Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Niederaula

Ortsteil · 214 m über NN
Gemeinde Niederaula, Landkreis Hersfeld-Rotenburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

10 km südwestlich von Bad Hersfeld

Lage und Verkehrslage:

Chausseen nach Hersfeld, Breitenbach am Herzberg und Heddersdorf. Anschluss an die Bundesautobahn A7 über die Anschlussstelle Niederaula. Weiterer Anschluss an das Straßenverkehrsnetz besteht über die Bundesstraßen B454 und B62, die in der Ortslage aufeinander treffen, sowie die Landesstraße L3471 (Richtung Mengshausen) und die Kreisstraße K31 (nach Hattenbach).

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Hersfeld – Schwalmstadt/Treysa (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1906) bis zur Stilllegung der Strecke am 10.9.1984.

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Bad Salzschlirf – Niederaula/Niederjossa (Inbetriebnahme der Strecke 10.11.1914) bis zur Stilllegung der Teilstrecke am 15.1.1973.

Ersterwähnung:

779

Historische Namensformen:

  • Oulaho (779)
  • Nieder-Aula
  • Aula, Nieder-

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1807: Flecken und Amt

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3542883, 5629700
UTM: 32 U 542792 5627888
WGS84: 50.80114581° N, 9.607242047° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

632015060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 982, davon 586 Acker (= 59.67 %), 263 Wiesen (= 26.78 %), 7 Holzungen (= 0.71 %)
  • 1961 (Hektar): 1020, davon 64 Wald (= 6.27 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 1060, davon 909 evangelisch (= 85.75 %), 6 katholisch (= 0.57 %), 145 Juden (= 13.68 %)
  • 1961: 1935, davon 1524 evangelisch (= 78.76 %), 384 katholisch (= 19.84 %)
  • 1970: 2789
  • 1981: 5316 (mit Ortsteilen)
  • 2003: 5546 (mit Ortsteilen)

Diagramme:

Niederaula: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Niederaula
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Niederaula (zuletzt Landgericht Hersfeld)
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Altkreis:

Hersfeld

Gericht:

  • Niederaula
  • vor 1822: Amt Niederaula
  • 1822: Landgericht Hersfeld
  • 1832: Justizamt Niederaula
  • 1867: Amtsgericht Niederaula
  • 1879: Amtsgericht Niederaula
  • 1932: Amtsgericht Bad Hersfeld
  • 1933: Amtsgericht Oberaula (Zweigstelle Niederaula)
  • 1943: Amtsgericht Oberaula
  • 1945: Amtsgericht Bad Hersfeld

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Mengshausen in die Gemeinde Niederaula. Zu deren weiterer Entwicklung s. Niederaula, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Niederaula.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Ab 779: Kloster Hersfeld
Kirche und Religion

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich um 1527.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Volckmar Kohlhäuser 1538-1541

Katholischer Bekenntniswechsel: 1629, um 1633 wieder evangelisch

Juden:

Provinzial-Rabbinat Fulda, seit 1905 Hattenbach angeschlossen.

1835: 72; 1861: 97; 1905: 132; 1932/33: 88 Juden; 30.5.1942: 9 Juden

1503 wird einer jüdischen Familie ein 4jähriger Aufnahmeschutzbrief gewährt.

Seit dem 18. Jahrhundert lebten mehrere jüdische Familien im Ort. Zwischen 1886-1887 27 jüdische Steuerzahler.

Zum Synagogenverband Niederaula gehörte bis 1878 die Stadt Bad Hersfeld.

Die Synagoge von Niederaula lag in der Bahnhofstraße 13. In den 1950er wird das Gebäude von der katholischen Kirche genutzt, später erfolgt der Umbau zum Wohnhaus.

Eine jüdische Elementarschule existierte ebenfalls, seit 1868 gibt es Unterlagen zu Schule. 1935 Umschulung der Kinder nach Bad Hersfeld.

Berufe: Pferdehandel; Metzgerwesen; Handel, aber auch Handwerk

Vermutlich im 19. Jahrhundert wurde der Friedhof gegenüber dem allgemeinen Friedhof an der Ziegenhainer Straße angelegt. (alemannia-judaica)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Amt Niederaula gehörten nach dem Salbuch von 1610 Asbach, Beyersgraben oder Wolfelbach, Beyershausen, Engelbach, Frielingen, Gersdorf, Gershausen, Hattenbach, Heddersdorf, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Mengshausen, Niederaula, Niederjossa, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode, Scheidehof, Solms, Sternberg und Willingshain.

Das Dorfbuch von 1747 fügte noch Goßmannsrode, Allendorf in Wüsten und Hof Falkenbach hinzu. Allendorf, Frielingen, Hattenbach, Kirchheim und Niederjossa waren adlige Dörfer.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Niederaula, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3088> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde