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Historisches Ortslexikon

Schloss Erbach

Schloss · 210 m über NN
Gemarkung Erbach, Gemeinde Erbach, Odenwaldkreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Schloss

Lage und Verkehrslage:

In der Altstadt von Erbach

Burgtyp: Wasserburg

Laufzeit: (Ende 13. Jh / 1. Hälfte 14. Jh.) -

Besitzgeschichte: 1303: Urkundliche Ersterwähnung der Burg. Schenk Gerhard III. verpfändet seine Besitzhälfte der Burg neben anderen Rechten an Gerlach von Breuberg, einen Parteigänger des Mainzer Erzbischofs. Konrad III. von Erbach-Erbach verdrängte nun die Breuburger aus ihrer neu erworbenen Besitzhälfte. Im Besitz der Schenken zu Erbach (nach Teilung des Geschlechts (1717) an die Linie Erbach-Erbach). Nach der Mediatisierung der Grafschaft (an das Großherzogtum Hessen) verblieb das Schloss im gräflichen Familienbesitz.

Burggeschichte: 1311: Die Streitigkeiten zwischen den Schenken zu Erbach und Pfalzgraf Rudolf Anfang des 14. Jahrhunderts gipfelten in der Zerstörung der Burg Michelstadt und der Eroberung von Burg Erbach durch pfälzische Truppen (nach Steinmetz zwischen 1303 und 1307). Pfalzgraf Rudolf verpfändete schließlich die eroberte Burg Erbach an Schenk Eberhard IV., Gottfried II. von Bickenbach und Werner von Lisberg, die sich sämtlich im Kriegszug gegen Böhmen beteiligt hatten (nach Steinmetz, Schenken von Erbach, S. 91). 1622 erfolgte ein Überfall kaiserlicher Truppen (Kroaten) auf Eberbach.

Baugeschichte: 1497: Bau des gotischen Turmhelms (Bergfried). Etwa 1500-1530: Umbau des Pallas zum Renaissance-Schloss 1571/73: Errichtung des Archivbaus mit Toreinfahrt 1736 erfolgte der Neubau des Schlosses durch Graf Georg Wilhelm von Erbach-Erbach. Wassergräben verfüllt. Abbruch der Fortifikationen. Ab 1900 erfolgte unter Graf Georg Albrecht der Um- und Ausbau des neuen Schlosses (siehe Baubeschreibung)

Baubeschreibung: Das Zentrum der im Grundriss etwa ovalen Kernburg bildete der in romanischer Zeit erbaute runde, etwa 36 m hohe Bergfried aus Buckelquadern. Am Bergfried finden sich ab der Höhe von ca. 12 m über 400 Steinmetzzeichen von 19 verschiedenen Steinmetzen. Der Bergfried hat einen Durchmesser von 10 m bei einer Mauerstärke von 2,40 m. Im Innenraum hat der Bergfried einen achteckigen Grundriss und gliederte sich in sieben Stockwerke und ein Turmverlies. Im 12. Jh. war die Wehrplattform mit Zinnen und Aborterker versehen, zudem wurde die Plattform durch einen von Konsolsteinen getragenener hölzerner Wehrgang umfasst. 1479 wurde eine gotischer Turmhelm aufgesetzt, nach Wagenknecht war die Wehrplattform bereits zuvor mit einer vermutlich hölzernen Überdachung versehen. Mit dem Bau des neuen Schlosses im Jahre 1736 wurde der Bergfried in den Schlossbau als Treppenturm integriert. (Zum Bergfried siehe Wagenknecht, Erbach 900 Jahre, S. 9-65). Etwa 4 m östlich des Bergfrieds befand sich der rechteckige dreigeschossige Pallas (das Obergeschoss aus Fachwerk wohl erst im späten 16. Jh. ergänzt). An den Pallas angebaut war an der südlichen Schmalseite ein rechteckiger Turm, an der nördlichen Schmalseite die Burgkapelle. Weitere Gebäude der Kernburg waren inseitig an die Ringmauer angebaut. In der nördlichen Ringmauerseite das durch Torturm und Zugbrücke gesicherte Tor. Die ringmauerbewehrte Kernburg wurde von einer weiteren äußeren Umfassungsmauer umfasst. Zwischen den beiden Wehrmauern war ein breiter Wassergraben angelegt, der sich aus der Mümling speiste. Nördlich der Kernburg die durch Stadtmauer und äußere Umfassungsmauer gesicherte Vorburg mit Marstall und Speicher. Das ebenfalls mit Zugbrücke gesicherte Tor der Vorburg nach Westen mündete zum heutigen Marktplatz (zur Baubeschreibung siehe Wagenknecht, Erbach 900 Jahre).

Das neue Schloss aus dem Jahre 1736, welches 1900 erweitert wurde, ist ein dreigeschossiger Bau mit 20 Fensterachsen an den Längsseiten und Mansarddach.

"Die Hauptseite ist durch einen Mittelbau mit großem auf Säulen ruhendem Balkon und einer Attika wirkungsvoll gegliedert und gegen oben abgeschlossen" (Bronner, Odenwaldburgen 2, S. 112).

"Jenseits der Mümling der ehem. Lustgarten mit Orangerie von 1722, eingeschossiger Bau mit 1980 wiederhergestelltem Mansarddach und Pilastergliederung" (Dehio, S. 208).

Erhaltungszustand: Erhalten von der früheren Burg- bzw. Schlossanlage blieb lediglich der Bergfried, welcher heute in den neuen Schlossbau integriert wurde.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3499520, 5502260
UTM: 32 U 499445 5500499
WGS84: 49.65702775° N, 8.992310492° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

43700605002

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schloss Erbach, Odenwaldkreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14824> (Stand: 17.2.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde