Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5916 Hochheim (Main)
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

Breckenheim

Stadtteil
Gemeinde Wiesbaden, Stadt Wiesbaden 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

9,5 km östlich von Wiesbaden

Lage und Verkehrslage:

Siedlung an den südlichen Ausläufern des Vortaunus am Westufer des Klingenbaches. Kirche in zentraler Lage

Ersterwähnung:

950

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3455071, 5549439
UTM: 32 U 455014 5547659
WGS84: 50.07949938° N, 8.371252384° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

414000340

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 632, davon 416 Acker (= 65.82 %), 62 Wiesen (= 9.81 %), 116 Holzungen (= 18.35 %)
  • 1961 (Hektar): 632, davon 114 Wald (= 18.04 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1457: 30 Häuser
  • 1492: 33 Häuser
  • 1592: 43 Häuser
  • 1610: 70 Haushaltungen
  • 1630: 36 Männer, 2 Witwen, 3 Vormundschaften
  • 1637: 3 Haushaltungen
  • 1650: 8 Haushaltungen
  • 1677: 18 Haushaltungen
  • 1721: 61 Haushaltungen
  • 1794: 466 Einwohner
  • 1817: 517 Einwohner
  • 1885: 743, davon 717 evangelisch (= 96.50 %), 15 katholisch (= 2.02 %), 5 andere Christen (= 0.67 %), 6 Juden (= 0.81 %)
  • 1961: 1209, davon 997 evangelisch (= 82.46 %), 194 katholisch (= 16.05 %)

Diagramme:

Breckenheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 950: in pago Kunigessundera vocato in comitatu prefati Gerungi comitis (Königssondergau in der Grafschaft des Grafen Gerung)
  • 1433: Herrschaft Eppstein-Münzenberg
  • 1492: Landgrafschaft Hessen, Herrschaft Eppstein
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Eppstein, Amt Wallau
  • 1803: Nassau-Usingen, Herrschaft Eppstein
  • 1806: Herzogtum Nassau
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden,Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamt Höchst)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Hochheim
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1928: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Wiesbaden

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • 1476: Landgericht Mechtildshausen
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim

Herrschaft:

Die Herrschaft über den Ort gelangte im 12. und 13. Jahrhundert durch die Bündelung gerichts- und grundherrlicher Rechte in die Hände der Herren von Eppstein und ihrer Nachfolger. 1433 erhielt in der Bruderteilung des Hauses Gottfried den Ort. 1457 war er an verschiedene Pfandherren ausgetan. 1488 übertrug Gottfried von Eppstein das Dorf an die Kurpfalz zu Lehen. 1492 verpfändet und verkauft schließlich Gottfried von Eppstein den Ort an Hessen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1. Januar 1977 Eingemeindung in die Stadt Wiesbaden

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 950 schenkt König Otto I. dem Grafen Gerung, Vasallen seines Sohnes Ludolf, sechs Königshufen in Wallau und Breckenheim. Anfang des 13. Jahrhundert haben die Herren von Eppstein an Gottfried von Delkenheim einen Hof, Zinsen und den Wald Forst vergeben. Weitere Lehnvergabungen wurden an eppsteinische Vasallen vorgenommen.
  • 1251 schenkt Erzbischof Christian von Mainz einen Hof und zwei Mansen Wald und Wiesen in Breckenheim an das Domkapitel. 1287 kaufte das Mainzer Mariengradenstift Güter in Breckenheim. Weitere Mainzer Grundherren waren St. Johann und St. Stephan. 1306 sind Güter des Klosters Bleidenstadt überliefert.

Zehntverhältnisse:

1389 verlieht das Domkapitel Mainz den Zehnten.

1592 erhält das Kloster Bleidenstadt den Kornzehnten.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1251: in Brekenheim sita super altare capelle beati Nicolai ecclesie nostre
  • (1280-85): Kirche
  • 1637 wird die Kirche als abgebrannt beschrieben
  • 1719-21: Errichtung bzw. Neuerrichtung der Kirche

Patrozinien:

  • Nikolaus

Pfarrzugehörigkeit:

1310 Errichtung der Pfarrei nach Lösung von der Mutterkirche Wallau

1655 ist Medenbach mit dem zugehörigen Wildsachsen Filial. Abtrennung 1984

Patronat:

1315 haben Siegfried und Gottfried von Eppstein den Kirchsatz von Kloster Bleidenstadt zu Lehen, 1433 ist das Patronatsrecht bei Eppstein-Münzenberg.

1492 verzichtet Gottfried von Eppstein auf das Lehen und der Abt von Bleidenstadt belehnt Landgraf Wilhelm von Hessen.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Stein bis 1558

Breckenheim gehörte zur Herrschaft Eppstein, die seit 1492 Teil der Landgrafschaft Hessen war. Die Einführung der Reformation erfolgte vermutlich in den 1530er Jahren. Moritz der Gelehrte führte um 1620 das reformierte Bekenntnis ein, unter darmstädtischer Herrschaft wurde der Ort 1624 wieder lutherisch.

Nach dem Übergang der Herrschaft Eppstein an Nassau wurde 1818 die Union des lutherischen und reformierten Bekenntnisses zu einer evangelischen Kirche eingeführt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Erzdiözese Mainz, Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Kastel

Juden:

1859 hält die noch bestehende jüdische Gemeinde, zu der auch die jüdischen Einwohner von Langenhain, Medenbach und Wildsachsen gehörten, ihren Gottesdienst in einem angemieteten Betraum.

Kultur

Historische Ereignisse:

Ende 1417 wird der Ort in einrr Fehde zwischen den Herren von Eppstein und den Grafen von Nassau niedergebrannt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Breckenheim, Stadt Wiesbaden“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11160> (Stand: 20.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde