Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Dillich

Stadtteil · 205 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gerichtsplatz; Hof; Sonstiges

Lagebezug:

9 km südöstlich von Homberg (Efze).

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf einer Niederterrasse der Ohmes. Kirche auf ovalem Platz im westlichen Bereich von Dillich; nördlich anschließend großer Gutshof

Straßen Frielendorf - Nassenerfurth - Borken und Neuenhain - Stolzenbach kreuzen sich im Ortsbereich.

Ersterwähnung:

1008 (Zuordnung ungesichert)

Historische Namensformen:

  • Thielleichi, in loco (1008) [Zuordnung ungesichert Mainzer Urkundenbuch 1 Nr. 245]
  • Dielichen, in (1197)
  • Dielich, in (1209)
  • Dileche, de (1245)
  • Dieleich, in (um 1250) [1. H. XIV]
  • Thiliche (1305)
  • Tieleche (1318)
  • Delike, de (1321)
  • Dylche, czu (1335)
  • Thilche (1356)
  • Dilche (1370)
  • Delche (1425)
  • Dyelche (1490)
  • Dillich (1492)
  • Dilwig (1503)
  • Dilckh (1516)
  • Dilligk (1516)
  • Tilch (1517)
  • Dielicke (1521)
  • Dilch (1535)
  • Dielchenn (1546)
  • Dilig (1568)
  • Dillig (1594)
  • Tillick (1607)
  • Dielch (1609)
  • Dilck, vor (1674)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1008: curtis, locus, predium
  • 1305: villa

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1890

Älteste Gemarkungskarte:

1771

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3520211, 5651409
UTM: 32 U 520129 5649588
WGS84: 50.9975196° N, 9.286844412° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 635 Land, 274 Wiesen
  • 1885 (Hektar): 552, davon 308 Acker (= 55.80 %), 153 Wiesen (= 27.72 %), 41 Holzungen (= 7.43 %)
  • 1961 (Hektar): 514, davon 47 Wald (= 9.14 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1742: 47 Häuser. 1747: 46 Hausgesesse. 1775: 345 Einwohner
  • 1834: 545, 1885: 537 Einwohner
  • 1861: 560 evangelisch-reformierte, 3 römisch-katholisch, 39 jüdische Einwohner
  • 1885: 537, davon 488 evangelisch (= 90.88 %), 1 katholisch (= 0.19 %), 48 Juden (= 8.94 %)
  • 1925: 527, 1939: 513, 1950: 770, 1961: 628, 1970: 573 Einwohner
  • 1961 (Erwerbspersonen): 127 Land- und Forstwirtschaft, 139 Produzierendes Gewerbe, 14 Handel und Verkehr, 34 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 628, davon 554 evangelisch (= 88.22 %), 67 katholisch (= 10.67 %)
  • Um 1570 und 1575/85: 47 Hausgesesse

Diagramme:

Dillich: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1008: in pago Phirnihgowe (Zuordnung ungesichert)
  • 1575/85 und später: Amt Borken, niederes Gericht von Dalwigk, peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton und Friedensgericht Borken
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Borken
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Homberg
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname im Galgenbach am West-Rand der Gemarkung
  • 1302: Vogtei-Gericht unter dem Vronebaum
  • advocatus villicationis 1209
  • vor 1822: Amt Borken
  • 1822: Landgericht Homberg
  • 1832: Justizamt Borken
  • 1868: Amtsgericht Borken
  • 1968: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Borken)
  • 1970: Amtsgericht Fritzlar
  • 1970: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1302: Weistum der Vogtei Dillich, zu der Dillich, Neuenhain und Stolzenbach, 3 Hufen in Sondheim und Singlis gehören. Hegung eines Vogteigericht (vgl. Besitz). Graf Otto von Waldeck und Thammo von Alnhausen einigen sich wegen der Vogtei Dillich.

1318 verpachtet der Landgraf das Schultheißenamt zu Dillich an die von Dalwigk.

Das Mainzer Stift St. Stephan belehnt 1335 den Landgrafen mit Gütern und Gericht Dillich.

1357: Die von Dalwigk verkaufen dem Kloster Spieskappel ein Drittel von Gericht und Dorf Dillich.

1361: iurisdictio des Kloster Spieskappel.

1370: Ein weiteres Drittel des Gerichts Dillich gelangt durch die von Dalwigk an den Landgrafen. Das Mainzer St. Stephansstift belehnt den Landgraf mit Gericht Dillich (folgend Belehnungen bis 1661 auf weitere 100 Jahre).

1370: Dillich gehört dem Mainzer St. Stephansstift und dem Landgrafen 1389. Die Holzsadel schließen mit dem Kloster Spieskappel einen Vertrag wegen der Verpfändung der Vogtei Dillich.

1391: Heinrich von Urff hat widerrechtlich die Vogtei Dillich, Neuenhain und Stolzenbach von den Grafen von Waldeck inne.

1492: Landgraf Wilhelm belehnt die von Dalwigk mit Burg und Dorf Dillich (folgend Belehnungen bis 1826).

1546: Waldecker Vogtei.

1562: Waldeck erhebt Anspruch auf die Ablösung der verpfändeten Vogtei.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil in die Stadtgemeinde Borken (Hessen) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1008: König Heinrich II. überträgt der Kirche St. Stephan - Mainz im Tausch sein predium Dillich.
  • 1197: Papst Cölestin III. bestätigt Kloster Spieskappel Einkünfte zu Dillich.
  • 1209: Stift St. Stephan - Mainz hat Dillich zum Mittelpunkt einer Villikation gemacht;
  • um 1250: 17 Mansen genannt.
  • 1293: Konrad von Urff weist Kloster Spieskappel eine Rente von zwei Huben in Dillich zu.
  • 1302: Grafen Otto von Waldeck und Thammo von Alnhausen einigen sich wegen der Vogtei zu Dillich.
  • 1305: St. Stephan - Mainz überlässt einem Mitkanoniker alle seine Güter zu Dillich.
  • 1356: Die Landgrafen weisen St. Stephan-Mainz für die Gülte zu Dillich eine Zahlung aus Marburg an.
  • 1357: Verkauf eines Zinses aus Gütern zu Dillich an Kloster Spieskappel.
  • 1358: Verkauf von Gütern zu Dillich durch Kloster Spieskappel.
  • 1361: Ein Alsfelder Franziskaner kauft Einkünfte zu Dillich.
  • 1361: von Dalwigk erbauen auf ihrem freien Hof zu Dillich eine Burg.
  • 1362: Kloster Spieskappel kauft Güter zu Dillich; die von Dalwigk verkaufen dem Kloster Spieskappel Einkünfte aus dem Gericht Dillich.

Zehntverhältnisse:

1265: Die von Holzheim hatten halben Zehnten zu Dillich verpfändet.

1398: Zehnter zu Dillich gehört den von Homberg.

1430: Hermann von Hornsberg verpfändet mit landgräflicher Genehmigung seinen Zehnten zu Dillich.

1490: Landgraf Wilhelm belehnt die von Dalwigk mit Zehnten zu Dillich; folgend Belehnungen bis 1840.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1258: plebanus

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

1572: Stolzenbach, Neuenhain Filialen von Dillich

1747 und später: Stolzenbach eingepfarrt, Neuenhain Filiale von Dillich

Seit 1828 bis 1899: Dorheim Vikariat von Dillich

1954: Stolzenbach, Neuenhain Filialen von Dillich

Patronat:

1335: St. Stephan - Mainz belehnt Landgraf mit Kirchlehen zu Dillich; folgend Belehnungen bis 1661 auf weitere 100 Jahre.

1569 und 1575/85: landgräfliches Lehen der von Dalwigk

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: "Herr Hanerich" (Heinrich) bis ca. 1544

Juden:

Juden etwa seit Mitte 18. Jahrhundert

1835: 27; 1861: 39 Juden; 1905: 34; 1932/33: 25 Juden (3,12% der Gesamtbevölkerung)

Elementarschule Zimmersrode besucht.

Der Friedhof liegt in Haarhausen. Er liegt am Rand des Waldgebiets Eichholz zwischen den Straßen "Am Wasserwerk" und der Zimmersröder Straße.(alemannia-judaica)

Wirtschaft

Wirtschaft:

1950: Beginn des Braunkohletagebaus

1957: Beginn des Braunkohletiefbaus

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Dillich, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4034> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde