Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5518 Butzbach
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung

Weitere Informationen

Lang-Göns

Ortsteil · 195 m über NN
Gemeinde Langgöns, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

10 km südlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Mehrgliedriges Straßendorf am Südzipfel des Gießener Beckens am Gönsbach gelegen. Kern der älteren Siedlung im Westen um die Kirche. Moderner Siedlungsausbau im 20. Jahrhundert vor allem nach Osten.

Straße Kirch-Göns - Großen-Linden im Zuge der alten Weinstr.

Straßenverbindung nach Hochelheim, Neuhof, Holzheim und Niederkleen im Zuge alter Ldstr. Abfahrt der Bundesautobahn Gießen - Butzbach.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1851, 15.5.1852).

Ersterwähnung:

1233

Weitere Namen:

  • Lang-Göns

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Eine gesicherte Zuordnung der hier bei Lang-Göns aufgeführten frühmittelalterlichen Belege mit dem Grundwort Göns ist mangels Bestimmungswort und ergänzender Zusätze nicht möglich. Vgl. daher auch Ebersgöns (Stadt Butzbach), Kirch-Göns (Stadt Butzbach) und Pohl-Göns (Stadt Butzbach).

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (817)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1875 (Brandkataster), 1923

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3476423, 5595865
UTM: 32 U 476358 5594067
WGS84: 50.49809464° N, 8.666654215° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531009040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 5814, davon 3590 Acker, 454 Wiesen, 1718 Wald
  • 1961 (Hektar): 1500, davon 360 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 80 Männer
  • 1577:148 Hausgesesse
  • 1630: 9 zweispänn., 36 einspänn. Ackerl., 57 Einläufige, 14 Witwen, 25 Vormundsch.
  • 1677: 141 Hausgeseß, davon 11 freie.
  • 1742: 5 Geistl/Beamte, 232 Untert., 40 Jungmannsch., 5 Beisassen/Juden
  • 1804: 1173 Einwohner
  • 1834: 1218 Einwohner
  • 1885: 1446 Einwohner
  • 1925: 1827 Einwohner
  • 1939: 1999 Einwohner
  • 1950: 3013 Einwohner
  • 1961: 3148 Einwohner
  • 1830: 1116 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner, 5 Mennoniten, 30 Juden
  • 1961: 2467 evangelische, 639 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 357 Land- und Forstwirtsch., 700 Prod. Gewerbe, 242 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 222 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Lang-Göns: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 777: Lahngau
  • 1017: Lahngau, Grafschaft des Grafen Gerlach (in pago Logenahi in comitatu Gerlachi comitis Lantswindehusen)
  • 1460/70 und später: Gericht Hüttenberg, das 1502 und später Zubehör des Amtes Gießen ist
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Anteil am Fürstentum Oberhessen), Amt Hüttenberg
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

Herrschaft:

Lang-Göns bildete mit den außerhalb des Bearbeitungsgebiets gelegenen Orten Kirch-, Pohl- und Ebers-Göns eine gemeinsame Mark. 815 gehörte zu ihr außerdem der locus Holzhusen (das heutige Dornholzhausen) (Codex Laureshamensis III Nr. 3073=3728a). 1316 verspricht Philipp von Falkenstein d. J. Landgraf Otto gegen Anweisung von 10 Mark Pfennige jährlich zu Burglehen innerhalb einer Meile von Grünberg od . Gießen, den ihm für ein solches Burglehen verpfändeten Teil an Gerichtsbarkeit und Herrschaft in den Dörfern Pohl-Göns und Lang-Göns zurückzugeben (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 596).

1703 wurde durch einen Vertrag mit dem Grafen von Nassau-Saarbrücken die bis dahin bestehende Gemeinschaft des Hüttenbergs aufgehoben, so dass u.a. Lang-Göns allein der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verblieb.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Gemeinde s. Langgöns, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Lang-Göns.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zwischen 777 und 819 erhält Kloster Lorsch in der Gönser Mark insgesamt zehn Privatschenkungen (Codex LaureshamensisIII Nr. 3072, 3074, 3076-78, 3101, 3137). Auf welchen der vier Göns-Orte (vgl. Ziff. 3a) sich diese Besitznachrichten im einzelnen beziehen, bleibt offen.
  • 1245 schenkt Konrad von Meisenbug Kloster Arnsburg Güter zu Lang-Göns für den Fall, daß sie ohne Leibeserben sterben (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg, S. 29, Nr. 42). 1252 schenkt der Wetzlarer Scholasticus Magister Rudolf Güter zu Wickstadt, Wüstung Kolnhausen, Albach, Hofgüll und Lang-Göns dem Kloster Arnsburg, wovon Arnsburg dem von Rudolf an der Walpurgiskapelle Wetzlar eingesetzten Priester Siegfried und dessen Nachfolgern eine jährl. Gülte auszuzahlen hat (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1 Nr. 60). 1263 verzichtet M gen. Aureus de Hohenburg gegenüber Arnsburg auf Güter zu Lang-Göns. 1285 schenkt Arnold gen. Kalp Kloster Arnsburg seine Güter zu Lang-Göns (1 Hof, 4 Hufen) (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 1225). 1289 verkauft Mengoz Knibo von Queckborn Kloster Arnsburg seine Güter in Lang-Göns mit der Hälfte des dazugehörigen Hofes. 1291/92 verkaufen Gertrud, Witwe Johanns gen. Güldene von Grünberg, und Ritter Werner von (Lützel-)Linden Arnsburg ihre Güter in Lang-Göns. 1292 verkauft Ritter Werner von Trais seine Güter zu Lang-Göns Kloster Arnsburg. 1293 überträgt Gunter von Cleeberg testamentarisch Arnsburg seinen Besitz. 1295 bietete Arnsburg den Erwerb Gertruds (1291!), nämlich 1 Hufe, dem Werner von Linden und dessen Erben zum Rückkauf innerh. Von 3 Jahren an, danach bleibt der Besitz beim Kloster 1305 verzichtet Albert gen. Mennichin von Lang-Göns zugunsten Arnsburgs auf seine Höfe, Äcker und die Mühle zu Lang-G. 1328 erwirbt Arnsburg eine Gülte von Gütern zu Lang-Göns von Konrad gen. Kuz von Göns. 1330 verkauft Konrad Smid von Lang-Göns Arnsburg 1 1/2 Mo Acker. 1333 verkauft Brandan von Kalsmunt Arnsburg 6 Mo Wald bzw. Busch, gelegen for deme Pale in deme banne von Lang-Göns. 1348 verkaufen die Löw von Steinfurt Arnsburg eine Gülte zu Lang-Göns. 1354 sind die Ritter Kolbendensel von Bellersheim in Lang-Göns begütert. (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 42,97, 200, 221, 236, 241, 246, 248, 269, 338, 540, 613, 646, 745, 753, 820, 1124).
  • 1260 kauft Kloster Haina von der Erbengemeinschaft der von Dernbach, Vetzberg, von Wolfskehlen und von Gießen deren Hufe zu Lang-Göns, die nach dem Tod der Alberad, Witwe Weil. Giselberts von Vetzberg in den Besitz des Kloster übergeht. 1260/65 teilt Mengot gen. Gulden von Homberg den Richtern und Schöffen zu Lang-Göns mit, dem Kloster Haina seine Landsiedelgüter überlassen zu haben. 1274 entsagt Emmerich von Wolfskehlen seiner Ansprüche an Haina wegen Gütern zu Lang-Göns. 1275 entsagen die Gebrüder von Dernbach ihrer Ansprüche. 1283 übergibt Ritter Ludwig von Marburg Güter zu Lang-Göns Haina (Franz, Kloster Haina 1 Nr. 332, 344, 610, 630, 725). 1299 erhält das Kloster von Jutta, der Witwe des Ritter Werner Kolbendensel von Bellersheim, für ihre im Kloster lebende Tochter Iggenhild Einkünfte aus Gütern zu Inheiden und Lang-Göns überwiesen (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 3 Nr. 1389).
  • Zwischen 1263 und 1444 erhält Kloster Altenberg 8 Schenkungen in Lang-Göns (vgl. Doepner, Altenberg, S. 451f. ).
  • Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1489 verkauft Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz (1 Beständer) zu Lang-Göns (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 2 S. 56 f.).
  • 1272 verpachtet Stift Wetzlar einen Teil seiner Güter in Lang-Göns an den Wetzlarer Bürger Wigand von Schwalbach. 1333 verkauft Ritter Brandan von Kalsmunt 6 Mo Busch oder Wald in deme banne des Dorfes Lang-Göns an Markelin von Kolnhausen bzw. Kloster Arnsburg (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 2 Nr. 96, 406).
  • 1268 vermacht Rudolf von Garbenheim Kloster Thron testamentarisch seine Güter in Lang-Göns, die 1310 1 Hufe, 5 Morgen Acker und 1 Morgen Wiese umfassen. 1352 erhält Kloster Tron von Götz Scheffer eine Korngülte und als Unterpfand dafür 4 1/2 Morgen.
  • 1348 hat der Deutsche Orden in Marburg Pachteinkünfte aus Lang-Göns (Braasch-Schwersmann, Deutschordenshaus Marburg, S. 310).

Zehntverhältnisse:

1343 beleiht Landgraf Heinrich Hedwig, die Frau Eberhard Halbirs, mit dessen teil am Zehnten. 1414 gibt Landgraf Ludwig dem Waise von Fauerbach als Mannlehen u.a. 1 1/2 Achtel am Zehnten zu Lang-Göns (Demandt, Regesten Kopiare 1 Nr. 521).

1398 versetzt Thile von Bellersheim Konrad Halber seinen Teil des Zehnten zu Lang-Göns.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Jakobus

Patronat:

1577 von Göns, bis 1594 deren Erben von Rodenhausen (nass. Lehen?), seit 1703 landgräflich

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Gerlach Ebelius 1552(?)-1573

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Pfarrei im Archipresbyterat Wetzlar, Archidiakonat St. Lubentius in Dietkirchen, Erzdiözese Trier

Sendpflichtig nach Großen-Linden

Juden:

Zuzug von Juden im letzten Drittel des 18. Jahrhundert im Zusammenhang mit dem dreimal im Jahr in Lang-G. stattfindenden Vieh- und Krämermarkt. - 1830: 30, 1905: 7, 1932/33: 12 Juden, vornehmlich Händler und Gewerbetreibende aber auch verarmte Familien. - Begräbnisplatz für die Juden aus G. war ursprünglich der Friedhof in Großen-Linden, später möglicherweise eigener Friedhof.

Kultur

Schulen:

1570er Jahre Errichtung einer Schule

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Lang-Göns, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10301> (Stand: 5.4.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde