Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Groß-Umstadt

Stadt · 160 m über NN
Gemarkung Gross-Umstadt, Gemeinde Groß-Umstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

7,5 km südöstlich von Dieburg

Lage und Verkehrslage:

Am Nordostrand des Odenwaldes, Lößgebiet am Richenbach.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Hanau – Eberbach ("Odenwaldbahn (I)";"Mümlingtalbahn") seit 1870. Die Teilstrecke Babenhausen - Groß-Umstadt wurde am 29.6.1870 eröffnet und die Teilstrecke Groß-Umstadt - Groß-Umstadt/Wiebelsbach-Heubach am 27.12.1870 in Betrieb genommen.

Ersterwähnung:

741

Siedlungsentwicklung:

Unter der evangelischen Stadtkirche wurden Reste einer villa rustica (römischer Gutshof) gefunden, die in das 2. und 3. Jahrhundert datiert werden.

Historische Namensformen:

  • Autmundistat (741) [Bestätigungsurkunde Ludwigs des Frommen von 822 Württembergisches Urkundenbuch Online, Band I., Nr. 87; Stand 24. Oktober 2016]
  • Autmundisstat (766) [Urkundenbuch des Klosters Fulda 1, Nr. 43]
  • Autmundisstat (773)
  • Autmundisstat (822)
  • Omuntesstat (889)
  • Ommuntestat (923)
  • Ohmestatt (1156)
  • Unnestat
  • Vnnestat (1261)
  • Unnestat (1288)
  • maior Omstat (1303)
  • Omistat maior
  • Omestad (1314)
  • Omstat (1322)
  • Grozen Omstadt (1329)
  • Ombstad
  • Omstad (1427)
  • Onstait (1460)
  • Grozen Omstadt (1451)
  • Omstatt (1462)
  • Ompstat (1465)
  • Umbstat (1473)
  • Umstatt (1478)
  • VVmbstatt (1547)
  • Vmbstatt (1556)

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Im Südosten der Gemarkung ehemalige römische Siedlung
  • Wüstung Wächtersbach

Burgen und Befestigungen:

  • Im Südwesten der Altstadt sogenanntes Pfälzer Schloß an der Stelle einer früheren fuldischen Wasserburg, deren Gräben vollständig eingeebnet sind.
  • Nordöstlich der Altstadt sogenanntes Darmstädter oder Hanauisches Schloß, gleichfalls an der Stelle einer früheren Wasserburg.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3495095, 5525768
UTM: 32 U 495022 5523997
WGS84: 49.86836444° N, 8.930727881° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

432010030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 10740, davon 5518 Acker, 650 Wiesen, 4572 Wald
  • 1956: 2765 ha, davon 1095 ha Acker, 1179 ha Wald
  • 1961 (Hektar): 2766, davon 1026 Wald (= 37.09 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1629: 232 Hausgesessene
  • 1633: 1058 Einwohner
  • 1635: 1178 Einwohner
  • 1636: 424 Einwohner
  • 1641: 127 Hausgesessene
  • 1734: 1480 Einwohner
  • 1770: 622 Familien
  • 1829: 3050 Einwohner
  • 1961: 6931, davon 4840 evangelisch (= 69.83 %), 1929 katholisch (= 27.83 %)
  • 1970: 8704 Einwohner
  • 985: etwa 200 Einwohner

Diagramme:

Groß-Umstadt: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 741: Maingau (in pago Morninse)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obere Grafschaft Katzenelnbogen und Kurfürstentum Pfalz gemeinschaftlich je zur Hälfte, Oberamt Umstadt
  • 1803: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Provinz Starkenburg, Oberamt Umstadt (inklusive des kurpfälzischen Anteils)
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Umstadt
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Umstadt mit Otzberg
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk Dieburg
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Dieburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Dieburg
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Darmstadt-Dieburg

Altkreis:

Dieburg

Gericht:

  • 1821-1879: Landgericht Gross-Umstadt
  • 1879: Amtsgericht Gross-Umstadt
  • 1968-1970: Zweigstelle Amtsgericht Dieburg, danach aufgelöst

Gemeindeentwicklung:

Für die Gemeindeentwicklung seit Einführung der hessischen Gebietsreform s. Groß-Umstadt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 741 schenkt Karlmann die Kirche zu Umstadt dem Bischof Burkhard von Würzburg
  • 1255-1287 Stift Fulda in Kondominat mit den Herren von Münzenberg
  • 1255-1287 Herren von Münzenberg in Kondominat mit dem Stift Fulda
  • 1287-1390 Stift Fulda in Kondominat mit den Herren von Hanau.
  • 1287-1390 Herren von Hanau in Kondominat mit dem Stift Fulda
  • 1390-1429 Herren von Hanau in Kondominat mit den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1390-1429 Pfalzgrafen bei Rhein in Kondominat mit den Herren von Hanau
  • 1429-1504 Grafen von Hanau in Kondominat mit den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1429-1504 Pfalzgrafen bei Rhein in Kondominat mit den Grafen von Hanau
  • 1504-1521 Landgrafen von Hessen
  • 1521-1618 Pfalzgrafen bei Rhein in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen
  • 1521-1618 Landgrafen von Hessen in Kondominat mit den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1618-1648 Landgrafen von Hessen-Darmstadt
  • 1648-1706 Landgrafen von Hessen-Darmstadt in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Kassel und den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1648-1706 Landgrafen von Hessen-Kassel in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt und den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1648-1706 Pfalzgrafen bei Rhein in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt und den Landgrafen von Hessen-Kassel
  • 1706-1803 Landgrafen von Hessen-Darmstadt in Kondominat mit den Pfalzgrafen bei Rhein
  • 1706-1803 Pfalzgrafen bei Rhein in Kondominat mit den Landgrafen von Hessen-Darmstadt

Zehntverhältnisse:

889 Zehnte bei Stift Würzburg

1223 Zehnte bei Kloster Fulda

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 741 Kirche (basilica); Patrozinium: Petrus (Pfarrei).
  • 1263 Vicepleban und Archipresbyter

Patrozinien:

  • Petrus und Peter und später Kilian

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel gehörten: Kleestadt, Semd, Raibach, Richen, Wald-Amorbach, Breitwiesen (wüst), Häuser Hof, Wächtersbach (wüst). Tochterpfarreien waren um 1400 Groß-Zimmern und 1425 Klein-Umstadt

Patronat:

Patronatsherr war ab 741 das Stift Würzburg, Kloster Fulda bis 1390 danach St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, 1484 dann in das Stift Aschaffenburg inkorporiert

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Sixtus 1547-1548

Wiederholter Bekenntniswechsel: 1548 katholisch, 1554 wieder lutherisch, 1565 reformiert, 1577 lutherisch, 1586 reformiert, 1626 endgültig lutherisch.

Neben der lutherischen Gemeinde bestand seit 1649 eine reformierte.

Unionsversuche Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts. Katholische wieder seit 1694, katholischer Geistlicher 1701.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzbistum Mainz, Archidiakonat des Propstes von St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat

Juden:

1378 Juden erstmals nachweisbar

1932/33: 60 Juden

Es gab eine Synagoge. Zur Gemeinde gehörte auch Klein-Umstadt

Kultur

Schulen:

um 1540 Schule

Historische Ereignisse:

In der bayrischen Fehde 1504 geplündert; in der Sickinger Fehde 1518 durch Götz von Berlichingen erobert. Im 30jährigen Krieg Plünderung 1634; französische Revolutionskriege

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Amt Gross-Umstadt umfasste Gross- und Klein-Umstadt, Raibach, Richen, Semd, Wüst-Amorbach, Habitzheim, Spachbrücken, Zeilhard, Groß-Zimmern, Brensbach, Nieder-Rainsbach und Wächtersbach.

Zur Zent Umstadt gehörte 1455: Ober-Klingen, Lengfeld, Spachbrücken, Groß-Zimmern, Harpertshausen, Schlierbach, Kleestadt, Raibach, Wald-Amorbach, Frau-Nauses, Nieder-Klingen, Habitzheim, Zeilhard, Semd, Langstadt, Schaafheim, Klein-Umstadt, Dorndiel, Wächtersbach (wüst), Wiebelsbach, Richen, Heubach, Hassenroth, Nalsbach (wüst), Georgenhausen, Hering, Ober-Nauses, Breitwiesen (wüst), Holzengesäß (wüst), Unrode (wüst), Huppelnheim (wüst), Schloß-Nauses, Dilshofen halb, Brensbach, Nieder-Kainsbach, Häuser Hof, Groß-Bieberau, Rodau, Niedernhausen, Obernhausen, Lichtenberg, Billings, Meßbach, Nonrod, Wersau, Hof Bierbach, Roßdorf, Gundernhausen

Wirtschaft:

Weinbau, 1730 etwa ein Drittel der Gemarkung Weinberge, behindert durch Guldenweinzoll.

Mitte 19. Jahrhundert 2 Ziegelhütten, Weberei und Gerberei. Heute vorwiegend Viehzucht, Pferdemarkt

1956: Kunststoffwerk und Kristallkronleuchterfabrik (Flüchtlingsbetrieb)

Mühlen:

Im Mittelalter mehrere (8-10) Mühlen

Markt:

Marktprivileg (5 Jahrmärkte, Wochenmarkt) König Ruprechts 1401, bestätigt 1427 durch Pfalzgraf Ludwig, 1473 durch Pfalzgraf Friedrich.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Groß-Umstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/13422> (Stand: 16.10.2018)
 
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