Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Allendorf (Lumda)

Stadtteil · 203 m über NN
Gemarkung Allendorf, Gemeinde Allendorf (Lumda), Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

14,5 km nordöstlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit regelhaften Grundrißmerkmalen beiders. der Lumda. Kern der Altstadt rechts der Lumda als regelmäßiges Viereck angelegt mit Straßenzügen in Süd-Nord und West-Ost Richtung mit Kirche am Nord-Rand (Reste der ehem. Stadtmauer erhalten). Moderne Bebauung im Verlauf der überörtlichen Straße nach Westen und Osten sowie links der Lumda nach Süden entlang der Ausfallstr. Straße Climbach - Winnen im Zuge der alten Straße.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Grünberg – Lollar ("Lumdatalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.6.1902) bis zur Stilllegung der Strecke am 26.5.1963.

Ersterwähnung:

780/802

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Älteste Gemarkungskarte:

1747

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3487539, 5615968
UTM: 32 U 487470 5614162
WGS84: 50.6791535° N, 8.822646628° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531001010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 5697, davon 2840 Acker, 827 Wiesen, 1759 Wald
  • 1961 (Hektar): 1420, davon 613 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1629: 152 Bürger, 13 Witwen, 34 Vormünder
  • 1669: 592 Seelen
  • 1742: 5 Geistl./Beamte, 146 Untert., 47 Junge Mannschaften, 13 Beisassen/Juden
  • 1804: 1082 Einwohner
  • 1834: 1144 Einwohner
  • 1885: 1074 Einwohner
  • 1925: 1239 Einwohner
  • 1939: 1455 Einwohner
  • 1950: 2181 Einwohner
  • 1961: 2049 Einwohner
  • 1830: 1035 evangelisch, 2 römisch-katholisch Einwohner, 65 Juden
  • 1895: 968 evangelisch, 10 römisch-katholisch Einwohner, 82 Juden
  • 1961: 1693 evangelisch, 328 römisch-katholisch Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 217 Land- und Forstwirtsch., 474 Prod. Gewerbe, 160 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 134 Dienstleistung(en) U. Sonst

Diagramme:

Allendorf (Lumda): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Vor 1349: landgräfliches Amt (Nordeck-) Allendorf
  • 780/802: Mark Londorf
  • 1500: Gemeinsames Gericht der Schöffen von Allendorf und Nordeck in einem der beiden Orte in besonders schweren Fällen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Allendorf an der Lumda
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Allendorf an der Lumda
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gießen
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Gießen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1821: Landgericht Gießen
  • 1879: Amtsgericht Gießen
  • Amtmann 1349, Rentmeister 1529
  • Stadtgericht 1370. Zuständig für Verfahren umb Schuldt, Schaden und Willkör 1370. Oberhof ist das Stadtgericht Marburg. Schöffen 1370, Schultheiß 1466

Herrschaft:

1323 in Besitz der Landgrafen (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 689a). 1370 befreit Landgraf Heinrich von Hessen Bürger und Stadt Allendorf für 6 Jahre von Bede, Diensten und Schatzung mit der Auflage, in dieser Zeit unter Aufsicht des Marburger Amtmanns oder Rentmeisters 50 Mark Pfennige an ihren Befestigungen zu verbauen (Demandt, Regesten Kopiare 1 Nr. 68). 1371 versetzt Landgraf Heinrich II. Allendorf an Hermann Schutzbar gen. Milchling.

Gemeindeentwicklung:

1370 Stadterhebung wohl in Zusammenhang mit der Amtsitzverlagerung von Nordeck nach Allendorf (Senckenberg, Selecta iuris 3 Nr. 39, S. 618-620)

Ält. Stadtsiegel: Sigillv(M) Opidi Aldi(N)Dorf P(Ro)Pe Lundam 1387 (Ortswappenbuch Nr. 159).

1960 Zuerkennung der Stadtrechte durch Erlass der hessischen Landesregierung.

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Allendorf (Lumda), Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Allendorf (Lumda).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 780/802 schenkt Arnwic Kloster Fulda Besitz zu Allendorf in der Mark Londorf.
  • 1252 überläßt Rupert von Heydersheim gegen eine lebenslange Rente Kloster Arnsburg Güter zu Allendorf und Mühlbach. 1253 wird gen. Übertragung von Burg und Stadt Friedberg bezeugt (Urkundenbuch der Herren von Hanau 1 Nr. 284, 291).
  • 1312 verkaufen der Grünberger Bürger Heinrich von Londorf und seine Angehörigen ihre Güter zu Allertshausen und Allendorf bei Nordeck an die Antoniter zu Grünberg (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 216).
  • Um 1300 schenken der Edle Gumpert und seine Schwestern Kloster Hachborn eine Gülte und 2 Hofstätten mit Güterbesitz zu Allendorf und erhalten sie auf Lebenszeit zurück (Schunder, Die oberhessischen Klöster Nr. 812). Einkünfte des Kloster 1512 und 1527 (Schunder, Die oberhessischen Klöster S. 418 und 421).

Zehntverhältnisse:

1. Hälfte 14. Jahrhundert ist der Zehnte zu Allendorf eppsteinisches Lehen des Ludwig Schenk (Wagner, Die eppsteinschen Lehensverzeichnisse, S. 114 Nr. 9)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1323: selbständige Pfarrei

Patrozinien:

  • Maria; Michael; Heilige Dreifaltigkeit; Ciriacus; Brigitta (Friedhofskapelle, 1454); Heilige Drei Könige (Altar in der Pfarrkirche, 1500)

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1323 bei Winnen eingepfarrt, seitdem selbstständige Pfarrei, zu der auch die in Allendorf ansässigen Einwohner der (Wüstung) Mühlbach eingepfarrt waren. 1323 trennt Landgraf Otto die bisherige Tochterkirche zu Allendorf/Lumda von ihrer Mutterkirche zu Winnen (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 689a).

Eingepfarrt 1900: Klein-, Pirr-, Mager-, Weidenmühle.

Patronat:

Seit Errichtung der Pfarrei landgräflich.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation Ende der 1520er Jahre

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Dietrich Stingel ca. 1540 bis ca. 1546.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606 auf Befehl Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, 1624 mit Beginn der darmstädtischen Herrschaft wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Amöneburg, Sendbezirk Londorf

Juden:

Provinzial-Rabbinat Oberhessen

Ab 1620 sind Juden in Allendorf nachweisbar. 1828/29: 65, 1895: 82, 1905: 86, 1932/33: 61 Juden, nach 1933 wandern viele Juden aus, 1942 wurden 26 Personen aus dem Ort deportiert.

Die dominierenden Berufe waren Vieh-, Getreide- und Manufakturwarenhändler. Eine selbständige Gemeinde bestand seit 1838, die Synagoge wurde 1844 erbaut (Nordecker Straße 5). Der Friedhof lag außerhalb der Stadt.

Kultur

Schulen:

Um 1560 bis 1725: Lateinschule. Seit 1968 Mittelpunktschule.

Schulmeister: Johannes Bang 1576-1579

Historische Ereignisse:

Großbrände 1479 und 1728.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Amt und Gericht Allendorf umfassen 1500 die Stadt Allendorf, (Wüstung) Mühlbach, Allertshausen, Climbach, Totenhausen nur das Amt zudem Nordeck und Winnen. Nordeck mit Winnen und Treis mit Sichtershausen werden 1648 an Hessen-Kassel abgetreten und dem Amt Marburg angegliedert.

Wirtschaft:

1854 wird eine Ziegelei erwähnt.

Markt:

1370 Wochenmarkt

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Allendorf (Lumda), Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10190> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde