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Historisches Ortslexikon

Sachsenberg

Ortsteil · 357 m über NN
Gemeinde Lichtenfels, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

17,5 km südwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit einfachem, fast quadratischem älteren Grundriß im Süden mit einem System sich einander rechtwinklig kreuzender Straßen auf einer zwischen den Tälern der westlichen Ederzuflüsse Nuhne und Orke gelegenen Erhebung. Evangelische Pfarrkirche am Nordwestrand der Altstadt, Lutherkirche im Norden neben dem neuen Friedhof, katholische Kirche im Nordosten in Neubausiedlung. Die östlich am Rande der Altstadt vorbeiführende L 3076 von Korbach nach Frankenberg und die im Osten nach Niederorke führende L 3084 kreuzen sich im nördlichen Bereich des Stadtgebiets.

Ersterwähnung:

1251

Weitere Namen:

Siedlungsentwicklung:

Ob mit der 1230 in einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und der Abtei Corvey (Urkunden der Propstei Marsberg, S. 36-38, Nr. 11) gemeinsam zu gründenden, aber nicht benannten Stadt in der Nähe der wohl wenige Jahrzehnte zuvor unter Abt Widukind erbauten Burg Lichtenfels Fürstenberg oder Sachsenberg gemeint ist, muss letztlich offen bleiben. Vgl. hierzu Hessischer Städteatlas: Sachsenberg, Textheft, S. 3-4.

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3485393, 5665660
UTM: 32 U 485325 5663834
WGS84: 51.12578589° N, 8.790292658° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635016080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1399
  • 1961 (Hektar): 1402, davon 4 Wald (= 0.29 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1770: 218 Häuser, 953 Einwohner
  • 1895: 794, davon 783 evangelisch (= 98.61 %), 7 katholisch (= 0.88 %), 4 Juden (= 0.50 %)
  • 1961: 955, davon 828 evangelisch (= 86.70 %), 112 katholisch (= 11.73 %)

Diagramme:

Sachsenberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 14.-16. Jahrhundert: Grafschaft Waldeck, Amt Lichtenfels, zeitweise eigenes Amt Sachsenberg
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Stadt Sachsenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Lichtenfels
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1537: Hochgericht bei den Grafen von Waldeck, städtisches Bürgergericht
  • Sachsenberg gehörte daneben zum Freistuhl in Freienhagen, später zu dem in Sachsenhausen. Im 16. Jh. entwickelte sich aus dem Freigericht ein Landgericht.

Herrschaft:

1262 verpflichteten sich die Ratsmänner und die Gesamtheit der Bürger von Sachsenberg, gemäß einem 1260 zu Volkmarsen abgeschlossenen, weiträumigen Bündnis, dem Abt Thymo von Corvey zu treuem Beistand und versprachen ihm, seine Rechte in ihrer Stadt zu achten. 1267 gingen die Städte Sachsenberg und Fürstenberg sowie die Burg Lichtenfels von der Abtei Corvey pfandweise an Graf Adolf I. von Waldeck. 1297 willigte Corvey in einen Vertrag mit Graf Otto I. ein und verzichtete auf seine Rechte an der Burg und den beiden Städten Sachsenberg und Fürstenberg.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 1. Oktober 1971 zur Stadt Lichtenfels gehörig.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Die ursprünglich überwiegend corveyischen Lehensrechte in Sachsenberg gingen auf die Lichtenfelser Burgmannen von Nymmes und später die von Dalwigk über. Einkunftsrechte, die den Herren von Itter zustanden, fielen an die Klöster Georgenberg und Haina. Daneben gab es einige auswärtige Rechte- und Einkünfteinhaber. Die Grafen von Nassau besaßen einen Hof in Elberinghausen, die Grafen von Wittgenstein eine Wiese bei der Rüsselsmühle. Die Herren von Büren besaßen als Erblehen Wiesen im Eisenbach und Äcker am Horsloh und am Daumberg. Der Pfarrei Viermünden standen zwei Höfe im Butzfeld zu. Weitere Zehntinhaber waren das Gut Hermannsberg, die Landgrafen von Hessen, die Grafen von Nassau und die Herren von Wolmeringhausen. Um 1470 war auch das Kloster Berich an der Eder in Sachsenberg begütert.

Zehntverhältnisse:

In einem im 13. Jahrhundert in den Liber vitae der Abtei Corvey eingetragenen Verzeichnis wird Sachsenberg als Zehntbesitz der Abtei aufgeführt.

1251 wird Werner von Bischofshausen von der Abtei Corvey mit dem halben Zehnten belehnt. Danach gelangt er in die Hände Werners von Bischofshausen, ist 1343 im Besitz der Frankenberger Familie Friling, kommt von diesen an die Lichtenfelser Burgmannen Nymmes und geht schließlich auf die Familie von Dalwigk über, in deren Händen er sich 1537 befindet.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1379: Pfarrkirche (Klosterarchive 3: Oberhessische Klöster, Band 1, S. 343, Nr. 1085)
  • Pfarrkirche aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Einfacher Saalbau mit dreiseitigem Schluss
  • 1894: Lutherkirche (Auferstehungskirche) als Saalbau mit Dachreiter in der Neukirchener Straße errichtet
  • 1962/63: Katholische Kirche St. Lukas

Patrozinien:

  • Maria und Lukas

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich ist Sachsenberg Filial der Kirche zu Oberorke in der Herrschaft Itter. Diese Verbindung ist bis mindestens 1266 belegt, ehe Mutter- und Tochterkirche ihre Rolle tauschen. 1580 gelangt Oberorke zur Pfarrei Viermünden. Nach der Reformation wird Neukirchen kirchlich mit Sachsenberg vereinigt, das Dorf gehörte vorher zusammen mit Münden zu Medebach. 1984 wird die aufgehobene Pfarrei Münden mit dem Filialort Dalwigksthal dem Kirchspiel Sachsenberg eingegliedert, zu dem seit der Aufhebung der unbesetzten Pfarrstelle 1975 auch Neukirchen als Filialgemeinde gehört.

Zwischen 1726 und 1864 existiert eine zweite Pfarrstelle für den Diakon.

Das Kirchspiel Sachsenberg umfasst 2018 die Orte Dalwigksthal, Münden, Neukirchen und Sachsenberg.

Patronat:

Ursprünglich hatten Grafen von Berg und Ravensberg das Patronatsrecht inne. 1366 heiratete Graf Heinrich VI. von Waldeck die Tochter des Grafen Gerhard von Berg und Ravensberg und brachte das Patronat an sich, das er 1379 an die Johanniterkommende in Wiesenfeld übergab.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: 1540

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schröder 1521 bis nach 1547, seit 1540 evangelisch

Der letzte katholische Priester hielt bis 1555 die Messe.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Sendbezirk Geismar

Wirtschaft

Mühlen:

Die bereits um 1400 erwähnte Mahlmühle unter dem Burgberg mit 1 oberschlächtigen Wasserrad stellt ihren Betrieb um 1885 ein

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Sachsenberg, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1708> (Stand: 16.10.2018)
 
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