Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Reiskirchen

Ortsteil · 228 m über NN
Gemeinde Reiskirchen, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

9 km westlich von Grünberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriß beiders. der Wieseck. Der ältere Kernbereich der Siedlung zieht sich vom O-Hang einer Bergkuppe als 'Oberdorf' in die Talaue links der Wieseck. Kirche an höchster Stelle am Nordosten-Rand des Oberdorfes. Jüngere und moderne Wohn- und Gewerbeansiedlungen im S, Westen sowie im Norden auf dem rechts Flußufer. -

An der B 49 Gießen - Grünberg im Zuge der alten Handelsstraße (heute Umgehung). Verbindungsstraße nach Winnerod, Hattenrod und Burkhardsfelden. Anschluß an Bundesautobahn 5 Frankfurt - Kassel.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Gießen – Fulda (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1869). Bahnhof 1872 erbaut.

Ersterwähnung:

1238

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1854

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3488170, 5606600
UTM: 32 U 488100 5604797
WGS84: 50.59495351° N, 8.831873851° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531016060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2796, davon 1750 Acker, 387 Wiesen, 658 Wald. 1961 (Hektar): 736, davon 186 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 16 Männer
  • 1577: 33 Hausgesesse
  • 1630: 42 Männer, 3 Witwen, 9 Vormundsch.
  • 1669: 195 Seelen
  • 1742: 2 Geistl./Beamte, 69 Untert., 26 Junge Mannschaften, 8 Beisassen/Juden
  • 1804: 425 Einwohner
  • 1834: 636 Einwohner
  • 1885: 706 Einwohner
  • 1925: 975 Einwohner
  • 1939: 1038 Einwohner
  • 1950: 1602 Einwohner
  • 1961: 1676 Einwohner
  • 1830: 466 evangelische Einwohner, 24 Juden. 1961: 1402 evangelisch, 236 römisch-katholisch Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 195 Land- und Forstwirtsch., 338 Prod. Gewerbe, 173 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 148 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Reiskirchen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1325: in iurisdictione Buchsecke: in villa Reiskirchen (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2 Nr. 326)
  • 1502: Amt Gießen
  • 1508 und später: Gericht Busecker Tal. 1538(?): einzelne Güter gehören zur Vogtei Winnerod
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Ganerbschaft des Busecker Tals (Freiherr von Buseck und Freiherr von Buseck, genannt Brand je zur Hälfte)
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Busecker Tal
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen,Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1823: Landgericht der Freiherrn von Buseck, seit 1827: Landgericht, seit 1879: Amtsgericht Gießen

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Gemeinde s. Reiskirchen, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Reiskirchen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1407 hat Stift Wetzlar eine Gülte zu Reiskirchen im Busecker Tal (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 3 Nr. 651).
  • 1305 schenkt Ritter Gerhard gen. Store von Gießen Kloster Arnsburg jährlich Abgaben von Gütern in Reiskirchen. 1311 verspricht Ritter Giselbert gen. Kric, Schwiegersohn Gerlach Stores, Arnsburg im Besitz der Schenkung Gerhards betr. die Höfe in Reiskirchen und Leihgestern nicht zu behindern. 1315 bekunden Ritter Arnuld von Windhausen und seine Miterben, daß sie wegen der Schenkung des Gerhard gen. Store, von der sie glaubten, daß die betroffenen Güter in den Vogteien Winnerod und Reiskirchen lägen, gegenüber Kloster Arnsburg verzichtet haben. 1318 vermachen Hermann und Gerlach, Brüder der Irmingard, der Witwe des verstorbenen Ritters Kraft gen. Halber de Wuneckin, Kloster Arnsberg Abgaben aus der Vogtei zu Reiskirchen. 1340 verzichtet Ritter Hiltwin von Burkhardsfelden gegenüber Arnsburg auf den Hof in Reiskirchen, gelegen unterhalb der Kirche, der dem verstorbenen Ritter Store gehörte, auf die sog. Steinwiese und auf das Gut... 1354 verkauft Lukardis, Witwe des Ritters Heinrich Kolbendensel, Kloster Arnsburg eine Gülte von 1/2 Hufe Land zu Reiskirchen. Im Streit mit Kloster Arnsburg verzichtet Ritter Sibold von Winthausen 1357 auf ein Gut zu Reiskirchen. 1364 verkauft Ritter Peter von Bellersheim Kloster Arnsburg seine Wiese zu Reiskirchen (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 402, 433, 450, 503, 632, 692, 699, 813,932).
  • 1306 verkaufen Ludwig genannte von Londorf und seine Ehefrau Zise dem Kloster Wirberg einige Güter zu Reiskirchen (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 999f., 1345).
  • Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1489 verkauft Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz zu Reiskirchen (4 Beständer) (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 2 S. 47 f.).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Johannes der Täufer (1352)

Pfarrzugehörigkeit:

1352 vorübergehend mit Burkhardsfelden vereinigt (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2 Nr. 874); sonst keine Beidörfer. Seit 1838 Filiale Burkhardsfelden eingepfarrt.

Patronat:

1226 ist Ulrich von Münzenberg Patronatsherr (Keunecke, Münzenberger, Nr. 268). Streit um den Patronat 1226 (Uhlhorn, Grafen von Solms, S. 58). 1370 war der Patronat im Erbbesitz der von Saasen; 1577: von Windhausen, später von Buseck (bis 1750), dann an deren Erben (Diehl, Hessen-darmstädtisches Pfarrer- und Schulmeisterbuch, S. 269).

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich um 1530.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Johannes Mengel vor 1591

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert Mainzer Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Amöneburg, Sendbezirk Buseck

Juden:

1708 erstmals Juden in Reiskirchen erwähnt, bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhundert nur zwei Familien nachweisbar. Selbständige Religionsgmde. seit 1863. 1830: 24, 1905: 22, 1925: 42 Juden, vornehmlich Kaufleute und Händler. - Synagoge in der Schulstraße 9 um 1886 errichtet. - Als Begräbnisstätte für die Juden aus Reiskirchen diente der jüdische Friedhof in Alten-Buseck.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Reiskirchen, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10435> (Stand: 16.10.2018)
 
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