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Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

Wallau

Stadtteil · 147 m über NN
Gemeinde Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf

Lagebezug:

6 km südwestlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

Zwischen Nordenstadt und Diedenbergen gelegen, im Main-Taunus-Vorland westlich des mittleren Wickerbachs

Am Wickerbach und der A3 sowie der B 40 gelegen

Ortsform:

Ringdorf

Siedlungsentwicklung:

Ein Gräberfeld am südwestlichen Ortsausgang belegt die Besiedelung der Gegend in spätmerowingischer Zeit.

1389 verbrennen Frankfurter Bürger den Klosterhof, welcher ein Jahr später durch das Sühnegeld wieder aufgebaut wird.

1649 und 1678 wird der Ort durch Brände weitgehend zerstört.

Historische Namensformen:

  • Wanaloha (950) (MGH DD O I 125)
  • Wanlohe (1258) [Nassauisches Urkundenbuch 1,2, S. 407-408, Nr. 674]
  • Wallaw (1592) (Salbücher der Herrschaft Eppstein 1592 f. 413)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Ein Gräberfeld am südwestlichen Ortsausgang belegt die Besiedelung der Gegend in spätmerowingischer Zeit.
  • 1389 verbrennen Frankfurter Bürger den Klosterhof, welcher ein Jahr später durch das Sühnegeld wieder aufgebaut wird.
  • 1649 und 1678 wird der Ort durch Brände weitgehend zerstört.
  • Im Zuge der Gebietsreform konnten die Einwohner zwischen der Eingemeindung nach Wiesbaden oder Hofheim wählen und stimmten mit 95% für die Eingemeindung nach Hofheim. Am 01.01.1977 wurde Wallau schließlich nach Hofheim eingemeindet, wobei 85,4 ha der Gemarkung an Nordenstadt abgetreten wurden.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3454957, 5547587
UTM: 32 U 454900 5545808
WGS84: 50.06284159° N, 8.369877815° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436007050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 2768 Morgen
  • 1885 (Hektar): 739, davon 538 Acker (= 72.80 %), 62 Wiesen (= 8.39 %), 80 Holzungen (= 10.83 %)
  • 1895: 722,9 ha
  • 1961 (Hektar): 726, davon 64 Wald (= 8.82 %)
  • 1967: 725,8 ha
  • 1981: 656 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1457: 40 Häuser
  • 1492: 30 Häuser
  • 1536: 76 Familien
  • 1592: 69 Häuser
  • 1610: 96 Haushalte
  • 1630: 48 Männer, 1 Witwe und 10 Vormundschaften
  • 1637: 15 Haushalte
  • 1643: 17 Haushalte
  • 1662: 44 Haushalte
  • 1697: 409 Einwohner
  • 1701: 68 Häuser
  • 1721: 125 Familien
  • 1794: 545 Einwohner
  • 1817: 766 Einwohner
  • 1885: 940, davon 888 evangelisch (= 94.47 %), 29 katholisch (= 3.09 %), 23 Juden (= 2.45 %)
  • 1961: 1523, davon 1167 evangelisch (= 76.63 %), 340 katholisch (= 22.32 %)
  • 1970: 2091 Einwohner
  • 1987: 4019 Einwohner

Diagramme:

Wallau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Ende 12.Jahrhundert : Herrschaft Eppstein, Amt Eppstein
  • 950: Königsundergau
  • 1492: Landgrafschaft Hessen, Amt Eppstein
  • 1643: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Wallau
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Eppstein, Amt Wallau
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Zum Landgericht Mechthildshausen gehörig.
  • 1315: Verpfändung von drei ungebotenen Gerichtstagen durch die Herren von Eppstein an den Abt von Bleidenstadt
  • 1364: Schultheiß und Schöffen; Gericht auf dem Kirchhof und Gericht beim Abthof
  • 1365: Gericht auf dem Kirchhof
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim

Herrschaft:

950: Herrschaft des Grafen Gerung

1184: Besitz des Klosters Bleidenstadt

1492: durch Gottfried IX. von Eppstein-Münzenberg an die Landgrafschaft Hessen verpfändet und später verkauft

1604: Hessen-Kassel

1624: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

Gemeindeentwicklung:

Im Zuge der Gebietsreform konnten die Einwohner zwischen der Eingemeindung nach Wiesbaden oder Hofheim wählen und stimmten mit 95% für die Eingemeindung nach Hofheim. Am 01.01.1977 wurde Wallau schließlich nach Hofheim eingemeindet, wobei 85,4 ha der Gemarkung an Nordenstadt abgetreten wurden.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 950 schenkt Otto I. dem Grafen Gerung Königsgut in Wallau.
  • Zu Beginn des 13. Jahrhunderts beziehen die Herren von Eppstein von hier Einkünfte aus Geldlehen.
  • 1272 erwirbt das Kloster Bleidenstadt die Vogtei über ihren dortigen Klosterhof als Pfand der Herren von Eppstein.
  • 1276 verlehnt das St. Johannisstift Güter.
  • 1282/83 haben Albert von Ursel und seine Brüder ein eppsteinisches Geldlehen inne.
  • 1287 kauft das Mainzer Mariagredenstift hier Güter.
  • Zwischen 1293-1338 erwirbt das Kloster unter seinem Abt Erwin einen kleinen Hof.
  • 1317 besitzt Gottfried von Eppstein hier einen Hof.
  • 1333 hat Ruprecht von Sonnenberg hier ein eppsteinisches Geldlehen inne.
  • 1336 sind 2 Höfe des Klosters zur Pacht ausgegeben.
  • 1339 kauft Johann Marschall von Lorch einen Hof und Äcker von Gottfried von Eppstein.
  • 1360 verpachtet das Heiligkreuzstift in Mainz einen Hof samt 30 Morgen Land.
  • 1364 befindet sich ein Klosterhof direkt neben dem Kirchhof. Im gleichen Jahr erwirbt Ulrich von Kronberg die Güter des Gerhard von dem Steine, Emrich von Waldeck, Heinrich Beyr von Leberstein und Johannes Grans von Heppenheft, die diese von Johann Marschall von Lorch geerbt hatten.
  • 1366 erwirbt Ulrich von Kronberg die Gerechtsame von Johann von Sachsenhausen.
  • 1371 erweitern die Kronberger ihren Besitz in Wallau durch den Kauf eines Anteils an einer Hofstatt aus dem Besitz des Heinrich von Bonames.
  • 1385 kann Ulirch von Kronberg seiner Tochter ein Wittum von 1000 Gulden in Wallau anweisen.
  • 1394 erhält der Edelknecht Johannes Setzephant 33 Morgen vom Stift Mariagreden als Lehen.
  • Das Pfarrgut besteht am Ende des 14. Jahrhunderts aus 80 Morgen Ackerland, 9 Morgen Wiese, 3,5 Morgen Weinberg und ist teilweise zur Erbpacht ausgegeben. Das Gut des Frühaltars umfasst 45 Morgen Land.
  • 1413 hat Eberhard von Eppstein hier einen Hof.
  • 1424 Weistum der Ländereien des Elisabethaltars des Mariagredenstifts.
  • 1433 geht der Hof im Zuge der Eppsteiner Bruderteilung an Gottfried von Eppstein-Münzenberg.
  • 1438 belehnt Gottfried von Eppstein-Münzenberg Philipp den Jüngeren von Kronberg mit Gütern.
  • 1445 verpfändet Philipp von Kronberg seinen Hof an den Grafen Philipp von Katzenellenbogen.
  • 1449 verkauft Gottfried von Eppstein-Münzenberg seine Rente auf den Gastenhöfer Hof.
  • 1479 geht der Besitz der Katzenellenbogener an die Landgrafen von Hessen.
  • 1492 verkauft Gottfried von Eppstein Münzenberg seinen 307 Morgen umfassenden Hof an die Landgrafschaft Hessen.
  • Um 1600 umfasst der hessische Besitz 279 Morgen Land.
  • 1655 gibt es in Wallau 935 Morgen Freigüter, die sich in 277 Morgen Ackerland und 16 Morgen Wiese bei der Landgrafschaft Hessen einteilen lassen sowie 108 Morgen beim Bleistädter Hof und der Rest gehört zum Kronberger, Hattsteiner und Hochweiseler Hof sowie dem Schul- und Pfarrgut. 1224 Morgen Land sind steuerpflichtig.

Zehntverhältnisse:

1336: großer Zehnte im Besitz des Klosters Bleidenstadt (zusammen mit den Klosterhöfen verpachtet)

1389: Mainzer Domkapitel im Besitz des Zehnten (als Lehen ausgegeben)

1457: Großer Zehnte wieder im Besitz des Klosters Bleidenstadt

Ortsadel:

1282/83: Didolph von Wallau

1333-39: Ritter Cuntzmann von Wallau

1335: Johann von Wallau

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1258: Kirche
  • 1637: Kirchenbrand
  • 1649: Brand der Kirche
  • 1678: Brand der Kirche
  • 1678-81: Kirchenneubau
  • 1741/42: Kirchenneubau

Pfarrzugehörigkeit:

1258 wird die Wallauer Kirche dem Kloster Bleidenstadt einverleibt. 1309 wird die Kapelle in Breckenheim von der Pfarrei Wallau abgetrennt und zu einer eigenständigen Pfarrei erhoben.

Patronat:

Seit 1258 hatte das Kloster Bleidenstadt das Patronatsrecht inne. Auch nach 1526 steht die Kollatur dem Kloster Bleidenstadt zu.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Kumag um 1545

Reformierter Bekenntniswechsel: 1609, 1624 wieder lutherisch.

Seit 1818 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Kastel, Archidiakonat von St. Peter in Mainz gehörig.

Juden:

Wallau war Zentrum der jüdischen Gemeinde, zu der Delkenheim, Diedenbergen, Igstadt, Massenheim, Nordenstadt und Wallau gehörten. Die Gemeinde hatte einen Betraum in der Enggasse 4, welcher im Jahre 1701 als Judenschul erwähnt wird.

1886 wird die baufällige Synagoge umgebaut und 1920 renoviert. Die Synagoge wechselt vor der Reichsprogromnacht 1938 den Besitzer und wird 1974 abgerissen.

Kultur

Schulen:

1563: Schulmeister (Landdiakon als Leiter der Land- bzw. Rektoratsschule)

17. Jahrhundert: Verfall der Schule und Einstellung des Unterrichts im Zuge des Dreißigjährigen Krieges

1661: Wiedereröffnung der Rektoratsschule und Zusammenlegung mit der Grundschule

1677: Trennung von Grund- und Rektoratsschule

1678: Brand des Landschulhauses; Glöckner zu der Zeit seit 50 Jahren Dorfschullehrer

1704: Wiederaufbau des Schulgebäudes

1817: Schließung der Schule

1821/22: Schulneubau

1930: Schulneubau

1966-1969: Bau der damaligen Mittelpunktschule und heutigen Taunusblick-Grundschule

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1643 wird der Sitz des hessischen Amtes Eppstein von Eppstein nach Wallau verlegt. Das Amt wird in der Folgezeit mehrfach von den Landgrafen als Pfand ausgegeben: 1643-1651 an Landgraf Johann von Hessen-Braubach, 1668-1687 an die Grafen von Königsmark, 1687-1695 an die von Stadion und 1697-1700 an mehrere Frankfurter Kaufleute.

Ab 1803 steht das Amt unter der Verwaltung Nassau-Usingens, welches sich 1806 mit Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau vereinigt. Zu diesem Zeitpunkt umfasst das Amt auch den ehemals mainzischen Teil des Amtes Eppstein sowie das bis dato isenburgische Okriftel. Am 01.01.1810 tauschen die nassauischen Ämter Wallau und Höchst Orte untereinander aus, wobei Höchst Okriftel, Oberliederbach und Unterliederbach erhält und Wallau Weilbach und Wicker. 1814 kommen Hochheim und Flörsheim zum Amtsbezirk hinzu. Im Zuge der Neuorganisation der nassauischen Ämter wird Marxheim am 01.07.1816 an das Amt Höchst abgegeben. 1816 umfgasst das Amt Wallau die Orte Breckenheim, Delkenheim, Diedenbergen, Eppstein, Flörsheim, Hochheim, Igstadt, Langenhain, Lorsbach, Marxheim, Massenheim, Medenbach, Nordenstadt, Wallau, Weilbach, Wicker und Wildsachsen. Am 01.01.1817 wird der Amtssitz von Wallau nach Hochheim verlegt und von da an als Amt Hochheim bezeichnet.

Mühlen:

1250-1260: Mühle im Besitz Gerhards von Eppstein

1457/70: Einkünfte für Gottfried von Eppstein-Münzenberg aus einer Mühle oberhalb Wallaus und einer zu Wallau

1630: Mühle als Pachtgut im Besitz Hessens

1692: Errichtung der Burgmühle

1723: Abriss der Burgmühle und Bau der Schlagmühle am Massenheimer Schlag

1812/1818: zwei Mühlen

1897: Schlagmühle, Wallauermühle, Wandersmann

Markt:

ab 1572: Wochenmarkt

Zoll:

1300: Bede im Besitz der Herren von Eppstein

1457: Bede und Atzung im Besitz Gottfrieds von Eppstein-Münzenberg

Um 1470: Bede und Atzung wieder im Besitz von Eppstein-Münzenberg

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wallau, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11298> (Stand: 20.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde