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Hanau
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 107. Hanau

Hanau

Stadtteil · 110 m über NN
Gemeinde Hanau, Main-Kinzig-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lage und Verkehrslage:

Der Bahnhof Hanau West war ab 1848 Endbahnhof der Eisenbahnlinien Frankfurt am Main/Ost – Hanau (Inbetriebnahme der Strecke 10.9.1847), Hanau – Aschaffenburg ("Maintalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 22.6.1854), Hanau – Friedberg (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1879), Hanau – Eberbach ("Odenwaldbahn I";"Mümlingtalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1882) und Hanau – Langenselbold – Ronneburg/Hüttengesäß (Inbetriebnahme der Strecke 1.10.1896) (bis zur Stilllegung der Strecke am 31.3.1931).

Der Bahnhof Hanau Nord war ebenfalls Haltepunkt der Eisenbahnlinie Hanau - Friedberg.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Hanau – Frankfurt am Main ("Bebraer Bahn";"Bebra-Hanauer-Bahn") seit 1867 (Die Teilstrecke Wächtersbach - Hanau wurde am 1.5.1867 eröffnet und die Teilstrecke Hanau - Frankfurt am Main/Süd am 15.11.1873 in Betrieb genommen).

Ersterwähnung:

1143

Siedlungsentwicklung:

Im 13. Jahrhundert entstandene Siedlung. Stadtmauer 1338. Vorstadt seit etwa 1470. 1597 Erlaubnis für reformierte Glaubensflüchtlinge aus den spanischen Niederlanden eine Neustadt Hanau zu gründen. 1686 kamen noch französische Hugenotten hinzu. 1833 Vereinigung der Räte von Alt- und Neustadt. 1787 werden der Lehrhof und der Neuhof als zur Hauptstadt Hanau gehörig genannt.

1928 erfolgt die Eingemeindung der aufgelösten Gutsbezirke Wilhelmsbad und Philippsruhe und von Teilen der aufgelösten Gutsbezirke Forst Hanau und Forst Wolfgang.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • Stadt

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Im Norden der Stadt lag in einer Kinzigschleife an der Stelle des Schlosses eine 1234 erstmals erwähnte Burg. Das alte Schloss wurde mit Bauresten dieser Burg und einem achteckigen Turm 1829 abgebrochen. Das neue Schloß wurde 1945 weitgehend zerstört.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3494501, 5555252
UTM: 32 U 494428 5553470
WGS84: 50.13343417° N, 8.922040726° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

435014010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1179, davon 545 Acker (= 46.23 %), 343 Wiesen (= 29.09 %), 9 Holzungen (= 0.76 %)
  • 1961 (Hektar): 2061, davon 285 Wald (= 13.83 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1642: 144 Bürger und Witwen, 83 Befreite, 697 Bürger und 85 Juden, dazu die Neustadt 1620 Bürger
  • 1753: 11424 Einwohner
  • 1812: 1466 Häuser, 11997 Einwohner
  • 1885: 24377, davon 18995 evangelisch (= 77.92 %), 4599 katholisch (= 18.87 %), 196 andere Christen (= 0.80 %), 574 Juden (= 2.35 %), 13 andere (= 0.05 %)
  • 1961: 47207, davon 30565 evangelisch (= 64.75 %), 13275 katholisch (= 28.12 %)
  • 1970: 55379

Diagramme:

Hanau: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Getrennte Stadtverwaltung von Alt- und Neustadt bis 1835.
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Hauptstadt Hanau (zum Umfang Mittelpunktfunktion)
  • 1803: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Hauptstadt Hanau
  • 1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Hauptstadt Hanau (Militärverwaltung)
  • 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Hauptstadt Hanau
  • 1813: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Hauptstadt Hanau
  • 1821: Kurfürstentum Hanau, Provinz Hanau, Landkreis Hanau
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Landkreis Hanau
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hanau
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Stadtkreis Hanau
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Hanau
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Hanau
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Hanau (Umbenennung)
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadtkreis Hanau
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis

Altkreis:

Hanau, kreisfreie Stadt

Gericht:

  • Amtsgerichtsort
  • 1822: Landgericht Hanau
  • 1850: Justizamt Hanau I
  • 1867: Amtsgericht Hanau

Herrschaft:

1303 Stadtrechtsverleihung (Frankfurter Recht, eingeschränkt) durch König Albrecht I.: opido et opidanis suis in Hanowe ... in opido memorato Hanowe (Urkundenbuch der Herren von Hanau 2, Nr. 23)

Gemeindeentwicklung:

1.4.1907 Eingemeindung von Kesselstadt

Für die Gemeindeentwicklung seit Einführung der hessischen Gebietsreform s. Hanau. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hanau.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1303-1429 Herren von Hanau;
  • 1429-1736 Grafen von Hanau;
  • 1736-1803 Landgrafen von Hessen-Kassel

Ortsadel:

1143-1168, 1191-1736 (Grafenstand seit 1429)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Marienkirche: Vermutlich 1316/17 errichet, 1449-54 verbreitert, Chor: 1483-92; Umbau: 1558-61, Wiederaufbau 1951-61,
  • Johanniskirche: 1658-1664 errichtet,
  • Wallonische niederländische Kirche: 1600-1608 errichtet
  • Katholische Kirche: 1820 begründet (St. Wilhelm)

Patrozinien:

  • Maria Magdalena 1316

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich zur Kirche des Kinzdorfs gehörig.

Unter dem katholischen Dekanat stehen die Gemeinden zu Altenmittlau, Bieber, Bockenheim, Butterstadt, Eckenheim, Eschersheim, fechenheim, Gelnhausen, Großauheim, Großkrotzenburg, Hanau, Kesselstadt, Langeselbold, Neuses, Seckbach, Somborn.

Klöster:

Beginen:

1318 begünstigt Hedwig von Mörlen in ihrem Testament „vrowen zu Hainowe“, vermutlich Beginen.

Diakonische Einrichtung:

1836 Aufbau eines Kinderhortes im städtischen Haus; 01.01.1880 zwei Diakonissen aus Frankfurt auf Anregung von Pfarrer Sopp; Bau eines Schwesternhauses, 24.10.1888 Einweihung; Diakonissen betreuen um 1900 rund 100 Kinder in der Kleinkinderschule, arbeiten in Krankenpflege, Gemeinde- und Vereinsarbeit, im Gemeindehaus, Damenheim, Stellenvermittlung, Herberge für Dienstmädchen Rudolf Francke, Die christliche Liebestätigkeit in Kurhessen. Kassel 1904, S. 340; Sardemann, Geschichte des hessischen Diakonissenhauses zu Cassel, S. 286-288 nennt 1854 Gründung der Knaben-Rettungs- und Erziehungsanstalt Hof Reith nach dem Vorbild des Rauhen Hauses in Hamburg; 1928 Schließung der Einrichtung und Übernahme durch das Kurhessische Diakonissenhaus in Kassel, Nutzung als Internat; weitere Diakoniestationen im Ort bis 1976 (Landeskirchliches Archiv Kassel, Findbuch G 2.6. Kurhessisches Diakonissenhaus)

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Adolf Arbogast 1523-1531, von Philipp II. von Hanau-Münzenberg berufen

Reformierter Bekenntniswechsel: 1595

1670 Religionshauptrezess gewährte den Lutheranern die gleichen Rechte wie den Reformierten

1777 Recht für Katholiken, kleine Gemeinde zu gründen

1809 völlige Religionsfreiheit

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat St. Peter und Alexander zu Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau

Dekanat Hanau

Juden:

1313 Ersterwähnung von Juden

1603 Erbauung der Judengasse

1609-1630 jüdische Druckerei

1806 Entfernung der Tore der Judengasse und Wohnrecht für Juden in der Stadt

Kultur

Schulen:

Volksschulen: 1842 Pestalozzischule, 1852 evangelische Volksschule Kesselstadt, 1872 Brüder-Grimm-Schule; 1910 Volksschulen mit 65 Stellen

Mittelschulen: 1813 Real- und Bürgerschule; 1842 Mittlere Bürgerschule;

Höhere Schulen: 1607 Hohe Landesschule, Realgymnasium für Jungen; um 1650 Lutherisches Gymnasium; 1813 Gymnasium; 1840 Realgymnasium für Mädchen (Lyzeum); 1930 Reformrealgymnasium

1772 Staatliche Zeichenakademie; 1821 Gewerbliche Berufsschule, ursprünglich Handwersschule; 1887 Kaufmännische Berufsschule; 1889 Gewerbliche Fortbildungsschule; 1892 Handelsschule; 1921 Höhere Handelsschule; 1938 Mädchenberufsschule

Hospitäler:

1325 Althanauerhospital, vermutlich durch Graf Ulrich II. gegründet, 1501 Neubau, 1887 Erweiterung (Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 270)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1787 gehörten zur Hauptstadt Hanau Alt- und Neustadt (Stadt und Festung), sowie Lehrhof und Neuhof.

Mühlen:

Zahlreiche Mühlen am Lauf der Kinzig und an den von ihr abgeleiteten Wassergräben. Ferner existierten Mühlen am Krebsbach kurz vor deren Einmündung in die Kinzig sowie eine kleine Mühle am Salibach nahe Kesselstadt.

Markt:

1303 Verleihung eines Wochenmarktrechtes

vor 1451 Jahrmesse

1589 jährlich zwei Messen

1661-1806 Fayence-Manufaktur

1736 Einführung der Seidenraupenzucht

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hanau, Main-Kinzig-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/12505> (Stand: 4.4.2022)
 
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