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5916 Hochheim (Main)
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Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

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Wicker

Stadtteil · 146 m über NN
Gemeinde Flörsheim am Main, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7 km südwestlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

2,5 km nordwestlich von Flörsheim, am Rande der am östlichen unteren Wickerbach gelegenen Hochfläche im Main-Taunus-Vorland

Am Wickenbach und der B 40 gelegen

Ortsform:

Ringdorf

Siedlungsentwicklung:

Das ursprünglich als Ringdorf angelegte Dorf wurde1361 im Rahmen der Mainzer Fehde niedergebrannt.

1610 wurden bei einem Brand, der angeblich durch unachtsames Hantieren mit einer Muskete entstanden sein soll, 48 von 75 Häusern zerstört und weitere 16 stark beschädigt. Im Jahre 1648 fiel der Ort erneut einem Brand zum Opfer und 1666 suchte eine Pestepedimie die Bevölkerung heim.

Die heutige Bebauung erstreckt sich zwischen Am Klingfloß und der Goldbornstraße.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • 1357: valtor (U Sta Mz 1584a)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3457427, 5543754
UTM: 32 U 457369 5541976
WGS84: 50.02856522° N, 8.40479797° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436004030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 2387 Mg
  • 1885 (Hektar): 597, davon 446 Acker (= 74.71 %), 45 Wiesen (= 7.54 %), 0 Holzungen
  • 1895: 596,5 ha
  • 1961 (Hektar): 591, davon 0 Wald
  • 1967: 591,2 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1609: 60 Haushalte mit 210 Einwohner
  • 1648: 28 Männer
  • 1668: 48 Häuser mit 179 Einwohner
  • 1745: 426 Einwohner
  • 1796: 100 Häuser
  • 1817: 622 Einwohner
  • 1834: 704 Einwohner
  • 1846: 755 Einwohner
  • 1864: 764 Einwohner
  • 1885: 741, davon 30 evangelisch (= 4.05 %), 711 katholisch (= 95.95 %)
  • 1910: 788 Einwohner
  • 1939:: 895 Einwohner
  • 1946: 1106 Einwohner
  • 1956: 1298 Einwohner
  • 1961: 1403, davon 178 evangelisch (= 12.69 %), 1215 katholisch (= 86.60 %)
  • 1970: 1799 Einwohner
  • 1987: 3090 Einwohner

Diagramme:

Wicker: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 927 Königsundergau und zu der Grafschaft des Grafen Eberhard
  • 1608: Oberrheinischen Reichskreis
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Oberamt Höchst und Königstein, Amtsvogtei Höchst
  • 1803: Nassau-Usingen, Amt Hochheim
  • 1814: Herzogtum Nassau, Amt Wallau
  • 1817: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wiesbaden
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1342: Zentgraf
  • 1347: Zentgraf für Wicker erwähnt
  • 1356: Zentgraf und Schöffen
  • 1363: Gerichtsstätte an der Kirchhofmauer
  • 1368: Schultheiß und Schöffen
  • 1370: eppsteinisches Gericht vor dem Kirchhof
  • 1398_ eppsteinisches Gericht in der Wohnung des Zentgrafen
  • 1453: Weisttum für Eppstein-Königstein
  • 1471: Schultheiß und Schöffen im Dienst des Eberhard von Eppstein-Königstein
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim

Herrschaft:

1112: Grafschaft des Grafen Rudolf

1433: Eppstein-Königstein

1480: Pfand an Hans den Älteren von Wallbrunn abgetreten

1575: Herrschaft Stolberg-Königstein

1581: zwischen Mainz und der Kurpfalz umkämpft

1604: unter mainzischer Herrschaft

1632: von den Schweden an die Herren von Stolberg übergeben

1635: unter kaiserlicher Verwaltung und Rückgabe an Mainz

1803: Nassau-Usingen

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde Weilbach nach Flörsheim eingemeindet.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zwischen 911 und 918 überträgt König Konrad I. dem Kölner Erzbischof eine Kirche und Land in Wicker.
  • 922 schenkt der Kölner Erzbischof dem Ursulastift eine Kirche und zwei Hufen Land in Wicker.
  • 970 schenkt Kaiser Otto I. dem Magdeburger Kloster St. Johann Güter in Wicker.
  • 1169 hat St. Maria in campis zu Mainz hier Güter.
  • Am Anfang des 13. Jahrhunderts erhält Saward der Alte von Cleen 2 Morgen Weinberge von Eppsteinern.
  • 1236 erwirbt St. Stephan zu Mainz Ländereien von Konrad von Dornburg.
  • 1237 tauschen Jutta von Dornburg und das Deutsche Haus Jerusalem Güter aus, die aus dem Besitz der Grafen von Diez stammen.
  • 1254 stiftet der Dompropst Werner von Eppstein sein Erbgut in Wicker für eine Vikarie an der Kapelle des Ortes.
  • 1255 verfügt Graf Gerhard von Diez hier über Güter.
  • 1272 wird eine Schenkung von 3 Hufen Land an das Kloster Tiefenthal durch Gottfried von Eppstein bestätigt.
  • 1306 besitzen die Grafen von Katzenellenbogen hier einen Hof bei der Kirche mit 1,5 Hufen Land und 8,5 Morgen Weingarten aus dem Erbe der Elisabeth von Nassau.
  • 1311 erwirbt der Mainzer Dom hier Güter.
  • 1312 erwirbt der Mainzer Erzbischof hier Güter.
  • 1313 verpachtet er das erworbene Gut an den Deutschen Orden in Sachsenhausen.
  • Zwischen 1313 und 1343 erwirbt das Mainzer Domkapitel hier erhebliche Korngülten.
  • 1315 erhält das Mainzer Johannisstift 5 Morgen Weinberge sowie die Hälfte eines Hofes samt Äckern und Wiesen.
  • 1316 tauscht Gottfried von Eppstein eine Wiese in Weilbach gegen eine Wiese in Wicker mit dem Deutschen Orden in Sachsenhausen.
  • 1319 bekommt das Kloster Arnsburg hier Güter.
  • 1320 schenkt der Mainzer Bischof das Pachtgut des Deutschen Ordens dem Kartäuserorden.
  • 1327 gibt das Johannisstift Pachtgüter aus.
  • 1331 verpachtet der Deutsche Orden in Sachsenhausen Weingärten und ein Haus.
  • 1345 verpachtet der Orden diese Güter.
  • 1356 verpachtet das Stift St. Agnes Güter in Wicker.
  • 1357 besitzen das Johannisstift, das Mainzer Domstift, das Stift Diez, das Kloster Tiefenthal, das Kloster Patershausen, die Herren von Eppstein, das Kloster Altmünster, St. Stephan und St. Agnes hier Güter.
  • 1362 verpachtet St. Johann Weingärten.
  • 1364 hat Hlefrich Jude hier einen Hof und ein steinernes Haus als eppsteinisches Burglehen inne. Zur gleichen Zeit haben die Klöster Tiefenthal und Altmünster sowie der Kartäuserorden und Stift St. Stephan in Mainz hier Besitz.
  • 1366 hat der Deutsche Orden in Sachsenhausen hier Güter.
  • 1368 besitzen das Johannisstift, das Mainzer Domstift, das Stift Diez, das Kloster Tiefenthal, , die Herren von Eppstein, das Kloster Altmünster, St. Stephan und St. Agnes hier Güter.
  • 1370 besitzen der Mainzer Erzbischof und der Kartäuserorden hier Güter.
  • 1398 besitzen das Johannisstift, das Mainzer Domstift, das Stift Diez, das Kloster Tiefenthal, das Kloster Patershausen, die Herren von Eppstein, das Kloster Altmünster, St. Stephan und St. Agnes hier Güter.
  • 1457 verpfändet Gottfried von Eppstein-Münzenberg die Einkünfte seiner Hörigen und die Mühle an verschiedene Parteien.
  • 1485 umfasst der Besitz von St. Stephan zu Mainz 140,5 Morgen Ackerlnad und 9 Morgen Wiesen, welcher bis zum 16. Jahrhundert auf 187,5 Morgen Ackerland anwächst.
  • 1654 haben St. Stephan 182 Morgen, das Mainzer Domkapitel 239 Morgen, die Kartäuser 98 Morgen und das Klsoter Tiefenthal 8 Hufe Land.

Zehntverhältnisse:

1222 besitzt das Kloster Retters den Wein- und Kornzehnten auf 3 Hufe Land.

1254 erhält die Mainzer Dompropstei 1/16 des Zehnten von Werner von Eppstein.

1281 werden die Güter des Klosters Tiefenthal durch Gottfried von Eppstein von der Bede befreit.

Um 1300 besitzen die Herren von Eppstein die Bede.

1306 gehören den Grafen von Katzenellenbogen als Erben der Elissabeth von Nassau die Hälfte des Weinzehnten in Wicker.

1320 erhalten die Mainzer Kartäuser vom Erzbischof einen Teil des Korn- und Weinzehnten, welchen er aus dem Erbe des Gerhard von Eppstein erworben hatte. Zur gleichen Zeit besitzt der Orden 3/16 des großen Zehnten.

1471 besitzt Eberhard von Eppstein die Bede zu Wicker.

1595 erhält der Mainzer Erzbischof 1/4 des Wein- und Fruchtzehnten von St. Stephan zur Pacht auf 20 Jahre.

1623 gehören dem Mainzer Erzbischof 1/2, den Kartäusern und St. Stephan je 1/4 des Zehnten.

Ortsadel:

1241: Folcwinus de Wikere

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 922: Kirche im Besitz des Kölner Ursulastifts
  • 970: 1/3 der Kirche im Besitz des Klosters Berge bei Magdeburg als Geschenk Ottos I.
  • 1293: Priester
  • 1604: kath. Pfarrer
  • 1814: Umbau der Pfarrkirche St. Katharina

Patrozinien:

  • Katharina

Pfarrzugehörigkeit:

1294 und 1326 wurde die Kirche dem Stift zu Diez inkoporiert.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich um 1540.

Katholischer Bekenntniswechsel: 1604

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Eschborn, Archidiakonat St. Peter in Mainz gehörig.

Kultur

Schulen:

1588: Lehrerwitwe

1592: Schulbesuch der Weilbacher Kinder in Wicker

1604: Entlassung des evangelischen Lehrers im Zuge der Gegenreformation, Beschwerde des Erzbischofs über den schlechten Schulbesuch

1889: Bau eines Schulgebäudes mit zwei Klassenzimmern

1954: Erweiterung auf vier Klassenzimmer

seit 1971: Grundschule

1978/79: Bau der Goldborn-Schule

Wirtschaft

Mühlen:

1318: Mühle im Besitz der Herren von Eppstein

1607/09: Wickermühle (Weidenmühle) in hessischem Besitz, Wolfsmühle (Straßenmühle)

1648: alle Mühlen zerstört

1800: Steinmühle und eine weitere Mühle im Besitz von Hessen-Darmstadt

Zoll:

1262 wird das Stift St Stephan in Mainz von allen Steuern befreit.

1281 ist das Kloster Tiefenthal von allen Abgaben befreit.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wicker, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11300> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde