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Fürstentum Waldeck und Pyrmont 1866

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Netze

Stadtteil · 310 m über NN
Gemeinde Waldeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

16,5 km südöstlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit geringer Siedlungsdichte an der Straße Bad Wildungen-Korbach (B 485) am Zusammenfluss der drei Quellbäche des Netzebaches. Ehemalige Klosterkirche auf einem Hügel über dem Dorf. Jüngere Besiedlung im Nordwesten nördlich des Fombachs. Bahnhof der Eisenbahnlinie Wabern – Bad Wildungen – Korbach (Inbetriebnahme der Strecke 1.6.1912).

Ersterwähnung:

1216

Siedlungsentwicklung:

1228 gründen die Brüder Volkwin IV. Graf von Schwalenberg und Adolf I. Graf von Waldeck ein Zisterzienserinnenkloster in Netze und übergeben ihm eine hier bereits vorhandene Kirche. Die Entwicklung des Ortes wird in der Folge maßgeblich von diesem geprägt.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • 1228 gründen die Brüder Volkwin IV. Graf von Schwalenberg und Adolf I. Graf von Waldeck ein Zisterzienserinnenkloster in Netze und übergeben ihm eine hier bereits vorhandene Kirche. Die Entwicklung des Ortes wird in der Folge maßgeblich von diesem geprägt.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3506704, 5676597
UTM: 32 U 506627 5674766
WGS84: 51.224243° N, 9.094905995° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635021050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1716
  • 1961 (Hektar): 1602, davon 779 Wald (= 48.63 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1556: 63 Wohnhäuser, 198 Einwohner, im Kloster 34 Personen
  • 1620: 72 Häuser
  • 1650: 20 Häuser
  • 1738: 46 Häuser
  • 1770: 53 Häuser, 323 Einwohner
  • 1895: 538, davon 534 evangelisch (= 99.26 %), 0 katholisch, 4 Juden (= 0.74 %)
  • 1961: 748, davon 637 evangelisch (= 85.16 %), 96 katholisch (= 12.83 %)

Diagramme:

Netze: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1487: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • 1757: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Waldeck
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Werbe (Sitz in Sachsenhausen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis der Eder
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Eder
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1816: Oberjustizamt Werbe
  • 1850: Kreisgericht Wildungen
  • 1868/69: Amtsgericht Wildungen
  • 1879: Amtsgericht Niederwildungen
  • 1906: Amtsgericht Bad Wildungen

Herrschaft:

Nach der Gründung des Klosters Marienthal in Netze durch die Brüder Volkwin IV. Graf von Schwalenberg und Adolf I. Graf von Waldeck werden diesem zahlreiche Schenkungen von ortansässigen Familein gemacht. Die Grafen von Waldeck betrachten die Gründung als Hauskloster und richten in der angebauten Nikolaikirche eine Grablege ein. Nach Einführung der Reformation wird in Netze eine herrschaftliche Meierei eingerichtet.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 Eingliederung in die Stadt Waldeck.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • s. Herrschaft
  • Über Besitz in Netze verfügen auch die Ortsadligen von Netze, die 1290 ihren gesamten Güterbesitz dem Kloster schenken. So verfahren auch die Ritter von Wolfershausen und die Knappen Nagel. Bis 1256 haben die Edlen von Naumburg einen Hof und Dietmar Hopolt eine Hufe.

Zehntverhältnisse:

1256 überträgt Konrad Bulemast die Hälfte des Zehnten mit Zustimmung der Lehnsherren von Bischofshausen dem Kloster Netze. Die andere Hälfte schenkt Werner von Westerburg 1317 dem Kloster, 1376 folgt noch der Zehnte auf dem Berg zwischen Waldeck und dem Kloster.

Ortsadel:

1216

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1228: ecclesia
  • Hallenkirche aus dem 13. Jahrhundert, 1840-45 modernisiert, 1950-59 restauriert

Patrozinien:

  • Maria (1228)
  • Quatuor coronati (1297)

Pfarrzugehörigkeit:

1228 übergaben die Grafen von Schwalenberg und Waldeck ihre Pfarrkirche zu Netze einem Zisterzienserinnenkonvent, dessen Propst fortan die Seelsorge in der Parochie ausüben sollte. 1535 baten die Einwohner des Dorfes den Grafen von Waldeck um die Anstellung eines Pfarrers, was 1537 mit einem evangelischen Pfarrer erfüllt wurde.

Das ursprünglich zur Klosterpfarrei Netze gehörige Waldeck löste sich im Laufe des 13. Jahrhunderts ab und bildete seit 1316 eine eigene Pfarrei.

1993 wird Netze Vikariatsgemeinde von Freienhagen.

Patronat:

Patrone waren 1228 die Schwalenberger, deren Nachkommen, die Grafen von Waldeck im Besitz der Vogtei und der 1537 eingerichteten Pfarrei nachzuweisen sind.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Stephan Rullen 1537-1540

Juden:

1826: 2 Familien (8 Personen)

gehört zur Gemeinde Sachsenhausen vgl.alemannia-judaica. Zwischen 1861 und 1875 vermutlich eine oder zwei jüdische Familien im Ort; Juden werden in dem Zeitraum in den ev. Geburts-, Tauf- und Sterberegistern erwähnt.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

In der Kirche Grablege der waldeckischen Grafen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Netze, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1658> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde