Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Breitenbach am Herzberg

Ortsteil · 266 m über NN
Gemeinde Breitenbach am Herzberg, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

16 km südöstlich von Neukirchen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss in der Talenge des Breitenbachs. Von Norden einmündend das Ringelbachtal. Nach Süden öffnet sich die Talenge zum Jossatal. Hauptkomplex der Siedlung in linearer Ausrichtung auf die Bundesstraße 62, die auf der Niederterrasse am linken Ufer des Breitenbachs verläuft. Bei der Ortskirche und an der Einmündung des Ringelbachs in den Breitenbach Siedlungsverdichtung. Von der Kirche nach Nordwesten abführend, in Richtung der ehemaligen Ziegelei, jüngere, meist zweizeilige regelhafte Bebauung, eingeschlossen in den modernen Siedlungskomplex im Nordwesten zwischen Breitenbach und Ringelbach. Im Süden Gewerbesiedlung mit Ausrichtung auf den Bahnhof.

Durch den Ort führt die Bundesstraße 62 im Zuge der alten Landstraße durch die Kurzen Hessen (nördlicher Zweig), die vom Rhein-Main-Gebiet nach Thüringen führte.

Auf die Bundesstraße 62 trifft von Norden Straße von Machtlos (Breitenbach), von Süden Straße von Hatterode.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Niederaula/Niederjossa – Alsfeld (Inbetriebnahme der Strecke 1.4.1915).

Ersterwähnung:

1294

Siedlungsentwicklung:

Der gelegentlich auftauchende Name Nieder-Breitenbach bezeichnet keine Wüstung, sondern den am Ortsende gelegenen dörnbergischen Hof (Scharlau, Siedlung, S. 146).

Historische Namensformen:

  • Breitinbach (1294) [Urkunden H Grafschaft Ziegenhain]
  • Breydenbach apud stratam (bi dem Herczisberge) (1317) [Urkunden A II Kloster Immichenhain]
  • Nidern Breydenbach
  • Breytenbach (15. Jahrhundert)
  • Breitenbach am Herzberg
  • Dörnberger Gericht = Gericht Breitenbach
  • Breitenbach (Herzberg) (1975)
  • Breitenbach a. Herzberg (1977)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Gibgeshof,
  • Steinmühle,
  • Wüstung Engelrode,
  • Wüstung Hohleiche,
  • Wüstung Tiefenbach,
  • Wüstung Keegemühle.

Umlegung der Flur:

1905/1941

Älteste Gemarkungskarte:

1773

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3536360, 5626874
UTM: 32 U 536271 5625063
WGS84: 50.77618859° N, 9.514438321° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632004010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1693 stellbares Land, 397 Wiesen, 43 Gärten, 45 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 589, davon 410 Acker (= 69.61 %), 107 Wiesen (= 18.17 %), 6 Holzungen (= 1.02 %)
  • 1961 (Hektar): 2369, davon 1704 Wald (= 71.93 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 78 Hausgesesse.
  • 1639: keine Angaben. 1681: 30 Hausgesesse, 2 Ausschuss.
  • 1747: 67 Haushaltungen.
  • 1834: 796, 1885: 802, 1895: 776 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 36 Ackerbau, 120 Gewerbe, 35 Tagelöhner.
  • 1861: 739 evangelisch-reformierte Einwohner, 8 Mitglieder abweichender Sekten, 32/34 Juden.
  • 1885: 802, davon 738 evangelisch (= 92.02 %), 1 katholisch (= 0.12 %), 8 andere Christen (= 1.00 %), 55 Juden (= 6.86 %)
  • 1925: 891, 1939: 959, 1950: 1461, 1956: 1272, 1961: 1123, 1970: 1136 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 212 Land - und Forstwirtschaft, 216 produzierendes Gewerbe, 75 Handel und Verkehr, 62 Dienstleistung und Sonstiges.
  • 1961: 1123, davon 1005 evangelisch (= 89.49 %), 109 katholisch (= 9.71 %)
  • 1981: 1828 Einwohner (mit Ortsteilen).
  • 2003: 1960 Einwohner (mit Ortsteilen).

Diagramme:

Breitenbach am Herzberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1294: in officio... Breitenbach (Gericht/Amt Breitenbach),
  • 1477: Teil der neuen Gerichtseinheit des Gerichts unter dem Herzberg
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Breitenbach
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Oberaula
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • Gericht Breitenbach (später auch "Dörnberger Gericht" genannt [Historisches Ortslexikon Kurhessen])
  • Gegen Ende des 13. Jahrhunderts war die Gerichtherrschaft zwischen dem Kloster Fulda und den Grafen von Ziegenhain geteilt.
  • 1249 versetzte Fulda seinen Teil (omnes nostros redditus in officio nostro B.) an die Grafen von Ziegenhain.
  • Spätere Verpfändungen des fuldischen Teils erfolgten dann zusammen mit dem fuldischen Schloss Hausen; so 1369 an die von Falkenberg, 1370-1392 an die von Lißberg
  • 1822: Justizamt Oberaula
  • 1867: Amtsgericht Oberaula
  • 1879: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Neukirchen

Herrschaft:

Am 1.8.1972 im Zuge der hessischen Gebietsreform gebildeter Zusammenschluss aus den Gemeinden

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Breitenbach/von Dörnberg.

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform durch Zusammenschluss eine Neubildung der Gemeinde Bretienbach am Herzberg. Zur deren Entwicklung s. Breitenbach am Herzberg, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Breitenbach am Herzberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1300 verkauft Kloster Fulda seine Einkünfte zu Breitenbach, Wegfurth und Aula für 200 Mark kölnische Denare an die Grafen von Ziegenhain vorbehaltlich der Patronatsrechte zu Herzberg.
  • 1440 verpfändet der Marschall Hermann Riedesel für 100 rheinische Gulden seine Güter und Gülten zu Breitenbach und Hatterode, die er vom Landgraf zu Lehen trug.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Katholische Seelsorgestelle nach 1945,
  • Kirche 1957 erbaut;
  • seit 1964 wird die Seelsorgestelle Breitenbach vom Kuratus in Kirchheim (Altkreis Hersfeld) versehen.

Pfarrzugehörigkeit:

Um 1450: nach Grebenau eingepfarrt.

1492: Filiale von Grebenau.

1502 und 1585: Pfarrei.

Eingepfarrt 1585: Hatterode, Oberjossa, Gehau, Ottersbach, Gibgeshof, Machtlos.

Patronat:

1502 und später von Dörnberg.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Konrad Scharff 1527 bis vor 1538

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605/07

Juden:

Erste Erwähnung von Juden: 1662; eventuell bereits 1610

1696: 5 jüdische Familien.

1744: 4 Juden (Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 23, 1973, S. 300).

1835: 52, 1861: 32/34 Juden. (36?)

1905: 32 Juden. (75?); 1932/33: 72 Juden (7,83% der Gesamtbevölkerung)

Synagoge aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (gemietete obere Etage eines Privathauses; später geht Gebäude an die jüd. Gemeinde über, nun auch Schule und Mikwe); Provinzial-Rabbinat Marburg; Adresse: Zum Herzberg 4. (alemannia-judaica)

Erste lesbare Belegung des Friedhofs 1887; Friedhof unterhalb der Häuser "Am Röteberg" (almeannia-judaica)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Gericht Breitenbach umfasste:

1434: Breitenbach, Machtlos, Gehau, Hatterode, Oberjossa, Ottersbach, (Wüstung) Hohleiche, Gibgeshöfe, (Wüstung) Diefenbach.

1585 und später: Breitenbach, Hatterode, Oberjossa, Gehau, Ottersbach, Gibgeshöfe, Machtlos und Lingelbach.

Wirtschaft:

Baumwollweberei Ende 18./Anfang 19. Jahrhundert durch den Verleger Johannes Guthberlet am Ort eingeführt. Danach entwickelte sich Breitenbach zu einem Zentrum der hessischen Baumwollweberei.

1805/06 wurden 2500 Stück (à 60 Ellen) Schockleinen exportiert.

1807/08: 1650 Stück (Dascher, Textilgewerbe, S. 231).

1830 ist G. L. Berk in der Nachfolge Guthberlets als Verleger in Breitenbach tätig; neben ihm erscheint seit 1829 der Verleger Ph. Gömpel.

Außer Schockleinen wurde in Breitenbach auch Damast produziert.

Um 1840 gab es in Breitenbach 40 Weber, ferner eine Fabrik, "welche zwischen 90 - 100 [Web-]Stühle beschäftigt, die in weiter Runde zerstreut stehen; sie liefert vorzüglich halbleinene Zeuge, Damast usw., und hat ihren größten Absatz nach Baden und Württemberg" (Landau, Beschreibung des Hessengaues, S. 456 f.).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Breitenbach am Herzberg, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3245> (Stand: 16.10.2018)
 
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