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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 31. Felsberg

Obervorschütz

Stadtteil · 170 m über NN
Gemeinde Gudensberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

2 km südlich Gudensberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und dichter Gehöftanordnung am Nord-Ufer der Ems. Kirche mit rechteckigem Kirchhof nahe der Ems. Östlich anschließend, an der Emsbrücke vorbeiführend, sichelförmige Wegeführung. Im Westen und Osten moderne Wohnsiedlung.

Straßen Werkel - Maden und Nieder-Vorschütz - Gudensberg treffen im Ortsbereich aufeinander (Emsbrücke).

Ersterwähnung:

1081

Siedlungsentwicklung:

In der Flur Hofestatt 1 km südwestlich von Ober-Vorschütz völkerwanderungszeitliche und karolingerzeitliche Keramikfunde.

Historische Namensformen:

  • Buriscuzze (1081) [Fälschungen um 1100 HStAM Bestand Urk. 27 Nr. 585 und HStAM Bestand Urk. 27 Nr. 586. Druck UB Mainz 1, S. 253-258, Nr. 358]
  • Burscucede, de (1123) (ebd. Nr. 514)
  • Burscuzze, in (1151)
  • Vorscuthe superiori, in (1209)
  • Furscuzze, in (1215)
  • Vorscuzze, in (1225)
  • Vor-, Worsutze (1235)
  • Vurscuc, de (1236)
  • Worscucze, in (1238)
  • Vorscutte (1260)
  • Vorscuche, in (1269)
  • superior Fforscurze (1282)
  • Vorscuze superior, in (um 1310)
  • Vorscutze superiori, in (1310/15)
  • Fuschoyzce (1317)
  • Vorsyze superior (um 1340)
  • Obirn Vorschutz, Obirnvorschutze (1357)
  • Obern Vorschutz, Ubern Vorschucz (1434)
  • Furschucze (1464)
  • Obirverschuccze, zcu (1477)
  • Obernfurschutzenn (1568)
  • Ober Vorschutz (1575/85)
  • Obernvorschütz (1579)
  • Obernforschutz (1582)
  • Ober-Vorschütz
  • Vorschütz, Ober-

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1250: villa
  • 1451: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1885/1886, 1894/1895, 1902

Älteste Gemarkungskarte:

ca. 1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3524692, 5669609
UTM: 32 U 524608 5667781
WGS84: 51.16093834° N, 9.35191483° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634007070

Flächennutzungsstatistik:

  • 1579: 12 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 2564 Land, 358 Wiesen.
  • 1885 (Hektar): 813, davon 651 Acker (= 80.07 %), 112 Wiesen (= 13.78 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 810, davon 1 Wald (= 0.12 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 86 Hausgesesse
  • 1579: 79 Köttner (vgl. Flächennutzung).
  • 1639: 32 verheiratete, 15 verwitwete Hausgesesse.
  • 1735: 84 Mannschaft. 1742 und 1747: 94 Häuser bzw. Hausgeseß, 464 Einwohner.
  • 1834: 804, 1885: 887 Einwohner.
  • 1861: 858 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer, 1 römisch-katholischer, 47 jüdische Einwohner.
  • 1885: 887, davon 869 evangelisch (= 97.97 %), 1 katholisch (= 0.11 %), 17 Juden (= 1.92 %)
  • 1925: 927, 1939: 923, 1950: 1362, 1961: 1118 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 253 Land- und Forstwirtschaft, 244 Produzierendes Gewerbe, 46 Handel und Verkehr, 46 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1118, davon 1048 evangelisch (= 93.74 %), 63 katholisch (= 5.64 %)

Diagramme:

Obervorschütz: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1408: Amt Gudensberg
  • 1458 und 1516: Gericht von Elben
  • 1575/85: Amt Homberg
  • 1742: Amt Homberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton und Friedensgericht Homberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Homberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname Galgenacker.
  • 1458 und 1516: Gericht von Elben.
  • 1575/85: Amt Homberg; niederes und peinliches Gericht Hessen.
  • vor 1822: Kurhessisches Amt Gudensberg
  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1361: Die Meisenbug im Teilbesitz des Gerichts Ober-Vorschütz.

1434: Untergericht Ober-Vorschütz hessisches Lehen der von Elben.

1458: Landgraf Ludwig belehnt Werner von Elben mit Dorf und Gericht Ober-Vorschütz; folgend Belehnungen bis 1516.

Grebe 1451.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Stadtteil Gudensberg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1081: Erzbischof Siegfried I. von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen in einer gefälschten Urkunde Schenkungen, darunter 4 Hufen zu Vorschütz.
  • 1123: Erzbischof Adalbert von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen Schenkungen, darunter in Vorschütz.
  • 1151: Erzbischof Heinrich von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen die Schenkungen des Trutwin von Gran, der dafür Güter zu Vorschütz erhält.
  • 1200/25: Kloster Hasungen hat einen Hof zu Vorschütz gekauft.
  • 1225: Stift Hersfeld ertauscht von Kloster Merxhausen Güter zu Vorschütz.
  • 1250: Hermann von Holzhausen schenkt Kloster Hasungen seinen Hof zu Vorschütz.
  • 1269: E. von Elben überträgt seine Güter zu Vorschütz dem Kloster Merxhausen.
  • 1275: Graf Albert von Wallenstein und Wittekind von Holzheim schlichten Streit zwischen Stift Fritzlar und Heinrich von Rengshausen wegen der Mühle zu Ober-Vorschütz.
  • 1282: Heinrich von Rengshausen verkauft anderthalb Huben zu Ober-Vorschütz an Berthold von Metze.
  • 1292: Berthold von Metze verkauft dem Kloster Merxhausen seine Güter zu Ober-Vorschütz.
  • 1299: Dietrich von Elben verkauft Besitzungen zu Ober-Vorschütz an Kloster Berich.
  • 1316: Albert von Waldeck verkauft Besitz zu Ober-Vorschütz an Wigand von Kirchhagen, der vermutlich aus Elbener Besitz stammt.
  • 1317: Die Meisenbug haben einen Hof zu Ober-Vorschütz.
  • 1319: Die von Elben weiter im Besitz von Gütern zu Ober-Vorschütz.
  • 1329: Der Fritzlarer Bürger Wigand Centzis kauft eine Drittelhufe zu Ober-Vorschütz.
  • 1330: Eberhard Salomee und Thomas Kuntzlin verkaufen ihren Anteil an Besitz in Ober-Vorschütz an Wigand von Kirchhagen, der ihn an Stift Fritzlar weitergibt.
  • 1334: Thilo von Elben verkauft seinen Besitz zu Ober-Vorschütz an Stift Fritzlar.
  • 1342: Dietrich von Elben verschreibt Kloster Breitenau einen halben Hof zu Ober-Vorschütz.
  • 1357: Priester Johann von Bone verzichtet zugunsten Kloster Ahnaberg auf seine Einkünfte zu Ober-Vorschütz.
  • 1361: Die Landgrafen Hermann und Otto belehnen die Meisenbug mit Wiesen zu Ober-Vorschütz.
  • 1363: Die von Elben verkaufen dem Fritzlarer Kanoniker Konrad Hake 3 Güter zu Ober-Vorschütz.
  • Kurz nach 1376: Dorf Ober-Vorschütz hessisches Lehen der von Elben; folgend Belehnungen bis 1516.
  • 1387: Kloster Breitenau erwirbt eine Wiese zu Ober-Vorschütz.
  • 1434: Graf Johann von Ziegenhain belehnt Werner von Elben mit 2 Hufen zu Ober-Vorschütz; Landgraf Ludwig gestattet, dass Werner von Elben aus den vom Dorf Ober-Vorschütz an Kloster Heidau zu zahlenden Zinsen 700 Gulden leihen darf.
  • 1448: Landgraf Ludwig weist Reinhard von Dalwigk und Friedrich von Hertingshausen 3 Höfe in Ober-Vorschütz zu.
  • 1451: Werner von Elben tritt Pachtansprüche aus seinem Dorf Ober-Vorschütz an Kloster Heidau ab, die Gemeinde Ober-Vorschütz verpflichtet sich an Kloster Heidau jährlich 9 Gulden zu zahlen.
  • 1477: Kloster Merxhausen verkauft verschiedene Einkünfte zu Ober-Vorschütz.
  • 1498: Die Heuberreff verzichten auf eine Hufe zu Ober-Vorschütz.
  • 1496: Die von Siegen verkaufen dem Stift Fritzlar einen Zins aus Gütern zu Ober-Vorschütz.
  • 1499: Die von Wallenstein belehnen Heinz Trowe mit einer Hube zu Ober-Vorschütz.
  • 1501: Die Gebrüder von Elben verschreiben Juttenhenze einen Zins aus ihrer Mühle zu Ober-Vorschütz.
  • 1515: Kurt von Elben verschreibt Eitel Rotenhan einen Zins aus Gütern vor Ober-Vorschütz.
  • 1535: Landgraf Philipp zieht mit Aussterben der von Elben Dorf Ober-Vorschütz ein.

Zehntverhältnisse:

1209: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Vorschütz; um 1310 und noch um 1450 von einer Mühle zu Ober-Vorschütz.

Ortsadel:

1123-1253.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1235: plebanus.

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

im 17. Jahrhundert bis 1744: Maden mit Ober-Vorschütz als Vikariat verbunden, dann wieder 1759-1778,1787-1796.

Seit 1835 und später: Maden Vikariat von Ober-Vorschütz.

Patronat:

1260: Konrad von Elben verzichtet zugunsten des Stifts Fritzlar auf den Patronat der Kirche in Ober-Vorschütz.

1579, 1682: Patronat landgräflich.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Confugianus (Kauffunger) ca. 1553 bis nach 1590

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Fritzlar.

Juden:

Gehört zur Gemeinde Gudensberg

1747: 20, 1835: 45, 1861: 47 Juden; 1905: 19; 1932/33: 7 Juden

Judenkirchhof 0,7 km westlich von Ober-Vorschütz. Genutzt wurde dieser auch von der Gemeinde Züschen, Gudensberg, Riede, Dorla, Kirchberg, Lohne, Maden; von 1887-1897 ebenso von Felsberg, Altenburg und Gensungen, Niedenstein, Cappel und Obermöllrich, sowie Elben und Neuenbrunslar. Er liegt an der Friedensstrasse, ca. 300 Meter westlich. (alemannia-judaica)

Kultur

Historische Ereignisse:

1454: Durch Johann Meisenbug niedergebrannt.

Wirtschaft

Mühlen:

1209: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Vorschütz; um 1310 und noch um 1450 von einer Mühle zu Ober-Vorschütz.

1275: Graf Albert von Wallenstein und Wittekind von Holzheim schlichten Streit zwischen Stift Fritzlar und Heinrich von Rengshausen wegen der Mühle zu Ober-Vorschütz.

1501: Die Gebrüder von Elben verschreiben Juttenhenze einen Zins aus ihrer Mühle zu Ober-Vorschütz.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Obervorschütz, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4310> (Stand: 31.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde