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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 41. Borken

Großenenglis

Stadtteil · 210 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof

Lagebezug:

6 km südlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss auf einem Bergrücken am Rande des ehemaligen Braunkohle-Tagebaus. Im Süden dreiecksförmiger Ortsgrundriss. Kirche auf wohl ehemals rundlich ummauertem Kirchhof. Westlich davon Gutshof (ehemals Burgsitz), dessen mächtiger Torturm heute als freistehender Kirchturm dient. Östlich anschließend ein weiterer Gutshof. Im Norden unmittelbar anschließend halbkreisförmiger Ortsumriss. Im Osten moderne Wohnsiedlung, die durch die Straße von Gombeth auf die Bundesstraße 3 von der alten Siedlung abgetrennt wird.

Straße von Gombeth auf die Bundesstraße 3.

Vorbemerkung Historische Namensformen:

In den ältesten urkundlichen Belegen werden die beiden Dörfer nicht unterschieden vgl. daher auch Kleinenglis

Historische Namensformen:

  • Angelgise, in (775-786) [Kopialbuch Mitte 12. Jh. Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, Nr. 38 (2), Breviarium sancti Lulli, S. 18]
  • Angilgisi (1074)
  • Angilgis, in (1081) [Fälschung XI]
  • Angelgisen, in (1123)
  • Engilgis, in (1196/97)
  • Engelgis (1197/1200)
  • Enngelsche (1238) [XIII]
  • Enghelghis, de (1253)
  • Engilgis maior (1255)
  • maiori Engelgis, in (1280)
  • Grossen engelgis, in (1284)
  • Englis, de (1287)
  • Engelis, de (1291)
  • Engelsis, de (1292)
  • Engelgiz, de (1293)
  • Engelglis maior (1294)
  • maioris Engelglys, in villa (1298)
  • maioris Englgys, in villa (1298)
  • maiori Engelis, de (1310)
  • Engiliz, in utroque, de (1312)
  • Großenenglis (1339)
  • Engeligis (1359)
  • Engelgys unde Engilgys (1374)
  • Engligis (1425)
  • Großin Engilgis (1427)
  • Grossen Engelgis (1491)
  • Groischen Engelisch (1505)
  • Großen Englis (1537)
  • Grossen Engelisch (1542)
  • Grossen Engliß (1544)
  • Großen Englis (1575/85)
  • Großen-Engels (1780)
  • Englis, Großen-
  • Großen-Englis

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1197: curia
  • 1235: curtis
  • 1282: villa
  • 1374: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Kalbsburg,
  • Wüstung Eschbach,
  • Wüstung Neue Mühle.

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1875

Älteste Gemarkungskarte:

1736

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3519409, 5660418
UTM: 32 U 519327 5658594
WGS84: 51.07852693° N, 9.275901682° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 1460 Land, 170 Wiesen, 985 Wald.
  • 1885 (Hektar): 703, davon 535 Acker (= 76.10 %), 70 Wiesen (= 9.96 %), 56 Holzungen (= 7.97 %)
  • 1961 (Hektar): 991, davon 339 Wald (= 34.21 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 21 Hausgesesse.
  • 1639: 14 verheiratete Männer, 3 verwitwete Hausgesesse.
  • 1724: 106 Personen. 1742: 54 Häuser. 1747: 367 Einwohner.
  • 1834: 722, 1885: 548 Einwohner.
  • 1861: 671 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer, 1 römisch-katholischer, 8 jüdische Einwohner.
  • 1885: 548, davon 538 evangelisch (= 98.18 %), 1 katholisch (= 0.18 %), 9 Juden (= 1.64 %)
  • 1925: 650, 1939: 710, 1950: 1284, 1961: 1079, 1970: 1080 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 143 Land- und Forstwirtschaft, 255 Produzierendes Gewerbe, 30 Handel und Verkehr, 50 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1079, davon 851 evangelisch (= 78.87 %), 217 katholisch (= 20.11 %)

Diagramme:

Großenenglis: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1374: landgräfliches Amt und landgräfliches Gericht Borken
  • 1575/85: Amt Borken; niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Borken
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Wabern
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Borken
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname beym Gericht.
  • 1312: centurio.
  • 1807: Friedensgericht Wabern
  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1339: Dorf Groß-Englis ist ablösbares hessisches Lehen der von Löwenstein.

1374: landgräfliches Amt und landgräfliches Gericht Borken. Dietmar Holzsadel und Wigand von Gilsa erhalten vom Landgraf pfandweise beide Englis.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil in die Stadtgemeinde Borken (Hessen) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 800: Kloster Hersfeld hat Besitz in Englis.
  • 1074: Erzbischof Siegfried von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen unter anderem Besitz in Englis [Fälschung].
  • 1123: Erzbischof Adalbert von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen einen durch Rodingus geschenkten Mansus zu Englis.
  • 1197: Papst Cölestin III. bestätigt dem Kloster Spieskappel einen Hof zu Englis.
  • 1235: Erzbischof Siegfried von Mainz erlässt dem Kloster Spieskappel einen Zins von einem Hof zu Englis; Landgraf Konrad nimmt Hof des Kloster Spieskappel zu Englis in Schutz.
  • 1238: Kloster Haina erhält durch Heinrich von Uttershausen Lehngüter zu Englis.
  • 1242: Graf Gottfried von Reichenbach tauscht seine Güter zu Verna mit Kloster Spieskappel gegen dessen Güter zu Englis.
  • 1255: Stift Fritzlar hat Einkünfte von 2 Mansen in Groß-Englis; folgend 1280, bis noch um 1450.
  • 1264 und 1265: Die von Boyneburg verkaufen dem Kloster Spieskappel ihr Allod und Anteil am Patronat zu Groß-Englis.
  • 1266: Kloster Spieskappel kauft die Güter des Kloster Eppenberg zu Englis und gibt Güter zu Englis an die von Borken zurück.
  • 1267: Kloster Spieskappel kauft Güter verschiedener Adliger zu Englis.
  • 1280: Die von Bischoffshausen übereignen dem Kloster Haina Güter zu Englis, die sie von den von Borken kauften.
  • 1282: Die von Wichdorf verzichten auf die vorgenannten Güter zu Englis; Marquard von Berstadt verzichtet gegen Stift Fritzlar auf Ansprüche an einer Hufe zu Groß-Englis.
  • 1290: Die von Borken verkaufen dem Kloster Haina eine Hufe zu Groß-Englis.
  • 1293, 1295 und 1297: Kloster Haina erwirbt weitere Hufen und Güter zu Groß-Englis.
  • 1298: Ritter Tammo von Elnhausen verkauft seine Güter zu Groß-Englis an Kloster Haina.
  • 1308: Kloster Haina verleiht einen Hof zu Groß-Englis.
  • 1312: Kloster Haina erwirbt eine halbe Hufe, 1317 einen Hof und Güter zu Groß-Englis.
  • 1315-72: Güterbesitz des Klosters Spieskappel in Groß-Englis nachgewiesen.
  • 1341: Antonie von Boyneburg verkauft Güter zu Groß-Englis an Kloster Spieskappel.
  • 1362: Die von Hertingshausen verkaufen dem Stift Fritzlar 2 Hufen zu Groß-Englis.
  • 1395: Ein Gut zu Englis ist Falkenberger Lehen.
  • 1427: Kloster Haina mit 3 Hufen zu Groß-Englis, 1544-93: Familie Katzmann damit belehnt.
  • 1494: Landgraf Wilhelm belehnt Philipp von Wildungen mit Turm auf der Landwehr zu Groß-Englis, 1505: Johann von Wildungen damit belehnt.
  • 1527: Kloster Haina bezieht noch Zinsen aus Groß-Englis.

Zehntverhältnisse:

1259: Volpert von Borken und Heinrich von Boyneburg verkaufen dem Kloster Spieskappel einen halben Zehnten zu Englis.

1298: Werner von Westerburg verkauft Zehnten zu Englis, den Ziegenhain vom Stift Hersfeld zu Lehen trug, an Kloster Haina.

Ortsadel:

1239-1352.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1257:plebanus.
  • 1311: viceplebanus.
  • 1314: ecclesia parrochialis.

Patrozinien:

  • Agathe (1386)

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

seit 1551: Gombeth nach Englis eingepfarrt.

1556 und später: Kalbsburg nach Englis eingepfarrt.

1747: Gombeth Filiale von Englis.

Patronat:

1265: Die von Boyneburg verkaufen Anteil am Patronatsrecht an das Kloster Spieskappel.

1314: Stift Fritzlar und Kloster Spieskappel vergleichen sich alternierend betreffs der Kirche zu Englis.

1521: Stift Fritzlar und Kloster Spieskappel präsentieren gemeinsam.

1527: Hessen erwirbt Patronatsanteil des Kloster Spieskappel, 1578 den Anteil des Stifts Fritzlar; seitdem Landgraf Patron.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Christanus seit 1545

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf.

Juden:

1598: Jude Seligmann aus Groß-Englis bei Homberg ermordet.

1774: 1 Jude.

1835: 15, 1861: 8 Juden.

Flurname Judenacker, -wiese.

gehört im 19. Jahrhundert zur Gemeinde Borken.

Kultur

Schulen:

1660: Schullehrer.

Hospitäler:

Hospital: Flurname beim Spital Garten.

Historische Ereignisse:

Am 23. Juli 1427 wurden die Mainzer unter Graf von Leiningen durch Landgraf Ludwig I. besiegt.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Seit 1942 Braunkohlentagebau und ab 1951/52 -tiefbau (Altenburg II).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Großenenglis, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4090> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde