Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Sulzbach (Taunus)

Gemeinde · 126 m über NN
Gemeinde Sulzbach (Taunus), Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Lagebezug:

8 km nordöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

2,5 km südöstlich von Bad Soden, von der L 3014 durchzogen

Ersterwähnung:

1035

Siedlungsentwicklung:

Der Siedlungskern liegt östlich über dem Sulzbach im Main-Taunus-Vorland.

1552 wurde der Ort im Rahmen des Markgräflichen Krieges durch Markgraf Albrecht Alkibiades gebrandschatzt.

Am 10.06.1622 wird der Ort im Vorfeld der Schlacht von Höchst bis auf wenige Gebäude niedergebrannt.

Die heutige Bebauung erstreckt sich zwischen Am Gänsesteig und der Cretzschmarstraße.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3466405, 5555309
UTM: 32 U 466344 5553527
WGS84: 50.13301972° N, 8.529076056° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436012000

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 3044 Morgen
  • 1885 (Hektar): 798, davon 654 Acker (= 81.95 %), 56 Wiesen (= 7.02 %), 52 Holzungen (= 6.52 %)
  • 1895: 797,9 ha
  • 1961 (Hektar): 785, davon 53 Wald (= 6.75 %)
  • 1981: 784,8 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1809: 130 Märkerlose
  • 1817: 437 Einwohner
  • 1885: 828, davon 756 evangelisch (= 91.30 %), 72 katholisch (= 8.70 %)
  • 1961: 4133, davon 2724 evangelisch (= 65.91 %), 1171 katholisch (= 28.33 %)
  • 1970: 7332 Einwohner
  • 1981: 6383 Einwohner
  • 1990: 7332 Einwohner
  • 1995: 8159 Einwohner

Diagramme:

Sulzbach (Taunus): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Im Frühmittelalter Wettereiba
  • 1035: Vogtei Sulzbach
  • 1650: Kellerei Neuenhain
  • 1782: Oberamt Höchst und Königstein
  • 1787: Die beiden Reichsdörfer Soden und Sulzbach unterstehen der Schutz- und Vogteiherrschaft des Kurfürsten zu Mainz und der Reichsstadt Frankfurt, die beide ihre Schutzherrschaft als Hoheitsrecht zu gleichen Teilen handhaben
  • 1810: Nassau-Usingen, Amt Oberursel
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Höchst
  • 1849: Herzogtum Nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden bzw. Mainkreis
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis Höchst
  • 1919: Hilfskreis Königstein in der frz. Besatzungszone
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1317: höfisches Gericht mit je einem Schultheißen des Klosters Limburg, der Herren von Eppstein und der Familie von Sulzbach
  • Ab 1433: Verhandlungen des Freien Gerichts über Verbrechen an Leib und Leben (1450 Verlust dieses Rechts an die Frankfurt)
  • Ab 1435: Bestätigung der Schultheißen für das Freie Gericht durch Frankfurt
  • Seit 1439: Ernennung des Limburger Schultheißen durch die Stadt Frankfurt
  • Ab 1457: Ernennung der Schultheißen für das Freie Gericht durch Frankfurt
  • 1539: Ernennung eines Schultheißen durch die Grafen von Stolberg-Königstein
  • 1570: Bestehen des Freien Gerichts aus 14 Männern aus allen Vogteidörfern
  • 1589: Einigung auf den jährlichen Wechsel der Hohen Gerichtsbarkeit zwischen Kurpfalz und Frankfurt
  • Ab 1656: Ernennung des Schultheißen für das Freie Gericht durch Kurpfalz und Frankfurt im Wechsel
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amtsgericht Höchst
  • 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
  • 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

1035: Herrschaft des Grafen Otto

Bis 1803 reichsfreies Dorf

1282-1349: Wahrnehmung der Reichsrechte durch Frankfurt (Burgrecht der Sulzbacher in Frankfurt ab 1425)

1349: durch Kaiser Karl IV. an Philipp von Falkenstein verpfändet

1374: haben die Herren von Eppstein einen Amtsmann in Sulzbach

1423: als Reichslehen an Kurmainz

Nach 1450: in Abhängigkeit von Frankfurt

1581: Kurpfalz

1589: Einigung zwischen Frankfurt und Kurpfalz über die gemeinsame Herrschaft in Sulzbach

1645: Bestätigung der Reichsfreiheit für Sulzbach durch das Reichskammergericht

1650: unter dem Schutz von Kurmainz

1656/57: Regelung der Hoheitsrechte zwischen Kurmainz und Frankfurt und Bestätigung durch den Kaiser

1790: Bestätigung der Reichsfreiheit und Auflehnung gegen die Einschränkungen in der Selbstverwaltung

1803: Nassau-Usingen

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1035 erhält das Kloster Limburg a.d. Haardt Güter in Sulzbach als Schenkung Konrads II.
  • 1191 gehören dem Kloster Retters 3 Höfe und 1 Hufe Land aus dem ehem. Besitz des Gerhard von Eppstein sowie Zinsen.
  • Mitte des 13. Jahrhunderts haben Burkhard und Swicker von Homburg hier eine Hufe Land als eppsteinisches Lehen inne.
  • 1275 wird Heinrich von Frankfurt von den Grafen von Wertheim mit einem Hof und Güter belehnt, die bis dahin Hartmut von Sachsenhausen gehörten.
  • 1280-1285 gehört den Eppsteinern ein Hof.
  • 1294 hat der ehem. Frankfurter Schultheiß Heinrich 1 Hof mit 1 1/2 Hufen Land als Trierer Erblehen inne. Gleichzeitig haben auch die Falkensteiner hier Besitz und Hörige.
  • 1310 sind vom Kloster Thron 8 1/2 Hufe Land zur Pacht ausgegeben.
  • 1316 gibt das Kloster Limburg einen Herrenhof in Erbleihe an die Herren von Falkenstein.
  • 1317 bzw. 1323 besitzen die Frankfurter Bürger Arnold von Glauburg und Weigel Frosch 2 bzw. 6 Hufe Eigengut.
  • 1330 erhält Rudolf von Sachsenhausen bei einer Güterteilung 1 1/2 Hufe Land zugesprochen.
  • 1331 besitzt der Deutsche Orden in Sachsenhausen 20 Hufe Land als Eigengut und trägt 8 Hufe und 1 Morgen Land als Erbpacht.
  • 1336 erwirbt Gottfried von Delkenheim von Graslok von Kronberg 2 Hufe Land aus dem ehem. Besitz des Grafen von Wertheim.
  • 1339 besitzt Rudolf von Sachsenhausen über 1 1/2 Hufe Land.
  • Um 1340-1350 belehnen die Grafen von Sponheim Georg von Sulzbach mit einem Fronhof.
  • 1343 besitzt Wölfchen von Hattstein einen Hof.
  • 1358 erhält Hartmut von Kronberg eine Hof als Pfand von Philipp von Falkenstein.
  • 1363 besitzt Kuno Rudel von Reifenberg einen Hof.
  • 1366 haben die von Hattstein hier ein Eigengut.
  • 1367 verordnet Werner von Beldersheim eine Korngülte von seinen 4 Hufen Land.
  • 1378 verständigen sich die Frankfurter Johanniter und das Weißfrauenkloster in Frankfurt über eien Erbschaft von 4 1/2 Hufen Land in Sulzbach.
  • Ab 1385 besitzen die von Hattstein 3 Hufen Land als Lehen der Grafen von Diez.
  • 1398 befindet sich ein Hof des Abtes von Limburg im besitz des Eckart von Elkershausen.
  • 1400 besitzt Gottfried von Eppstein hier Haus, Hof und Hofreite als Teil des Vogteilehens, welche an Jörg von Sulzbach.
  • 1407 verpfändet Johann d.A. von Kronberg 3 Hufe Land, welche er als Lehen der Grafen von Nassau inne hat.
  • 1418 gehört das Rüdelgut mit einem Besitz von 12 Hufen Land den von Reifenberg.
  • 1429 verfügt Gottfried von Delkenheim hier über Besitz.
  • 1439 geht der Limburger Fronhof, welcher bis dato an die Roßdorfer Antoniter verlehnt war, als Pfand an Frankfurt über.
  • 1440 erwerben die Antoniter einen Hof aus dem Besitz derer von Hattstein.
  • 1454 erwirbt Eberhard von Eppstein-Königstein alle Güter des Richwin von Sulzbach.
  • 1482 erwerben sie den Hof des Johannes von Kronberg und verfügen danach über einen Besitz von 263 Morgen Land.
  • 1489 umfasst der Hof des Vogteilehens 8 Hufe Ackerland und 1 Hufe Wiese.
  • 1494 ist das Rüdelgut ein Mannlehen des Klosters Limburg.
  • 1510 besitz die Grafschaft Königstein Hausd, Hof und Hofreite samt Äckern, Wiesen und Weinbergen als Lehen des Klosters Limburg, welches Jörg von Sulzbach inne hat.
  • 1514 kaufen die Roßbacher Antoniter 3/4 eines Landsguts von Adam von Weilbach.
  • 1539 besitzen die von Stolberg-Königstein eine Hofreite von 9 Hufen, welche vorher die von Sulzbach als Lehen inne hatten.
  • Seit 1553 ist das Rüdelgut als Limburger bzw. später kurpfälzisches Lehen im Besitz der von Hattstein, welche es schon im 15. Jahrhundert inne hatten.
  • 1584 gibt die Kurpfalz einen Hof (später lbishof genannt) mit 8 Hufen Ackerland und 1 Hufe Wiese, welche vorher die von Kronberg vom Kloster Limburg zu Lehen hatten, zur Pacht aus.
  • 1595 geht die Pfandschaft für den Limburger Fronhof von Frankfurt auf die Kurpfalz über.
  • 1656 erwirbt Frankfurt das Reifenberger und Staffelsche Gut.
  • 1790/91 besitzt die Stadt frankfurt in Sulzbach den Fronhof mit 39 Morgen Land, den Kronberger Hof mit 60 Morgen Land, das Reifenberger Gut mit 199 Morgen Land und das Staffelsche Gut.

Zehntverhältnisse:

1366 befindet sich der Zehnte als Lehen im Besitz des Frankfurter Reichsschultheißenamts.

1482 vergibt das Kloster Limburg den Zehnten auf 10 Jahre an Hans von Kronberg.

1558 gesteht das Kloster Graf Ludwig von Stolberg-Königstein 1/3 des Weinzehnten für 30 Jahre zu.

1570 pachtet die Stadt Frankfurt den 1/2 Fruchtzehnten für 25 Jahre von der Kurpfalz.

1595 fällt der mit dem Fronhof verliehene große Zehnte an die Kurpfalz.

Ortsadel:

Ab 1204: Familie von Sulzbach

1272: als Reichsministeriale erwähnt

Bis 1497: Burgmannen in Königstein, Friedberg und Hattersheim

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Vor 1317: Pleban
  • 1326: Pfarrer
  • 1543: luth. Pfarrer
  • Nach 1571: Einsetzung calvinistischer Pfarrer
  • 1622: Kirchenbrand
  • 1626-31: kath. Pfarrer
  • 1652-1659: Wiederaufbau der Kirche
  • 1724: Neubau des Langhauses an den romanischen Chorturm der ev. Pfarrkirche
  • 1952/53: Bau des kath. Kirche- und Gemeindezentrums

Pfarrzugehörigkeit:

Zur Pfarrei Sulzbach gehörte bis 1326 die Kapelle in Neuenhain.

1961 wird die kath. Gemeinde selbstständig.

Patronat:

1326 besitzt das Kloster Limburg a.d. Haardt das Patronatsrecht.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation ab 1536 mit Unterstützung der Stadt Frankfurt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz gehörig.

Um 1465 ist die Pfarrei dem Kloster Limburg inkorporiert.

Juden:

1481-1486 leben Juden unter dem Schutz der Stadt Frankfurt in Sulzbach.

Kultur

Schulen:

1584: Schule

1819/20: Umbau einer Hofreite zur Schule

1913: Schulneubau an Stelle der Hofreite

1963: Cretzschmar-Schule

1968: Eichwaldschule

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Sitz der Vogtei Sulzbach

Gerichtsort der Sulzbacher Mark

Sitz des Amtes Sulzbach Soden

Wirtschaft:

Seit 1964: Main-Taunus-Zentrum

Mühlen:

1339: Erlehes mulen im Oberfeld und Nydermulen

1429: Heylsmühle

1569: Umwandlung einer Schleif- in eine Mahlmühle

1577: Zerstörung aller Mühlen durch Graf Christoph von Stolberg-Königstein

1760: Christiansmühle

Zoll:

1366 belehnt Kaiser Karl IV. Ulirch von Kronberg mit jährlich 100 Gulden aus dem Stueraufkommen in Sulzbach.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Sulzbach (Taunus), Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11296> (Stand: 18.10.2018)
 
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