Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Rhena

Stadtteil · 440 m über NN
Gemeinde Korbach, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km nordwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit regellosem Grundriss und geringer Siedlungsdichte südlich des Goddelsberges. Durch den Ort fließt der Rhenabach und führt als Hauptachse die Bundesstraße 251 (Upländer Straße) von Korbach nach Brilon. Kirche abseits an einem Hang nördlich des Dorfes. Jüngere Bebauung nach Norden in Richtung Goddelsberg und nach Südosten.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Brilon/Wald ("Uplandbahn") seit 1914 (Die Teilstrecke Korbach - Lelbach/Rhena wurde am 30.5.1914 eröffnet, die Teilstrecke Lelbach/Rhena - Eimelrod am 1.5.1916).

Ersterwähnung:

980

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (980)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3485626, 5683844
UTM: 32 U 485558 5682011
WGS84: 51.28923963° N, 8.792890888° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635015140

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1212
  • 1961 (Hektar): 1211, davon 491 Wald (= 40.55 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 24 Häuser
  • 1620: 30 Häuser
  • 1650: 14 Häuser
  • 1738: 31 Häuser
  • 1770: 35 Häuser, 256 Einwohner
  • 1895: 348, davon 347 evangelisch (= 99.71 %), 1 katholisch (= 0.29 %)
  • 1961: 490, davon 454 evangelisch (= 92.65 %), 33 katholisch (= 6.73 %)

Diagramme:

Rhena: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 980: Ittergau, in der Grafschaft des Grafen Asicho (in pago Nihthere et in comitatu Asichonis comitis)
  • 1489: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1546: Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Amt Eisenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Eisenberg
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1537: Hoch- und Niedergericht der Grafen von Waldeck im Dorf Rhena
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

Die Herrschaft ist mit den Herren von Rhena (s. Burg Rhena und Wasserburg Rhena) verknüpft, die im 14. Jahrhundert als Vasallen der Grafen von Waldeck mit der Kirche, zwei Höfen und einer Mühle belehnt werden. 1456 erwirbt Johann von Rhena von Graf Wolrad I. für 100 Gulden die Dienste im Dorf, die erst 1549 wieder eingelöst werden. 1510 ist denen von Rhena das ganze Dorf von den Grafen von Waldeck versetzt. Letztere beanspruchen und halten 1537 das Niedergericht im Ort.

Im 18. Jahrhundert sind Güter in Rhena, u.a. der Grevenhof und der Bemmelhof von den Herren von Rhena als Lehen ausgetan.

Gemeindeentwicklung:

Am 01.07.1970 als Stadtteil in die Stadt Korbach eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 980 überträgt Kaiser Otto II. dem Kloster Corvey u.a. Besitzungen in Rhena. Bei weiteren frühen Besitzbelegen für Kloster Corvey und Graf Dodiko ist die Zuordnung zu diesem Rhena nicht eindeutig (vgl. Namensformen)
  • 1363 verkaufen die Korbacher Bürger Julesberg und Langhele dem Kloster Bredelar ihr in Rhena am Bach gelegenes Gut bzw. Hufe.
  • 1379 erwirbt Kloster Flechtdorf eine Hufe Land in Rhena aus dem Lehnsbesitz der Herren von Rhena.
  • 1537 haben Güter in Rhena die von Rhena, von Viermünden, Kloster Bredelar und Bürger von Korbach.

Zehntverhältnisse:

(1028-1036) schenkt der Bischof Meinwerk von Paderborn der Adligen Reinike u.a. den gesamten Zehnten in Rhena auf Lebenszeit.

1537 besitzen die von Rhena den Zehnten.

Ortsadel:

1216-1814

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • (1332-1344): ecclesia
  • 1355: Pfarrer
  • Kirche aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Einschiffiger Bau mit schmalerem Chor über quadratischem Grundriss und niedrigem querrechteckigem Westturm

Patrozinien:

  • Thomas

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel Rhena gehören 1556-1566 Flechtdorf, vor 1789 auch Schweinsbühl. 1972 ist Alleringhausen Filialgemeinde. Zum Kirchspiel Eimelrod - Rhena gehören 2018 die Orte Eimelrod, Hemmighausen, Deisfeld, Alleringhausen, Neerdar, Bömighausen, Rhena und Schweinsbühl.

Patronat:

(1332-1344) erhalten die Herren von Rhena die Kirche als Lehen von Waldeck

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Ludwig Reinperti (Remberti) 1544-1552

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Wirtschaft

Wirtschaft:

Im 17. und 18. Jahrhundert befindet sich bei Rhena ein Goldbergwerk

Mühlen:

(1332-1344) ist eine Mühle als waldeckisches Lehen im Besitz der Herren von Rhena, ebenso 1537.

Die Mühle am Südrand von Rhena wird bis 1932 durch 1 oberschlächtiges Wasserrad betrieben, das Wasserrad dann durch Turbine ersetzt. Betrieben wurde 1 Walzenstuhl, 1 Mahlgang, 1 Schrotgang, 1 Kreissäge, 1 Putzerei, 1 Graupengang und 1 Zentrifugalsichter. Mühle seit spätestens 1960 nicht mehr in Betrieb

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Rhena, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1697> (Stand: 16.10.2018)
 
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