Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Ungedanken

Stadtteil · 190 m über NN
Gemeinde Fritzlar, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

1,7 km westlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf flachem, nach Norden zur Ederniederung ziehendem Sporn zwischen Oster-Bach und Ruppen-Bach. Kirche am Südwest-Rand der Siedlung in erhöhter Lage. Nach Norden lockere Bebauung zur Ederniederung. Moderne Wohnsiedlung im Osten.

Bundesstraße 253 führt am Nord-Rand der Siedlung vorbei.

Früher führte durch Ungedanken ein nördlicher Zug der alten Fernstraße Köln - Leipzig.

Haltepunkt der 1884 erbauten Eisenbahnlinie Wabern - (Bad) Wildungen im Norden.

Ersterwähnung:

1209

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1308: villa.
  • 1656: Dorf.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Büraburg

Umlegung der Flur:

1890/1891

Älteste Gemarkungskarte:

1806

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3515570, 5665175
UTM: 32 U 515490 5663349
WGS84: 51.12140292° N, 9.221325604° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634005080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 433, davon 195 Acker (= 45.03 %), 14 Wiesen (= 3.23 %), 190 Holzungen (= 43.88 %)
  • 1961 (Hektar): 439, davon 188 Wald (= 42.82 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1818/26: 198, 1834: 300, 1885: 347 Einwohner.
  • 1861: 3 evangelisch-reformierte, 12 evangelisch-lutherische, 283 römisch-katholische, 74 jüdische Einwohner.
  • 1885: 347, davon 32 evangelisch (= 9.22 %), 265 katholisch (= 76.37 %), 50 Juden (= 14.41 %)
  • 1929: 370, 1939: 403, 1950: 573, 1961: 592 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 73 Land- und Forstwirtschaft, 119 Produzierendes Gewerbe, 44 Handel und Verkehr, 37 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 592, davon 112 evangelisch (= 18.92 %), 480 katholisch (= 81.08 %)

Diagramme:

Ungedanken: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Seit 1324: mainzisches Amt Fritzlar
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Fürstenrum Fritzlar, Amt Fritzlar
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Gerichtsstätten:
  • vor dem Grebenhaus 1498;
  • Flurname Galgenberg.
  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

Bis 1324: Ungedanken ist Allodialbesitz der Herren von Löwenstein.

1308: Der Fritzlarer Kantor Hermann von Grüne kauft mit Genehmigung des Ritters Werner von Löwenstein-Schweinsberg ein Viertel des Dorfes Ungedanken und schenkt dies dem Petersstift Fritzlar;

1309: Bestätigung durch W. von Löwenstein-Schweinsberg.

1324: Die Schweinsberger verkaufen ihre Güter und Gefälle, sowie sonstigen Ertrag, in Ungedanken und Rothelmshausen.

Seit 1324: mainzisches Amt Fritzlar.

1392: Fritzlarer Kirche kauft die Hälfte des Dorfes von Ritter Widekind von Wichdorf (genannt Wackermaul).

Um 1520: Verpfändung der Stiftsdörfer an Graf Philipp von Waldeck.

1520: Landgraf bezeichnet Ungedanken als in seinem Fürstentum gelegen.

1537: Pfandschaft geht für 10 Jahre auf Fritzlarer Kanoniker Burchard von Hanstein über.

1547: Die verpfändeten Stiftsdörfer fallen an das Petersstift zurück.

Vogtei:

Dem Fritzlarer Stift stehen (wohl seit 1324) Gebot, Verbot und Gericht zu Ungedanken zu.

1498 hegt ein Fritzlarer Kanoniker (Vogt oder Amtmann?) vor dem Haus des Dorfgreben zu Ungedanken ein Gericht.

Beamte:

officiatus (der von Löwenstein-Schweinsberg) 1318;

Dorfgrebe 1392;

advocatus und comes in Ungedanken (beide Stiftsdiener) um 1450-1462.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Stadtteil Fritzlar, Stadtgemeinde eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1291: Stift Fritzlar kauft von Widekind von Wichdorf die Fischerei zu Ungedanken.
  • 1309: Werner Maß verkauft dem Stift Fritzlar einen Acker zu Ungedanken.
  • 1317: Stift Fritzlar erhält Güter zu Ungedanken.
  • 1318: Die Schweinsberger schenken dem Stift Fritzlar eine Jahresgülte und bestimmen, dass ihr officiatus zu Ungedanken diese aus ihren Höfen und Äckern zu Ungedanken zu leisten hat.
  • 1392: Stift Fritzlar leiht den Bauern zu Ungedanken 30 Pfund Denare.
  • 1452: Die Familie Kruse aus Ungedanken verkauft einen Zins aus Wiese und Äckern zu Ungedanken.
  • 1462: Heinz Kruse verkauft eine Gülte aus Ländereien zu Ungedanken.
  • 1549: Adam Rietz verkauft Haus und Hof zu Ungedanken an einen Fritzlarer Kanoniker.

Zehntverhältnisse:

1209 und noch um 1450: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Ungedanken.

Ortsadel:

1308 und um 1340.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

Vor der Reformation: Filiale von Büraburg.

Kirche: Filiale von Fritzlar.

Bekenntniswechsel:

Da zum Erzbistum Mainz gehörig, blieb der Ort katholisch.

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel

Ende 16. / Anfang 17. Jahrhundert Niederlassung von Juden, vermutlich Flüchtlinge aus Polen.

Ab Mitte 17. Jahrhundert Gottesdienst in Privathaus.

1803: Moses Lissauer kauft das Bethaus von Mendel Isaack, dem Urahn des jüdische Gastwirts zu Ungedanken.

1818/26: 6 Handelsjuden; 1861: 74 Juden; 1860: 12 Familien

1864: Eigene Synagoge, Kosten 6000 Taler.

1914/15: 2 jüdische Familien;

Mitte 18. Jahrhundert jüdische Elementarschule mit Höchstzahl von 45-50 Schülern.

Um 1900 Auflösung der jüdische Elementarschule, nur noch 6 Kinder.

Friedhof 28 ar groß, ältester Grabstein über 200 Jahre alt. Angelegt wurde der Friedhof in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Letzte Beerdigung erfolgte 1952. Er liegt an der Südstraße/Ecke Bürabergstraße. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Jüdische Elementarschule bis um 1900 (s. u. Juden).

Historische Ereignisse:

1403 teilweise Einäscherung und Plünderung von Ungedanken durch Bewaffnete des Landgrafen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Ungedanken, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4296> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde