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4821 Fritzlar
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Obermöllrich

Stadtteil · 170 m über NN
Gemeinde Fritzlar, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof

Lagebezug:

3 km östlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss auf Mittelterrasse nördlich der Eder. Im Süden geschlossener Siedlungsteil mit regellosem Grundriss; Kirche und Lindenplatz. Nördlich davon, dem Straßenkreuz Fritzlar - Cappel und Zennern - Werkel folgend, lineare Bebauung. Im Nordwesten Gutshof. Moderne Wohnsiedlung im Westen und Osten.

Straße Fritzlar - Cappel im Zuge eines nördlichen Strangs der alten Fernstraße Köln - Leipzig.

Ersterwähnung:

800

Siedlungsentwicklung:

Am Sportplatz südlich von Ober-Möllrich karolingerzeitliche Keramikfunde.

Historische Namensformen:

  • Melriche [Dronke, Traditiones cap. 6, 97]
  • Meiriche (Anfang 9. Jahrhundert [XII]) (Dronke Traditiones capitulum 6 Nr. 97)
  • Melderiche superiori, in (1209)
  • Meldriche, apud (1227)
  • Meldrich, in (1231)
  • superiori Melderike, in (1234) (Wyss 1, 38)
  • Abirnmelderich (1364)
  • Obirn Melderich (1375)
  • Obern Melderich (1386) (Wyss 3, 1205)
  • Ubern Melderich (1460)
  • Ubermelderich (1469)
  • Ubir Melderich, Meirich, Ubirnmelderich, Obermelderich (1489)
  • Melderichs (1531)
  • Mellerich (1575/85)
  • Obern Melrich (1682)
  • Moellrich (1794)
  • Möllrich, Ober-
  • Ober-Möllrich

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1258: curia.
  • 1338 / um 1350: villa.
  • 1375: Dorf.
  • 1449: Schloß.
  • 1606: Burg.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Lochmühle,
  • Wüstung Lohrmühle
  • Wüstung Mohrmühle
  • Wüstung Roßmühle.

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1890/91

Älteste Gemarkungskarte:

1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3522377, 5665992
UTM: 32 U 522294 5664165
WGS84: 51.12852173° N, 9.318598099° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634005060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1579: 34 1/2 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 1124 Land, 118 Wiesen und Weinberge.
  • 1885 (Hektar): 493, davon 337 Acker (= 68.36 %), 48 Wiesen (= 9.74 %), 3 Holzungen (= 0.61 %)
  • 1961 (Hektar): 494, davon 2 Wald (= 0.40 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 46 Hausgesesse.
  • 1622: 40 Mannschaften, 40 Häuser. 1639: 14 verheiratete, 2 verwitwete Hausgesesse. 1647: 12 Personen, 12 Häuser. 1682: 40 Hausgesesse.
  • 1735: 31 Mannschaften. 1742 und 1747: 46 Häuser bzw. Hausgesesse. 1749: 240 Einwohner.
  • 1834: 485, 1885: 423 Einwohner.
  • 1861: 458 evangelisch-reformierte, 2 römisch-katholische, 33 jüdische Einwohner.
  • 1885: 423, davon 419 evangelisch (= 99.05 %), 0 katholisch, 4 Juden (= 0.95 %)
  • 1925: 462, 1939: 457, 1950: 701, 1961: 634 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 138 Land- und Forstwirtschaft, 147 Produzierendes Gewerbe, 20 Handel und Verkehr, 42 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 634, davon 575 evangelisch (= 90.69 %), 54 katholisch (= 8.52 %)

Diagramme:

Obermöllrich: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1459, 1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Gudensberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Felsberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1822: Justizamt Fritzlar
  • 1867: Amtsgericht Fritzlar
  • 1879: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1338 / um 1350: Dorf Ober-Möllrich durch Hessen an Hermann, Bruder des Landgraf, verpfändet.

1375: Die von Holzheim verkaufen mit Genehmigung Gerlachs von Linne dem Stift Fritzlar eine Gülte aus der Bede des Gericht Ober-Möllrich.

1375, kurz nach 1376 und 1380: Gericht von Linne.

Kurz nach 1376: Gerlach von Linne hat das Gericht in Ober-Möllrich als landgräfliches Lehen.

1377: Die von Felsberg räumen den Landgrafen die Einlösung von Möllrich ein.

1380: Die von Linne verkaufen mit landgräflicher Genehmigung einen Zins aus dem Gericht Ober-Möllrich.

1395: Landgraf Hermann gestattet dem Deutschen Orden Marburg, Dorf Ober-Möllrich zu kaufen.

1406: Die von Holzheim verpflichten sich zur Gültezahlung an Stift Fritzlar aus Bede im Gericht Ober-Möllrich Gericht von Holzheim.

1428: Erbverbrüderung der von Linne mit den Holzsadel, wodurch letztere Anteil an Besitz der von Linne zu Ober-Möllrich bekommen. Landgraf Ludwig belehnt Hermann Holzsadel mit Dorf Ober-Möllrich.

1469: Landgraf Ludwig verleiht Thimo von Wildungen Dorf Ober-Möllrich.

1471: Otto von Linne; folgend Belehnungen bis 1594.

Daneben 1489: Thimo von Wildungen mit Dorf Ober-Möllrich belehnt; folgend Belehnungen bis 1590; dann bis 1593: von Cornberg.

1493: Gebot, Verbot, Gericht und Haus Ober-Möllrich halb landgräflich, halb von Linne.

1453: Grebe.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform neben anderen Gemeinden als Stadtteil Fritzlar, Stadtgemeinde eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 800: Graf Dietrich überträgt Kloster Fulda seinen Besitz in Möllrich.
  • 1209 und noch 1310: Stift Fritzlar hat Zehnteinkünfte in Ober-Möllrich.
  • 1231: Landgraf Heinrich und sein Bruder Konrad schenken dem Deutschen Orden Güter zu Möllrich.
  • 1234: Kloster Ahnaberg gibt dem Deutschen Orden Marburg seine Güter zu Möllrich in Erbpacht.
  • 1253: Graf Berthold von Felsberg schenkt Kloster Breitenau eine Hufe zu Möllrich.
  • 1258: Dietrich von Grüningen, Deutscher Orden Meister in Preußen, verkauft dem Deutscher Orden Marburg den Hof zu Möllrich, der ihm zur Bezahlung der Schulden des verstorbenen Landgraf Konrad überwiesen war (daraus Deutscher Orden Kastnerei, 1305 Komturei; um 1310 nach Fritzlar verlegt).
  • 1271: Kloster Ahnaberg verkauft das ihm eingelöste Gut in Möllrich.
  • 1277: Kloster Breitenau verkauft dem Deutschen Orden einen Mansus zu Ober-Möllrich, Ritter Heinrich von Bischhausen überlässt dem Deutschen Orden einen Mansus zu Ober-Möllrich.
  • 1290: Bei Nachlassteilung eines Fritzlarer Bürgers erhält Deutscher Orden Marburg einen Mansus zu Möllrich.
  • 1295: Stift Fritzlar überlässt dem Deutschen Orden Marburg eine Hofreite zu Möllrich gegen jährlichen Zins.
  • 1320: Volkmar, Sohn eines Fritzlarer Bürgers, verkauft dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Ober-Möllrich.
  • 1341-64: Streitigkeiten zwischen Deutscher Orden Marburg und den von Linne (Besitzinhaber zu Ober-Möllrich) wegen Gemeinweide zu Ober-Möllrich.
  • 1376: Die Landgrafen Heinrich und Hermann versetzen denen von Felsberg ihre Gefalle im Dorf Möllrich.
  • 1386: Notariatsinstrument über die von Gerlach von Linne angefochtene Dienst- und Geschossfreiheit der Deutscher Orden Güter zu Ober-Möllrich.
  • 1436: Die von Linne verkaufen Gülte zu Ober-Möllrich.
  • 1439: Die Gebrüder von Linne verkaufen dem Kloster Ahnaberg einen Zins von der Herbstbede zu Ober-Möllrich.
  • 1448: Die von Linne legen einen Burgsitz auf Friedhof zu Ober-Möllrich an.
  • 1460: Die von Linne verkaufen mit landgräflicher Genehmigung ihre Wiese zu Ober-Möllrich an Eckehard von Grifte.
  • 1520: Deutscher Orden verkauft.seinen Rottzehnten zu Ober-Möllrich an Stift Fritzlar.
  • 1575/85: Die von Wildungen mit Burgsitz zu Ober-Möllrich belehnt.
  • 1794-1822: Die von Baumbach durch Hessen mit Haus Ober-Möllrich belehnt.
  • 1858: von Linne`sches Gut Bauernhof mit gewissen Vorrechten.
  • Deutscher Orden Hof bedeutender Fachwerkbau des 17. Jahrhundert, 1954 abgerissen.

Ortsadel:

1260, 1340.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1277: plebanus, sofern nicht Nieder-Möllrich (Altkreis Melsungen) gemeint ist.

Pfarrzugehörigkeit:

1453, 1569: Ober-Möllrich der Fraumünsterkirche eingepfarrt.

1575/85: Ober-Möllrich Sitz des Pfarrers der Fraumünsterkirche.

1575/85 und später: Cappel Filiale von Ober-Möllrich (dessen noch 1569 bestehende Pfarrei schon spätestens seit Mitte 16. Jahrhundert von Ober-Möllrich aus versehen wurde.

Patronat:

1388 stiften die Patrone Kirchhof und Kapelle in Ober-Möllrich.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Justus Runcke 1541-1572, Pfarrer von Fritzlar-Fraumünster, Kappel und Obermöllrich

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Fritzlar.

Juden:

Um 1750: 1 Handelsjude

1835: 26

1852: 32 Juden in 4 Familien

1861: 33 Juden

Flurname bei der, die Judengasse

Friedhof liegt in Obervorschütz.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Der Deutsche Orden unterhielt eine Goldwäscherei mit geringem Ertrag in der Eder.

Zoll:

1575/85: 40 Gulden Landzoll

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Obermöllrich, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3956> (Stand: 12.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde