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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 9. Hofgeismar

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Grebenstein

Stadtteil · 193 m über NN
Gemeinde Grebenstein, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Stadt

Lagebezug:

6 km südöstlich von Hofgeismar

Lage und Verkehrslage:

Von Mauern mit Türmen umgebene Stadt im weiträumigen Essetal unterhalb eines Basaltkegels mit der ehemaligen Burg. Zwischen den einzelnen Stadtteilen gibt es viele Höfe in der umliegenden Landschaft. Hauptverkehrsachse der Stadt ist die Bundesstraße 83 von Kassel nach Bad Karlshafen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bad Karlshafen – Kassel (Carlsbahn; Diemeltalbahn II) (Inbetriebnahme der Strecke 30.3.1848, 29.8.1848).

Ersterwähnung:

1272

Siedlungsentwicklung:

Die Burg Grebenstein wurde zuerst 1279 erwähnt und wahrscheinlich kurz zuvor vom Grafen Ludolf von Dassel erbaut. Noch 1311 bezeichnete man sie als neue Feste. Die neben der Burg entstehende Stadt erscheint zuerst in einer Urkunde von 1324 (Gudenus 3, S. 219). 1356 war bereits eine Neustadt, die sogenannte Freiheit, in der Bildung. 1370 wurden beide Städte vereinigt.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3528792, 5701445
UTM: 32 U 528707 5699604
WGS84: 51.44689631° N, 9.413087129° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633010020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 2687, davon 1881 Acker (= 70.00 %), 136 Wiesen (= 5.06 %), 350 Holzungen (= 13.03 %)
  • 1961 (Hektar): 2697, davon 355 Wald (= 13.16 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Grebenstein: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Amt Grebenstein (zur Entwicklung s. Mittelpunktfunktion)
  • 1614: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Grebenstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Grebenstein
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Grebenstein
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Grebenstein
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Grebenstein
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Hofgeismar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hofgeismar
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hofgeismar
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel

Altkreis:

Hofgeismar

Gericht:

  • a) Gericht Grebenstein:
  • ein Brücken- oder Godinggericht bestand für die 5 Orte Oberhaldessen, Uffeln, Schachten, Riksen und Reinersen (Kopp, Gerichtsverfassung 1, 393)
  • 1455 gehörten zum Gericht Grebenstein Kalden, Hohenkirchen, Hombressen, Westuffeln, Holzhausen, Udenhausen, Burguffeln, Schachten und Frankenhausen sowie die Wüstungen Helpoldessen, Richardessen, Oberhaldessen, Unterhaldessen (= Niederhaldessen), Reinhardessen, Altenfeld, Altenstroford, Kirchenstroford und Ludenbeck (Landau, Ritterburgen 4, S. 373)
  • b) moderne Gerichtsfunktion Grebensteins:
  • 1821: Justizamt Grebenstein
  • um 1900: Amtsgerichtsort (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 182).
  • 1822: Justizamt Grebenstein
  • 1867: Amtsgericht Grebenstein
  • 1879: Amtsgericht Grebenstein
  • 1945: Amtsgericht Hofgeismar
  • 1968: Amtsgericht Hofgeismar

Herrschaft:

1311: neue Feste Grebenstein [Landgrafen-Regesten online Nr. 581]

1322: Stadtsiegel (SIGILLVM CIVITATIS GREVENSTEYNE)

1324: Erwähnung von Bürgern [Landgrafen-Regesten online Nr. 787]

1488: nach Konflikten zwischen Rat und Gemeinde gleichberechtigte Beteiligung der letzteren an der Besetzung der städtischen Ämter (Kämmerer, Schösser, Zäpfer, Baumeister)

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung von Burguffeln, Schachten und Udenhausen in die Stadt Grebenstein. Zur deren weiterer Entwicklung s. Grebenstein, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Grebenstein.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Die Burg wurde zuerst 1279 erwähnt und wahrscheinlich kurz zuvor vom Grafen Ludolf von Dassel erbaut. Sie wurde 1297 von dem Dasselischen Erben Graf Otto von Eberstein dem Landgrafen verkauft und war mainzisches Lehen (Grotefend LR 372). Stadt und Burg gleichermaßen wurden 1325 von Mainz als heimgefallenes Lehen beansprucht.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Die Pfarrkirche Liebfrauen war bereits 1355 bis 1389 der Sitz der hierher verlegten Propstei Hofgeismar. Daneben gab es eine Marienkapelle in der Neustadt Grebensteins.

Patrozinien:

  • Liebfrauen und Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Mit der protestantischen Pfarrei der Klasse Grebenstein war 1872 ein beständiges Vikariat zu Burguffeln verbunden. Eingepfarrt war die Kolonie Friedrichsthal (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 146).

Patronat:

Das Patronat der Pfarrkirche Liebfrauen überließ der Landgraf 1469 dem Kloster Ahnaberg (Schultze 458-460).

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Eckbert Snollanus (wahrscheinlich identisch mit Johannes Vincke) 1525 bis nach 1556, unbekannt, seit wann evangelisch

Kirchliche Mittelbehörden:

a) Zugehörigkeit der Stadt Grebenstein:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archidiakonat St. Marien zu Hofgeismar.

1872 zählte die protestantischen Pfarrei zur Klasse Grebenstein (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 146)

b) Klasse Grebenstein:

Sie umfasste 1872 die Pfarreien Grebenstein, Hofgeismar, Hohenkirchen, Holzhausen, Immenhausen. Kalden, Liebenau, Mariendorf und Schachten (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 146-166).

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, angeschlossen Holzhausen und Immenhausen

1835: 105; 1861: 85; 1905: 57; 1932/33: 48 Juden (1,90% der Gesamtbevölkerung)

1345 Juden erstmals urkundlich erwähnt; danach erst wieder 1631

1730: 19 Schutzjuden im Ort

Eine Synagoge wird im 19. Jahrhundert erwähnt; 1898 wird ein neues Synagogengebäude errichtet.

Seit 1831 bestand eine Elementarschule; 1877 diese kurzzeitig geschlossen, wieder eröffnet; 1911 endgültig geschlossen.

Berufe: Viehhandel, Handel und Handwerk

1851 Friedhof im Ort auf dem Burgberg gelegen, genutzt wird er von 1853-1934; vorher fanden Beerdigungen im Meimbressen statt. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Georg Menck 1546-1548(?)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1585 (Der ökonomische Staat): Umfasst das Amt die Städte Grebenstein, Hofgeismar, Immenhausen und Liebenau, die Dörfer Hohenkirchen, Holzhausen, Kalden, Ostuffeln, Schachten, Udenhausen und Wilhelmshausen, ferner die adligen Höfe Rothwesten, Knickhagen, Amelgotzen, Nordgeismar und Bünigheim.

1747 dieselben ohne Hofgeismar und Liebenau und die adligen Höfe, aber mit den Kolonien (Friedrichsthal erst seit 1777 und) Mariendorf und den Höfen Frankenhausen und Wilhelmsthal.

Mühlen:

1420 Salomonsmühle zu Grebenstein erwähnt (GR Grebenstein; Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 418).

1814 und 1821 werden genannt: Bergmühle, Hegemühle, Steinmühle, Bruchmühle und Ölmühle

Münze:

hessische Münzstätte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Grebenstein, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2066> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde