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4821 Fritzlar
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 30. Fritzlar

Lohne

Stadtteil · 232 m über NN
Gemeinde Fritzlar, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7 km westlich von Gudensberg.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und dichter Gehöftanordnung auf einem nach Osten zur Ems ziehenden Geländerücken. Kirche mit Wehrturm und Kirchhof in zentraler Lage.

Im südlichen Ortsbereich kreuzt die Straße Züschen - Gleichen die Bundesstraße 450.

Ersterwähnung:

803/817

Siedlungsentwicklung:

Karolingerzeitliche Keramikfunde am Nord-Rand von Lohne.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 803/817: villa
  • 1123: curia
  • 1386: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1869, 1874

Älteste Gemarkungskarte:

ca. 1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3518781, 5671779
UTM: 32 U 518700 5669950
WGS84: 51.18066763° N, 9.267530987° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634005050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1579: 83 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 2507 Land, 380 Wiesen und Weinberge, 360 Wald.
  • 1885 (Hektar): 1179, davon 703 Acker (= 59.63 %), 98 Wiesen (= 8.31 %), 300 Holzungen (= 25.45 %)
  • 1961 (Hektar): 1173, davon 312 Wald (= 26.60 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575: 64 Hausgesesse.
  • 1639: 23 verheiratete, 10 verwitwete, 1682: 63 Hausgesesse.
  • 1735: 70 Mannschaften. 1742 und 1747: 80 Häuser bzw. Hausgesesse.
  • 1834: 702, 1885: 779 Einwohner.
  • 1861: 747 evangelisch-reformierte, 1 evangelisch-lutherischer, 26 jüdische Einwohner.
  • 1885: 779, davon 759 evangelisch (= 97.43 %), 2 katholisch (= 0.26 %), 18 Juden (= 2.31 %)
  • 1925: 664, 1939: 654, 1950: 1030, 1961: 750 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 193 Land- und Forstwirtschaft, 130 Produzierendes Gewerbe, 26 Handel und Verkehr, 41 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 750, davon 646 evangelisch (= 86.13 %), 99 katholisch (= 13.20 %)

Diagramme:

Lohne: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1312, 1365: Gericht Lohne
  • 1379: Landgraf Hermann belehnt die von Hune mit einem Zins aus Gericht Lohne
  • 1386, 1437, 1458: Landgraf Ludwig belehnt die von Elben mit Untergericht Lohne, desgleichen 1516 Landgraf Philipp
  • 1403, 1426, 1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1536: Gericht Lohne nach Aussterben der von Elben durch Landgraf eingezogen
  • 1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Gudensberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Fritzlar
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • Flurname Galgenhecke.
  • 1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen.
  • 1807: Friedensgericht Fritzlar
  • vor 1822: Kurhessisches Amt Gudensberg
  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Stadtteil Fritzlar, Stadtgemeinde eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 803/817: Ratlof übergibt Kloster Fulda seinen Besitz zu Lohne.
  • 1122: Erzbischof Adalbert von Mainz tauscht mit Kloster Hasungen eine Hufe zu Lohne.
  • 1123: Derselbe bestätigt Kloster Hasungen seinen Besitz, darunter vier Mansen zu Lohne; desgleichen dem Kloster Breitenau 12 1/2 Hufen zu Lohne.
  • 1200/25: Kloster Hasungen erwirbt eine Hufe zu Lohne.
  • 1209: Stift Fritzlar besitzt einen Mansus zu Lohne.
  • 1255: Ludwig von Züschen vertauscht seine Güter zu Lohne an Kloster Weißenstein.
  • 1259: Die von Uttershausen vertauschen 2 Mansen zu Lohne an Kloster Hardehausen; die von Bischhausen geben dem Ernst von Lohne 3 Hufen zurück, die dieser dem Kloster Hardehausen schenkt.
  • 1279: Otto von Falkenberg verzichtet gegen Kloster Hardehausen auf Güter zu Lohne.
  • 1280: Kloster Merxhausen verkauft seinen Hof zu Lohne der Bonifatiuskapelle Fritzlar.
  • 1294: Kloster Hardehausen verkauft dem Stift Fritzlar die Hälfte, 1295 seine gesamten Güter zu Lohne.
  • 1297: Tilmann von Waldeck und die von Berninghausen ertauschen vom Augustinerhospital-Fritzlar eine Hufe zu Lohne.
  • 1302: Werner von Beichenbach, Kantor zu Fritzlar, schenkt seinem Stift die Erträge seines Allods zu Lohne.
  • Um 1310: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Lohne.
  • 1312: Landgraf Otto verpfändet Dorf Lohne an Graf von Waldeck.
  • 1314: Hermann von Grüne, Kantor zu Fritzlar, schenkt seinem Stift einen Mansus zu Lohne.
  • 1315: Werner von Löwenstein-Westerburg befreit Güter zu Lohne vom Lehnsverband.
  • 1339: Kloster Breitenau verleiht Güter zu Lohne.
  • 1350: Landgrafen Heinrich und Otto verschreiben dem Hermann von Treffurt einen Zins vom Dorf Lohne.
  • 1354: Hermann von Treffurt cediert den Landgrafen einen Zins vom Dorf Lohne.
  • 1364: Die Landgrafen Heinrich und Otto weisen dem Offizial zu Fritzlar und einem Burgmann zu Gudensberg einen Zins zu Lohne an.
  • 1365: Die Landgrafen übergeben der Stadt Züschen 12 Hufen Rodeland zu Lohne.
  • 1379: Landgraf Hermann belehnt die von Hune mit einem Zins aus Dorf und Gericht Lohne.
  • 1386: Die von Hertingshausen haben von Landgraf Hermann Dorf Lohne inne; desgleichen 1396.
  • 1437: Dorf Lohne durch Landgraf an Reinhard von Dalwigk verpfändet, 1448 Rückgabe.
  • 1487: Timo von Waldeck verkauft mit landgräflich Genehmigung eine Korngülte zu Lohne.
  • 1532: Landgraf Philipp verschreibt eine Korngülte aus elf Hufen zu Lohne.
  • 1537: Derselbe belehnt Dr. Johann Fischer mit einem Zins zu Lohne; folgend Belehnungen bis 1568.
  • 1541: Landgraf Philipp verkauft dem Kloster Merxhausen den Hof des Kloster Breitenau zu Lohne.
  • 1545: Landgraf Philipp belehnt die von Buttlar mit einer halben Hufe zu Lohne; folgend Belehnungen bis 1822.
  • 1564: Derselbe belehnt die von Wildungen mit einem Gut zu Lohne; folgend ab 1594 die von Heßberg bis 1823.
  • 1575/85: Die von Elben haben Besitz und Gefälle, die Meisenbug den Rottzehnten, die von Wildlingen Besitz zu Lohne als hessisches Lehen.
  • 1590: Landgraf Wilhelm belehnt Philipp Wilhelm von Cornberg mit Gut zu Lohne; folgend Belehnungen bis 1593.
  • 1612: Landgraf Moritz gibt seinen Hof zu Lohne in Erbleihe.

Zehntverhältnisse:

1275: Stift Fritzlar hat Flachszehnten zu Lohne.

1368: Rottzehnter zu Lohne soll vom Stift Fritzlar zurückgewonnen werden.

1375: Die Landgrafen versetzen dem Ludwig von Wildungen den Rodezehnten zu Lohne.

1571: Landgraf Wilhelm verleiht den Meisenbug den Rottzehnten zu Lohne.

1575/85: Die Meisenbug haben den Rottzehnten als hessisches Lehen.

1836: Ablösung des Zehnten, 1853: des Besthauptes.

Ortsadel:

1213-1293.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1267: plebanus.
  • 1311: rector.
  • Kirche: romanischer Westturm, ehemaliger Wehrturm.

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche;

1569 und 1575/85: Lohne versorgt Gleichen.

1780 und später: Gleichen Filiale von Lohne, dazu 1835 Heimarshausen (Altkreis Wolfhagen) (bis 1869) Filiale von Lohne.

1926: Heimarshausen Filiale von Lohne, später nach Züschen ausgepfarrt.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Tilemann Rode ca. 1530, noch ca. 1535

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Fritzlar.

Juden:

1744: 3 Juden.

1835: 30, 1861: 26 Juden.

Judengasse im Südosten des Ortes.

Friedhof liegt in Obervorschütz.

Kultur

Schulen:

1640: Schule verbrannt.

Historische Ereignisse:

In der Gemarkung das 1894 entdeckte, fälschlich nach Züschen benannte Steinkistengrab.

1427: Plünderung durch Mainz.

1631: Plünderung durch Tilly`sche Truppen.

1640: Brand; Vernichtung bis auf 11 Gebäude.

Wirtschaft

Zoll:

1575/85: 80 Gulden Landzoll.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lohne, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4003> (Stand: 12.11.2018)
 
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