Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Griesheim

Stadtteil · 95 m über NN
Gemarkung Frankfurt-Griesheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5,5 km südwestlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Siedlung in einer Ebene am rechten Mainufer, im Norden durch die Nidda begrenzt. Kirche in zentraler Lage, moderne Siedlungsentwicklung Richtung Stadtzentrum von Frankfurt im Osten sowie nach Norden.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Limburg/Eschhofen – Frankfurt am Main ("Main-Lahn-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 18.8.1888).

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1271: dorff;
  • 1273: villa

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3471565, 5551052
UTM: 32 U 471501 5549271
WGS84: 50.09501885° N, 8.601561793° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000190

Frühere Ortskennziffer:

412000819

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 481, davon 330 Acker (= 68.61 %), 31 Wiesen (= 6.44 %), 31 Holzungen (= 6.44 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1485: 21
  • 1639: 12
  • 1641: 12
  • 1641: 12
  • 1643: 13
  • 1679: 37
  • 1718: 29
  • 1752: 163
  • 1771: 211
  • 1779: 193
  • 1793: 263
  • 1805: 264
  • 1808: 260
  • 1826: 365
  • 1834: 579
  • 1840: 653
  • 1846: 700
  • 1852: 869
  • 1858: 1012
  • 1864: 1358
  • 1871: 1605
  • 1875: 2102
  • 1885: 3010, davon 1877 evangelisch (= 62.36 %), 1124 katholisch (= 37.34 %), 6 andere Christen (= 0.20 %), 2 Juden (= 0.07 %), 1 andere (= 0.03 %)
  • 1895: 5870
  • 1905: 10409
  • 1910: 11514
  • 1925: 12205
  • 1939: 12382
  • 1946: 13055
  • 1950: 17382
  • 1956: 21112
  • 1961: 24942
  • 1970: 25234

Diagramme:

Griesheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 965: Niddagau (in pago Nithagowe)
  • 1303: "Grafschaft" Bornheimer Berg (explizit belegt erst Mitte 15. Jh.)
  • 1338: Dreieicher Wildbann
  • 1782: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1803: Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Höchst
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Höchst
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Höchst
  • 1928: Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, Stadt

Gericht:

  • 1303: Reichsgericht Bornheimerberg
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amtsgericht Höchst
  • 1928: Amtsgericht Frankfurt a. M./Höchst
  • 1945: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Bei der Falkensteiner Teilung 1271 blieb das Dorf Griesheim Gemeinschaftsgut. 1275 wurde es dem von den Brüdern Philipp und Werner von Falkenstein dem Mainzer St. Marienstift verkauft.

1474 und nochmals 1485 übergab das Stift St. Mariengraden die Dörfer Nied und Griesheim mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit an das Mainzer Erzstift. Die Ortsherrschaft war seitdem zwischen dem Kurfürstentum und der Grafschaft Hanau strittig. 1592 verpfändete das Erzstift seinen Anteil an den Dörfern Griesheim und Nied an die Grafen von Hanau, die aber erst 1631 in den vollen Besitz der beiden Orte gelangten. 1684 tauschte Kurmainz endgültig alle Rechte in Nied und Griesheim von Hanau gegen einige Ortschaften im Bibergrund ein.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1928 Eingliederung in den Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Im Lorscher Reichsurbar (830-850) wird Griesheim als karolingisches Königsgut bzw. Fiskalgut genannt. 1273 schenkten Liutgard von Frankfurt und deren Verwandte Gertrud dem Kloster Schönau ihre Güter in Griesheim zu Seelgerät für ihre beiderseitigen Eltern.
  • 1275 verkauften Philipp und Werner von Falkenstein dem Mainzer Stift St. Mariengraden das Dorf Griesheim mit allen Gerechtsamen und Einkünften für 222 Mark. Der Ort war zu diesem Zeitpunkt an die Erben des Frankfurter Bürgers Siegfried von Geisenheim verpfändet. 1474 und nochmals 1485 übergab das Stift die beiden Dörfer Nied und Griesheim mit aller hohen und niederen Gerichtsbarkeit.
  • Die Herren von Eppstein verfügten über Streubesitz in Griesheim.

Zehntverhältnisse:

1218 bestätigte der Mainzer Erzbischof Siegfried II. dem Kapitel des Stifts St. Mariengraden in Mainz das Patronatsrecht auf die Kirche in Nied das Propst Theoderich an das Kapitel abgetreten hatte. Mit der Überweisung des Patronatsrechts war die Überlassung von Zehntrechten zu Griesheim, Sossenheim und einem Drittel des Zehnten zu Breidenloch verbunden.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1863: Evangelische Segenskirche (neoromanische Hallenkirche)
  • 1897: Fertigstellung und Weihe der dreischiffigen Basilika im neugotischen Stil
  • 1955: Weihe der katholische St. Hedwigskirche in Griesheim Nord

Patrozinien:

  • Mariä Himmelfahrt

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich zum Kirchspiel Nied gehörig, nach der Zerstörung der dortigen Kirche 1623 zur Pfarrei Sossenheim.

1890 wurde Griesheim selbstständige Pfarrei.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.

Durch die unterschiedliche konfessionelle Ausrichtung der Landesherren Mainz und Hanau war auch Religionszugehörigkeit der Bevölkerung in Nied umstritten.

Wirtschaft

Wirtschaft:

1823 Niederlassung einer Wachstuchfabrik und Weberei im Osten des Ortes, die über 150 Jahre besteht. 1975 wurde der größte Teil des Werkgeländes an eine Wohnungsbaugesellschaft verkauft.

1856 Gründung der chemische Fabrik Griesheim am westlichen Rand des damaligen Siedlungsgebietes

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Griesheim, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11738> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde