Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Nieder-Werbe

Stadtteil · 260 m über NN
Gemeinde Waldeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

11,5 km südöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte an einer nach Norden ausgreifenden Bucht des Edersees, die sich durch den Zusammenfluss von Reiherbach und Werbe gebildet hat. Kirche in zentraler Lage. Verbindungsstraßen nach Vöhl, Waldeck (L 3086), Sachsenhausen (L 3200) und Ober-Werbe.

Ersterwähnung:

1196

Weitere Namen:

  • Werbe, Nieder
  • Niederwerbe

Siedlungsentwicklung:

1206 werden die villa Werbe und Nieder-Werbe voneinander getrennt geführt.

Durch den Bau der Edertalsperre werden 1912 die Kirche und zehn Höfe abgerissen und an höher gelegenen Stellen neu errichtet. Auch der Werber Hammer und die Bericher Hütte müssen der Talsperranlage weichen.

Historische Namensformen:

Ortsteile:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • 1206 werden die villa Werbe und Nieder-Werbe voneinander getrennt geführt.
  • Durch den Bau der Edertalsperre werden 1912 die Kirche und zehn Höfe abgerissen und an höher gelegenen Stellen neu errichtet. Auch der Werber Hammer und die Bericher Hütte müssen der Talsperranlage weichen.

Älteste Gemarkungskarte:

1740-1760

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3500588, 5675138
UTM: 32 U 500514 5673308
WGS84: 51.21116726° N, 9.007355427° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635021060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 645
  • 1961 (Hektar): 871, davon 506 Wald (= 58.09 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 28 Häuser
  • 1620: 34 Häuser
  • 1650: 14 Häuser
  • 1738: 19 Wohnhäuser
  • 1770: 30 Häuser, 161 Einwohner
  • 1895: 227, davon 226 evangelisch (= 99.56 %), 1 katholisch (= 0.44 %)
  • 1961: 341, davon 296 evangelisch (= 86.80 %), 41 katholisch (= 12.02 %)

Diagramme:

Nieder-Werbe: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1507: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • 1757: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Waldeck
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Werbe (Sitz in Sachsenhausen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Eder
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Eder
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1816: Oberjustizamt Werbe
  • 1850: Kreisgericht Wildungen
  • 1868/69: Amtsgericht Wildungen
  • 1879: Amtsgericht Niederwildungen
  • 1906: Amtsgericht Bad Wildungen
  • 1957: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

1351 weist der Graf von Waldeck dem Kloster Netze eine Rente von seinem Hof in Nieder-Werbe an. 1507 erfolgt eine Teilung des Ortes zwischen der Eisenberger und der Wildunger Linie der Grafen von Waldeck. Nachdem im 16. Jahrhundert die Herrschaft Itter endgültig an Hessen gelangt ist, wird bei der zwischen den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Waldeck 1590 festgelegten waldeckisch-itterschen Grenze u.a. Niederwerbe der Grafschaft zugesprochen (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10931)

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 Eingliederung in die Stadt Waldeck.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1196 nimmt der Mainzer Erzbischof Konrad das Augustinerchorfrauenstift Berich in seinen Schutz und bestätigt ihm u.a. seinen Besitz in Nieder-Werbe. In der Folge kann der Besitz des Klosters noch vermehrt werden. 1470 besitzt es hier noch 6 Hufen und die Mühle.
  • 1206 bestätigt Papst Innozenz III. dem Kloster Werbe seinen Besitz u.a. in Nieder-Werbe. 1226 erhält das Kloster von den Grafen von Schwalenberg die Holz- und Huderechte. 1231 bestätigt Papst Gregor IX. dem Kloster Werbe den Besitz von drei Mansen mit Zubehör.
  • Klosters Netze hat 1510 einen großen Hof in Nieder-Werbe inne.
  • Nach der Teilung unter den Waldecker Linien Eisenberg und Wildungen sind auch die Fischereirechte im Besitz es Grafenhauses.

Zehntverhältnisse:

1537 sind die Grafen von Waldeck im Besitz des Zehnten

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1474 Pfarrkirche mit Geistlichem (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 9808)
  • Heutiger Kirchbau, ein neugotischer Saalbau mit eingezogenem Chor, 1913-15 als Ersatz für die bei der Flutung des Edersees abgebrochene Dorfkirche.

Pfarrzugehörigkeit:

1474 als Pfarrkirche genannt, nach der Reformation zunächst zu Oberwerbe, 1561 Filial von Sachsenhausen. Um 1600 zeitweise eigene Pfarrei, dann wieder Filial von Sachsenhausen und von Hemfurth, zeitweise im 18. Jahrhundert Filial des Diakonats Waldeck. Im 19. und 20. Jahrhundert als unbesetzte Pfarrstelle zumeist von Sachsenhausen aus versehen. 1975 aufgehoben, jedoch 1984 als Kirchspiel Niederwerbe-Basdorf wieder errichtet, zudem Basdorf und Oberwerba als Vikariatsgemeinden gehören.

Patronat:

1474 präsentiert Kloster Werbe

1564 versieht der Pfarrer von Sachsenhausen die Dörfer Ober- und Nieder-Werbe. Ende des 16. Jahrhunderts wird in einem Kollaturverzeichnis die Pfarrei Niederwerbe als wegen des Klosters vom Grafen von Waldeck zu besetzend bezeichnet. Ob sie damals einen eigenen Pfarrer hatte, ist nicht bekannt.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Caspar Jäger 1535

Juden:

1826: 1 Familie (10 Personen)

gehört zur Gemeinde Sachsenhausen (vgl.alemannia-judaica)

Zwischen 1859 und 1871 werden Juden in den ev. Geburts-, Trau- und Sterberegistern geführt. Vermutlich nur eine oder zwei Familien.

Wirtschaft

Mühlen:

Die Schlagmühle wird seit 1866 nicht mehr betrieben, der Niederwerber Hammer [1895: noch 1 Wohnhaus mit 8 Bewohnern] wird 1885 stillgelegt, die Niederwerber Mühle wiederum durch den Bau der Edertalsperre.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Nieder-Werbe, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1665> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde