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5916 Hochheim (Main)
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Herzogtum Nassau 1819 – 46. Wiesbaden
Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

Weitere Informationen

Hochheim am Main

Stadtteil · 131 m über NN
Gemeinde Hochheim am Main, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Lagebezug:

11 km südwestlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

Die Stadt liegt zwischen Flörsheim und Kostheim.

Hochheim liegt am Südrande des als Terrassentreppe von der Taunusvorstufe zum Main allmählich abfallenden, von Löß überdeckten Maintaunusvorlandes, das sich hier mit einem 40 m hohen Hang steil zum Main neigt, 4 km östlich vor dessen Einmündung in den Rhein. Der Hang mit seinen zutage tretenden Mergeln und Tonen bildet die Grundlage des berühmten Weinbaus.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main – Wiesbaden ("Taunusbahn";1840) (Inbetriebnahme der Strecke 13.4.1840).

Ortsform:

Ringdorf

Ersterwähnung:

754

Siedlungsentwicklung:

Die Ursprünge der Siedlung können anhand eines merowingisches Gräberfeldes im Nordwesten des Ortskerns auf das 5. bis 8 Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Die ersten Befestigungsnalagen aus Holz werden um 1397 errichtet und 1550 durch eine steinerne Ringanlage ersetzt. Im Jahre 1590 werden bei einem Stadtbrand 30 Wohnhäuser zerstört, worauf Strohdächer im Stadtgebiet verboten werden. Im Jahre 1666 fordert die Pest zahlreiche Opfer. 1813/14 wird Hochheim von Epidemien heimgesucht.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (754)
  • Der Stadtname bezieht sich auf die Lage der Siedlung oberhalb des Mains.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • 1977: Falkenberg

Burgen und Befestigungen:

  • 1397: Holzumfriedung (holtzporten)
  • 1550: Ersetzen der hölzernen Umfriedung durch Ringmauer mit fünf Türmen im Süden und drei Toren.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3453621, 5541928
UTM: 32 U 453565 5540151
WGS84: 50.0118673° N, 8.35191312° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436006010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 4924 Morgen
  • 1885 (Hektar): 1314, davon 924 Acker (= 70.32 %), 58 Wiesen (= 4.41 %), 0 Holzungen
  • 1895: 1263,9 ha
  • 1961 (Hektar): 1264, davon 0 Wald
  • 1981: 1263 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1622: 173 Familien (davon 122 Bürger, 20 Witwen und 31 Hofleute) und 22 Tagelöhner
  • 1633: etwa 150 landbesitzende Untertanen
  • 1636: 63 Untertanen (28 alteingesessen und 35 seit Beginn des Krieges zugezogen; 1654 noch 30 unbewohnte Hausplätze)
  • 1725: 304 Familien, 2 Witwer und 10 Unmündige
  • 1763: 315 Bürger und 60 Forensen
  • 1785: 359 Familien
  • 1803: 1682 Einwohner
  • 1817: 1615 Einwohner
  • 1825: 1842 Einwohner
  • 1850: 2148 Einwohner (543 Familien)
  • 1885: 2815, davon 319 evangelisch (= 11.33 %), 2474 katholisch (= 87.89 %), 22 Juden (= 0.78 %)
  • 1900: 1383 Einwohner (776 Familien)
  • 1950: 6283 Einwohner (1619 Haushalte, 1155 Heimatvertriebene)
  • 1961: 8555, davon 2876 evangelisch (= 33.62 %), 5410 katholisch (= 63.24 %)
  • In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts bedeutender Zuzug begüterter (Weingüter) Fremden, die im 18. Jahrhundert bald ein Viertel der Einwohner ausmachen.

Diagramme:

Hochheim am Main: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1579: Hochheim bildete mit Flörsheim und Astheim das domkapitularische Amt Hochheim
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Ämter des Domkapitels zu Mainz, Domdechaneiamt in Mainz
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Hochheim
  • 1814: Herzogtum Nassau, Amt Wallau
  • 1817: Herzogtum Nassau, Amtsbezirk Hochheim
  • 1849: Herzogtum nassau, Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amtsbezirk Hochheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Schultheiß (später als Oberschultheiß bezeichnet) zuerst 1271 genannt. Vogtei und Gericht waren im 13. Jahrhundert in der Hand der Grafen von Sponheim und gingen 1313 auf die Herren von Eppstein über; somit gehörte Hochheim zum Eppsteinschen Landgericht Mechtildshausen. Dem Schultheiß, bisher ausschließlich Vorsteher des Schöffengerichts, fiel 1478 (seit Verkauf der Eppsteinschen Gerichtsrechte an das Domkapitel), auch die Abhaltung des Vogtgerichts zu. Dem Schöffengericht gehörten 14 Schöffen an, von denen einer Unterschultheiß (zuerst 1548) war (mit Bestätigung des Domkapitels).1598 Feldgericht mit 4 Mann angeordnet. Neuordnung des Gerichtswesens 1786: Amtsschultheiß für Hochheim, Flörsheim und Astheim; Ortsgericht, bestehend aus Schultheiß und 4 Schöffen, nur noch für die freiwillige Gerichtsbarkeit und Prozesse bis 10 Gulden.

Herrschaft:

Herrschaft:

Im 13. Jahrhundert im Besitz des Domkapitels in Köln, das den Ort 1273 an das Domkapitel in Mainz verkaufte.

Dieses, das die volle Landeshoheit 1478 bekam, besaß sie mit kurzen Unterbrechungen bis 1802.

1802: Nassau-Usingen

Gemeinde:

Die Leitung des Gemeindewesens lag r Zeit der domkapitelschen Herrschaft in den Händen eines Oberschultheißen (vom Domkapitel angestellt), der 14 Schöffen einschließlich des Unterschultheißen, der 4-12 Geschworenen oder gemeinen Vorgänger, der 2 Bürgermeister oder Rechnungssteller und der 4 Letzten- oder Viertelsmeister, die sämtlich wieder unter Kontrolle des Amtmanns, eines Hochheim wohnenden Domherrn, standen. Die Geschworenen (im 16. Jahrhundert 12, daher „Zwölfer") bildeten unter dem Schultheißen die Gemeindevertretung; Mitte 17. Jahrhundert waren es 8, von denen gleich 4 im Schöffengericht saßen, im 18. Jahrhundert nur 4 (die „Vierer"), die alle zwei Jahre wechselten. Ortsstatuten 1605 erneuert, Gemeindeordnung 1773.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Hochheim am Taunus, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hochheim am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1124 bestätigt der Mainzer Erzbischof die Schenkung von Hufen Land an das Stift St. Peter.
  • 1239 besitzt das Kölner Domkapitel dort einen Hof.
  • Im 13. Jahrhundert besitzt Gottfried von Delkenheim ein eppsteinisches Lehen in Hochheim.
  • 1270 lassen sich Besitzungen des Klosters Altmünster nachweisen.
  • 1271 erhalten die Deutsch-Ordens-Niederlassung in Mainz und das Kloster Tiefenthal Besitzungen eines Mainzer Bürgers.
  • 1284 erhält die Deutsch-Ordens-Niederlassung in Sachsenhausen dort Güter.
  • 1293 verpachtet das Mainzer Mariagredenstift 2 Morgen Land.
  • 1299 verlehnt Siegfried von Eppstein seinen Hof.
  • 1301 erwirbt das Kloster Arnsburg Weinberge und Philipp von Falkenstein einen Hof.
  • 1303 vergibt St. Klara Pachtgüter um Hochheim.
  • 1304 erwirbt das Mainzer Domkapitel einen Hof vom Hochheimer Vogt Gottfried.
  • 1330 besitzt St. Klara 80 Morgen Land.
  • 1367 überträgt Hartmut von Kronberg seine Güter in Hochheim als Aussteuer an seine Töchter.
  • 1457 ist die Deutschordens-Kommende in Mainz mit 313 Morgen der größte Grundbesitzer gefölgt von der Mainzer Dompräzens mit 264,5 Morgen und der Domdechanei mit 3 Höfen.

Zehntverhältnisse:

1239 besitzt das Kölner Domkapitel den Zehnten.

1273 geht der Zehnte an das Mainzer Domkapitel über.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1239: Geistlicher
  • 1301: viceplebanus
  • 1314: Pfarrei
  • 1730-32: Bau der Pfarrkirche St. Peter und Paul
  • 1848-49: evangelische Kapelle erbaut
  • Seit 1859: ev. Geistlicher

Patrozinien:

  • Petrus; Paulus

Pfarrzugehörigkeit:

Die kleine evangelische Gemeinde war von 1818-59 nach Massenheim eingepfarrt und seit 1875 eigene Pfarrei.

Patronat:

Um 1465 hatte das Mainzer Domkapitel das Patronat inne.

Bekenntniswechsel:

Der Ort blieb katholisch.

Die ersten evangelischen Einwohner waren die Fürstin von Anhalt-Köthen, die 1815-21 im Schlosse zu Hochheim lebte, und ihre zwölfköpfige Dienerschaft.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Kastel, Archidiakonat von St. Peter in Mainz gehörig.

Juden:

In Hochheim gab es eine alte jüdische Gemeinde.

Bis 1869: Bethaus.

1865-1938: Betraum in der Rathausstraße 29.

Kultur

Schulen:

Schule zuerst 1575 erwähnt. 1623 2 neue Schulstuben auf dem „Kärnerhaus" erbaut, 1746 neue Schule auf der Kirchpforte; 1754 besondere Mädchenschule. Beim Anfall Hocheims an Nassau bestanden 2 Freischulen. Der erste evangelische Lehrer 1831 bei 9 evangelischen Kindern angestellt. Seit 1853 Sonntags- und Gewerbe- oder Zeichenschule. 1971/72 Bau der Heinrich-von Brentano-Gesamtschule.

Kultur:

„Hochheimer Stadtanzeiger" 1906-23, ab 1924 „Neuer Hochheimer Stadtanzeiger", ab 1936 „Hochheimer Stadtanzeiger", Ausgabe der Maingau-Zeitung.

Historische Ereignisse:

Wasserwerk 1896, neues Pumpwerk am Main 1950

Elektrizitätswerk 1904 (ab 1927 Fremdstrombezug)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Von 1631-1635 steht das mainzische Amt Hochheim unter schwedischer Verwaltung. Von 1635-1803 wird das Amt wieder durch Kurmainz verwaltet. Ab 1803 steht das Amt unter der Verwaltung Nassau-Usingens, welches sich 1806 mit Nassau-Weilburg zum Herzogtum Nassau vereinigt. Zu diesem Zeitpunkt umfasst das Amt Hochheim, Flörsheim und Eddersheim. 1806 wird das bis dato reichritterliche Niederhofheim dem Amt einverleibt. 1814 wird das Amt aufgelöst und Hochheim und Flörsheim dem Amt Wallau sowie Eddersheim dem Amt Höchst eingegliedert. Am 01.01.1817 wird der Amtssitz von Wallau nach Hochheim verlegt und von da an als Amt Hochheim bezeichnet. Das Amt umfasst die Orte Breckenheim, Delkenheim, Niederhofheim, Diedenbergen, Eppstein, Flörsheim, Hochheim, Igstadt, Langenhain, Lorsbach, Marxheim, Massenheim, Medenbach, Nordenstadt, Wallau, Weilbach, Wicker und Wildsachsen.

Wirtschaft:

1124 Weinbau.

Burgeff & Co., Sektkellerei, gegründet 1837; C. Bachem, Sektkellerei, gegr. 1885; Sektkellerei Hochheim GmbH, gegr. 1883; Carl Graeger, gegründet 1877.

Markt:

1484 Erlaubnis zwei Jahrmärkte abzuhalten.

1737 zwei weitere Jahrmärkte, die jedoch eingingen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hochheim am Main, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11279> (Stand: 20.11.2018)
 
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