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Fürstentum Waldeck und Pyrmont 1866

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Kleinern

Ortsteil · 261 m über NN
Gemeinde Edertal, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km nordwestlich von Bad Wildungen

Lage und Verkehrslage:

Dorf im Tal des Wesebachs an der Straße Hundsdorf-Giflitz (L 3332). Kirche in erhöhter Hügellage am Nordrand über dem Wesebach

Ersterwähnung:

1197-1200

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3504424, 5667527
UTM: 32 U 504348 5665700
WGS84: 51.14273807° N, 9.062157963° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635009110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1366
  • 1961 (Hektar): 1364, davon 914 Wald (= 67.01 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1541: 24 Häuser
  • 1620: 34 Häuser
  • 1650: 15 Häuser
  • 1738: 34 Häuser
  • 1770: 28 Häuser, 361 Einwohner
  • 1895: 423, davon 416 evangelisch (= 98.35 %), 0 katholisch, 7 Juden (= 1.65 %)
  • 1961: 423, davon 407 evangelisch (= 96.22 %), 11 katholisch (= 2.60 %)

Diagramme:

Kleinern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1487: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck
  • 1537: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • 1757: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Waldeck
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Eder
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1350: Stadtgericht Waldeck aber auch Wildungen
  • 1816: Oberjustizamt Eder (Sitz in Wildungen)
  • 1850: Kreisgericht Wildungen
  • 1868/69: Amtsgericht Wildungen
  • 1879: Amtsgericht Niederwildungen
  • 1906: Amtsgericht Bad Wildungen

Herrschaft:

Der Ortsadel, die Gumpert von Kleinern sind waldeckische Vasallen und haben nachweislich 1350 einen Burgsitz in Kleinern. Die Herrschaft über das Dorf gelangt endgültig erst im Laufe des 15. Jahrhunderts an die Grafen von Waldeck. 1509 veräußert Graf Philipp der Jüngere das Dorf an die von Löwenstein-Löwenstein auf Wiederkauf. Nach 1532 wird es zurückerworben.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 1.1.1974 ist Kleinern Teil der Gemeinde Edertal. Gemeindesitz ist in Giflitz.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1277 verkaufen die Vertreter des Klosters Merxhausen ihre Hufe in Kleinern an das Kloster Haina. 1335 verkaufen Propst Gerlach, Äbtissin Margarete und der Konvent des Klosters Georgenberg dem Marienkloster Netze ihre Güter in Dorf und Gemarkung Kleinern für bezahlte 22 Mark Aacherner Pfennige (Klosterarchive 3: Oberhessische Klöster, Band 1, S. 141, Nr. 434). 1350 wiederum verkauft der waldeckische Lehnsmann Gumpert von Kleinern an Kloster Netze einen Fruchtzins von seinem Hof in Kleinern. 1509 verkauft Graf Philipp der Jüngere von Waldeck der Dorf Kleinern mit allem Zubehör einschließlich des Zehnten auf Wiederkauf an die von Löwenstein-Löwenstein für 355 Gulden. 1532 verlehnt Löwenstein von Löwenstein noch eine schon früher als Lehen vergebene Hufe zu Kleinern. Dann kaufen die Grafen von Waldeck das Dorf zurück.

Zehntverhältnisse:

1320 erwirbt Kloster Berich den Zehnten in Kleinern aus den Händen der Herrren von Itter. 1368 ist der Zehnte waldeckisches Lehen Johanns von Helsenberg. 1470 ist Kloster Berich im Besitz des halben Zehnten. 1537 haben die Grafen von Waldeck neben dem Rottzehnten auch das Besthaupt.

Ortsadel:

(1197-1200)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1225: Pleban
  • Ortskirche (Rechteckbau zu vier Jochen mit Krüppelwalmdach) 1681-86 erbaut

Pfarrzugehörigkeit:

Seit dem Mittelalter Pfarrei Kleinern. 1565 gehört Anreff, das vorher zu Bergheim eingepfarrt war, zum Kirchspiel Kleinern. Seit 1754 ist Gellershausen Filialort, 1921 kommen Albertshausen und Frebershausen an Kleinern, ersteres ist aber 1954 und später wieder Filialgemeinde von Hüddingen.

Patronat:

1495 und um 1600: Grafen von Waldeck

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Johannes Capito 1556-1557 oder 1558

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Bergheim

Juden:

Die Juden aus Kleinern nutzen den Bergheimer Friedhof.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1661-1695 war Kleinern Residenzsitz

Mühlen:

Der Oberste Hammer, ein Sägewerk, wurde seit 1908 nicht mehr betrieben, die Gebäude wurden 1969 beseitigt.

Markt:

1811 werden zwei Jahrmärkte bewilligt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kleinern, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1611> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde