Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Leihgestern

Stadtteil · 179 m über NN
Gemeinde Linden, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6 km südlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaft-gitterförmigen Straßen und Gassennetz beiderseits eines sich nach Norden weit öffnenden Bachtales. Kirche in zentraler Lage. Moderne Wohnsiedlung vornehmlich im Osten und Süden des Ortes.

Straßen nach Großen-Linden, Watzenborn-Steinberg und Gießen

Ersterwähnung:

802/817

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 802/817
  • Dorf 1343

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1910-1920

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3477252, 5599023
UTM: 32 U 477187 5597223
WGS84: 50.52651645° N, 8.678145337° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531012020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 4547, davon 2827 Acker, 658 Wiesen, 931 Wald
  • 1961 (Hektar): 1125, davon 210 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 46 Männer
  • 1577: 84 Hausgesesse
  • 1630: 16 zweispänn., 32 einspänn. Ackerl., 22 Einläufige, 3 Witwen, 15 Vormundsch. 1677: 98 Hausgeseß, davon 11 freie
  • 1742: 2 Geistl./Beamte, 139 Untert., 49 Junge Mannschaften
  • 1804: 765 Einwohner
  • 1834: 886 Einwohner
  • 1885: 1080 Einwohner
  • 1925: 1727 Einwohner
  • 1939: 1936 Einwohner
  • 1950: 2917 Einwohner
  • 1961: 2815 Einwohner
  • 1830: 997 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner, 1 Mennonit, 46 Juden
  • 1961: 2268 evangelische, 519 römisch-katholische Einwohner
  • 1961: (Erwerbspers.): 271 Land- und Forstwirtsch., 605 Prod. Gewerbe, 235 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 237 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Leihgestern: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 805: Lahngau
  • 1460/70: Gericht Hüttenberg
  • 1502: Amt Gießen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Anteil am Fürstentum Oberhessen), Amt Hüttenberg
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hüttenberg
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

Herrschaft:

1703 wurde durch einen Vertrag mit dem Grafen von Nassau-Saarbrücken die bis dahin bestehende Gemeinschaft des Hüttenbergs aufgehoben, so dass u.a. Allendorf allein der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verblieb.

Gemeindeentwicklung:

1235 ist eine universitas villae in Leihgesteren belegt; 1237 tritt die Pfarrgemeinde parrochiales de Legesteren in einem Rechtsstreit als Körperschaft auf (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1347f.)

Am 1.1.1977 Zusammenschluss mit der Stadt Großen-Linden zur neuen Stadt Linden

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 802/817 überträgt Reginbraht dem Kloster Fulda seine Güter in Leihgestern, und zwar 4 Morgen, 1 Holzmark und eine Wiese zu drei Fuder Heu (vgl. Ziff. 2b).
  • 805 schenkt Wanicho Kloster Lorsch in der Mark Leihgestern und in Holzheim 2 Mansen, 4 Hufen und 9 Hörige. 805 schenkt (der Kleriker) Walthelm dem Kloster seinen Gesamtbesitz in Leihgestern sowie 2 Weinberge in Wisselsheim und 3 Morgen in Holzheim sowie 5 Manzipien. 822 schenkt der (Priester) Suntgis dem Kloster in der Mark Leihgestern eine bebaute Hofstätte und 2 Manzipien. 824/25 schenkt der Kleriker Walthelm dem Kloster im Lahngau in der Mark Leihgestern und in der Wetterau in Holzheim insgesamt 12 Hufen (vgl. Ziff. 2b).
  • Um 1148 bestätigt Papst Eugen III. Kloster Schiffenberg seinen Besitz zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1335).
  • 1277 schenkt der Gießener Burgmann Ritter Walter Schlaun den Chorfrauen zu Schiffenberg, unter welchen sich seine Töchter Adelheid und Guda befinden, seine Güter zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1360). Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1283 wird vor den Richtern des Mainzer Stuhls der Streit zwischen Kloster Altmünster in Mainz und der Witwe des Ritters Milchelingus von Nordeken, Guda, wegen des Besthaupts von den zum Klosterhof in Linden gehörigen Gütern in Leihgestern dahingehend verglichen, dass der Sohn der Witwe, Theodericus, für sich und seine Mutter zugunsten des Kloster verzichtet (Urkunden des Stadtarchivs Mainz Nr. 255). 1290 verkauft der Wetzlarer Bürger Ernst von Nauborn den Kanonikern zu Schiffenberg den fünften Teil einer Gülte zu Leihgestern (Urkunden des Stadtarchivs Mainz Nr. 1375).
  • 1288 verkaufen Ritter Dietrich von Tiefenbach und sein Schwiegersohn Daniel von Elkerhausen dem Deutschen Orden Marburg Güter zu Leihgestern (Urkunden des Stadtarchivs Mainz Nr. 486).
  • 1297 bestätigen die Johanniter von Weisel, Kloster Altenberg und die Eheleute Johann und Elisabeth von Friedberg als Erben des Wetzlarer Bürgers Konrad Reye den Ankauf der Güter zu Leihgestern seitens des Deutschen Ordens in Marburg (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1 Nr. 621). 1301 tauscht Echebertus von Leihgestern seine Güter zu Westhausen gegen Güter des Kloster Altenberg zu Leihgestern. 1303 teilt Kraft, Sohn des Herrn Uden von Wetzlar, seine Güter zu Leihgestern und Mühlheim zwischen seinem Schwiegersohn Eberhard von Hörnsheim und seinen Sohn Hermann gen. Lichtenstein (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 1 Nr. 1395). - 1304 bestimmt Bertha, Witwe des Wetzlarer Bürgers Friedrich Schefer über ihren Nachlass (auswerten! Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1400). 1304 transsumieren die Schöffen von Wetzlar aus dem Testament ihrer Mitbürgerin Bertha, Witwe Friedrich Schefers, das erste, an Kraft Münzer und nach dessen Tod an die Chorfrauen zu Schiffenberg fallende Vermächtnis, die Güter zu Leihgestern betreffen (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1401). - 1305 verzichtet der Geistliche Kraft, Sohn des Wetzlarer Bürgers Hartmut Münzer, zugunsten der Nonnen zu Schiffenberg auf Güter zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1404). - 1307 verpachten die Kanoniker zu Schiffenberg ihren Hof zu Leihgestern auf zwölf Jahre (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1412). 1308 teilen sich die Eheleute Eberhard und Hedwig von Hörnsheim mit dem Deutschen Orden in Marburg die Einkünfte des verstorbenen Kraft Uden aus der Ludenmühle und in Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2 Nr. 141). 1311 verkaufen die Eheleute Eckard und Lukardis Vasolt den Chorfrauen zu Schiffenberg einen Zins von einer Wiese zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1422).1346 verkaufen der Wetzlarer Schöffe Johann Beyer und Heidentrud Lange, geb. Beyer dem Deutschen Orden Marburg ihre Güter zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2 800).
  • 1276 weist Ritter Wigand von Leihgestern gen. Herrechen Kloster Arnsburg eine jährliche Gülte nach seinem Tod an, die von seinen Erben aus dem Hof zu Leihgestern zu bestreiten ist. 1305 schenkt Ritter Gerhard gen. Store Arnsburg seine Güter zu Reiskirchen und Leihgestern. 1310 verpfändet derselbe einen Teil des Zehnten in Leihgestern. 1311 verspricht Ritter Giselbert gen. Kric, Schwiegersohn Gerhard Stores, Arnsburg im Besitz der Schenkung Gerhards betreffend die Höfe in Reiskirchen und Leihgestern nicht zu behindern. 1313 verkauft Elisabeth, Witwe Johanns von Merlau, Kloster Arnsburg ihre Güter in Leihgestern. 1322 verkauft Gerlach, Sohn des verst. Hermann Heimbürger in Großen-Linden Kloster Arnsburg alle seine Güter in Leihgestern. 1323 verkauft Ritter Eckehard Fasolt von Leihgestern dem Gerhard von Linden seine Wiese bei Leihgestern. 1336 verkauf Gerhard von Linden gen. Osse die Wiese Kloster Arnsburg (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 151, 339, 378,402, 417, 550, 561, 671, vgl. ferner Nr. 530).

Zehntverhältnisse:

1332 verpfändet der Ritter Philipp von Bellersheim seinen Anteil am großen und kleinen Zehnten zu Leihgestern (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2 Nr. 572).

Ortsadel:

1163-1364 (Mainzer Urkundenbuch 2, 1 Nr. 276)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

Ursprünglich bei Großen-Linden, hielten die Mönche von Kloster Schiffenberg 1237 dreimal wöchentl. Messen ab. 1258 bei Schiffenberg, seit 1532 bei Großenlinden eingepfarrt.

1574 zur Pfarrei ohne Beidörfer erhoben

Patronat:

Gemeinschaftl. Hessen und Nassau, seit 1703 allein Hessen-Darmstadt, faktisch schon seit 1574 präsentierend.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation: 1532

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Samuel Wollenhaupt von Waldkappel 1574-1599

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Großen-Linden. Archipresbyterat Wetzlar

Juden:

Jüdische Familien um die Mitte des 18. Jahrhundert nachweisbar. 1830: 46, 1905: 29 Juden, vor 1933 vornehmlich als Viehändler, Metzger und Schuhmacher tätig. - Synagoge in der Kreuzgasse. Eigener Friedhof, der 1887 angelegt wurde und links des Steinwegs zwischen Leihgestern und Mühlberg liegt. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Leihgestern, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10372> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde