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4821 Fritzlar
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 30. Fritzlar

Gleichen (Obergleichen)

Stadtteil · 200 m über NN
Gemarkung Gleichen, Gemeinde Gudensberg, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

3,7 km nordwestlich von Gudensberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und dichter Gehöftanordnung auf einem nach Süden zum Rosenbach ziehenden Schlepphang. Kirche und Kirchhof in zentraler Lage.

Auf die von Wehren bzw. Lohne nach Metze führende und im Ortsbereich nach Norden umbiegende Straße treffen senkrecht Quergassen. Die Straße Kirchberg - Gudensberg führt nördlich am Ort vorbei.

Ersterwähnung:

850

Siedlungsentwicklung:

Wüste völkerwanderungszeitliche Siedlung ca. 0,8 km südwestlich von Gleichen.

Historische Namensformen:

  • Gilihha (850) [9. Jahrhundert, 1607 Edition des verlorenen fuldischen Cartulars, Dronke, Codex diplomaticus Fuldensis, S. 251-252, Nr. 559]
  • Gielicha (9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160, auf den Beleg von 850 zurückzuführen: Codex Eberhardi 1, fol. 148 va, S. 246 = Dronke, Traditiones, S. 42, Capitulum 6, Nr. 154]
  • Gilicha (9. Jahrhundert) [Kopiar um 1160, auf den Beleg von 850 zurückzuführen: Codex Eberhardi 1, fol. 161 vb, S. 288 = Dronke, Traditiones, S. 31, Capitulum 5, Nr. 149]
  • Glihchen (1162)
  • Geligen maiori, in (1209)
  • Glichen,, de (1236)
  • Glichin (1236)
  • superior Glichen (1269)
  • Gelichen (1270)
  • Glychen (1276)
  • Koligen (1283)
  • Glychein (1313)
  • Gleiche (1545)
  • Gliche (1568)
  • Gleichen (1575/85)
  • Obergleichen
  • Ober-Gleichen
  • Gleichen, Ober-

Bezeichnung der Siedlung:

  • 9. Jahrhundert: locus.
  • 1162: predium.
  • 1285: rubeta.
  • 1294: villa.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Gleichener Mühle,
  • Wüstung Nieder-Gleichen,
  • Wüstung Söllern,
  • Wüstung Steinbrücker Mühle.

Umlegung der Flur:

1877

Älteste Gemarkungskarte:

1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3522349, 5672907
UTM: 32 U 522266 5671078
WGS84: 51.19067862° N, 9.318626705° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634007040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1579: 36 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 1269 Land, 101 Wiesen und Weinberge, 213 Wald.
  • 1885 (Hektar): 473, davon 366 Acker (= 77.38 %), 33 Wiesen (= 6.98 %), 31 Holzungen (= 6.55 %)
  • 1961 (Hektar): 449, davon 30 Wald (= 6.68 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 32 Hausgesesse. 1579: 31 Feuerstellen.
  • 1639: 16 verheiratete, 16 verwitwete Hausgesesse.
  • 1735: 32 Mannschaft. 1742 und 1747: 35 Häuser bzw. Hausgesesse. 1749: 202 Einwohner.
  • 1834: 333, 1885: 304 Einwohner.
  • 1835: 330 evangelische, 2 jüdische Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 304, davon 304 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 309, 1939: 296, 1950: 441, 1961: 335 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 106 Land- und Forstwirtschaft, 59 Produzierendes Gewerbe, 13 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 335, davon 308 evangelisch (= 91.94 %), 22 katholisch (= 6.57 %)

Diagramme:

Gleichen (Obergleichen): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 850: in provincia quam Hessi inhabitant
  • 1403, 1450 und1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1575/ 85: Amt Gudensberg; niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Gudensberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Gudensberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar,
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1312: Landgraf Otto verpfändet das Dorf Gleichen an den Graf von Waldeck, das noch 1346 verpfändet ist.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Stadtteil Gudensberg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 850: Graf Gozmar überträgt seinen Besitz zu Gleichen dem Kloster Fulda.
  • 1162: Propst Burkhard von Fulda und Neuenburg überträgt predium zu Gleichen, das er von Gerhard, dem Verwandten der Grafen von Nürings und Graf Bertholds von Nidda erhielt, dem Stift Fulda.
  • 1209: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Ober-Gleichen; folgend um 1255, um 1310, um 1340. Graf Berthold von Felsberg schenkt dem Kloster Breitenau eine Hufe zu Gleichen.
  • 1283: Der Fritzlarer Vikar Walthelm erwirbt Güter zu Gleichen und verkauft sie 1287 dem Kloster Hardehausen, wobei der Abt von Hardehausen dem Fritzlarer Presbyter Gumpert von Kirchhain eine Rente aus den Gütern zu Gleichen verspricht.
  • 1285: Ritter Otto genannt Hund und die rustici zu Nieder-Gleichen verzichten auf Ansprüche an Gehölz zu Ober-Gleichen.
  • 1290: Die Gebrüder von Gudensberg entsagen ihren Rechten an 3 Hansen zu Gleichen, die Werner von Felsberg dem Deutschen Orden Marburg verkaufte; die Schöffen zu Spieskappel verzichten auf Ansprüche an die von Vikar Walthelm 1287 verkauften Güter.
  • 1292: Helmung von Kaufungen genannt von Gleichen und seine Frau verkaufen dem Kloster Kaufungen eine Hufe zu Gleichen.
  • 1303: Die von Venne verkaufen dem Kloster Merxhausen eine Hufe zu Gleichen.
  • 1304/10: Reinhard verzichtet gegen Kloster Hardehausen auf Ansprüche an Güter zu Gleichen.
  • 1316: Kloster Kaufungen verpachtet die Güter, die es von Heimung von Kaufungen zu Gleichen geschenkt erhielt, dem Ritter von Elben zu Landsiedelrecht.
  • 1325: Gundrad von Venne verzichtet gegen Kloster Hardehausen auf Ansprüche an Güter zu Gleichen.
  • 1329: Die von Elben verschreiben der Kirche Grifte Einkünfte zu Gleichen.
  • 1336: Kloster Breitenau erhält einen Zins aus einem Hof zu Gleichen.
  • 1401: Berthold Terkys erhält von Landgraf Hermann Burglehen zu Gleichen.
  • 1433: Die von Elben haben Güter zu Gleichen inne.
  • 1439: Jakob von Bischofferode bezieht 6 Viertel Frucht aus Gefällen zu Gleichen, die an ihn durch Ludwig von Wildungen verkauft worden waren.
  • 1440: Kloster Kaufungen verkauft die 6 Viertel Korn und Hafer aus seinem Gut zu Gleichen auf Lebenszeit.
  • 1450: Knappe Otto Mulnbach vermacht dem Martinsstift Kassel eine Hufe zu Gleichen.
  • 1508: Kloster Kaufungen belehnt Konrad von Elben mit einer Hufe zu Gleichen; derselbe ist noch 1525 Lehnsmann des Klosters.
  • 1545: Landgraf Philipp belehnt die von Buttlar mit einer Hufe zu Gleichen; folgend Belehnungen bis 1828.
  • 1575/85: Die von Elben haben allerlei Besitz und Gefälle zu Gleichen als hessisches Lehen inne.

Zehntverhältnisse:

1209: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte zu Ober-Gleichen; folgend um 1255, um 1310, um 1340.

Ortsadel:

1247-1392.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1245: sacerdos, ecclesia.
  • Kirche: Romanischer Vorgängerbau in spätgotischer Zeit nach Osten erweitert.

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

um 1544 bestimmt der Landgraf, dass die Pfarrei Gleichen mit der Kaplanei Gudensberg vereinigt werden soll, doch ist sie 1557 mit Kirchberg, 1569 und 1575/85 von Lohne versorgt.

1747 und später: Gleichen Filiale von Lohne.

Patronat:

1275: Guntrad von Venne, Thomas von Gleichen und Heimung von Kaufungen verzichten zugunsten des Deutschen Orden Marburg auf das Patronatsrecht der Kirche zu Gleichen, das dieser bis zu seiner Auflösung 1809 besaß.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Heinrich Schmidt bis 1543

Juden:

1835: 2 Juden.

Nachweise

Literatur:

  • Historisches Ortslexikon Fritzlar-Homberg, S. 105 f.
  • H. Heintel, Farbig gestaltete Bauernkirchen. In: Heimatecho, Hessische Post 17.4.1965.
  • Ein Fund aus dem 30jährigen Krieg. In: Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (1910/11), S.100.
Zitierweise
„Gleichen (Obergleichen), Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4129> (Stand: 12.11.2018)
 
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