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Lang-Göns

Ortsteil · 195 m über NN
Gemeinde Langgöns, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

10 km südlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Mehrgliedriges Straßendorf am Südzipfel des Gießener Beckens am Gönsbach gelegen. Kern der älteren Siedlung im Westen um die Kirche. Moderner Siedlungsausbau im 20. Jahrhundert vor allem nach Osten.

Straße Kirch-Göns - Großen-Linden im Zuge der alten Weinstr.

Straßenverbindung nach Hochelheim, Neuhof, Holzheim und Niederkleen im Zuge alter Ldstr. Abfahrt der Bundesautobahn Gießen - Butzbach.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1851, 15.5.1852).

Ersterwähnung:

1233

Weitere Namen:

  • Lang-Göns

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Eine gesicherte Zuordnung der hier bei Lang-Göns aufgeführten frühmittelalterlichen Belege mit dem Grundwort Göns ist mangels Bestimmungswort und ergänzender Zusätze nicht möglich. Vgl. daher auch Ebersgöns (Stadt Butzbach), Kirch-Göns (Stadt Butzbach) und Pohl-Göns (Stadt Butzbach).

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (817)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1875 (Brandkataster), 1923

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3476423, 5595865
UTM: 32 U 476358 5594067
WGS84: 50.49809464° N, 8.666654215° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531009040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 5814, davon 3590 Acker, 454 Wiesen, 1718 Wald
  • 1961 (Hektar): 1500, davon 360 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 80 Männer
  • 1577:148 Hausgesesse
  • 1630: 9 zweispänn., 36 einspänn. Ackerl., 57 Einläufige, 14 Witwen, 25 Vormundsch.
  • 1677: 141 Hausgeseß, davon 11 freie.
  • 1742: 5 Geistl/Beamte, 232 Untert., 40 Jungmannsch., 5 Beisassen/Juden
  • 1804: 1173 Einwohner
  • 1834: 1218 Einwohner
  • 1885: 1446 Einwohner
  • 1925: 1827 Einwohner
  • 1939: 1999 Einwohner
  • 1950: 3013 Einwohner
  • 1961: 3148 Einwohner
  • 1830: 1116 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner, 5 Mennoniten, 30 Juden
  • 1961: 2467 evangelische, 639 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 357 Land- und Forstwirtsch., 700 Prod. Gewerbe, 242 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 222 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Lang-Göns: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 777: Lahngau
  • 1017: Lahngau, Grafschaft des Grafen Gerlach (in pago Logenahi in comitatu Gerlachi comitis Lantswindehusen)
  • 1460/70 und später: Gericht Hüttenberg, das 1502 und später Zubehör des Amtes Gießen ist
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Anteil am Fürstentum Oberhessen), Amt Hüttenberg
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

Herrschaft:

Lang-Göns bildete mit den außerhalb des Bearbeitungsgebiets gelegenen Orten Kirch-, Pohl- und Ebers-Göns eine gemeinsame Mark. 815 gehörte zu ihr außerdem der locus Holzhusen (das heutige Dornholzhausen) (Codex Laureshamensis III Nr. 3073=3728a). 1316 verspricht Philipp von Falkenstein d. J. Landgraf Otto gegen Anweisung von 10 Mark Pfennige jährlich zu Burglehen innerhalb einer Meile von Grünberg od . Gießen, den ihm für ein solches Burglehen verpfändeten Teil an Gerichtsbarkeit und Herrschaft in den Dörfern Pohl-Göns und Lang-Göns zurückzugeben (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 596).

1703 wurde durch einen Vertrag mit dem Grafen von Nassau-Saarbrücken die bis dahin bestehende Gemeinschaft des Hüttenbergs aufgehoben, so dass u.a. Lang-Göns allein der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verblieb.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Gemeinde s. Langgöns, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Lang-Göns.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zwischen 777 und 819 erhält Kloster Lorsch in der Gönser Mark insgesamt zehn Privatschenkungen (Codex LaureshamensisIII Nr. 3072, 3074, 3076-78, 3101, 3137). Auf welchen der vier Göns-Orte (vgl. Ziff. 3a) sich diese Besitznachrichten im einzelnen beziehen, bleibt offen.
  • 1245 schenkt Konrad von Meisenbug Kloster Arnsburg Güter zu Lang-Göns für den Fall, daß sie ohne Leibeserben sterben (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 42). 1252 schenkt der Wetzlarer Scholasticus Magister Rudolf Güter zu Wickstadt, Wüstung Kolnhausen, Albach, Hofgüll und Lang-Göns dem Kloster Arnsburg, wovon Arnsburg dem von Rudolf an der Walpurgiskapelle Wetzlar eingesetzten Priester Siegfried und dessen Nachfolgern eine jährl. Gülte auszuzahlen hat (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1 Nr. 60). 1263 verzichtet M gen. Aureus de Hohenburg gegenüber Arnsburg auf Güter zu Lang-Göns. 1285 schenkt Arnold gen. Kalp Kloster Arnsburg seine Güter zu Lang-Göns (1 Hof, 4 Hufen) (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 1225). 1289 verkauft Mengoz Knibo von Queckborn Kloster Arnsburg seine Güter in Lang-Göns mit der Hälfte des dazugehörigen Hofes. 1291/92 verkaufen Gertrud, Witwe Johanns gen. Güldene von Grünberg, und Ritter Werner von (Lützel-)Linden Arnsburg ihre Güter in Lang-Göns. 1292 verkauft Ritter Werner von Trais seine Güter zu Lang-Göns Kloster Arnsburg. 1293 überträgt Gunter von Cleeberg testamentarisch Arnsburg seinen Besitz. 1295 bietete Arnsburg den Erwerb Gertruds (1291!), nämlich 1 Hufe, dem Werner von Linden und dessen Erben zum Rückkauf innerh. Von 3 Jahren an, danach bleibt der Besitz beim Kloster 1305 verzichtet Albert gen. Mennichin von Lang-Göns zugunsten Arnsburgs auf seine Höfe, Äcker und die Mühle zu Lang-G. 1328 erwirbt Arnsburg eine Gülte von Gütern zu Lang-Göns von Konrad gen. Kuz von Göns. 1330 verkauft Konrad Smid von Lang-Göns Arnsburg 1 1/2 Mo Acker. 1333 verkauft Brandan von Kalsmunt Arnsburg 6 Mo Wald bzw. Busch, gelegen for deme Pale in deme banne von Lang-Göns. 1348 verkaufen die Löw von Steinfurt Arnsburg eine Gülte zu Lang-Göns. 1354 sind die Ritter Kolbendensel von Bellersheim in Lang-Göns begütert. (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 42,97, 200, 221, 236, 241, 246, 248, 269, 338, 540, 613, 646, 745, 753, 820, 1124).
  • 1260 kauft Kloster Haina von der Erbengemeinschaft der von Dernbach, Vetzberg, von Wolfskehlen und von Gießen deren Hufe zu Lang-Göns, die nach dem Tod der Alberad, Witwe Weil. Giselberts von Vetzberg in den Besitz des Kloster übergeht. 1260/65 teilt Mengot gen. Gulden von Homberg den Richtern und Schöffen zu Lang-Göns mit, dem Kloster Haina seine Landsiedelgüter überlassen zu haben. 1274 entsagt Emmerich von Wolfskehlen seiner Ansprüche an Haina wegen Gütern zu Lang-Göns. 1275 entsagen die Gebrüder von Dernbach ihrer Ansprüche. 1283 übergibt Ritter Ludwig von Marburg Güter zu Lang-Göns Haina (Franz, Kloster Haina 1 Nr. 332, 344, 610, 630, 725). 1299 erhält das Kloster von Jutta, der Witwe des Ritter Werner Kolbendensel von Bellersheim, für ihre im Kloster lebende Tochter Iggenhild Einkünfte aus Gütern zu Inheiden und Lang-Göns überwiesen (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1389).
  • Zwischen 1263 und 1444 erhält Kloster Altenberg 8 Schenkungen in Lang-Göns (vgl. Doepner, Altenberg, S. 451f. ).
  • Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1489 verkauft Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz (1 Beständer) zu Lang-Göns (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 2 S. 56 f.).
  • 1272 verpachtet Stift Wetzlar einen Teil seiner Güter in Lang-Göns an den Wetzlarer Bürger Wigand von Schwalbach. 1333 verkauft Ritter Brandan von Kalsmunt 6 Mo Busch oder Wald in deme banne des Dorfes Lang-Göns an Markelin von Kolnhausen bzw. Kloster Arnsburg (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2 Nr. 96, 406).
  • 1268 vermacht Rudolf von Garbenheim Kloster Thron testamentarisch seine Güter in Lang-Göns, die 1310 1 Hufe, 5 Morgen Acker und 1 Morgen Wiese umfassen. 1352 erhält Kloster Tron von Götz Scheffer eine Korngülte und als Unterpfand dafür 4 1/2 Morgen.
  • 1348 hat der Deutsche Orden in Marburg Pachteinkünfte aus Lang-Göns (Braasch-Schwersmann, Deutschordenshaus Marburg, S. 310).

Zehntverhältnisse:

1343 beleiht Landgraf Heinrich Hedwig, die Frau Eberhard Halbirs, mit dessen teil am Zehnten. 1414 gibt Landgraf Ludwig dem Waise von Fauerbach als Mannlehen u.a. 1 1/2 Achtel am Zehnten zu Lang-Göns (Demandt, Regesten Kopiare 1 Nr. 521).

1398 versetzt Thile von Bellersheim Konrad Halber seinen Teil des Zehnten zu Lang-Göns.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Jakobus

Patronat:

1577 von Göns, bis 1594 deren Erben von Rodenhausen (nass. Lehen?), seit 1703 landgräflich

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Gerlach Ebelius 1552(?)-1573

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Pfarrei im Archipresbyterat Wetzlar, Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Erzdiözese Trier

Sendpflichtig nach Großen-Linden

Juden:

Zuzug von Juden im letzten Drittel des 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem dreimal im Jahr in Lang-G. stattfindenden Vieh- und Krämermarkt. - 1830: 30, 1905: 7, 1932/33: 12 Juden, vornehmlich Händler und Gewerbetreibende aber auch verarmte Familien. - Begräbnisplatz für die Juden aus G. war ursprünglich der Friedhof in Großen-Linden, später möglicherweise eigener Friedhof.

Kultur

Schulen:

1570er Jahre Errichtung einer Schule

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lang-Göns, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10301> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde