Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Uttershausen

Ortsteil · 169 m über NN
Gemeinde Wabern, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6,7 km südöstlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen am Nord-Rand der Talniederung der Schwalm. Im Süden, Westen und Südosten linearer Umriss, bestimmt durch zwei rechtwinklig aufeinanderstoßende Gassen. Innerhalb dieses Winkels dichte Bebauung. Kirche auf rechteckig ummauertem Kirchhof. Umlaufende Gassenführung. Im Norden moderne Wohnsiedlung.

Von der Straße Lendorf - Wabern führt südlich der Siedlung die Straße nach Udenborn ab.

Ersterwähnung:

1100

Historische Namensformen:

  • Oderadeshusen (1074) [HStAM Urk. 27 (Urkundenarchiv Hasungen)]
  • Oderadeshusun, in (1081) [Fälsch, um 1100] (Mainzer Urkundenbuch 1 Nr. 358)
  • Uhdereshusun, de (1108) (Wenck HLG II Urkundenbuch Nr.47)
  • Uderadeshusen, in (1131) [Fälsch, um 1200]
  • Vthershuisen, de (1151)
  • Uhtereshusen, de (1155)
  • Utershusen (1196) (UA Kappel)
  • Othirshusen, de (1196)
  • Utershusen (1197)
  • Uttherh(usen), in (1200/1220)
  • Octhrishusen, Ochtershusen, prope (1221)
  • Hottershusen, de (1221) (UA Kappel)
  • Uhtirshusin, de (1222)
  • Utershusin, Uthershusen, Utirshusen, Utirshusin (1226)
  • Uchtershusen, de Hutershusen, de (1229) (UA Haina)
  • Ottershusen (um 1242)
  • Vtereshusen, de (1250)
  • Udirhusin, de (um 1250) [1. Hälfte XIV]
  • Ottereshusen, de (1252)
  • Utershusen, de (1250)
  • Ottereshusen, de (1252)
  • Utershusen, de (1266)
  • Ouchterhusen, de (1283)
  • Otthershusen, Utershusen (um 1310)
  • Utterßhusen (1426)
  • Uttershusen (1430)
  • Uttershaußen, zu (1550)
  • Uttershausen (1559)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1197: curia.
  • 1406: Dorf.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Bahnhaus,
  • Brückenhaus,
  • Wüstung Steinmühle.

Umlegung der Flur:

1885

Älteste Gemarkungskarte:

1718

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3523507, 5661013
UTM: 32 U 523424 5659188
WGS84: 51.08372225° N, 9.334416276° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634025080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1537: 34 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 1533 Land, 307 Wiesen, 172 Wald.
  • 1885 (Hektar): 509, davon 354 Acker (= 69.55 %), 83 Wiesen (= 16.31 %), 19 Holzungen (= 3.73 %)
  • 1961 (Hektar): 510, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1537: 14 Hübner, 8 Köttner, 20 Beisassen (vgl. Flächennutzung). 1575/85: 37 Hausgesesse.
  • 1639: 21 verheiratete, 1 lediger, 9 verwitwete Hausgesesse.
  • 1742 und 1747: 56 Häuser bzw. Hausgesesse. 1768: 279 Einwohner.
  • 1834: 467, 1885: 520 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 520, davon 517 evangelisch (= 99.42 %), 3 katholisch (= 0.58 %)
  • 1925: 500, 1939: 451, 1950: 703, 1961: 599 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 144 Land- und Forstwirtschaft, 103 Produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 17 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 599, davon 533 evangelisch (= 88.98 %), 62 katholisch (= 10.35 %)
  • Um 1490: 14 wehrhafte Männer (13 Pflüge).

Diagramme:

Uttershausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1450: Amt Homberg
  • 1462: Gericht auf der Schwalm
  • 1537: Gericht auf der Schwalm
  • 1557: Gericht Hebel
  • 1575/85: Amt Homberg
  • 1586: Streit von Einwohner zu Uttershausen vor Untergericht Hebel
  • 1742: Amt Homberg, Grebenstuhl Wabern
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Homberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname Galgenacker im Südwesten der Gemarkung.
  • Auf dem Kreuz bis 1869 Findling, sogenannter Hünenstein mit eingehauenem, erhöhten Sitz, ringsum 12 kleinere Steine als Sitz der Gerichtsstätte; gesprengt.
  • 1268: villicus.
  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1418: Contzmann von Falkenberg leiht vom Landgrafen Ludwig Geld auf sein Dorf Uttershausen.

1441: Werner von Falkenberg verkauft dem Landgrafen unter anderem das Dorf Uttershausen.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Wabern, deren Ortsteil Uttershausen wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Nach einer um 1100 auf 1081 gefälschten Urkunde bestätigt Erzbischof Siegfried I. von Mainz dem Kloster Hasungen die Schenkung eines Mansus zu Uttershausen.
  • In einer weiteren um 1200 gefertigten Fälschung, auf 1131 datiert, bestätigt Erzbischof Adalbert I. von Mainz eine der Kirche Uttershausen gehörige Censualin Dithild dem Kloster Hasungen.
  • 1197: Papst Cölestin III. bestätigt dem Kloster Spieskappel einen Hof zu Uttershausen.
  • 1200/1220: Stift Wetter hat Mannlehen von 1 Mansus in Uttershausen.
  • 1285: Sophie, Witwe des Heinrich von Uttershausen, verkauft dem Stift Fritzlar ihre Güter zu Uttershausen.
  • 1288: Benigna, Tochter des Konrad von Giflitz, verkauft dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Uttershausen.
  • 1297: Stift Fritzlar erhält Äcker zu Uttershausen.
  • 1336: Konrad von Falkenberg weist dem Stift Fritzlar einen Zins aus einer Hufe zu Uttershausen an.
  • 1367: Die Familie Terkys verkauft ihren Verwandten ein Viertel ihrer Güter zu Uttershausen.
  • 1400: Die Gebrüder Terkys verkaufen ein Drittel ihrer Güter zu Uttershausen an Kloster Homberg.
  • 1406: Die von Falkenberg verkaufen eine Gülte aus ihrem Dorf Uttershausen an Heinrich von Wildungen, zuvor Henne auf dem Hof.
  • 1410: Thilo von Falkenberg verkauft einen Acker zu Uttershausen an Wigand Schröder zu Homberg.
  • 1413: Contzmann von Falkenberg verkauft 2 Güter zu Uttershausen an Heinrich von Wildungen.
  • 1426: Dorf Uttershausen noch immer an Landgraf versetzt.
  • 1443: Hans von Falkenberg verschreibt seiner Frau seine Güter zu Uttershausen; Kloster Kartause hat Zehnten zu Uttershausen an Reinhard von Dalwigk verkauft, die kurz zuvor an die Riedesel verkauft waren.
  • 1457: Die von Falkenberg verkaufen einen Acker zu Uttershausen an Heinz Scheffer zu Uttershausen.
  • 1517: Hans Trul verkauft ein Fünftel der Müllerwiese zu Uttershausen.
  • 1580: Hans von Falkenberg belehnt Hermann Rafkehel mit halber Hufe zu Uttershausen.
  • 1597: Landgraf Moritz überträgt seinem Hofschneider Wigand Leicht 15 1/2 Acker zu Uttershausen.
  • 1611: Georg von Falkenberg belehnt Heinrich von Wildungen mit einem Zins zu Uttershausen.

Zehntverhältnisse:

1209 und noch um 1450: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Uttershausen.

1395: Die Gebrüder Homberg haben als Falkenberger Lehen den halben Zehnten zu Uttershausen inne.

1424: Graf Johann von Ziegenhain belehnt Hermann von Hertingshausen mit halbem Zehnten zu Uttershausen.

1430: Henne von Wernhausen versetzt den Riedeseln halben Zehnten zu Uttershausen.

1443: Kloster Kartause hat Zehnten zu Uttershausen an Reinhard von Dalwigk verkauft, die kurz zuvor an die Riedesel verkauft waren.

1472: Landgraf Hermann gestattet den Verkauf des halbe Zehnten zu Uttershausen.

1477: Stift Hersfeld belehnt die von Falkenberg mit halbem Zehnten zu Uttershausen; folgend Belehnungen bis 1606.

1537: Zehnter zu Uttershausen ist hessisches Lehen der von Hertingshausen.

1559: Stift Hersfeld belehnt Burkhard von Hertingshausen mit halbem Zehnten zu Uttershausen; folgend Belehnungen bis 1680, ab 1665 Landgraf.

1689: Landgraf Carl schenkt seiner Frau den Zehnten zu Uttershausen, 1836 abgelöst.

Ortsadel:

Ortsadel: 1108-1290,

2. Geschlecht: 1340-1607.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1131: ecclesia.
  • 1285: viceplebanus.
  • 1299: plebanus.
  • In einer um 1200 gefertigten Fälschung, auf 1131 datiert, bestätigt Erzbischof Adalbert I. von Mainz eine der Kirche Uttershausen gehörige Censualin Dithild dem Kloster Hasungen.

Patrozinien:

  • Petrus

Pfarrzugehörigkeit:

1322: Pfarrkirche.

1569: Zennern eingepfarrt nach Uttershausen.

1574: Uttershausen vorübergehend mit Singlis verbunden.

1747 bis 1844: Uttershausen Filiale von Hebel, dann von Wabern.

Patronat:

1131: Landgraf Obervogt der Kirche (Fälschung).

1322: Patronat hersfeldisches Lehen der von Falkenberg, bis zu deren Aussterben 1613.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Kaspar Vietor (Bodener) 1541-1574

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf.

Wirtschaft

Mühlen:

1517: Hans Trul verkauft ein Fünftel der Müllerwiese zu Uttershausen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Uttershausen, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4299> (Stand: 16.10.2018)
 
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