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Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

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Stadtallendorf, Sprengstofffabrik der Dynamit AG Nobel (DAG)

Stadtallendorf, Gemeinde Stadtallendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Teil der Gemarkung Stadtallendorf – In der NS-Zeit: Werk Allendorf
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Wirtschaft

Subkategorie:

Zwangsarbeit 

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Die Dynamit Nobel AG war ein großer Gebäudekomplex. Das Oberkommando des Heeres (OKH) errichtete nach Weisung des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) auf einer Fläche von rund 530 Hektar eine Trinitrotoluolfabrik mit Bomben- und Granatfüllstelle im Preußischen Staatsforst Herrenwald ("Werk Allendorf") westlich der Main-Weser-Bahn. Baubeginn des Werkes auf dem DAG-Gelände, das von der Reichsführung in die höchste Dringlichkeitskategorie eingestuft wurde, war das Jahr 1938. [Denkmaltopographie, S. 511]

Die Decknamen, unter deren Namen die Werke errichtet wurden, lauteten: Barbara I und II [Denkmaltopographie Marburg Biedenkopf I, S. 514.]

Beschreibung:

In dem kleinen Ort Allendorf wurde Ende der 1930er Jahr eine der größten Sprengstofffabriken des Dritten Reiches errichtet: die Dynamit AG Nobel, die mehrheitlich zum I.G. Farben Konzern gehörte. Da Allendorf in der hessischen Provinz gelegen war, gingen die Planungen davon aus, dass diese Abgeschiedenheit Schutz vor feindlichen Angriffen auf die Fabriken bieten würde. Der Fabrikkomplex bestand insgesamt aus 413 Gebäuden; 168 wurden für die Produktion genutzt. Die Hauptanlagen befanden sich auf dem Gelände südwestlich des Dorfes, weit außerhalb des Ortskerns. Diese Anlagen wurden Angehörigen des Reichsarbeitsdienst, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern errichtet. Begonnen wurde mit den Baumaßnahmen 1938. Seit Mitte des Jahres 1941 konnte in dem Werk TNT produziert werden. Drei Jahre später stellte die DAG 25% der gesamten deutschen TNT-Produktion her. Um diesen hohen Ausstoß zu erzielen wurden in der Sprengstofffabrik tausende Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Als Unterkunft für sie dienten zahlreiche Lager, die in und um das Dorf und Werk entstanden. 1944 wurden von der DAG Frauen aus dem KZ-Außenlager Münchmühle in der Produktion eingesetzt. Produziert wurde der Sprengstoff für das Oberkommando des Heeres. Um die Produktion zu schützen, wurden in Werksnähe Flakstellungen errrichtet, in denen auch Kriegsgefangene eingesetzt wurden, sowie eine Flakbatterie im Dorf stationiert. Der Ausbau des Schienennetzes sowie des Personen- und Güterbahnhofes, sollte die Leistungsfähigkeit des Produktionsstandortes sichern.

Neben der DAG war in Stadtallendorf auch die WASAG angesiedelt, was das Dorf zu einem der größten und wichtigsten Zentren für die Sprengstoffproduktion im Reich machte.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

1938

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

30.3.1945

Nutzung vor NS-Zeit:

Zuvor war das Gelände ein reines Waldgebiet.

Nutzung nach NS-Zeit:

Einige der Gebäude der DAG wurden nach dem Krieg von der amerikanischen Armee gesprengt. Heute befindet sich auf dem Gelände der DAG ein Produktionswerk des Süßwarenherstellers Ferrero.

Indizes

Orte:

Stadtallendorf

Sachbegriffe:

Konzern · Wirtschaft · Firmenlager · Zwangsarbeit

Nachweise

Kooperationspartner:

Dokumentations- und Informationszentrum Stadtallendorf, Fritz Brinkmann-Frisch

Literatur:

Weblinks:

DIZ-Stadtallendorf

Zitierweise
„Stadtallendorf, Sprengstofffabrik der Dynamit AG Nobel (DAG)“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/322> (Stand: 14.2.2011)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde