Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Höchst

Stadtteil · 100 m über NN
Gemarkung Frankfurt-Höchst, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Kloster; Stadt

Lagebezug:

8 km westlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Stadteil am erhöhten rechten Ufer des Mains, der unmittelbar oberhalb der Stadt in einer nördlichen Krümmung die aus dem Vogelsberg kommende Nidda von rechts aufnimmt, zwischen 2 Armen des dort in den Main mündenden Liederbachs. Im Südwesten das Schloß, Kirche im Südosten.

Durch Höchst führte die alte Geleitstraße Mainz-Frankfurt; es war Ausgangspunkt einer Straße über Soden-Königstein nach Weilburg a. d. Lahn und, parallel zu der Höchst nicht berührenden Elisabethenstraße, einer Straße über Bockenheim-Bergen in die Wetterau. Seit Anfang 19. Jahrhundert ist die alte Geleitstraße Frankfurt-Rödelheim-Limburg-Köln als Chaussee über Höchst umgeleitet.

Bahnhof der Eisenbahnlinien Frankfurt am Main – Wiesbaden ("Taunusbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 26.9.1839, 24.11.1839) und Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") seit 1877 (Die Teilstrecke Idstein - Frankfurt am Main/Höchst wurde am 15.10.1877 eröffnet, die Teilstrecke Frankfurt am Main/Höchst - Frankfurt am Main/Hauptbahnhof am 18.8.1888).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Höchst – Bad Soden am Taunus ("Höchst-Sodener-Eisenbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 22.5.1847) und Frankfurt am Main/Höchst – Königstein (Inbetriebnahme der Strecke 24.2.1902).

Ersterwähnung:

790

Siedlungsentwicklung:

Im Bereich der Altstadt befand sich ein frühkaiserzeitliches Militärlager, dessen Entstehungszeit in augusteisch-tiberische Zeit fällt und das vermutlich schon um 14-16 nach Chr. aufgegeben wurde.

Die Altstadt Höchst bildet etwa ein Viereck; von Westen nach Osten zieht die Hauptstraße (jetzt Bolongarostraße) hindurch mit 3 kürzeren Parallelstraßen und 6 Querstraßen. Um 1600 begegnen die Straß-, Hinter-, Ober- und Gemeindegasse sowie der Säutanz, um 1700 dazu die Neu- und die Storchgasse, der Markt, Ende 18. Jahrhundert (zum Teil an Stelle alter Namen) die Weed, der Brand und Nach dem Brand (Namen wohl von der Porzellanmanufaktur). Höchst war befestigt durch Wall, doppelten Graben, dessen Wasserzufuhr durch Mühlen reguliert werden konnte und eine Mauer, die 13 Türme sicherten, darunter die 3 Tore: im Osten das Ober- oder Frankfurter Tor (der Storch) im Westen das Unter- oder Mainzer Tor (der Specht), im Südeb das doppelte Fähr- oder Maintor (mit dem Zollturm), sämtlich seit Mitte 15. Jahrhundert bezeugt (bis etwa 1700 als "Pforten"). Die Türme waren 1770 bis auf 3 Gefängnistürme zerfallen; Untertor 1817, Obertor 1818 abgelegt. Erhalten der Zollturm (15. Jahrhundert), Reste mehrerer Türme und die Mauern an der Mainseite und zum Teil im W, die übrigen fielen zum Teil erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Stützpunkte der Befestigung waren im Südwesten die Burg und im Südosten Kirche und Kloster. Erweiterung nach Osten durch Gründung der Neustadt durch den Mainzer Kurfürsten Emmerich Joseph 1768; der großzügige Plan (Riss von 1772 nach dem Vorbild der Neustadt Hanau) mit 4 Kirchen (evangelisch, deutsch- und französisch-reformiert und katholisch) nur zum geringsten Teil verwirklicht trotz eines 2. Aufrufes von 1780, Weiterbau unter der nassauischen Regierung seit 1805/06. Seit Ende 19. Jahrhundert wuchs die Stadt bedeutend, besonders durch den Aufschwung der Farbwerke, denen dort 1926: 2680 Morgen (einschließlich Siedlungsgelände, 200 Morgen überdachtes Fabrikterrain) gehörten; sie begründeten 1899 eine Gesellschaft zur gemeinnützigen Beschaffung von Wohnungen. Aus dem gleichen Bedürfnis war 1889 die Gemeinnützige Baugesellschaft des Kreises Höchst geschaffen; staatlicher Bauplan von 1890. Vor 1914 die Gemarkung zwischen Eisenbahn und Main und die Straße nach Unterliederbach großenteils bebaut, dazu bald Gartenstädte in Zeilsheim, Unterliederbach und Sindlingen (1919), in den 20er Jahren mehrere städtische Wohnhausgruppen. Eingemeindung nach Frankfurt 1928.

Im Südosten der Altstadt wurde eine dreischiffige Basilika mit Querschiff unter Erzbischof Otgar von Mainz (826-47) errichtet, der die Reliquien des hl. Justinus aus Rom dorthin überführen ließ; nach deren Verbringung ins Albankloster bei Mainz 1298 als St.-Margareten-Kirche (so 1300 und mehrfach im 15. Jahrhundert, doch heute wieder Justinus geweiht). Von der ursprünglichen Anlage (nach dem Befund der Wiederherstellungsarbeiten 1930-32) noch das Fundament, die Arkaden, die Hochwände des Mittelschiffs zum Teil, die Vierung der nördlichen Querhausflügel und zum Teil die 2 Seitenschiffsmauern; nach 1432 an der Stelle des südlichen Querhauses die Sakristei; der Chor 1443-1460/64; die 3 Kapellen am nördlichen Querschiff 1468-1513; Dachreiter und Dächer Barock. Dabei ein Antoniterkloster 1441 bis 18. 1. 1803, die Klostergebäude 1809-11 verkauft (noch Gebäudereste des 16.-18. Jahrhundert) Katholische Pfarrkirche ad St. Josef 1907 erbaut, evangelische Pfarrkirche 1882. Im Südwesten der Stadt, innerhalb ihrer Befestigung doch mit eigenem tiefen Wassergraben (seit Ende des 17. Jahrhundert trocken) das Schloss. Vorläufer wahrscheinlich eine ottonische Turmburg des 10. Jahrhunderts (wohl der quadratische Turm im W der Burg, der im 18. Jahrhundert noch stand), dann eine mehr zum Main gelegene staufische Burg um 1200 (Mauerstück aus Buckelquadern), vielleicht im Interregnum an Mainzer Erzstift. Die Mainzische Burg 1396 zerstört, aber sogleich neu erbaut, heutige Wohnbauten von Kurfürst Wolfgang von Dalberg (1582-1601), ursprünglich vierflügelige Anlage um quadratischen Hof mit der St.-Wolfgang-Kapelle (bezeugt seit 1477). Die Zerstörung 1635 durch die abziehenden Schweden ließ die nordöstliche Ecke übrig: den Hauptturm (14. bis 15. Jahrhundert, Aufbau von 1668) nebst Wohn- und Torbau. Bolongaropalast, 1772-75 in der Neu¬stadt erbaut, dreiflügelige Schlossanlage (117 m lange Hauptfront), seit 1908 städtisch, seit 1909 Rathaus. Ehemaliges Rathaus 1594/95, nach dem Brand wohl an alter Stelle, heute Jugendheim. Adelssitze der von Kronberg (Bau von 1577, im 19. Jahrhundert Rathaus, seit 1927 Volksbücherei) und der von Greiffenclau um 1600. In der Altstadt sind die Häuser des 17. und 18. Jahrhunderts weitgehend durch Neubauten ersetzt. Kreishaus 1891/92, Anbau 1910/11. Kaserne für die französische Besatzung 1922-27.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (790);
  • locus (1024);
  • Dorf (1248/49);
  • Stadt (1355);

Ortsteile:

  • 1917 wurden Unterliederbach, Sindlingen und Zeilsheim in die Stadt Höchst eingegliedert.

Burgen und Befestigungen:

  • Von der ersten Befestigungsanlage aus der Stauferzeit sind nur wenige Mauerreste erhalten. Mit der Verleihung des Stadtrechts 1355 war auch das Recht zum Mauerbau verknüpft. Die Befestigung bestand aus einem Graben, einer Mauer, 10 Türmen und 3 Toren.
  • Vermutlich um die Mitte des 12. Jahrhunderts wird die früheste Burganlage errichtet. Bauhistorische Untersuchungen ergaben jedoch, dass diese Burg nur kurzweilig genutzt wurde und in der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts zugunsten einer moderneren Burganlage abgebrochen wurde.
  • 1475[63]-1482: Trotz kaiserlichem Verbot aus dem Jahre 1408 lässt der Mainzer Erzbischof Dieter von Isenburg die Burg erneuern. Die Burg in Höchst war Diether nach Beendigung der Stiftsfehde 1463 zugefallen und bis zu seiner zweiten Bischofswahl im Jahre 1475 sein Wohnsitz. So werden die Bauarbeiten wohl bereits in den 1460er Jahren eingesetzt haben.
  • Gegen Ende des 16. Jahrhundert beginnt der Umbau zum repräsentativen Barockschloss unter Erzbischof Wolfgang von Dalberg (reg. 1582-1601). Fertigstellung 1608.
  • Nach der Zerstörung des Schlosses im Jahre 1635 setzten im Folgejahr Aufräum- und Sicherungsarbeiten ein. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht. Trotz der erheblichen Brandschäden blieb das Schloss in der Folgezeit Sitz kurmainzischer Beamter.
  • Seit 1961 im Besitz der Hoechst AG

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3467726, 5552037
UTM: 32 U 467664 5550256
WGS84: 50.10367776° N, 8.547828476° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000360

Frühere Ortskennziffer:

412000836

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 305, davon 182 Acker (= 59.67 %), 37 Wiesen (= 12.13 %), 1 Holzungen (= 0.33 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 2060
  • 1840: 2144
  • 1846: 2302
  • 1852: 2414
  • 1858: 2492
  • 1864: 2885
  • 1871: 3133
  • 1875: 4055
  • 1885: 6517, davon 2466 evangelisch (= 37.84 %), 3928 katholisch (= 60.27 %), 52 andere Christen (= 0.80 %), 67 Juden (= 1.03 %), 4 andere (= 0.06 %)
  • 1895: 10781
  • 1905: 15833
  • 1910: 17240
  • 1925: 31248

Diagramme:

Höchst: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 790: in pago Nitachgovve (Niddagau)
  • 1398: Amt Höchst (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Höchst (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Höchst (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Höchst (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1928: Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, kreisfreie Stadt

Gericht:

  • 1440: Gericht Höchst
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amtsgericht Höchst
  • 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
  • 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

1355 Stadtrechtsverleihung durch König Karl IV. (Regesten der Erzbischöfe von Mainz 2,1, Nr. 290; Regesta Imperii 8, Nr. 1985). 1356 erneute Stadtrechtsverleihung durch Kaiser Karl IV. (Regesta Imperii 8, Nr. 2409; [Nassauisches Urkundenbuch 1,3, S. 298, Nr. 2801].

1355-1803 sind die Erzbischöfe von Mainz Stadtherren

1803-1866 Herzogtum Nassau

Gemeindeentwicklung:

1.7.1917: Eingemeindung von Unterliederbach

Am 1.4.1928 Eingliederung von Höchst in den Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 790 stiftet Thiotman dem Kloster Lorsch ein Gut und Ackerland zum Seelenheil des Warman. 849 liegt Höchst im Territorium der Mainzer Erzbischöfe, die hier die Ortsherrschaft innehaben und einen wichtigen Stützpunkt begründen. 1024 lädt der Mainzer Erzbischof Aribo von Mainz den Bischof Meinhard von Würzburg zu einer Synode nach Höchst. 1090 übergibt der Mainzer Erzbischof Ruthard dem dortigen Kloster St. Alban die verfallene Kirche zu Höchst mit der Bestimmung, daselbst ein Mönchskloster zu gründen, schenkt zu diesem Zwecke Besitzungen in Höchst und Zeilsheim, verleiht dem neuen Kloster Vogtfreiheit und trifft weitere Bestimmungen über die rechtliche und finanziellen Verhältnisse. 1146 bestätigt der Mainzer Erzbischof Heinrich dem Propst Hildebald von Höchst die Übertragung des Zehnten von allem erzbischöflichen Salland in Höchst durch das Kanonikerstift St. Viktor vor Mainz gegen jährliche Zahlung von zehn Schilling. 1184 nimmt Papst Lucius III. das Benediktinerkloster St. Alban in seinen Schutz und bestätigt u.a. den Besitz der Höchster Kirche.
  • Nach der erzbischöflich-mainzischen Hebefrolle von 1248/49 ist das Dorf Höchst dem Herrn von Münzenberg für 300 Mark verpfändet.
  • 1275 bekunden Philipp von Falkenstein und seine Frau Gisela, dass die Matrone Aba gegenüber dem Kloster Engelthal auf alles Recht an der Mühle bei der Burg Höchst verzichtet.
  • In der Altstadt befanden sich Adelssitze der Herren von Kronberg, von Greifenclau bzw. von Dalberg.

Ortsadel:

1107: Ludwig von Höchst

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 834: Errichtung einer dreischiffigen Anlage mit Querschiff und drei Apsiden durch Erzbischof Otgar von Mainz
  • 1090: Basilika (Justinusplatz 3), ab 1443 durch Chor und zusätzliches Nebenschiff erweitert
  • 1883: evangelische Stadtkirche (Leverkusener Straße)
  • 1908: Neuromanische Basilika St. Josef (Hostatostraße 12)

Patrozinien:

  • Justinus (1090, nach der Translation von dessen Reliquien nach Mainz);
  • Alban (1298, vorübergehend);
  • Margareta (bis dieses Patronzinium wieder zugunsten von Justinus verschwand)

Pfarrzugehörigkeit:

1090 bildet Höchst eine eigene Pfarrei

Patronat:

1090 werden die Patronatsrechte vom Mainzer Erzbischof der Abtei St. Alban übertragen, 1419 dem Erzbischof zurückgegeben und 1441 den Antonitern übertragen. Zum Kirchspiel gehörte Zeilsheim.

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Die Reformation konnte sich im Erzbistum Mainz nicht durchsetzen. Der Ort blieb katholisch.

1768 sicherte Kurfürst Emmerich Joseph 1768 der Neustadt Religionsfreiheit zu, doch erst seit 1865 wurde evangelischer Gottesdienst in Höchst gefeiert (zunächst in der Kapelle des Bolongaropalais, 1878 Filialgemeinde, seit 1844 eigene Pfarrei).

Kirchliche Mittelbehörden:

In der Zeit als Propstei des Klosters St. Alban war Höchst von der Archidiakonalen Gewalt befreit. Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn

Juden:

Seit 1798 eigenes Judenbad, 1806 Synagoge

Kultur

Schulen:

Schulmeister 1477 bezeugt

Historische Ereignisse:

1396: Die Reichsstadt Frankfurt lässt die Burg aufgrund von Streitigkeiten mit dem Erzbistum Mainz hinsichtlich der Erhebung von Zöllen im Handstreich erobern und niederbrennen.

1586/87 großer Stadtbrand (56 Häuser, 25 Scheunen), 24. 9. 1778 (15 Wohnhäuser, 6 Scheunen, besonders Neugasse und Säutanz).

Zertsörungen im 2. Weltkrieg: 53 Häuser ganz oder zum Teil zerstört, bis 1950 Schäden größtenteils behoben.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1398 gehören zum Schloß Höchst die Dörfer Sossenheim und Breidenloch und wenig später auch Schwanheim.1474 bzw. 1485 kamen Nied und Griesheim zum Amt Höchst hinzu, 1579 Astheim, 1608 zudem Sindlingen, Wicker und Weilbach.

1787 Sitz der mainzischen Amtsvogtei Höchst: Griesheim, Höchst, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Weilbach, Wicker sowie Gundhof, Klaraberg, Mönchhof, Bad Weilbach und Wiesenhof

1816-1866 Sitz des Amtes Höchst: Höchst, Eschborn, Griesheim, Harheim, Hattersheim, Hofheim, Kriftel, Münster, Nied, Schwanheim, Sindlingen, Sossenheim, Heddernheim, Oberliederbach, Unterliederbach, Okriftel, Soden, Sulzbach und Niederhofheim.

1867-1928 Sitz des Kreises Höchst: Eschborn, Griesheim, Hattersheim, Höchst am Main, Hofheim, Kriftel, Langenhain, Lorsbach, Marxheim, Münster, Nied, Niederhofheim, Oberliederbach, Okriftel, Schwanheim, Sindlingen, Soden, Sossenheim, Sulzbach, Unterliederbach, Zeilsheim.

Wirtschaft:

1609: 19 Berufe, 43 Gewerbetreibende, davon 8 Fischer (und Schiffer); 1633: 20 Berufe 42, Gewerbetreibende, davon 7 Fischer, je 4 Bäcker und Schneider, je 3 Schuhmacher und Maurer, ferner 9 Tagelöhner. 1700 in 21 Berufen 80 Gewerbetreibende, davon 16 Fischer, 9 Schuhmacher, je 7 Bäcker und Schildgerechtigkeiten (1760: 11), 5 Schreiner, je 4 Bierbrauer, Schmiede und Maurer. 1760: 19 Feuerrechte, davon 8 Bierbrauer, 6 Bäcker, 3 Schmiede, 2 Schlosser. Zünfte erst seit Ende 17. Jahrhundert gebildet: Bauhandwerker (zunächst für die Ämter Höchst und Hofheim) 1670, Schmiede, Schlosser und Wagner (zugleich für Hofheim) 1687, Bender, Bierbrauer und Bäcker 1697, Fischer 1699, Schneider und Leineweber 1702. Die Fischer stellten das bedeutendste Gewerbe im alten Höchst dar, 1784: 38, 1804: 40, laut Zunftordnung zweimal wöchentlich Fischmarkt in Höchst; sie trieben zugleich etwas Schifffahrt, im 18. Jahrhundert hatte ein gedeckter Marktnachen von Höchst wöchentlich ein¬mal nach Mainz und zweimal nach Frankfurt zu fahren. Im Zeitalter des Merkantilismus förderte Kurmainz die Wirtschaft von Höchst; 1695 bis Anfang 18. Jahrhundert eine Tabakspinnerei, 1746-96 Porzellanfabrik von bedeutendem Ruf, ab 1753 eine Nudelfabrik. Seit dem großzügigen Privilegierung von 1768 für die Neustadt und der Aufstellung eines Schiffkrans 1773, eines Landkrans 1775 ließen sich eine Reihe von Handlungen und Fabriken in Höchst nieder: 1772-85 die Tabakhandlung Bolongaro, deren Fabrik jedoch in Frankfurt blieb, seit 1768 eine Hutfabrik und die Tabakfabrik des Freiherrn von Schmitz, zuletzt bis 1854 als Schnupftabakfabrik, 1782-98 eine Schnallenfabrik. 1806 bestanden 9 große Handlungen, die mit ihren Speditionsgeschäften im Frucht-, Wein- und Holzhandel mit Frankfurt in Wettbewerb traten, darunter die Firma Horstmann. 1828 bei 358 Haushalten in 51 Berufen 218 Gewerbetreibende, darunter 31 Kaufleute, 27 Wirte, 23 Schuhmacher (1860: 43), 16 Schneider, 11 Schreiner, 10 Bäcker, 8 Metzger, 7 Branntweinbrenner, 6 Bierbrauer, 5 Spediteure, 2 Tabakfabriken, 1 Chaisen-, 1 Zichorien-, 1 Farben-, 1 Nudel-, 1 Seifen- und Lichterfabrik, 1 Hochofen, 1 Gips-, 1 Ölmühle, 2 Mahlmühlen (die Steinmühle im W, in die Sossenheim gebannt war, und die Mainmühle im O, die Bannmühle von Höchst selbst). In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts zeitweise ferner 1 Champagner-, 1 Chinin-, 1 Etuifabrik, 2 Hutfabriken.

Nach kurzer Stagnation nahm die Industrie von Höchst seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts einen großartigen Aufschwung, die Begründung der Farbenfabrik Lucius-Meister und Brüning 1863 sollte einen ganz neuen Abschnitt in der Höchster Geschichte einleiten, seit 1883 auch Arzneiherstellung (unter anderem Pyramiden, Salvarsan, Aspirin), 1925 mit den übrigen 7 großen deutschen Farbstoff-Fabriken zur I.G. Farben zusammengeschlossen; sie hatte 1888: 2062 Werksangehörige, 1927: 11353. Unter den übrigen Industrieunternehmen (1882: 18) mehrere Maschinen- und Armaturenfabriken, ab 1864 (unter anderem Breuer-Armaturenwerk seit 1876). Gelatinefabrik 1861-1914, die Hessen-Nassauische Gas A.G., seit 1864, die Main-Kraft-Werke seit 1910. Möbelindustrie setzte um 1860 ein, ebenso die Bauindustrie, seit 1921 Kinderschuh-Fabrik Ada-Ada. Vereinsbank 1862 gegründet, städtische Sparkasse 1911.

Mühlen:

1275 bekunden Philipp von Falkenstein und seine Frau Gisela, dass die Matrone Aba gegenüber dem Kloster Engelthal auf alles Recht an der Mühle bei der Burg Höchst verzichtet. Mitte 16. Jahrhundert bestand die Schleifmühle eines Waffenschmieds, während die Walkmühle abgebrochen war.

Markt:

1356 Verleihung eines Wochenmarktes

Münze:

1373 Einrichtung einer Münzstätte

Zoll:

1368 wurde von Karl IV. ein Zoll zu Höchst eingerichtet, der bald darauf an den Erzbischof von Mainz überging und mit kurzer Unterbrechung (1379, 1384-98) ihm verblieb; 1459-63 hatte Frankfurt ein Drittel daran. Ferner bestand zu Höchst ein Landzoll, mit dem 11 Nebenzollstätten in Verbindung standen. Der einem Rheinzoll gleichwertige Wasserzoll brachte 1599: 3286 Gulden; 1700: 10345 Gulden; 1796: 11926 Gulden; der Land- und Judenzoll 1599: 1602, 1796 der Land¬zoll 2320, der Judenzoll 690 Gulden.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Höchst, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11739> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde