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Historisches Ortslexikon

Schloss Hofheim

Schloss · 128 m über NN
Gemarkung Hofheim, Gemeinde Hofheim am Taunus, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Schloss

Lagebezug:

1 km südöstlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

Wasserburg; Amtssitz

Im Süden der Stadt Hofheim. Hofheim, Kellereiplatz.

Burg_Besitzgeschich 1352 verlieh Karl IV. (reg. 1347-1378, Kaiser 1355) Philipp VI. von Falkenstein Stadtrechte für Hofheim sowie das Recht bei Hofheim eine Burg zu erbauen. 1356 wurde die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Um 1366 gingen Stadt und Burg Hofheim an das Erzstift Mainz (siehe Burggeschichte: Folge des Reichskrieges gegen Philipp VI. von Falkenstein). In der Folgezeit zahlreiche Verpfändungen. 1429 im Pfandbesitz der Herren von Kronberg. 1460 Rückerwerb durch den Mainzer Erzbischof Dieter. 1478 erwarben die Herren von Eppstein-Königstein die Burg als Pfandbesitz. Nach dem Aussterben der Herren von Eppstein im Jahre 1535 im Erbgang an die Grafen von Stolberg. Nach Widereinlösung der Pfandschaft (seit 1565) war das Amt Hofheim wieder kurmainzisch. 1803 nach der Säkularisierung von Kurmainz an Nassau. 1819 von Privatperson erworben (Philipp Joseph Weiler). 1877/78 an die Stadt Hofheim.

Funktion: Unter Mainz Sitz des Amtsvogtes und der (Amts-)Kellerei

Burggeschichte: 1364 wurde die Burg und Stadt Hofheim während des "Reichskriegs" (1364-1366) gegen Philipp VI. von Falkenstein von den vier Wetterauer Reichststädten erobert. Im Dreißigjährigen Krieg wurd die Burg beschädigt (keine Brandspuren erhalten, die auf eine Niederbrennung der Burg schließen lassen). Ende des 18. Jahrhunderts Schäden durch französische Truppen

Baugeschichte: Die Bauzeit der Ringmauer wurde mittels dendrochronologischer Untersuchung auf die Mitte des 14. Jh.s (1354/55) datiert, so dass die Errichtungszeit der Burg unmittelbar nach der Verleihung des Stadtrechts erfolgte. In dieser ersten Bauphase erfolgte die Errichtung der Ringmauer und des südlichen Tores mit Torturm und vermutlich der Bau des Wohngebäudes im Westen der Kernburg. In dem 7. und 8. Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts umfangreiche Baumaßnahmen - 1562 wurde der Marstall mit zwei darüberliegenden Speichern genannt. Die schweren Schäden, welche der Schloßbau aus dem 16. Jahrhundert während des Dreißigjährigen Krieges erlitt, sollten Mitte des 17. Jahrhunderts behoben werden, blieben jedoch aus und führten nach weiteren Sturmschäden 1667 zum Abbruch des Wohnbaus. 1687 wurde das Kelterhaus an der Stelle errichtet. 1686/87 erfolgten Instandhaltungsmaßnahmen am Marstall. 1811 wurde der Wassergraben verfüllt.

Baubeschreibung: Bauhistorische Untersuchungen in den Jahren 1990/91 seitens des 'Freien Instituts für Bauforschung und Dokumentation' mit Sitz in Marburg.

Die im Grundriss nahezu quadratische - von einem Wassergraben umfasste - Anlage lag südlich außerhalb der befestigten Stadt. Die bis zu einer Höhe von 10 m erhaltene Ringmauer (Mauerstärke nach Biller 2 m) umfasst ein etwa 23 x 23 m große Fläche. In der Südmauer lag mittig das Tor, welches mit Torturm und Zugbrücke gesichert war. In der Nordmauer ein weiteres Tor mit Zugbrücke aus jüngerer Zeit, welches über eine Brücke über den Wassergraben zur Stadt führte - jenseits der Stadtmauer lag der Wirtschaftshof der Burg.

Ursprünglich war wohl nur die West- und Ostseite der Burg inseitig an der Ringmauer bebaut. (In der Nordwestecke der Burg lag wohl ursprünglich ein zweigeschosssiger Wohnbau. Biller vermutet, dass dieser Bau gegen Ende des 14. Jahrhunderts durch einen Steinbau ersetzt wurde, der nunmehr die gesamte Länge der Westmauer einnahm. Im 16. Jahrhundert wurde nach Biller dem westlichen Wohnbau ein Südflügel beigefügt. Nach dem Abbruch des Wohngebäudes (1667) entstand zwanzig Jahre später hier das Kelterhaus und im Süden der Marstall. In der Ostseite der Burg waren wohl mehrere kleinere (Fachwerk-) Gebäude inseitig an die Ringmauer angebaut, die im 16./17. Jahrhundert wohl durch massive Bauten ersetzt wurden.

Abgang: 1722 wurde der Sitz des Amtmanns in ein neues Gebäude im Wirtschaftshof innerhalb der Stadt verlegt und die Kernburg fortan nur noch wirtschaftlich genutzt.

Erhaltungszustand: Ringmauer, Kelterhaus und Fundamentmauern der Innengebäude.

Funde: Teil eines römischen Grabsteines (Abbildung eines berittenen Bogenschützen) im oberen Teil der Ringmauer.

Weitere Namen:

  • Wasserschloss Hofheim

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3460495, 5550129
UTM: 32 U 460436 5548349
WGS84: 50.08608782° N, 8.446955587° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

43600702014

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schloss Hofheim, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14763> (Stand: 25.6.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde