Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Neustadt

Stadtteil · 148 m über NN
Gemeinde Breuberg, Odenwaldkreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Mühle; Siedlung; Stadt

Lagebezug:

18 km nordöstlich von Erbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss im Buntsandsteingebiet bei einseitiger Tallage.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Aschaffenburg/Süd – Höchst i. Odw. ("Bachgaubahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1912), Strecke ab hier bis Großostheim am 26.5.1974 stillgelegt.

Ersterwähnung:

1113

Siedlungsentwicklung:

Neustadt ist etwa zeitgleich mit der Burg Breuberg als Siedlungsbereich für Handwerker und Burgmannen enstanden.

Historische Namensformen:

  • Nuenstat (1113) [Simon, Grafen zu Erbach, Nr. 1]
  • Nuwestat bie Brüberg (1308-1388)
  • Nuwenstat (1409)
  • Nuwenstad undewendig Bruberg, zu der (1437)
  • Newstatt (1454)
  • Nova Civitate (16. Jahrhundert)
  • Newenstat (1602)
  • Newstatt under Breyberg (1614)

Ortsteile:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3503028, 5519536
UTM: 32 U 502952 5517768
WGS84: 49.81234717° N, 9.041027212° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

437004020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1950, davon 559 Acker, 207 Wiesen, 139 Wald, 18 Weinbergsland
  • 1961 (Hektar): 648, davon 447 Wald (= 68.98 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1730: 79 wehrfähige Männer
  • 1829: 892 Einwohner
  • 1961: 1189, davon 892 evangelisch (= 75.02 %), 255 katholisch (= 21.45 %)
  • 1970: 2281 Einwohner

Diagramme:

Neustadt: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Grafschaft Erbach-Schönberg, Herrschaft Breuberg (halb). Die andere Hälfte gehörte zum Fürstentum zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Breuberg (zur Standesherrschaft Löwenstein-Wertheim gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Breuberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Breuberg mit Sitz in Neustadt
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Neustadt, danach aufgelöst
  • 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis

Altkreis:

Erbach

Gericht:

  • Sitz eines eigenen Zentgerichts (vgl. Mittelpunktfunktionen)
  • 1820: standesherrliches Amt breuberg
  • 1822: landgericht Höchst
  • 1879: Amtsgericht Höchst

Herrschaft:

1378 erlaubt Kaiser Karl IV. dem Grafen Johann von Wertheim, in seinen Dörfern Bruberg und Rosenthal zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt zu halten und gesteht diesen die Freiheiten der Reichsstadt Gelnhausen zu (Simon, Grafen zu Erbach, Nr. 97; Regesta Imperii 8, Nr. 5915).

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 Eingleiderung der Gemeinde Rai-Breitenbach mit Mühlhausen. Am 1.10.1971 zur Stadt Breuberg

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1113 bestätigt König Heinrich V. den Brüdern der Celle in Michelstadt den Besitz eines Mansus in Neustadt. (1380-1388) hat Meynloch alles, was er zu Neustadt besitzt, von Dieter von Bickenbach zu Lehen. 1409 bekennt Henne von Rosenbach, 1 Hofreite von Graf Johann von Wertheim als Burglehen zu Breuberg erhalten zu haben. 1456 übereigenet der Abt von Fulda dem Grafen Wilhelm von Wertheim ein Haus nebst Hofreite.
  • 1378 erlaubt Kaiser Karl IV. dem Grafen Johann von Wertheim, in seinen Dörfern Bruberg und Rosenthal zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt zu halten und gesteht diesen die Freiheiten der Reichsstadt Gelnhausen zu.1564 wird Neustadt im Verzeichnis der Städte und Dörfer der Grafschaft Erbach und Herrschaft Breuberg genannt.
  • 1806 kommt Neustadt mit der gleichnamigen Zent an das Großherzogtum Hessen.

Zehntverhältnisse:

1454 hat Boppo Gans von Graf Wilhelm von Wertheim einen Teil vom Zehnten zu Neustadt von der Herrschaft Breuberg wegen zu Lehen.

Ortsadel:

Im 15. Jahrhundert Adel belegt

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1421 erteilt der Patriarch Ludwig von Aquileia der von Sandbach abgängigen Filialkirche einen Ablass.
  • 1480 Bau der heutigen Pfarrkirche (Stiftungstafel des Grafen Wilhelm von Wertheim)

Patrozinien:

  • Maria und Georg und Sebastian und Oswald

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche ist Sandbach

Patronat:

Das Patronatsrecht haben die von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation ab 1526 durch die Grafen von Wertheim.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat

Kultur

Schulen:

um 1580 Lateinschule

um 1700 deutsche Schule

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Sitz eines Zentgerichts, zu dem 1557 Neustadt, die Wolfer Höfe und vielleicht auch der Arnheiterhof gehörten.

Mühlen:

Im 16. Jahrhundert ist ein Müller (molitor) in Neustadt belegt.

Markt:

378 erlaubt Kaiser Karl IV. dem Grafen Johann von Wertheim, in seinen Dörfern Bruberg und Rosenthal zwei Jahrmärkte und einen Wochenmarkt zu halten.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Neustadt, Odenwaldkreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14011> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde