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Burg Tannenberg

Burg; Schloss · 335 m über NN
Gemarkung Seeheim, Gemeinde Seeheim-Jugenheim, Landkreis Darmstadt-Dieburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Schloss

Lagebezug:

13 km südlich von Darmstadt

Lage und Verkehrslage:

Auf einer Bergkuppe östlich des Ortes Jungenheim

Burgtyp: Höhenburg; Ganerbenburg

Laufzeit: (Ende 12. Jahrhundert) - Ende 14. Jahrhundert

Besitzgeschichte: Die Burg Tannenberg wurde unter dem Namen "Seeheim" erstmals 1239 im Besitz von Ulrich von Münzenberg erwähnt. Kuno II. von Münzenberg wurde jedoch bereits 1210 "Cono de Tanebr" genannt, so dass die Burg wohlmöglich bereits Ende des 12. Jahrhunderts erbaut wurde. Mit dem Aussterben der Münzenberger im Jahre 1255 im Erbgang zu fünf Sechsteln an Philipp I. von Falkenstein und zu einem Sechstel an Graf Reinhard von Hanau. In der Folgezeit zersplitterten sich die Besitzverhältnisse, so dass eine größere Ganerbschaft entstand, die in dem Burgfrieden von 1382 bereits 17 Mitbesitzer zählte (zu den einzelnen Ganerben siehe: Buchmannn, Burgen der Bergstrasse, S. 71-72).

Burggeschichte: Nach wiederholten Überfällen von Hartmut von Kronberg dem Jüngeren auf Kaufleute verbündeten sich im Jahre 1399 der Pfalzgraf bei Rhein, die Erzbischöfe von Mainz und Trier, der Bischof von Speyer und die Städte Frankfurt, Worms, Friedberg, Gelnhausen und Mainz. Nach einer 25 Tage andauernden Belagerung musste die Burgbesatzung kapitulieren und die Burg wurde zerstört. Im Rahmen der Belagerung kamen neben Bliden auch Feuerwaffen zum Einsatz. Während auf Seiten der Belagerer die sog. 'Grosse Frankfurter Büchse' zum Einsatz kam, nutzte auch die Burgbesatzung kleinere Feuerwaffen, wie die Mitte des 19. Jahrhunderts in der Zisterne geborgene sog. 'Tannenberg-Büchse' bezeugt.

Baugeschichte: Wohl gegen Ende des 12. bzw. zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaut. Der Bergfried wurde nach Biller wohl erst nach Fertigstellung der Kernburg erbaut. Bau von Zwinger und Vorburgen erfolgte wohl im 14. Jahrhundert.

Baubeschreibung: Die Kernburg ist von einer Ringmauer im polygonalen (etwa ovalen) Grundriss umfasst - das Tor im Norden. Im Nordosten unweit der Ringmauer der freistehende runde Bergfried. Unweit westlich des Bergfried eine restaurierte Zisterne. Den Osten der Kernburg nahm ein inseitig an die Ringmauer gebautes trapezförmiges Gebäude ein. Kellerreste belegen drei weitere - jedoch freistehende - Gebäude in der Kernburg.

Die Ringmauer bildet mit einer äußeren Umfassungsmauer einen Zwinger, der im Süden und Westen breiter ausfällt als im Norden und Osten. In der südlichen Zwingermauer war zudem ein halbrunder Schalenturm, im Westen ein viereckiger Schalenturm. Das Tor der Kernburg im Norden führt in die (ältere) Vorburg, welche sich nördlich und nordöstlich der Kernburg erstreckte und wohl aufgrund der ganerblichen Verhältnisse im 14. Jh. errichtet wurde. In der Vorburg lassen sich zwei Gebäude nachweisen. Eine weitere Vorburg aus jüngerer Zeit war im Osten angelegt und wohl nur mit einer Erdmauer/-wall gesichert. Der Zugang zur Kernburg verlief von der Südseite der östlichen Vorburg bis zum Tor der Kernburg im Norden. Der Zugang erfolgte somit zwischen der Zwingermauer und den Umfassungsmauern der Vorburgen. Nach Norden und Westen war die Burganlage durch einen breiten Halsgraben umgeben.

Abgang: Nach der Zerstörung der Burg Ende des 14. Jahrhunderts blieb Tannenberg Ruine und wurde zur Steingewinnung abgetragen.

Erhaltungszustand: Mauerreste der Ring- und Zwingermauer, Gebäudefundamente und der aufgestockte Bergfried

Funde: 1848/9 wurden bei Grabungen (durch Großherzog Ludwig III.) Waffen (u.a. 'Tannenberg-Büchse'), steinerne Geschützkugeln und mittelalterliche Gebrauchsgegenstände aufgefunden. Vor dem 1. Weltkrieg erfolgten weitere archäologische Ausgrabungen.

Ersterwähnung:

1264

Historische Namensformen:

  • Burg Seeheim (1239)
  • Danberg (1264)
  • Dannenberg (1347)
  • Dannenberg (1356)
  • Thanneberg (1377)
  • Dannenberg
  • Tannenberg (1382)
  • campis prope Dannenberg, in (1399)
  • Dannbergk
  • Dannenbergk (1621)

Burgen und Befestigungen:

  • Auf einem zurückgesetzten, spornartigen Gipfel Burgruine von der Teile der Ringmauer soweid der Zwingermauer, Gebäudefundamente mit Mauer- und Kellerresten sowie der aufgemauerte Stumpf des runden Bergfrieds an der Ostseite erhalten geblieben sind. Das Plateau der Vorburg an der Nordseite liegt hinter einem bogenförmigen Halsgraben.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3475348, 5513373
UTM: 32 U 475283 5511607
WGS84: 49.7564376° N, 8.656839567° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

43202205002

Verfassung

Altkreis:

Darmstadt

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1239 fällt die vermutlich auf Lorscher Besitz errichtete "Burg Seeheim" nach dem Tode des Ulrich von Münzenberg durch Erbschaft und Kauf zu 5/6 an Philipp von Falkenstein und zu 1/6 an Reinhard von Hanau.1382 werden 17 Ganerben mit zerplitterten Anteilen genannt.
  • Im 13. und 14. Jahrhundert wurde die erweiterte Burg Sietz Hartmuts des Jüngeren von Kronberg und 1399 von den Kurfürsten von Mainz, Trier und der Pfalz sowie den Reichsstädten Frankfurt, Worms und Speyer wegen räuberischer Umtriebe gebrochen.
  • I
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 1400 Kappelan
  • 1460 erlaubt Erzbischof dieter von Mainz dem Schenken Philipp von Erbach-Fürstenau, die Pfründe des Johannesaltars in der Burg Tannenberg in die neue Schloßkapelle zu Fürstenau zu übertragen.
Kultur

Historische Ereignisse:

Eine spektakuläre Belagerung durch mainzische, pfalzgräfliche sowie speyerische Truppen und mit diesen vereinigten aus den Städten Mainz, Worms, Frankfurt, Friedberg und Gelnhausen unter der Führung des Grafen Philipp von Nassau als Landvogt seit dem 22.06.1399 führte schließlich am 21.07.1399 zur Aufgabe der hier belagerten Besatzung.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Die Burg war Mittelpunkt einer auch als Seeheim bezeichneten, kleinen Herrschaft, die Jugenheim, Hähnlein und Beedenkirchen umfaßte.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Burg Tannenberg, Landkreis Darmstadt-Dieburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/13629> (Stand: 25.9.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde