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5916 Hochheim (Main)
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Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

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Weilbach

Stadtteil · 113 m über NN
Gemeinde Flörsheim am Main, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf

Lagebezug:

5 km südlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

4 km nordöstlich von Flörsheim, beiderseits des Weilbachs auf einer Talsohle und einem Hang des Main-Taunus-Vorklandes

An der A 3, B 40 und B 519 sowie am Weilbach gelegen

Ortsform:

Wegedorf

Ersterwähnung:

1112

Siedlungsentwicklung:

Anhand von Gräberfeldern lässt sich eine Besiedelung für das 4.-7. Jahrhundert n. Chr. nachweisen.

1635 fiel der größte Teil des Ortes einem Brand zum Opfer und 1666 wurde die Bevölkerung durch die Pest erheblich dezimiert.

Die heutige Bebauung erstreckt sich zwischen Am Alten Bach und der Marxheimer Straße.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1112)
  • inferiori villa Wilebach (1304) (Regg Kl II 337)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • 1818: Schwefelbrunnen
  • 1897: Bad Weilbach
  • 1971: Bahnhofsstraße, Mainzer Dreieck

Burgen und Befestigungen:

  • 1462: Burganlage im Besitz der Herrschaft Eppstein-Königstein
  • 1510: eppsteinisches Burglehen des Johann von Hattstein (Zweig der von Hattstein residierte hier bis zu seinem Aussterben 1607)
  • 1607: Burg im Besitz der von Dienheim
  • 1629: Burg im Besitz von Kurmainz
  • 1631: Abtretung an die Familie Wolf-Metternich (1671 in deren Besitz übergegangen)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3459580, 5545530
UTM: 32 U 459521 5543752
WGS84: 50.04468152° N, 8.434656777° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436004020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 2959 Morgen
  • 1885 (Hektar): 737, davon 673 Acker (= 91.32 %), 29 Wiesen (= 3.93 %), 2 Holzungen (= 0.27 %)
  • 1895: 737,1 ha
  • 1961 (Hektar): 745, davon 1 Wald (= 0.13 %)
  • 1967: 745,3 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1609: 64 Haushalte mit 242 Einwohner
  • 1648: 21 Männer
  • 1745: 335 Einwohner
  • 1796: 72 Häuser
  • 1817: 424 Einwohner
  • 1885: 886, davon 43 evangelisch (= 4.85 %), 828 katholisch (= 93.45 %), 15 Juden (= 1.69 %)
  • 1939:: 1467 Einwohner
  • 1961: 2295, davon 427 evangelisch (= 18.61 %), 1830 katholisch (= 79.74 %)
  • 1970: 2915 Einwohner
  • 1987: 3382 Einwohner

Diagramme:

Weilbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1112: Königsundergau und zu der Grafschaft des Grafen Rudolf
  • 1608: Oberrheinischen Reichskreis
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1803: Nassau-Usingen, Amt Hochheim
  • 1814: Herzogtum Nassau, Amt Wallau
  • 1817: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1325: Erwähnung eines Gerichts
  • 1343: Gericht auf öffentlicher Straße beim Friedhof
  • 1369: Zentgraf und Schöffen
  • 1453: Weistum, Dorfgericht und Gericht des Abtes von St. Jakob über dessen dortigen Besitz
  • 1471: Schultheiß und Schöffen
  • 1489: Weistum des Hufengerichts von St. Jakob
  • 1510: Gericht als Lehen von St. Jakob im Besitz der Herrschaft Eppstein-Königstein
  • Ab 1573: je eine Hälfte des Gerichts im Besitz der Herrschaft Stolberg-Königstein und von St. Jakob mit gemeinsamen Schultheiß
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim

Herrschaft:

1112: Grafschaft des Grafen Rudolf

1433: Eppstein-Königstein

1480: Pfand an Hans den Älteren von Wallbrunn abgetreten

1575: Herrschaft Stolberg-Königstein

1581: zwischen Mainz und der Kurpfalz umkämpft

1604: unter mainzischer Herrschaft

1632: von den Schweden an die Herren von Stolberg übergeben

1635: unter kaiserlicher Verwaltung und Rückgabe an Mainz

1803: Nassau-Usingen

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde Weilbach nach Flörsheim eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1112 schenkt Kuniza, die Witwe Gebhards, dem Kloster St. Jakob in Mainz ein Gut in Weilbach.
  • 1220-1239 hat Konrad von Hattstein das Burglehen inne.
  • 1222 besitzt das Kloster Retters hier 1/2 Hufe Land.
  • 1252 bezieht St. Jakob von hier Einkünfte.
  • 1255 haben Mainzer Bürger Eigengüter in Weilbach.
  • 1258 verfügt der Deutsche Orden in Koblenz hier über Besitz.
  • 1271 verkauft das Stift Mariagreden seine Güter.
  • 1282/83 hat Gottfried von Eppstein hier einen Hof als Lehen der von Leiningen und Heinrich Gallo von Delkenheim 1 Hufe als eppsteinisches Burglehen, Johann von Weilbach und seine Ganerben haben 1 Hufe und Schechilmann von Massenheim 10 Morgen von Eppstein zu Lehen.
  • 1287 kauft Gottfried von Eppstein Leibeigene von Philipp von Hohenfels.
  • 1307 verkauft das Kloster Neumünster seine Güter.
  • 1312 erwirbt der Mainzer Erzbischof hier Gut vom Grafen von Eberstein und Ulrich von Bickenbach.
  • 1313 wird dieses Land von Mainz an den Deutschen Orden in Sachsenhausen verpachtet.
  • 1316 besitzen die Eppsteiner hier 2 Höfe. Im gleichen Jahr tauscht Gottfried von Eppstein eine Wiese hier gegen eine Wiese in Wicker mit dem Deutschen Orden in Sachsenhausen.
  • 1317 verpachtet Gottfried von Eppstein einen Hof an Philipp von Falkenstein.
  • 1320 schenkt der Erzbischof diese Güter den Mainzer Kartäusern.
  • 1321 erwirbt der Deutsche Orden in Sachsenhausen hier 21 Morgen Land vom der Ordensniederlassung in Mainz.
  • 1322 hat das Mainzer St. Stephansstift hier Güter.
  • 1324 kauft der Orden in Sachsenhausen hier ein Gut von 100 Morgen (Kauf und verpachtung werden 1339 von Gottfried von eppstein genehmigt).
  • 1340 verleiht das Mainzer Domkapitel 55 Morgen Land.
  • 1325 gibt der Deutsche Orden das Land schließlich an die Kartäuser ab.
  • 1343 verkaufen die Eppsteiner dem Kloster Eberbach 2 Höfe und 21 Hufen Land in Weilbach. Während sie zur gleichen Zeit vom Mainzer Schultheißen einen Hof und 7 Hufen Land kaufen.
  • 1344 verkaufen die Eppsteiner Erben diesen Hof ebenfalls an das Kloster Eberbach.
  • 1363 erwerben die Antoniter in Höchst Güter der von Erlenbach.
  • 1369 hat der Hof des Deutschen Ordens eine Größe von 23 Hufen.
  • Im 14. Jahrhundert besitzt Schechilman von Massenheim hier 12 Joch an Land als eppsteinisches Lehen.
  • 1489 ist der Abt von St. Jakob Eigenherr des Gerichst und des Dorfes.
  • 1510 befindet sich die Vogtei im Besitz von Eberhard von Eppstein-Königstein als Lehen von St. Jakob.
  • 1514 kaufen die Mainzer Kartäuser 1 Hufe Land vom Stift zu Diez.
  • 1648 ist das Gut des Klosters Retters und des Johannesstifts, welches vorher Lehen der von Hattstein war, vom Mainzer Bischof an die Dorfbewohner verpachtet und weitere 11 Hufe aus Mainzer Besitz an den mainzischen Amtmann in Höchst.
  • 1655 verfügt der Deutsche Orden in Sachsenhausen hier noch über einen Grundbesitz von 19 Hufen.
  • Um 1700 beziehen die Kartäuser von hier Einkünfte aus einer erblich verpachteten Hufe.

Zehntverhältnisse:

1295 erhält das Kloster Seligenstadt einen Teil des Zehnten in Weilbach als Vermächtnis der Elisabeth von Nassau, Witwe von Gerhard II. von Eppstein.

Bis 1315 Streit zwischen dem Pfarrer von Weilbach und dem Deutschen Orden in Sachsenhausen um die Zehnteinkünfte der Kapelle.

1320 erhalten die Mainzer Kartäuser den Zehnten von allen mainzischen Gütern in Weilbach vom Erzbischof als Geschenk.

1330 verkaufen die Kartäuser dem Kloster Bleidenstadt eine Kornrente aus dem halben Zehnten.

1385 gehören dem mainzer Domkapitel 1/4 des Zehnten, welchen es vom Kloster Tiefenthal erworben hatte, 1/2 die Kartäuser und 1/4 das Stift zu Diez.

1458 erhält nach langem Streit der Pastor bzw. das Sift zu Diez 1/4 des Zehnten, das Mainzer Domkapitel 1/4 und die Kartäuser die 1/2.

1514 erwerben die Kartäuser das 1/4 des Diezer Zehnten.

Ortsadel:

1239: Godefridus de Wilebach

1239-1379: Familie von Weilbach als Eppsteiner Burgmannen

Um 1400-1475: von Erlenbach genannt von Weilbach

1475-1607: von Hattstein zu Weilbach

1623: von Dienbach

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1303: Kapelle
  • 1566: Kirchenbau
  • 1653: Wiederaufbau der im Dreißigjährigen Kireg zerstörten Kirche
  • 1871: Abriss der Kirche
  • 1874/1875: Kirchenneubau
  • 1965: Errichtung des evangelischen Gemeindezentrums in der Faulbachstraße

Patrozinien:

  • Maria Himmelfahrt

Pfarrzugehörigkeit:

1303 wird die Kapelle in Weilbach durch Siegfried von Eppstein von der Pfarrei Wicker getrennt.

Ab 1961 ist Weilbach eine selbstständige evangelische Gemeinde.

Patronat:

1303 haben die Grafen von Diez das Patronat inne.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich um 1535.

Katholischer Bekenntniswechsel: ab 1604

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Kastel, Archidiakonat von St. Peter in Mainz gehörig

Kultur

Schulen:

nach 1592: eigener Lehrer (vorher Unterricht in Wicker)

1604: Einsetzung eines kath. Lehrers

1664: Bau des ersten Schulgebäudes

1784: Schulrenovierung

1844: Einrichtung einer Schule in einer ehemaligen Gastwirtschaft

1910/11: Schulneubau

1963-65: Bau der Grundschule am Weilbach

Wirtschaft

Mühlen:

1613: Mühle

1630: Schloßmühle

1648: Zerstörung der Schloß- oder Burgmühle

1698: 2 Ölmühlen (eine davon im Besitz der Familie Wolff-Metternich

Zoll:

1300 besitzt Eppstein die Bede.

1351 teilen sich Gottfried und Eberhard von Eppstein die Bede.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Weilbach, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11299> (Stand: 20.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde