Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Erbach

Stadtteil · 223 m über NN
Gemeinde Erbach, Odenwaldkreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

1 km südlich von Erbach

Lage und Verkehrslage:

Im Tal der Mümling, linker Nebenfluss des Mains, im westlichen Odenwald.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Hanau – Eberbach ("Odenwaldbahn I";"Mümlingtalbahn") seit 1871. Die Teilstrecke Groß-Umstadt/Wiebelsbach-Heubach - Erbach wurde am 24.12.1871 eröffnet und die Teilstrecke Erbach - Beerfelden/Hetzbach am 1.3.1882 in Betrieb genommen.

Ersterwähnung:

1095

Siedlungsentwicklung:

Erbach entstand in Anlehnung an die aus dem 13. Jahrhundert stammende Burg, zunächst als Siedlung der Burgmannen (16 Höfe): das Städtel, mit Mauern und Türmen befestigt. Seit dem 15. Jahrhundert Ansiedlung von Handwerkern, Dienern und Ackerleuten vor der Stadt in planloser Anlage, nur durch Umzäunung geschützt: der Flecken. Mauerteile und ein Eckturm erhalten.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Das ehem. Schloss der Grafen zu Erbach-Erbach in der Mitte der Altstadt ist ein barocker Schlossbau, in welchen der Bergfried, der einzige Überrest der mittelalterlichen Wasserburg, integriert wurde. In der spätmittelalterlichen Einhardskapelle stehen 16 Grabdenkmäler des 12. bis 15. Jahrhundert aus der Einhards-Basilika in Steinbach. Der neugotische Rittersaal diente der Ausstellung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Waffen. Zwei römische Zimmer wurden 1805 im Stil römischer Villen erbaut. Die ev. luth. Hubertuskapelle wurde 1872/73 eingerichtet. Reiche Ausstattung mit Heiligenfiguren und Renaissance-Epitaphen. Am Schloss liegt der Archivbau, die ursprüngliche Kanzlei von 1571 und der 1550 errichtete sog. Alte Bau, in dem Stallungen, Remise und Beamtenwohnungen untergebracht waren und sich heute die Stadtbücherei befindet. Des Weiteren der sog. Damenbau von 1550 und der Kanzleibau, das ehemalige Kornhaus, von 1539-51.
  • Mauerteile und vier Ecktürme der ehemaligen Stadtbefestigung aus der Zeit vor 1400 erhalten. Das vordere Tor ist seit 1594 Bestandteil des Rathauses (sog. Städtelbogen).

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3499659, 5502374
UTM: 32 U 499584 5500613
WGS84: 49.65805283° N, 8.994235481° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

437006050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2725, davon 1294 Acker, 359 Wiesen, 946 Wald
  • 1961 (Hektar): 966, davon 376 Wald (= 38.92 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1623 huldigen 11 Bürger dem Erzbischof von Mainz
  • 1829: 1934 Einwohner
  • 1961: 5610, davon 4297 evangelisch (= 76.60 %), 1118 katholisch (= 19.93 %)
  • 1970: 7004 Einwohner

Diagramme:

Erbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1787: Grafschaft Erbach-Erbach, Anteil an der Grafschaft Erbach, Amt Erbach (zum Umfang s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Starkenburg, Amt Erbach (zur Standesherrschaft Erbach gehörig)
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Erbach (zur Standesherrschaft Erbach gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Erbach
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Erbach
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Erbach
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Erbach
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Odenwaldkreis

Altkreis:

Erbach

Gericht:

  • Bis ins 13. Jahrhundert zur Zent Michelstadt, dann eigene Zent (zum Umfang s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1820: standesherrliches Amt Erbach
  • 1822: Landgericht Michelstadt
  • 1879: Amtsgericht Michelstadt

Herrschaft:

1731 fiel das Amt Erbach an Graf Georg Wilhelm.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Erbach, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Erbach.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1311 verpfändet Pfalzgraf Rudolf die Burg zu Erbach mit Gericht, Vogtei, Holzmark und Zubehör an Schenk Eberhard von Erbach, Gottfried von Bickenbach und Werner von Libsberg. 1321 verzichtet Schenk Eberhard von Erbach auf Erbach, Burg und Stadt gegenüber Eberhard von Breuberg und Schenk Konrad von Erbach. 1365 entscheidet Pfalzgraf Ruprecht im Streit zwischen Erbach und Frau Lukart von Eppstein nebst ihren Söhnen, dass Erbach fortan bei den Schenken verbleiben soll. 1381 bewilligt Pfalzgraf Ruprecht, dass Schenk Eberhard von Erbach seine Ehefrau Elisabeth, geborene von Katzenelnbogen, mit der Hälfte an Burg und Stadt und dem, was dazu gehört, bewittumt. 1398 belehnt Pfalzgraf Ludwig Schenk Konrad von Erbach mit Burg und Stadt Erbach. 1806 kommt die Stadt mit dem gleichnamigen Amt an das Großherzogtum Hessen.

Zehntverhältnisse:

1398 ist der Zehnte pfälzisches Lehen der Schenken von Erbach

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1341 Burgkapelle, 1352 Kaplan der Burgkapelle
  • 1370 Bau einer Kapelle in der Stadt, 1416 kaplan der Stadtkapelle
  • Ev. Stadtpfarrkirche 1747-50 Neubau als Schloss- und Hofkirche.

Patrozinien:

  • Maria (1341, Burgkapelle) und Nikolaus (1341, Burgkapelle); Bartholomäus (1370, Stadtkapelle) und Sebastian (1370, Stadtkapelle)

Pfarrzugehörigkeit:

Mutterkirche ist Michelstadt (bis 1496). Zum Kirchspiel gehörten: Ebersberg, Dorf-Erbach, Elsbach, Erbuch, Erlenbach, Ernsbach, Günterfürst, Haisterbach, Lauerbach, Roßbach und Schönnen.

Patronat:

1370 haben die Schenken von Erbach die Patronatsrechte inne.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Tinctorp um 1532

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat

Kultur

Schulen:

Lateinschule um 1540 und 1620 und wieder nach dem 30jährigen Krieg bis ins 19. Jahrhundert

Schulmeister: Wolfgang Hezel 1552-1554

Fachschule für Elfenbeinschnitzerei und verwandte Gewerbe, Kreisvolkshochschule

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1554 gehörten zum Amt Erbach außer der Stadt Erbach die Dörfer Würzberg, Dorf-Erbach, Lauerbach, Schönnen, Ebersberg, Haisterbach, Erlenbahc, Günterfürst, Roßbach, Ernsbach, Erbach und Elsbach. 1747 sind die früher zum Amt Michelstadt gehörigen Orte Zell und Eulbach hinzugekommen.

Zur Zent gehörten außer der Stadt Erbach, Dorf Erbach, Ernsbach, Eruch, Erlenbach, Lauerbach, Schönnen, Ebersberg, Haisterbach, Günterfürst, Elsbach, Roßbach, Eulbach, Würzberg und Mangelsbach

Wirtschaft:

Etwa 30 Elfenbeinschnitzwerkstätten, Erbacher Tuchfabrik A. G., Poloschuhfabrik, HABRA-Tiefdruckwerke

Mühlen:

1414 ist eine Mühle belegt.

Markt:

Wochenmarkt 1706. Der Eulbacher Jahrmarkt Anfang 19. Jahrhundert nach Erbach verlegt (letzter Sonntag im Juli). Zünfte, vor allem der Tuchweber. Holzschnitzerei. Elfenbeinschnitzerei 1783 begründet mit Zunftbrief an Horndrechsler durch Graf Franz zu Erbach (1754-1823); Entwicklung seit etwa 1850 zum Mittelpunkt der Elfenbeinschnitzerei im Odenwald und Süddeutschland.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Erbach, Odenwaldkreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/13907> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde