stadtteil · 166 m über NN
Gemeinde Dreieich, Landkreis Offenbach 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Mühle; Stadt

Lagebezug:

12 km südwestlich von Offenbach

Lage und Verkehrslage:

Bahnhof der Eisenbahnlinie Dreieich/Buchschlag – Ober-Roden ("Dreieichbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.4.1905).

Ersterwähnung:

1085

Siedlungsentwicklung:

Stadtenwicklung in enger Anbindung an die Burg als dem Verwaltungsmittelpunkt der Dreieich unter den Herren von Münzenberg und den Falkensteinern als deren Nachfolgern

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • munitio (1076)
  • castrum (1232)
  • villa (1275)
  • oppidum (1318)
  • curia (1294)
  • Sloße zum Hayne gelegen in der Dryeiche, in Burg und Stadt doselbis zitiert nach Decker, Dreieichenhain, S. 94

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Stadtenwicklung in enger Anbindung an die Burg als dem Verwaltungsmittelpunkt der Dreieich unter den Herren von Münzenberg und den Falkensteinern als deren Nachfolgern

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3479042, 5540825
UTM: 32 U 478975 5539048
WGS84: 50.00338635° N, 8.706614541° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

438002020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1970, davon 702 Acker, 141 Wiesen, 1127 Wald (Stadtgemarkung). Der Forst Dreieich umfasst insgesamt 10762 Morgen, davon 36 Wiesen, 10726 Wald
  • 1961 (Hektar): 580, davon 19 Wald (= 3.28 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1829: 894 Einwohner
  • 1961: 5073, davon 3773 evangelisch (= 74.37 %), 926 katholisch (= 18.25 %)
  • 1970: 6858

Diagramme:

Dreieichenhain: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Fürstentum Isenburg-Birstein, Anteil an der oberen Grafschaft Isenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich
  • 1816: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Oberamt Offenbach, Amt Dreieich (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig)
  • 1820-1823: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Dreieich zu Dreieichenhain (zur Standesherrschaft Isenburg gehörig)
  • 1823: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Offenbach
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Offenbach
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Offenbach
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Landkreis Offenbach
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Offenbach
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Offenbach

Altkreis:

Offenbach

Gericht:

  • 1820: standesherrliches Amt Dreieich
  • 1823: Landgericht Offenbach
  • 1853: Landgericht Langen
  • 1879: Amtsgericht Langen

Herrschaft:

1256 Ersterwähnung von Bürgern: castrenses et cives in Mintzenberg et Hagen

1318 trägt Philipp von Münzenberg-Falkenstein seinen Teil an der Burg und Stadt Hain dem Abt von Fulda zu Lehen auf.

1718 Bestätigung der Stadtrechte durch Graf Wolfgang Ernst von Isenburg

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1977 zur Stadt Dreieich.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ursprünglich Stammburg der Herren von Hagen, die sich später nach Münzenberg benennen. 1232 übergibt Johann, genannt von Heusenstamm, seine Güter in der Burg Hain und einen zugehörigen Garten vor den Wällen seinem Verwandten Ulrich von Münzenberg und empfängt sie als Lehen zurück. 1275 teilen sich Philipp und Werner von Falkenstein die Burg Dreieichenhain mit allem Zubehör. 1256 folgen die Falkensteiner auf die Münzenberger, wobei Hanau eine Anteil behält.
  • Nach dem Aussterben der Falkensteiner 1418 waren zunächst Sayn und Isenburg in gemeinsamen Besitz bis Isenburg die übrigen an Kronberg und Solms verpfändeten Anteile 1486 erwarb. Der Hanauer Anteil gelangte 1710 an Isenburg. 1816 hessen-darmstädtisch.
  • 1210-1220 schenkt Ludwig, der Sohn des Giselhers, dem Kloster Patershausen 2 Morgen Ackerland

Zehntverhältnisse:

Zur Zent gehören 1556 Hain, Langen, Egelsbach, Götzenhain, Sprendlingen, Dietzenbach, Offenthal, Dörrhof (wüst), Alter Hof (wüst).

1568 ist Isenburg-Büdingen Zehntherr

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1267: ecclesia, plrbanus
  • 1346: Pfarrei
  • 1401 Spitalskirche

Patrozinien:

  • Pankratius und Markus und Wolfgang

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche: Sprendlingen; zum Kirchspiel werden Offenthal und die Wüstung Alter Hof gerechnet

Patronat:

vor 1255 Münzenberg, ab 1256 Falkenstein (5/6) und Hanau (1/6), ab 1304 Isenburg (5/6) und Hanau-Lichtenberg (1/6)

Bekenntniswechsel:

Die Einführung der Reformation wurde zunächst von Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg verhindert, obwohl eine evangelische Bewegung seit 1525 nachweisbar ist.

Erster evangelischer Pfarrer: Valentin Breidenstein 1549-1566

Neben der lutherischen Gemeinde bestand 1614-1632 eine reformierte. 1632-1633 war die Stadt lutherisch, 1633-1635 reformiert, 1635-1643 lutherisch, anschließend bestanden wieder eine lutherische sowie eine reformierte Gemeinde.

1830 Vereinigung der lutherischen und reformierten Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat St. Viktor in Mainz, Landkapitel Groß-Gerau

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johannes Schehr um 1571

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Die Burg Hain fungierte in salischer Zeit als Verwaltungsmittelpunkt des Wildbannes Dreieich, der sich aus dem Königsforst Dreieich entwickelt hatte.

Mühlen:

1341 geben Ulrich von Hanau und Philipp von Falkenstein eine Mühle bei dem alten Turm Dietrich Russe und seiner Ehefrau Agnes gegen 6 Schilling und 5 Hühner in Erbleihe. 1380 verkauft Dietrich Broch seinen Teil an der Rußenmole hinter dem alten Turm. 1430 die Scharmole. 1489 werden eine Mühle bei dem großen Wage, die Hermannsmühle sowie die Stickensmühle erwähnt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Dreieichenhain, Landkreis Offenbach“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14114> (Stand: 16.10.2018)
 
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