Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Königstein im Taunus

Stadtteil · 362 m über NN
Gemeinde Königstein im Taunus, Hochtaunuskreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Stadt

Lagebezug:

12 km südwestlich von Bad Homburg

Lage und Verkehrslage:

Königstein liegt auf einer durch zerteilte Verebnungsflächen gekennzeichneten Stufe des Vortaunus auf dem Sattel eines Bergsporns im Mündungswinkel von Lieder- und Reichenbach und wird nach Norden hin durch die Randkuppen des Hohen Taunus begrenzt.

Die Stadt lag im Mittelalter an der Straße von Frankfurt nach Köln.

An der A8 und der A455 gelegen.

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Höchst – Königstein (Inbetriebnahme der Strecke 24.2.1902).

Siedlungsentwicklung:

Die Entwicklung der Stadt begann mit dem Bau der Burg, welche seit 1225 bezeugt ist. Der Ort entwickelte sich entlang der Burganlage und ist seit 1276 nachweisbar. Die Ansiedlung von Juden um 1294 lässt schon auf einen urbanen Charakter der Siedlung schließen.

Der Stadtkern bestand aus der Oberstadt bzw. "Alten Stadt" und dem östlich angrenzenden Tal, welche

Historische Namensformen:

  • Kunegistein, de (um 1215-1222) [Kopialbuch von St. Stephan, Mainz: Rotulus iurium et bonorum ecclesiae Sancti Stephani Moguntinae/Cartulaire de St. Etienne de Mayence. Nationalbibliothek Paris, Fonds Latin Nr. 17 794, S. 183-185]
  • Kuningestein (1225)
  • Cunegenstein (1276)
  • Kunincsteyn (1280)
  • Königstein (seit 1313)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (um 1215-1222)
  • oppidum (1313)
  • suburbium castri (1351)
  • Flecken (17. Jahrhundert)
  • Stadt, Tal, Schloß (noch im 17. Jahrhundert)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Die Burg war eine mächtige, romanische Anlage bestehend aus vier Flügeln und einem Hauptturm im Südwesten, die wohl durch die Staufer gebaut wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert entstanden ausgedehnte Außenbefestigungen und Kasematten.
  • 1796 von den Franzosen durch Sprengung zerstört. Nach der Sprengung wurde die Anlage bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Steinbruch genutzt.
  • Von der mittelalterlichen Burganlage blieben der Unterbau des viereckigen Bergfrieds, untere Teile der Ringmauer und der Schildmauer im Norden sowie einige Keller erhalten wahrend die übrigen Gebäude aus dem 15./16. Jahrhundert stammen.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3461920, 5560955
UTM: 32 U 461860 5559171
WGS84: 50.18350536° N, 8.465784477° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

434005020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1272, davon 218 Acker (= 17.14 %), 180 Wiesen (= 14.15 %), 782 Holzungen (= 61.48 %)
  • 1961 (Hektar): 1277, davon 780 Wald (= 61.08 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 1714, davon 303 evangelisch (= 17.68 %), 1358 katholisch (= 79.23 %), 53 Juden (= 3.09 %)
  • 1961: 7278, davon 3139 evangelisch (= 43.13 %), 3772 katholisch (= 51.83 %)
  • 1970: 7992 Einwohner

Diagramme:

Königstein im Taunus: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1581: Amt Königstein
  • 1782: Vogteiamt Königstein
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Königstein (zum Umfang des Amtes s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Königstein
  • 1806: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis
  • 1919: Hilfskreis Königstein in der französischen Besatzungszone
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Hochtaunuskreis

Altkreis:

Obertaunuskreis

Gericht:

  • Das Orstgericht bestand aus einem Schultheiß und sieben bis neun Schöffen. Königstein war von 1440 bis zum Ende des 16. Jahrhunderts Oberhof für die umliegenden Dörfer, während der Oberhof im Schöffenstuhl zu Frankfurt das für Königstein anzurufende Gericht war.
  • Im 17. Jahrhundert hatte das Landgericht zu Diefenwegen in Königstein ein Halsgericht für die Stadt selbst und die vier umliegenden Dorfschaften.
  • Im 18. Jahrhundert fielen alle schweren Kriminalfälle in die Zuständigkeit des Rentmeisters, welcher bei den Untersuchungen von zwei beim Oberamt verpflichteten Gerichtschöffen von Königstein unterstützt wurde. Das Oberamt war für die restliche Rechtssprechung zuständig. In der Zuständigkeit des Ortsgerichtes verblieben nur die freiwillige Gerichtsbarkeit und das Feldgericht, das an vier Rügetagen im Jahr abgehalten wurde.
  • 1816: Amt Königstein
  • 1849: Justizamt Königstein
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Königstein
  • 1867: Amtsgericht Königstein

Herrschaft:

Herrschaft:

Im 12. Jahrhundert gehörte Königstein zur Grafschaft Nürings.

Gegen Ende des 12. Jahrhunderts kam die Stadt als Erbteil an die Herren von Münzenberg.

Von 1252-1255 war Königstein im Besitz der Herren von Falkenstein.

Am 27.02.1313 verlieh Reichsvikar Johann, König von Böhmen, Philipp IV. von Falkenstein für Königstein die Rechte und Freiheiten der Stadt Frankfurt.

1418/19 kam es an die Herren von Eppstein.

Seit 1433 gehörte die Stadt zum Besitz der königsteinischen Linie der Herren von Eppstein.

1535 und 1631-35 gehörte Königstein zur Grafschaft Stolberg.

Seit 1581 gehörte die Stadt zu Kurmainz.

Seit 1803 zu Nassau gehörig.

Seit 1866 zu Preußen gehörig.

Seit 1945 Teil des Bundeslandes Hessen.

Gemeinde:

Seit 1345 wurde die Stadt durch den Schultheiß, die Schöffen und zwei Bürgermeister verwaltet. Die Bürgermeister werden jährlich gewählt.

Gegen Ende des 17. und im 18. Jahrhundert gab es 4 Gemeindevorsteher als besondere Vertreter der Bürgerschaft.

Seit 1779 gab es einen ständigen Bürgermeister.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1972 wurden Königstein i.Ts. und Schneidhain im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteile in die neu gebildete Stadtgemeinde Königstein im Taunus eingegliedert, deren Gemeindeverwaltungsitz Königstein im Taunus wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Burg:
  • Im 12. Jahrhundert gehörte Königstein zum Besitz der Grafen von Nürings, deren Geschlecht im Jahre 1171 ausstarb. Die Burg wurde im Jahre 1215 (1225) erstmals urkundlich als im Besitz der Herren von Hagen-Münzenberg erwähnt.
  • 1255 ging ein Teil der Burg nach dem Aussterben des Münzenberger Mannesstamms an Philipp I. von Bolanden (Falkenstein), dessen Söhne, Philipp II. und Wener I., erwarben in der Folge die restlichen vererbten Münzenberger Anteile.
  • 1290 erhielt nach Erbteilung der beiden Brüder Werner I. die Burg.
  • Nach dem Tode Philipp VI. von Falkenstein in Gefangenschaft verkauft seine Witwe 1378 die Burg. 1389 ist sie wieder im Besitz der Falkensteiner.
  • Mit dem Tod Werners III. von Falkenstein (Erzbischof von Trier: reg. 1388-1418) stirbt das Falkensteiner Geschlecht aus. Die Burg geht an die Eppsteiner, welche 1420 vom Kaiser Sigismund mit der Burg belehnt werden.
  • Mit dem Tod von Eberhard IV. von Eppstein im Jahre 1535 erlöscht das Geschlecht und die Burg erbt Graf Ludwig von Stolberg mit kaiserlicher Bewilligung.
  • 1575 (nach Dehio 1581) geht die Burg nach dem Tod Ludwigs als erledigtes Reichslehen an Kurmainz über.
  • Im Jahre 1803 geht die Burg von Kurmainz an Nassau-Usingen über.
  • Stadt:
  • Im 12. Jahrhundert gehörte Königstein den Grafen von Nürings.
  • Gegen Ende des 12. Jahrhunderts kam die Stadt als Erbteil an die Herren von Münzenberg.
  • Von 1252-1255 war Königstein im Besitz der Herren von Falkenstein.
  • 1418/19 kam es an die Herren von Eppstein.
  • Seit 1433 im Besitz der königsteinischen Linie der Herren von Eppstein.
  • 1535 und 1631-35 gehörte Königstein zur Grafschaft Stolberg.
  • Seit 1581 gehörte die Stadt zu Kurmainz.

Ortsadel:

1433-1535 von Eppstein-Königstein.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Beginn des 13. Jahrhunderts: Kaplan
  • 1275: Pfarrei
  • 1318/1422: Versehen der Pfarrei und geistliche Fürsorge für die Burg Königstein durch den Pastor von Gronau bzw. Obereschbach
  • 1428: Inkorporation von Gronau zu Königstein, Versehen der Pfarrei nun durch das Stift Lich

Patrozinien:

  • Bartholomäus und Maria (1466); Anna

Pfarrzugehörigkeit:

Die katholische Gemeinde bildete seit 1275 eine selbstständige Pfarrei.

Ab 1320 wurde die Burg durch den Pfarrer in Ober-Eschbach betreut.

Die protestantische Gemeinde bildet seit 1894 eine selbstständige Pfarrei.

Patronat:

Das Patronat war im Besitz der Herren von Eppstein-Königstein

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation um 1540 durch die Grafen von Stolberg.

Katholischer Bekenntniswechsel: 1601, nachdem schon früher Kurmainz katholische Geistliche neben den lutherischen einsetzte.

Kirchliche Mittelbehörden:

Ab 1107 zum Mainzer Archidiakonat St. Peter, Dekanat Eschborn gehörig

1606 wurde das Landkapitel Königstein eingerichtet.

Die kath. Gemeinde gehört seit 1827 zum Bistum Limburg und bildet das Dekanat Königstein.

Die Protestanten wurden 1818 nach Kronberg eingepfarrt und nach der Eigenständigkeit 1894 dem Dekanat Kronberg zugewiesen.

Juden:

1294: 10 Juden

1730: 6 Juden

1750: 15 Juden

1770: 13Juden

1790: 9 Juden

1802: 11Juden

1825: 32 Juden

1870: 60 Juden

1900: 56 Juden

1925: 76 Juden

1936: 69 Juden

1906: Bau der Synagoge

Kultur

Schulen:

1460: Schulmeister

Bis 1540: Versehen des Volksschuldienstes durch die Kugelherren

1540: Neubau des Schulhauses

1843: Anstellung des ersten ev. Lehrers

1865 u. 1950: Neubau des Schulgebäudes

1884: Gründung der kath. höhere Mädchenschule mit Internat im Ursulinenkloster (Angliederung der Frauenschule im Jahre 1929)

1887: Gründung einer privaten Rektoratsschule bis zur Untertertia

1916: Umwandlung der Rektoratsschule in die städt. Taunusrealschule und Zusammenlegung mit der höheren Mädchenschule Taunusinstitut (seit 1899)

1946: Einrichtung des Albert-Magnus-Kolleg (tehologische Hochschule zur kath. Priesterausbildung für die Heimatvertriebenen)

Hospitäler:

1851: Gründung der Wasserheilanstalt (Medizinalrat Dr. Pingler) und großer Sanatorien

Seit 1858: kath. Krankenhaus

1912: Bau eines neuen Krankenhauses

4 Sanatorien (eine Kneipp-Kuranstalt, ein Kindergenesungsheim)

Landeskuranstalt für Hirn- und Nervenverletzte

Bundesbahnheilstätte Taunusheim

Historische Ereignisse:

1509: Stadtbrand

1564: Pest

1792: Bombardement der Burg durch die Preußen

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1581-1803 Sitz des kurmainzischen Amtes Königstein

1787 gehörten zum Amt Königstein im oberrheinischen Kreis: Altenhain, Glashütten, Kirdorf, Königstein (Stadt), Mammolshain, Neuenhain, Ober-Erlenbach, Oberhöchstadt, Schneidhain, Schönberg, Schwalbach, Oberliederbacher Mark, Dickenet, Helwigshain oder Freigericht.

1806-1866 Sitz des nassauischen Amtes Königstein: Königstein, Altenhain, Bommersheim, Kronberg, Ehlhalten, Eppenhain, Eppstein, Falkenstein, Fischbach, Glashütten, Hornau, Kahlbach, Kelkheim, Mamolshain, Neuenhain, Niederhöchstadt, Oberhöchstadt, Oberursel, Schlossborn, Schneidhain, Schönberg, Schwalbach, Stierstadt und Weisskirchen

Wirtschaft:

Neben der Landwirtschaft wurde die Entwicklung von Gewerbe und Handel durch Fernstraße und Burg gefördert.

Das Hauptgewerbe bildeten die Gerber- und Walkereien am Reichenbach. Die Tuche aus Königstein wurden seit 1360 auch auf der Frankfurter Messe gehandelt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts Gehen Handel und Gewerbe ein, da durch Eisenbahn und Dampfschiff die Kölner Landstraße ihre Bedeutung verliert.

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Kurbetrieb.

Mühlen:

Seit 1441: Walkmühle

1478: 2 Schleifmühlen

Mitte 16. Jahrhunderts: Schleif- und Pulvermühlen

17. Jahrhundert: Kornmühle

Markt:

1568: Erlaubnis zur Anlegung eines Wochenmarktes (um 1780 nur noch Mehlverkauf)

Seit dem 17. Jahrhundert: zwei Jahrmärkte an Misericordia domini und Maria Himmelfahrt (um 1740 eingegangen, ab Ende des 18. Jahrhunderts wieder eröffnet)

1619: Verfall der Fleischscharren (Ende des 17. Jahrhunderts wieder errichtet)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Königstein im Taunus, Hochtaunuskreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11539> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde