Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Ettingshausen

Ortsteil · 193 m über NN
Gemeinde Reiskirchen, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5,5 km südwestlich von Grünberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriß auf der Niederterrasse eines flachen Nebentals der Wetter. Hauptsiedlungsachse bildet die isohypsenparallel verlaufende überörtliche Durchgangsstrasse am Nordwest-Rand der Gemarkung Flugplatz, hier ab 1935 Neubaugebiet Flugplatzsiedlung.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Butzbach/West – Grünberg ("Wettertalbahn I") (Inbetriebnahme der Strecke 15.7.1909) bis Stilllegung der Strecke zwischen 1953 und 1961.

Ersterwähnung:

1200/1220

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1920

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3493299, 5602621
UTM: 32 U 493227 5600820
WGS84: 50.55926568° N, 8.904382194° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531016030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3628, davon 1645 Acker, 288 Wiesen, 1587 Wald
  • 1961 (Hektar): 904, davon 307 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 616 Einwohner
  • 1885: 578 Einwohner
  • 1925: 639 Einwohner
  • 1939: 636 Einwohner
  • 1950: 989 Einwohner
  • 1961: 777 Einwohner
  • 1830: 521 evangelische Einwohner, 18 Juden
  • 1961: 643 evangelische, 121 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 146 Land- und Forstwirtsch., 170 Prod. Gewerbe, 45 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 41 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Ettingshausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1357: Gericht Bessingen
  • 1787: Grafschaft Solms-Hohensolms-Lich (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Lich
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Lich (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1822: Landgericht, seit 1879: Amtsgericht Lich, seit 1882: Amtsgericht Laubach

Herrschaft:

1493: Schultheiß zu E. (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 639)

Gemeindeentwicklung:

1.10.1954: Umgemeindung des Wohnplatzes Flugplatz (159 Einw.) von der Gemeinde Hattenrod

Am 1.1.1977 Eingliederung nach Reiskirchen

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1200/1220 besaß das Stift Wetter ein Mannlehen von 1 Hufe in Iterchusen.
  • 1286 bekundet Baldewin, Propst von Kloster Wirberg, daß er die Einkünfte seiner Mühle zu Ettingshausen dem Kloster übertragen hat.
  • 1298 vertauschen die Antoniter zu Grünberg Äcker zu Ettingshausen an die Prämonstratenser zu Wirberg gegen eigene Äcker im Dorf Harbach (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 978, 991). - 1469 verpfändet der Grünberger Schöffe Qwingkuß dem Johann Cappellen von Ingelheim, Pfründner des Antoniterkloster zu Grünberg, seine Anteile am Zehnten zu Ettingshausen, Münster und Oberndorf (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 449).
  • 1489 verkauft Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern seinen Besitz zu Ettingshausen (7 Beständer) (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 2 S. 33 f.).
  • Mitte 14. Jahrhundert hat das Mainzer St. Johannstift in Ettingshausen 2 Höfe und Einkünfte aus weiterem Güterbesitz ebd. (Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3 S. 364).
  • 1305 bekundet Heinrich gen. Scrubo von Ettingshausen, dem Kloster Patershausen seinen Hof zu Klein-Ettingshausen, den er von Heinrich von Sassen erworben hatte, zu einem Seelgerät überlassen hat (Solmser Urkunden 1 Nr. 83).
  • 1528 verkauft Kloster Haina dem Graf Philipp von Solms-Münzenberg für 2000 fl. ihren Hof zu Utphe samt Zinsen zu Ober-Bessingen, Ettingshausen, Gontershausen, Laubach, Trais-Horloff. Bestätigung durch Landgraf Philipp 1529 (Solmser Urkunden 3 Nr. 2654, 2680). - 1540 bekundet Konrad von Trohe, dem Graf von Solms-Münzenberg seinen Hof und seine Güter zu Ettingshausen, die er vom Kloster Patershausen erworben hat, verkauft hat (Solmser Urkunden 3 Nr. 2786).

Zehntverhältnisse:

1338 ist der Zehnte zu Ettingshausen Falkensteiner Lehen (Küther, Marienstift Lich Nr. 34).

Der solmsische Zehnte zu Ettingshausen ist 1594 an den kurmainzischen Rat Dr. Joh. Reinhard Scheffer verpfändet. 1726 belehnen die Grafen von Solms die von Lehrbach mit einem Teil des kleinen Zehnten zu Ettingshausen und mit dem Zehnten zu Hartmannshausen; Neubelehnung 1789 (Solmser Urkunden 4 Nr. 3565, 4614, 4616, 4861).

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

1507 und noch bis 1606: als Filiale bei Münster/Lich eingepfarrt; seitdem Pfarrei, der später Hattenrod zugeteilt wurde.

Patronat:

Patronat seit 1606: Solms-Lich.

Bekenntniswechsel:

Da bis 1606 Filial von Münster, Einführung der Reformation vermutlich in den 1560er Jahren.

Erster eigener evangelischer Pfarrer: Johann Vigelius Hausmann 1612-1618

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Ettingshausen, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10278> (Stand: 16.10.2018)
 
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