Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Fürstenberg

Ortsteil · 433 m über NN
Gemeinde Lichtenfels, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

12,5 km nordöstlich von Frankenberg (Eder)

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Bergkegel östlich des Heimbachs. Straßennetz in Rippenform, Kirche an der Südwestseite. Verbindungsstraßen nach Rhadern und zur L 3076, Immighausen und nach Buchenberg bzw. zur B 252

Ersterwähnung:

1252

Siedlungsentwicklung:

Ruine Fürstenkirche (= Fürstenhagen?) ca. 1 km östlich des Ortes.

Ob mit der 1230 in einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und der Abtei Corvey (Urkunden der Propstei Marsberg, S. 36-38, Nr. 11) gemeinsam zu gründenden, aber nicht benannten Stadt in der Nähe der wohl wenige Jahrzehnte zuvor unter Abt Widukind erbauten Burg Lichtenfels Fürstenberg oder Sachsenberg gemeint ist, muss letztlich offen bleiben. Vgl. hierzu Hessischer Städteatlas: Sachsenberg, Textheft, S. 3-4.

Stadtanlage im Zusammenhang mit der Burg Fürstenberg. Befestigung mit Mauer und einem Tor im 19. Jahrhundert entfernt

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Bei den Belegen zu Fürstenhagen (Indago principis) ist fraglich, ob dieses mit Fürstenberg identisch ist, oder ob es sich um einen wüst gefallenen Ort, möglicherweise im Bereich der Fürstenkirche östlich von Fürstenberg, handelt. Vgl. Bockshammer, Grafschaft Waldeck, S. 232 und Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, Register S. 530

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • oppidum (1254)
  • SIGILLVM OPPIDANORUM IN FRVSTENBERG (1254)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3488480, 5670662
UTM: 32 U 488411 5668834
WGS84: 51.17081775° N, 8.83422721° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635016020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 847
  • 1961 (Hektar): 847, davon 389 Wald (= 45.93 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1620: 50 Häuser
  • 1650: 3 Häuser
  • 1738: 45 Häuser
  • 1770: 57 Häuser, 273 Einwohner
  • 1895: 351, davon 342 evangelisch (= 97.44 %), 9 katholisch (= 2.56 %)
  • 1961: 386, davon 362 evangelisch (= 93.78 %), 18 katholisch (= 4.66 %)

Diagramme:

Fürstenberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1267: Grafschaft Waldeck
  • 1397: Grafschaft Waldeck (als Pfand ausgetan)
  • 1466: Grafschaft Waldeck, als Lehen an Luwig von Eppe
  • 1472: Grafschaft Waldeck, als Lehen an Konrad von Viermünden
  • 1518-1715: Grafschaft Waldeck, als Lehen an die Herren von Twiste
  • 1715: Fürstentum Waldeck, Stadt Fürstenberg
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Stadt Fürstenberg
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Lichtenfels
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt des Eisenbergs (Sitz in Korbach)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt Eisenberg (Sitz in Korbach)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis des Eisenbergs
  • 1919-1929: Freistaat Waldeck, Kreis des Eisenbergs
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1387: Freistuhl Fürstenhagen
  • 1473: Gerichtsbarkeit der Herren von Dalwigk in erster Instanz
  • 1579: peinliche Gerichtsbarkeit der Herren von Dalwigk
  • 1814: Oberjustizamt des Eisenbergs in Korbach
  • 1850: Kreisgericht Korbach
  • 1868/69: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

1267 verpfänden der Kölner Erzbischof Engelbert und der Bischof Simon von Paderborn als Vormünder des Stifts Corvey dem Grafen Adolf von Waldeck Burg Lichtenfels mit Sachsenberg und Fürstenberg. 1297 willigt Corvey in einen Vertrag mit Graf Otto I. ein und verzichtet auf seine Rechte an der Burg und den beiden Städten Sachsenberg und Fürstenberg.

1321 unternimmt die Abtei Corvey einen letzten Versuch der Wiedergewinnung seiner Rechte, doch die angerufenen Schlichter Graf Heinrich von Schwalenberg und Gottschalk von Padberg entscheiden in allen Punkten zu Gunsten des Grafen Heinrich von Waldeck.

1397 verpfändet Graf Adolf III. u.a. Fürstenberg an seinen Bruder Heinrich. Seit dem 15. Jahrhundert wird Fürstenberg zumeist von Waldeck an verschiedene Adelsgeschlechter verpfändet, 1472 Konrad von Viermünden, 1518 die Herren von Twiste, die den Besitz bis 1715 innehatten. In der Folge bis 1848 erhalten die von Dalwigk den Freistuhl samt Abgaben zu Lehen.

1362: Bürgermeiser (proconsul) und 8 Räte (consules)

1481 vereinbart Kurt von Viermünden als Lehnsinhaber von Freistuhl und Gericht Fürstenberg mit den Einwohnern von Burg und Stadt zur Hebung des jämmerlichen Zustandes eine Stadtordnung (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 2421 a). Wahl eines Bürgermeisters und 4 Räten jährlich am 26. Dezember durch die Gemeinde.

Gemeindeentwicklung:

Seit dem 1. Oktober 1971 zur Stadt Lichtenfels gehörig.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Kloster Schaaken erwirbt neben dem Zehnten Haus-, Grund- und Rentenbesitz in Fürstenberg, u.a. von Fürsternberger Bürgern.

Zehntverhältnisse:

In einem im 13. Jahrhundert in den Liber vitae der Abtei Corvey eingetragenen Verzeichnis wird Fürstenberg als Zehntbesitz der Abtei aufgeführt. 1252 verpfändet der Abt von Corvey an den Ritter Dietrich von Horhusen den halben Zehnten in Fürstenberg, zwei Jahre später erhält ihn nach Wiedereinlösung das Kloster Schaaken

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Bei der ecclesia iuxta in Forstinhagen (Mitte 13. Jahrhundert) handelt es sich wohl um die Fürstenkirche östlich von Fürstenberg.
  • 1254: capelle
  • 1350: Pfarrer Johannes von Reyn (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 9104)
  • 1507: Pfarrstelle
  • Spätromanischer Bau aus dem Anfang des 13. Jahrhunderts, von dem noch der Chor und Teile des Mauerwerks vom Schiff erhalten sind. Die Kirche wurde im 30jährigen Krieg teilweise zerstört und danach wieder errichtet.

Patrozinien:

  • Michael

Pfarrzugehörigkeit:

1240 Pfarrei, zu der später auch Rhadern als Filialgemeinde gehört. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zeitweise von Immighausen oder Goddelsheim versehen. 1973 Aufhebung der Pfarrstelle Fürstenberg und Eingliederung als Vikariatsgemeinde in das Kirchspiel Lichtenfels-Goddelsheim

Patronat:

1240 gibt der Propst von Schaaken auf Veranlassung des Abtes von Corvey den Einwohnern von Fürstenberg das Recht, den Pfarrer zu wählen, der dann von Schaaken das beneficium erhalten soll. 1507 wird die Pfarrstelle von Schaaken besetzt, 1518 geht das Kirchlehen von Waldeck an die Herren von Twiste, das Patronatsrecht fällt an die Äbtissin des 1557 eingerichteten adligen Frauenstifts Schaaken

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Longinus Hamell um 1558-1588

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Kultur

Historische Ereignisse:

Zerstörungen im 30jährigen Krieg

Wirtschaft

Markt:

1756 sollen die vier in Abgang geratenen Jahrmärkte reaktiviert werden.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Fürstenberg, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1540> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde