Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Frankenberg (Eder)

Stadtteil · 296 m über NN
Gemarkung Frankenberg, Gemeinde Frankenberg (Eder), Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

28 km nördlich von Marburg

Lage und Verkehrslage:

Komplexe Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen zwischen Ausläufern des Rothaargebirges und des Kellerwaldes im oberen Edertal an der Mündung der Nemphe in die Eder. Untergegangene Burganlage und Kirche auf einem Bergsporn im Westen der Altstadt. Kern der Altstadtsiedlung ist östlich hiervon der Marktplatz mit historischem Rathaus, bestehend aus dem südlich gelegenen, nahezu ebenen Obermarkt und dem bereits am Hang liegenden Untermarkt im Norden. Der gesamte Marktbereich hat nahezu rechteckiges Format und wird nach Osten hin etwas breiter. Vom Untermarkt führen in regelmäßigen Abständen vier parallele Straßen talwärts, vom Obermarkt nur eine Verlängerung der Steingasse auf die Teichpforte zu. Mittelalterliche, an die Altstadt anschließende Neustadt mit einfachem, ellipsenförmigen Grundriss entlang der Neustädter Straße im Nordwesten unterhalb der Burg.

Jüngere Siedlungen an die Altstadt anknüpfend. Industrie- und Gewerbegebiete im Bereich Futterhof, Ederstraße, Bahnhof und in der Aue. Nahezu reine Wohngebiete sind beginnend im Nordwesten im Uhrzeigersinn Ederdorf, Kegelberg, Hinter dem Hainstock, im Teich, am Hinstürz, im Ziegelhaus und im Johannisland im Süden. Katholische Pfarrkirche im Südwesten der Stadt in der Nähe des Bahnhofs.

Ursprüngliche Verkehrsage am Kreuzungspunkt der alten, vom Rhein-Main-Gebiet nach Westfalen führenden Weinstraße (= Wagenstraße) mit der Siegener Landstraße, die die Verbindung vom Siegerland nach Leipzig herstellt.

Chausseen nach Rhadern, Somplar und Münchhausen. Ringförmig um den Stadtkern verläuft ein Straßennetz bestehend aus den Bundesstraßen B252, B253 und B253A, den Landesstraßen L3073 und L3076, sowie den Kreisstraßen K117, K126/127 und K98.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach – Arfeld ("Edertalbahn") von 1900 bis zur Stilllegung der Strecke 1993 (Die Teilstrecke Korbach - Frankenberg wurde am 1.5.1900 eröffnet, die Teilstrecke Frankenberg - Allendorf erst am 1.12.1908).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Frankenberg – Lahntal/Sarnau ("Burgwaldbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.7.1890).

Ersterwähnung:

1236

Siedlungsentwicklung:

Mittelalterliche Doppelstadt. In der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts zügiger Ausbau zur Stadt mit gitterförmigem Straßennetz und Marktplatz in zentraler Lage. Zisterzienserinnenkloster Georgenberg südwestlich außerhalb des Altstadtbereiches. Die Gründung der Neustadt im Nordwesten von Frankenberg geht auf ein Privileg Landgraf Heinrichs II. von 1335 zurück.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • opidum (1240)
  • aldin Stad und nuwin Stad (1336)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1927-1929

Älteste Gemarkungskarte:

1772

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3485841, 5658213
UTM: 32 U 485773 5656390
WGS84: 51.05885806° N, 8.7969845° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635011020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 2634, davon 1486 Acker (= 56.42 %), 450 Wiesen (= 17.08 %), 197 Holzungen (= 7.48 %); Oberförsterei Frankenberg: 3814, davon 6 (Ackerland), 20 (Wiesen), 3742 Holzungen
  • 1928: Eingemeindung von Teilen der aufgelösten Forstbezirke Frankenau und Viermünden
  • 1961 (Hektar): 2736, davon 604 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1384: 254 Viehsteuerabgabepflichtige
  • 1412: 195 Feuerstätten
  • 1459: 138 Bürger in Harnisch und mit anderen Waffen
  • 1460: 209 Geschosspflichtige
  • 1464: 210 Geschosspflichtige
  • 1469: 220 Geschosspflichtige
  • 1490: 209 Geschosspflichtige
  • 1499: 207 Geschosspflichtige
  • 1567: 456 Geschosspflichtige
  • 1577: 485 Geschosspflichtige, 478 Haushaltungen
  • 1587: 503 Geschosspflichtige (374 Bürger)
  • 1594: 494 Geschosspflichtige
  • 1604: 470 Geschosspflichtige
  • 1607: 470 Geschosspflichtige
  • 1635: 455 Geschosspflichtige
  • 1747: 464 Haushaltungen
  • 1758: 2.551 Einwohner
  • 1788: 2.594 Einwohner
  • 1885: 2660, davon 2508 evangelisch (= 94.29 %), 36 katholisch (= 1.35 %), 12 andere Christen (= 0.45 %), 104 Juden (= 3.91 %)

Diagramme:

Frankenberg (Eder): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1331: Landgrafschaft Hessen, Amt Frankenberg (officium nostrum frankinberg) [zum Umfang s. Mittelpunktfunktion]
  • 1479-1556: Landgrafschaft Hessen, Amt Wolkersdorf
  • 1567-1604: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Frankenberg
  • 1604: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Frankenberg
  • 1623-1648: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Frankenberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Frankenberg
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Frankenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • Um 1240: Stadtgericht im Zuge der Stadtgründung wohl durch Exemption aus dem älteren Gericht Geismar als Gerichtsstand für die Bürgerschaft gebildet
  • Um 1254: coram publico iudicio
  • 1336-1556: existieren zwei Gerichte, eines in der alten und eines in der neuen Stadt. Schultheiß und Stadtschöffen ab 14. Jahrhundert in Ausübung eines Halsgerichts. Oberhof für die Neustadt ist 1336 die Altstadt, Oberhof für das Stadtgerircht Frankenberg ist 1491 die Kanzlei in Marburg
  • 1535: ist das Frankenberger Stadtgericht Oberhof des Amtes Wolkersdorf, 1536 für das Gericht Löhlbach.
  • 1556: Vereinigung der Gerichte in Alt- und Neustadt durch Landgraf Philipp den Großmütigen
  • 1567: Eingliederung des aufgelösten Klosters Georgenberg in das Stadttgericht Frankenberg
  • 1810: Friedensgericht des Kantons Frankenberg
  • 1821: Justizamt Frankenberg
  • 1867: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

Ursprünglich Zent Geismar der Grafschaft Stiffe(-Battenberg) der Graf von Wittgenstein-Battenberg, in deren Mitbesitz das Mainzer Erzstift 1238 gelangt. Bis zur Stadtgründung durch den Landgraf von Thüringen um 1240 Gericht Battenberg des Mainzer Erzstifts, seit 1263 Landgrafschaft Hessen als Lehen des Erzbischof von Mainz. Stadtherr waren seitdem die Landgrafen von Hessen, die jedoch im 14. Jahrhundert einige Verpfändungen vornahmen.

Vertreter der Herrschaft: scultetus (1244), vice scultetus (1298), subscultetus (1340), Amtmann (1346), 2 Amtleute (1382), Rentmeister (1455)

Stadt:

Ältestes Stadtsiegel 1244 angekündigt, 1249 überliefert. Für die Altstadt bildete sich schließlich eine Verwaltung bestehend aus zwölf Schöffen, auch als Ratmannen bezeichnet, heraus, an deren Spitze ein 1281 erstmals erwähnter Bürgermeister stand. 1368 war das Schöffenkolleg auf die Rechtsprechung beschränkt und ein Rat, bestehend aus acht Schöffen und 16 Ratmannen, bildete die städtische Verwaltung. Acht Ratmannen waren jährlich neu zu wählen, acht weitere blieben aus dem vorangegangenen Jahr. An der Spitze des Rates standen zwei Bürgermeister, einer aus den Reihen der Schöffen von den Ratmannen gewählt, der andere aus den Reihen der Ratmannen von den Schöffen gewählt. Die Ratmannen wurden im 15. Jh. ersetzt durch die von der Gemeinde aus ihrer Mitte zu wählenden Vierer. Die Verhältnisse in der Neustadt waren im Vergleich hierzu weniger ausgeprägt: Der Rat bestand nur aus sechs Schöffen, zu denen später zuerkorene Beisitzer aus der Gemeinde gerechnet wurden. An der Spitze des Rates stand ein alljährlich zu wählender Bürgermeister.

Frankenberger Stadtrechtsbuch des Johann Emerich von 1493 (Edition: Wilhelm A. Eckhardt, Frankenberger Stadtrechtsbuch)

Vertreter der Stadtgemeinde: universitas castrensium ac burgensium (1253), magister civium in Vrankenberc (1281),

Gemeindeentwicklung:

Für die Gemeindeentwicklung seit Einführung der hessischen Gebietsreform s. Frankenberg (Eder), Stadtgemeinde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Wichtigste Grundherren in der Stadt waren neben den Landgrafen von Hessen die Klöster Georgenberg und Haina, denen es gelang, ihren Besitz zu vermehren und Einfluss auf die Geschicke der Stadt zu nehmen. Während das Kloster Georgenberg südwestlich vor den Toren der Stadt gelegen war,erhielt Kloster Haina 1269 durch landesherrliche Schenkung einen Stadthof innerhalb der Mauern im Osten an der Heide (in mirica) im Bereich des Hoestocks. Beide Klöster bekamen neben der Förderung durch die Landesherren auch Zuwendungen von Bürgern, Burgmannen und Geistlichen. 1268 schenkten Ludwig von Vers und seine Ehefrau Hildegunde dem Kloster Haina die Hellemühle (= Niedermühle oder Hainaer Mühle).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1291: ecclesia
  • Evangelische Pfarrkirche (Liebfrauenkirche): Dreischiffige kreuzförmige Hallenkirche mit sechs Seitenschiffjochen aus dem 13. und 14. Jahrhundert; am südlichen Querschiffarm Marienkapelle (1370/80)
  • Spitalkirche (Auf der Burg 16): 1513-1515 für den Augustinerinnenkonvent errichteter einschiffiger spätgotischer Bau (1679-1958 reformierte Kirchengemeinde)
  • 1892/93: Erbauung der Katholischen Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt (Wilhelm-Brühl-Weg), Neubau 1956

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

1243 wird nach dem Tod des Pfarrers Ekbert von Geismar die Frankberger Kirche von der in Geismar getrennt. Sie hat keine Filialorte.

Bereits seit Einführung der Reformation bestehen zwei geistliche Stellen, neben dem Pfarrer ein Diakon bzw. Kaplan. Der Lutherischen Pfarr- und Sendkirche wird 1777 Friedrichshausen eingepfarrt. 1871 existieren noch immer 2 Pfarrstellen, die zweite ist bis 1870 mit dem Rektorat der Schule verbunden.

Seit 1662 besteht in Frankenberg neben der lutherischen eine reformierte Gemeinde, die Jahrzehnte später durch hugenottische Glaubensflüchtlinge vergrößert wird. Ab 1817 finden die reformierten Gottesdienste in der Hospitalkirche statt.

1934 werden die lutherischen und reformierten Kirchengemeinden in Frankenberg und Schreufa vereinigt, das eingepfarrte Haubern in die Kirchengemeinde Geismar umgegliedert. 1994 besteht das Kirchspiel Frankenberg neben der Muttergemeinde aus der Filialgemeinde Schreufa und den eingepfarrten Ortsteilen Friedrichshausen und Industriehof.

2018: 5 Pfarrstellen

Die katholische Kirche St. Maria Himmelfahrt wird 1902 zur selbständigen Pfarrkuratie erhoben

Patronat:

ursprünglich Stadtherren, zunächst den thüringischen, dann den hessischen Landgrafen

1246/47 Schenkung an Kloster Georgenberg

1291: Erzbischof Gerhard inkorporierte die Pfarrkirche dem Kloster

1293 wandte sich das Kloster vergeblich gegen den Kleriker Gerlach Goz, 1294 mischte sich der Landgraf ein

1302: übergibt der Landgraf dem Kloster die Verfügungsfreiheit

1392: gibt das Kloster die Kirche zu Gunsten der Johanniter in Wiesenfeld auf

1527: Landgrafen von Hessen

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Ludwig Stipp 1528-1547

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Neben der lutherischen Gemeinde besteht seit 1662 eine reformierte.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Geismar

Juden:

Statistik: 1835: 51; 1861: 58; 1905: 126 Juden; 1932/33 120 (2,50% Gesamtbevölkerung), Zensiten: 26 Provinzial-Rabbinat Marburg

Gesicherte Ersterwähnung 1364, David von Frankenberg wohnhaft zu Marburg. Fragliche Hinweise auf Judenverfolgung im späten 13. und Mitte des 14. Jahrhunderts. 1658 wird ein Jude getauft und einer konfirmiert. Drei jüdische Einwohner 1690; 1751 sieben Schutzjuden im Ort. 1785 umfasst die Gemeinde 30 Seelen. 1788 (Kataster) vier jüdische Familien mit kleiner Synagoge/Judenschule am Pferdemarkt erwähnt. Anstieg der jüdischen Bevölkerung im 19. Jahrhundert. 1824 11 jüdische Familien, 1895 jüdische Gemeinde mit Röddenau zusammen 28 Haushalte mit 93 Seelen. Nach 1933 verließen von den 120 jüdischen Einwohner viele das Land (49 USA, 6 Südamerika, 3 Palästina, 4 England, 2 Holland). 44 Personen verzogen innerhalb Deutschlands; 8 Todesfälle 1933-1939. 1942 Deportation der letzten jüdischen Bewohner (Breitenau, Mauthausen, Sachsenhausen, Ghetto Theresienstadt)

Berufe: Kaufleute, Viehhändler, Schuhmacher, Weißbinder und Ärzte.

Schule: 1823 Gründung israelitischer Privatschule, 1828 Anerkennung als Volksschule. Zunächst in Privaträumen untergebracht, später in der neuen Synagoge. 1906 Schulgebäude in der Hainstraße 31 vor dem Lindentor eröffnet. Schüler: 1872: 16; 1893: 21; 1900: 26

Synagoge: 1788 Erwähnung einer kleinen Synagoge; 1836-1838 wird Synagoge am Scharwinkel 4 gebaut. Während der Reichsprogromnacht wird der Innenraum zerstört, das Gebäude aber nicht in Brand gesteckt wg. umliegender Scheunen. Synagoge, Judenschule und Friedhof nun in städtischen Besitz.

Friedhof: Ende des 18. Jahrhunderts nutzen jüdische Bewohner den Judenfriedhof in Frankenau. 1868 eigener Friedhof für Frankenberg an der Kreuzung Gernshäuser Weg und Waldecker Straße. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Rektor der Stadtschule: Jakob Hörle ca. 1500, Johannes Schröder 1530-1539

Historische Ereignisse:

1372 Neustadt; Stadtbrand 1476

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1372 gehörten zum Amt Frankenberg die Orte des Stadtgerichts sowie die des hessischen Teils des Gerichts Geismar. 1459 wurden auch die Orte des Stadtgerichts Frankenau hinzugerechnet. Nach dem Stadtbrand wurde der Amtssitz 1479 bis 1556 nach Wolkersdorf verlegt. Zum Amt Frankenberg gehörten 1567 neben der Stadt der Hof Rodenbach sowie das ehemalige Kloster Georgenberg. Von 1567-1604 bildete Frankenberg ein Amt der Landgrafschaft Hessen-Marburg, ab 1604 Hessen-Kassels; von 1623-1648 gehörte dieses vorübergehend zu Hessen-Darmstadt, dann wieder zu Hessen-Kassel. Durch die Vereinigung mit dem Amt Wolkersdorf kamen 1604 die Gerichte Röddenau, Geismar und Frankenau hinzu.

Wirtschaft:

Wichtigstes mittelalterliches Gewerbe ist die Tuch- und Wollproduktion. Sie erlangt seit dem 14. Jh. mit ihrer Orientierung auf die Frankfurter Messen überregionale Bedeutung. Frankfurter Kaufleute haben hier neben Fritzlar und Spangenberg einen ihrer Hauptstapelplätze für hessische Wolle. Sie bleibt bis ins 19. Jahrhundert von Bedeutung.

Der seit der Frühen Neuzeit betriebene Bergbau wird vor der Mitte des 19. Jahrhunderts eingestellt.

Haupterwerbszweig und Rückhalt auch für Handwerker und Gewerbetreibende ist und bleibt bis ins 20. Jahrhundert hinein die Landwirtschaft, deren Erträge in den außerhalb der Stadtmauer gelegenen Mühlen weiterverarbeitet wird.

Erwähnenswert ist die Fischzucht, seit dem Ende des 13. Jahrhunderts Anlage von Fischteichen südlich der Stadt.

1889 Niederlassung der Möbelfabrik Thonet im Südwesten der Stadt, 1925 Holzfabrik Schleier & Neuschäfer. Nach dem Zweiten Weltkrieg leder- und textilverarbeitende Industriebetriebe

Mühlen:

Vgl. auch die unter den Siedlungsplätzen genannten Mühlen

Pfeffermühle an der Nemphe im Nordwesten im Bereich der Neustadt, Bremer Straße 2a, 1388 (Peffirmolen), Antrieb zunächst über oberschlächtiges Wasserrad, dann durch Turbine; 1932 Umbau in Wohn- und Geschäftshaus

1788: 16 Mühlen in der Feldgemarkung

Markt:

1371: Wochenmarkt (Samstags), vier Jahrmärkte am Sonntag nach Johann Baptista (24. Juni), sogenannter Ablassmarkt, sowie zu Michaelis (29. September), zu Martini (11. November) sowie zu Petri Stuhlfeier (22. Februar)

1571: 4 Jahrmärkte genehmigt

1616: Viehmarkt, der aber im Krieg eingeht

1788: 11 Märkte

Münze:

Mitte des 13. Jahrhunderts ließ Herzogin Sophie von Brabant in Frankenberg kleine zweiseitige Pfennige schlagen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Frankenberg (Eder), Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1126> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde