Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Höringhausen

Stadtteil · 347 m über NN
Gemeinde Waldeck, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km östlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Ursprünglich geschlossenes Dorf mit einfachen Grundrissmerkmalen und geringer Siedlungsdichte in ebenem Gelände. Kirche im Süden des Dorfes. Moderne Wohnsiedlungen östlich des alten Dorfes und nördlich der Eisenbahnlinie. Anschluss über L 3118 an die B 251 (Korbach-Kassel)

Bahnhof der Eisenbahnlinie Wabern – Bad Wildungen – Korbach (Inbetriebnahme der Strecke 1.6.1912).

Letzterwähnung:

1264

Weitere Namen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1314)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3499159, 5682129
UTM: 32 U 499085 5680296
WGS84: 51.27400587° N, 8.986888474° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635021040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 7421, davon 3792 Acker, 707 Wiesen, 2692 Wald
  • 1885 (Hektar): 1855, davon 952 Acker (= 51.32 %), 161 Wiesen (= 8.68 %), 695 Holzungen (= 37.47 %)
  • 1961 (Hektar): 1855, davon 687 Wald (= 37.04 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 44 Haushaltungen
  • 1629: 45 Haushaltungen
  • 1742: 74 Haushaltungen und 12 Juden
  • 1885: 757, davon 675 evangelisch (= 89.17 %), 1 katholisch (= 0.13 %), 81 Juden (= 10.70 %)
  • 1961: 1113, davon 972 evangelisch (= 87.33 %), 113 katholisch (= 10.15 %)

Diagramme:

Höringhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Bis 1326: Herrrschaft Itter
  • 14./15. Jahrhundert: Herrschaft und Gericht Itter (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1326: Grafschaft Waldeck, in der Folge jedoch verpfändet
  • 1381: Herrschaft Itter (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1567: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Herrschaft und Gericht Itter, Amt Vöhl (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft und Gericht Itter, Amt Vöhl (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Herrschaft und Gericht Itter, Amt Vöhl (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1648/50: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Itter, Amt Vöhl (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Herrschaft Itter (Pfandbesitz der Wölfe von Gudenberg)
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Itter
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vöhl
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg (bis 1886 noch als Amtsbezirk/Verwaltungsamt Vöhl)
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 14: Jahrhundert: Kleingericht Höringhausen
  • 16. Jahrhundert: Freigericht Korbach
  • 1765: Rügegericht Höringhausen als Lehen der Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Hochgerichtsbarkeit beim Fürstlichen Amt in Vöhl (Grimm, Weistümer 6, S. 731-732)
  • 1821: Landgericht Vöhl
  • 1867: Amtsgericht Vöhl
  • 1932: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

1264 hat Regenhard, Herr der Burg in Itter, den Patronat und die Vogtei über die Kirche in Höringhausen inne. 1314 tragen Heinrich von Itter und sein Sohn Heinrich dem Grafen Johann [I.] von Ziegenhain die Dörfer Wammeringhausen und Höringhausen zur Belehnung auf. 1326 können die Grafen von Waldeck zwar die Vogtei, das Gericht und das Patronatsrecht in Höringhausen von Itter erwerben, doch ist die Erwerbung nicht dauerhaft. Die Herrschaft Itter gerät im 14. Jahrhundert in den zwischen den Erzbischöfen von Mainz, den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Waldeck ausgetragenen Konflikt um die Landeshoheit. 1356/57 kommt es zur Eroberung der Burg Itter durch die Konkurrenten, die sich die Herrschaft Itter in der Folge teilen und Herrschaftsbereiche verpfänden oder als Lehen ausgeben.

1362 wird Höringhausen an die Wölfe von Gudenberg verpfändet, die seit 1381 auch Pfandinhaber von Itter sind und das Gebiet um Höringhausen zu einer Enklave im waldeckischen Herrschaftsgebiet ausbauen können. 1568 wird das halbe Dorf mit Patronat an die Wölfe zu Gudenburg zu Mannlehen verliehen, die es noch 1787 besitzen. Höringhausen ist neben Meimbressen der zweite Hauptsitz der Familie (HStAM Bestand Urk. 144). Im 18. Jahrhundert hatten die Landgrafen von Hessen-Darmstadt die hohe, die Wölfe von Gudenberg die niedere Gerichtsbarkeit inne (1765 Grimm, Weistümer 6, S. 731-732).

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 Eingliederung in die Stadt Waldeck.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1267 übereignete der kinderlose Sigebodo von Itter dem Kloster Bredelar seinen Hof (curtis) in Höringhausen. 1351 überließen die Brüder Walhusen dem Kloster einen Hof in Höringhausen. 1526 übertrug das Kloster den Grafen von Waldeck seinen Hof in Höringhausen.

Zehntverhältnisse:

1289 schenken Sibodo und Heimemann von Itter insgesamt drei Viertel Teil des Zehnten zu Höringhausen dem Kloster Netze.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1255: Pleban
  • 1264: Kirche
  • Der ältere Kirchbau brannte 1734 nieder, der 1735-37 errichtet Neubau wurde 1739 geweiht. Westturm noch aus dem 14. Jahrhundert, Saalbau mit dreiseitigem Schluss

Patrozinien:

  • St. Magnus

Pfarrzugehörigkeit:

Bereits im Mittelalter Pfarrei ohne Filiale, nur 1618-1688 wird der Ober-Werba von Höringhausen versehen. Noch 1994 eigenständiges Kirchspiel Waldeck-Höringhausen mit Aufgaben im Bereich der Mission und Ökomene, bilden die Gemeinden Meineringhausen und Strothe 2018 gemeinsam mit Höringhausen einen Gesamtverband.

Patronat:

1264 hat Regenhard, Herr der Burg Itter den Patronat über die Kirche in Höringhausen inne. 1326 versetzen die Herren von Itter das Patronatsrecht, das sie von Kloster Corvey zu Lehen trugen, den Grafen von Waldeck. In der Zeit der Verpfändung an die Wölfe von Gudenburg fällt wohl auch das Patronatsrecht an diese. 1568 wird es ihnen mit dem halben Dorf als Mannlehen verliehen.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Christoph Lamperti 1568-1583, wegen ärgerlichen Lebens abgesetzt.

Bis 1555 von Pfarrer Caspar Jäger aus Ober-Werbe versehen.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Bis 1530: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen

Juden:

Statistik: 1700: 2 Familien; 1742: 12 Juden; 1786: 22 Haushaltsvorstände; 1830: 85 Personen; 1905: 66 Personen; 1932/33 28 Personen (5 Familien) (2,80% der Gesamtbevölkerung)

Seit Beginn des 18. Jahrhunderts bestand eine jüdische Gemeinde im Ort. 1828 bzw. 1843 wurde eine Synagogenordnung erlassen. Bis 1866 Amtsrechte beim Rabbinatsbezirke Gießen, offizielle Zuteilung zum Rabbinat Marburg erst 1885 auf Wunsch der Gemeindemitglieder. Zwei jüdische Gemeindemitglieder fielen im 1. Weltkrieg, ihr Name wurde nach 1933 vom Kriegerdenkmal entfernt.

Berufe: Zumeist im Vieh- und kleineren Handel aktiv, sie galten als arm.

Zwischen 1870-1875 lebte eine jüdische Familie in Nieder-Waroldern, die vermutlich zur Gemeinde Höringhausen gehörte.

Synagoge: Erste Synagoge vor 1847; Synagogenneubau zwischen 1852 und 1865 an der Arolsen-Wildunger Straße. Nach 1945 wurde die Synagoge zu eine Kirche umgebaut.

Schule: Seit 1869 jüdische Elementarschule, zunächst als Privatschule. 1871: 26; 1873: 23 Schüler. 1886 Antrag auf Umwandlung in eine öffentliche Elementarschule, in diesem Jahr 16 Schüler. Stetiger Rückgang der Schülerzahl; nach 1917 wohl aufgelöst.

Friedhof Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt, am Komberg rund 500 Meter vom Ort entfernt; letzte Belegung 1936

Schächteramt

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1326 werden die wüsten Orte Schiebenscheid, Wammeringhausen, Rickersbruch, Neudorf, Aldenhagen, vermutlich der spätere Ort Elleringhausen (Eltzerenckhusen) sowie In der Schönnea als Zubehör genannt.

Mühlen:

1854 wird eine Ölmühle erwähnt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Höringhausen, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1584> (Stand: 16.10.2018)
 
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