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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 41. Borken

Kleinenglis

Stadtteil · 195 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6,5 km südlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf der Mittelterrasse der Schwalm-Niederung am Hundsbach. Östlich des Straßenmarktes die St. Michaelskirche. Moderne Wohnsiedlungen im Westen und Osten.

Ersterwähnung:

(775-786)

Vorbemerkung Historische Namensformen:

In den ältesten urkundlichen Belegen werden die beiden Dörfer nicht unterschieden vgl. daher auch Großenenglis

Historische Namensformen:

  • Engelgis minori, in (1239) [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 70-71, Nr. 107]
  • parvo Engelis, in (1262) [HStAM Bestand Urk. 18 Nr. 83]
  • Klein Engilgis, in (1270)
  • minori Englis, in (1290)
  • minori Enghelis, in (1291)
  • minori Engligis, in (1292)
  • minori Engilgiz, in (um 1310)
  • Wenyngen Engilis (1312)
  • Wenigenengilgis (1313)
  • Wengen Engelgis (1323)
  • Wenygen Engelgys (1339)
  • Wenigen Engilgis (1359)
  • Engelgys unde Engilgys (1374)
  • Wenigen Engilgieß (1397)
  • Cleynengeliß, zu (1447)
  • Wenigen Enggelgyß (1453)
  • Wenigen Engelis (1532)
  • Clein Englis (1563)
  • Klenenglis (um 1570)
  • Wenigen Englis (1575/85)
  • Cleinen Engeles (1602)
  • Klein-Engels (1780)
  • Englis, Klein
  • Klein-Englis

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1258: villa
  • 1374: Dorf

Ortsteile:

  • Kerstenhausen und Kleinenglis (31.12.1971 - 31.12.1973)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Kaiserkreuz,
  • Stockelbacher Mühle,
  • Wüstung: Aldersfeld,
  • Wüstung Errgart-Mühle,
  • Wüstung Hundsburg.

Umlegung der Flur:

1904

Älteste Gemarkungskarte:

1733/1734

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3517893, 5659843
UTM: 32 U 517812 5658019
WGS84: 51.07340756° N, 9.254240766° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 1166 Land, 245 Wiesen, 640 Wald.
  • 1885 (Hektar): 599, davon 358 Acker (= 59.77 %), 60 Wiesen (= 10.02 %), 132 Holzungen (= 22.04 %)
  • 1961 (Hektar): 601, davon 133 Wald (= 22.13 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 55 Hausgesesse
  • 1639: 18 verheiratete Männer 9 Witwen
  • 1724: 74 Personen
  • 1742: 48 Häuser
  • 1747: 44 Hausgesesse
  • 1774: 232 Einwohner
  • 1835: 390 evangelisch-reformierte, 3 römisch-katholische, 7 jüdische Einwohner
  • 1861: 451 evangelisch-reformierte, 9 jüdische Einwohner
  • 1885: 401, davon 400 evangelisch (= 99.75 %), 1 katholisch (= 0.25 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 83 Land- und Forstwirtschaft, 387 Produzierendes Gewerbe, 52 Handel und Verkehr, 67 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 1441, davon 1139 evangelisch (= 79.04 %), 293 katholisch (= 20.33 %)
  • 1970: 1555 Einwohner
  • Um 1570: 47

Diagramme:

Kleinenglis: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 775-(786): in pago Hassorum
  • 1374: Amt Borken
  • 1575/85 und später: Amt Borken; niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Borken
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1312: centurio
  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinde Kerstenhausen in die Gemeinde Kleinenglis eingegliedert. Kleinenglis und Kerstenhausen wurden dann am 1.1.1974 Stadtteile von Borken (Hessen).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1258: Vogt Ludwig von Homberg verkauft Häuser und Höfe, Fritzlarer Bürger Güter zu Klein-Englis an Kloster Hardehausen.
  • 1259: Heinrich und Christine tauschen dem Kloster Hardehausen ihre Güter zu Haddamar und erhalten dafür dessen Güter zu Klein-Englis.
  • 1290: Bei Güterteilung einer Fritzlarer Familie erhält Konrad 3 Mansen Lehen zu Klein-Englis und überlässt sie dem Deutschen Orden Marburg gegen einen Weinberg bei Fritzlar.
  • 1291: Die von Urff verkaufen dem Deutschen Orden Marburg 4 Hufen zu Klein-Englis, Heinrich Zweifleisch und die von Urff überlassen ihre Lehen zu Klein-Englis dem Deutschen Orden Marburg.
  • 1292: Die von Urff verkaufen alle ihre Güter zu Klein-Englis dem Deutschen Orden Marburg.
  • Um 1310 und um 1450: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Klein-Englis.
  • 1312: Die von Rengshausen verkaufen dem Fritzlarer Stiftskantor 7 Hufen zu Klein-Englis.
  • 1314: Hermann von Grune überträgt dem Kloster Haina 7 Mansen zu Klein-Englis.
  • 1329: Der Predigermönch Ludwig von Treysa verkauft dem Kloster Spieskappel Güter zu Klein-Englis.
  • 1339: Klein-Englis wie Groß-Englis hessisches Lehen der von Löwenstein.
  • 1397: Gülte zu Klein-Englis ist von Landgraf Heinrich an die von Urff, dann die von Löwenstein, dann die von Gilsa und Holzsadel gekommen.
  • 1473: Hartmann Schleger verkauft eine Hube und Ländereien an Heinrich Schleger, Altaristen im Stift Fritzlar.
  • 1478: Eckebrecht von Grifte setzt seiner Frau einen Zins zu Klein-Englis aus.
  • 1532: Die von Löwenstein belehnen Junghen Dugel mit einem Acker zu Klein-Englis.

Zehntverhältnisse:

1239: Hermann von Grenzebach trägt von Graf Heinrich von Reichenbach einen halben Zehnten aus Gütern zu Klein-Englis zu Lehen.

1258: Heinrich genannt Angelus erhält von Kloster Spieskappel den Zehnten zu Klein-Englis.

1359: Johann Glasewalt und Johann Scheteler, Bürger zu Homberg, verkaufen einen halben Zehnten zu Klein-Englis an Henne von Urff.

1447: Hans von Urff hat halben Zehnten zu Klein-Englis inne.

1453: Landgraf Ludwig belehnt die von Urff mit den Zehnten zu Klein-Englis.

1494: Landgraf Wilhelm belehnt Philipp von Wildungen mit Zehnten zu Klein-Englis.

1575/85: Die von Urff haben Zehnten zu Klein-Englis als hessisches Lehen, die von Wildungen Zehnten im alten Feld vor Klein-Englis als hessisches Lehen.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1262: capella
  • 1270: plebanus
  • 1311: viceplebanus

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

1575/85 und später: Udenborn Filiale von Englis.

1262: Graf Gottfried von Reichenbach gibt die capella Englis dem Stift Hersfeld als Lehen zurück, um sie dem Kloster Spieskappel zu verleihen.

Patronat:

1270: Graf Gottfried von Reichenbach verzichtet auf Patronat und Pfarrkirche Englis, Stift Hersfeld schenkt es dem Georgkloster Homberg

1578: Patronat auf Erzbischof von Mainz übergegangen, der im Vergleich mit dem Landgraf darauf verzichtet, seitdem landgräflich

Bekenntniswechsel:

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Bernhard Brecht 1534

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf

Juden:

1835: 7, 1861: 9 Juden

Kultur

Historische Ereignisse:

Am 5. Juni 1400 wurde am West-Rand des Ortes Herzog Friedrich von Braunschweig mit seinem Gefolge vom Grafen von Waldeck und den Rittern Kunzmann von Falkenberg und Friedrich von Hertingshausen überfallen und ermordet. Zur Erinnerung an die Tat wurde an dieser Stelle ein Kreuz errichtet. Weil der Herzog Friedrich von Braunschweig - Wolfenbüttel an den Sondierungsgesprächen zur Nachfolge des deutschen Königs am 26.05.1400 in Frankfurt teilgenommen hat, bildete sich im Volksmund der Namen "Kaiserkreuz" heraus, der bis heute verwendet wird.

1638: Brandschatzung des Ortes durch bayerische Truppen.

Nachweise

Literatur:

  • Historisches Ortslexikon Fritzlar-Homberg, S. 71 f.
  • Römer-Buchner, Die Ermordung des Herzogs Friedrich von Braunschweig im Jahre 1400. In: Archiv für Frankfurter Geschichte und Kunst. Neue Folge 1 (1860) S. 161-166.
  • 1150 Jahre Klein-Englis. Festschrift (1952).
Zitierweise
„Kleinenglis, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4091> (Stand: 16.10.2018)
 
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