Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Wabern

Ortsteil · 166 m über NN
Gemeinde Wabern, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südöstlich von Fritzlar

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss in der Schwalm/Eder-Niederung. Kernbereich der Siedlung mit Kirche und quadratischem Kirchhof im Nordwesten. Nördlich davon Schlossanlage. Nach Südosten Siedlungskomplex mit regelhaft-linearer Bebauung. Moderne Wohnsiedlung im Westen, Süden und Norden. Fabrikgelände im Osten jenseits der Bahnlinie.

Die alte Landstraße Frankfurt - Kassel führte durch den Ort.

Die Bundesstraße 253, Bundesstraße 254 und die Straßen von Udenborn und Uttershausen treffen im Ortsbereich aufeinander.

Im östlichen Bereich Bahnhof (von 1848) der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1849, 2.1.1850).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Wabern – Bad Wildungen – Korbach (Inbetriebnahme der Strecke 15.7.1884).

Ersterwähnung:

800

Historische Namensformen:

  • Wâbere, in (1. Hälfte 9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160 Codex Eberhardi 1, S. 239-240, fol. 145 vb, Nr. 97 = Dronke, Traditiones, S. 39, Capitulum 6, Nr. 97]
  • Waberen, in (1209)
  • Wabren, in (um 1250) [1. Hälfte XIV]
  • Wabern, in (um 1255)
  • Wabirn, de (nach 1312)
  • Waberner, zu (1438)
  • Wobern (um 1490)
  • Wawern (1494)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1298: villa.
  • 1366: Dorf.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Karlshof,
  • Tannenhöhe,
  • Wüstung Kranforstmühle,
  • Wüstung Zennern.

Burgen und Befestigungen:

  • Ab 1701 erbautes landgräfliches Schloss Karlshof (s. d.).

Umlegung der Flur:

1881/1882

Älteste Gemarkungskarte:

1737

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3524508, 5662861
UTM: 32 U 524424 5661036
WGS84: 51.10029142° N, 9.348826648° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634025090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1537: 40 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 2341 Land, 469 Wiesen, 391 Wald.
  • 1885 (Hektar): 824, davon 585 Acker (= 71.00 %), 109 Wiesen (= 13.23 %), 39 Holzungen (= 4.73 %)
  • 1961 (Hektar): 821, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1537: 44 Hübner (vgl. Flächennutzung). 1575/85: 58 Hausgesesse.
  • 1639: 24 verheiratete, 8 verwitwete Hausgesesse.
  • 1742: 84 Häuser. 1747: 93 Hausgesesse. 1772: 561 Einwohner.
  • 1834: 979, 1885: 1247 Einwohner.
  • 1861: 1110 evangelisch-reformierte, 3 römisch-katholische, 2 jüdische Einwohner.
  • 1885: 1247, davon 1204 evangelisch (= 96.55 %), 27 katholisch (= 2.17 %), 16 Juden (= 1.28 %)
  • 1925: 1701, 1939: 1922, 1950: 3094, 1961: 2835 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 165 Land- und Forstwirtschaft, 558 Produzierendes Gewerbe, 299 Handel und Verkehr, 259 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 2835, davon 2295 evangelisch (= 80.95 %), 476 katholisch (= 16.79 %)
  • Um 1490: 24 wehrhafte Männer (10 Pflüge).

Diagramme:

Wabern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1490: Amt Homberg
  • 1376: landgräfliches Dorf im Amt Wabern
  • 1421: Mainzer Gerichtsvogtei von Löwenstein
  • 1462: Gericht auf der Schwalm
  • 1494: Vogtgericht der von Löwenstein-Westerburg
  • 1499: Gottfried von Löwenstein-Schweinsberg löst bei Stift Fritzlar die Vogtei Wabern ein
  • 1501: Johann Clauer und die von Löwenstein verkaufen die halbe Vogtei und Gerechtsame zu Wabern (mainzisches Lehen)
  • 1502: Erzbischof Berthold von Mainz belehnt Eitel von Löwenstein mit Vogtei Wabern
  • 1504: Heinrich von Löwenstein erhält in Erbteilung Vogtei Wabern
  • 1575/85: Amt Homberg
  • 1587: Gericht auf der Schwalm
  • 1742: Amt Homberg
  • 1765: Vogtgericht der von Löwenstein
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Homberg
  • 1818: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Fritzlar, Amt Fritzlar
  • 1820: Kurfürst Wilhelm belehnt Wilhelm Heinrich von Löwenstein mit Vogtei Wabern; folgend Belehnungen bis 1842
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Homberg
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss der Gemeinden Wabern, Falkenberg, Hebel, Rockshausen, Udenborn, Uttershausen und Zennern (alle aus dem Altkreis Fritzlar-Homberg) zur neu gebildeten Gemeinde Wabern. Zugleich wurde Unshausen hierhin eingegliedert. Zur weiteren Entwicklung s. Wabern, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Wabern.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 800: Graf Dietrich überträgt dem Kloster Fulda seinen Besitz zu Wabern.
  • 1209 und noch um 1450: Stift Fritzlar hat Zinseinkünfte zu Wabern.
  • 1244: Die von Altenstädt leisten auf eine Hube zu Wabern, die der Fritzlarer Kanoniker Dietrich von Apolda kaufte, Verzicht.
  • Um 1250: Stift St. Stephan-Mainz hat Einkünfte zu Wabern.
  • 1269: Dietrich von Apolda schenkt die genannte Hube dem Stift Fritzlar.
  • 1290: Vogtgut zu Wabern genannt.
  • 1298: Die Familie Erning aus Wabern verkauft eine Eigenhufe zu Wabern an Kloster Haina.
  • 1312: Mainz hat Einkünfte zu Wabern.
  • 1335: Stift Fritzlar hat zu Wabern einen Meierhof.
  • 1383 / um 1350: Wabern landgräfliches Pfand Johanns von Falkenberg.
  • 1438: Das Schultheißenamt Fritzlar hat zu Wabern eine Hube.
  • 1486: Kuntzmann von Falkenberg belehnt Kuntz Bachus mit halbem Viertel Land zu Wabern zu rechtem Vogtlehen.
  • 1501: Hans von Falkenberg belehnt Kuntz Zumpp mit 4 Acker Vogtlehen zu Wabern.
  • 1506, 1509, 1510, 1515: Hans von Falkenberg belehnt mit Gütern zu Wabern.
  • 1577: Landgraf Wilhelm verschreibt seinen Hof zu Wabern an einen Einwohner von Hebel; folgend bis 1770.

Ortsadel:

1267-1397.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 1360: cimiterium.

Pfarrzugehörigkeit:

Um 1410: Pfarrei (ursprünglich Nieder-Zennern).

1575/85 und noch 1835: Ober-Zennern Filiale von Wabern.

Danach ausgepfarrt nach Fritzlar.

1872 und später: Uttershausen Filiale von Wabern.

Patronat:

1537, 1575/85: Patronat landgräflich.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Helwig ca. 1527 bis nach 1557 (1569?), 1522 als katholischer Priester genannt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Fritzlar.

Juden:

1861: 2 Juden

1911: 11 Juden

Sammelfriedhof in Falkenberg genutzt.

Ort gehörte zur Gemeinde Fritzlar

Kultur

Schulen:

Das ab 1701 erbaute landgräfliche Schloss seit etwa 1876 Besserungsanstalt (s. u. Karlshof).

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1742: Grebenstuhl Wabern (für Wabern, Uttershausen, Zennern).

1807: Sitz des Kanton- und Friedensgerichts für: Wabern, Uttershausen, Zennern, Ungedanken mit Rothelmshausen, Kerstenhausen, Klein-Englis, Großen-Englis, Gombeth, Udenborn mit Kalbsburg, Betzigerode mit Wenzigerode.

Wirtschaft:

Seit 1880: Zuckerfabrik.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wabern, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4313> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde